Weiter geht's!

Samstag, 27.08.2016

Meine Sommerferien verbringe ich dieses Jahr (2016) in Santiago de Chile. Hier absolviere ich vormittags einen Sprachkurs und nachmittags werde ich auf einer Pferdefarm mit Reittherapie als Volunteer arbeiten. Den gewohnten täglichen Bericht über meinen Monat in Chile findet ihr unter:

 lenechile.auslandsblog.de

 

Im August 2016 habe ich außerdem meinen weltwärts-Freiwilligendienst in La Paz, Bolivien angetreten und möchte euch auch darüber gern berichten. Diesmal leider nicht so regelmäßig könnt ihr unter

lenebolivia.auslandsblog.de

davon lesen.

 

Roma

Dienstag, 19.08.2014

Dienstagmorgen standen wir halb sieben auf. Schnell frühstücken, noch die letzten Sachen zusammen packen und kurz nach acht saßen Chiara, ihr Vater und ich im Auto Richtung Rosarno. Also noch mal das Stück Küstenstraße und die ewig lange Brücke durch die Hügellandschaft Calabriens. Wir parkten vorm Bahnhof und hatten noch eine halbe Stunde zu warten bevor wir in die Hitze auf dem Gleis traten wo bald darauf mein Zug einrollte. Ich verabschiedete mich langwierig von Chiara und saß halb zehn schließlich im Zug der gegen drei in Rom ankam. Ich rannte erst mal ein bisschen orientierungslos über den riesigen Bahnhof bis ich draußen den Flughafenbus fand und den Fahrplan abfotografierte. Jetzt stand meiner kleinen Tour durch Rom nichts mehr im Wege. Ich ging also eine große Straße hügelabwärts und gönnte mir erst mal mein Mittag essen in Form eines riesigen Eis.

Bald machte die große Straße einen Knick und ich wusste, dass ich mich jetzt weiter durch kleine Gassen schlagen muss die auf keinem Stadtplan verzeichnet sind. Also erst mal eine kurze Rast im Schatten auf der Kirchentreppe, dann stürzte ich mich treppauf treppab in das Gassengewirr. Ich hatte eine ungefähre Ahnung wo ich lang musste (Stand der Sonne, Himmelsrichtungen und so) doch auf halbem Wege traf ich ein russisches Paar die sich lautstark unterhielten und fragte sie nach dem Weg. Sie schauten mich etwas irritiert an, weil ich zwar die richtige Umgangsform benutzte und auch die Grammatik einwandfrei war doch der Akzent kam ihnen wahrscheinlich komisch vor und zu allem Überfluss sprach ich auch noch den Namen „Colosseo“ italienisch aus und nicht wir die Russen sagen „Koliseij“. Trotzdem beschlossen sie mir zu helfen und erklärten wort- und gestenreich wie ich denn nun dahin komme. Der abschließende Satz war dann: „Also kurz gesagt du musst einfach da vorne links und dann siehst du´s schon.“ Aber so viel russisches Gelaber drum rum ist natürlich viel schöner!

Trotz meiner jetzt schon müden Schultern erreihte ich also gut gelaunt das „Koliseij“ und stellte mich eine Viertelstunde in die Schlange. Dann lief ich innen eine Runde unten lang, noch eine oben und ging schnell wieder. Draußen suchte ich mir erst mal einen Sitzplatz in der Sonne bevor ich gleich anschließend ins Forum Romano lief. Das war um einiges weitläufiger und interessanter! Bei der Hitze setzte ich mich also einfach auf irgendein Stück antiker Säule unter den nächsten Olivenbaum und entspannte erst mal kurz.

Schließlich verließ ich die alten Trümmerhaufen zur anderen Seite und sah bald den Palast von wo ich mich mit einem Stopp bei Spar bis zum Trevibrunnen vorarbeitete. Dort waren allerdings gerade Renovierungsarbeiten und auch die Schlange war ziemlich lang sodass ich mich hier nicht länger aufhalten wollte und gleich in die nächste Gasse einbog. Ich lief in Richtung spanische Treppe. Allerdings hatte ich mir keinen Plan zurechtgelegt welche Straße nun zu benutzen ist sondern ging wie immer mehr nach der Richtung. So kam es, dass ich auf einmal in einer steilen Gasse war und dann rechts von der großen Kirche oberhalb der spanischen Treppe raus kam. Aber was soll´s, die Perspektive von hier oben ist ja auch nicht schlecht wenn man die ganzen Touris angucken kann die sich in der Hitze die Stufen hoch kämpfen. Die Kirche hier oben war ebenfalls vollkommen von eine Baugerüst verdeckt und ich lief ich links von der Kirche weiter und kam bald an eine Stelle der Straße wo man einen guten Blick über die Stadt hatte. Ich machte es mir auf der Mauer die 10m senkrecht bis zur nächsten Straße abfiel bequem und ließ die Beine baumeln. Genug Platz nach unten war ja.

Jetzt machte ich mich an die Vernichtung des Obstes welches mir Chiaras Mutter mitgeben hatte und verdrückte ein paar Pflaumen und Feigen zur Stärkung bevor ich weiter ging. Bald stand ich auf einer Art großen Terrasse über der Piazza del Popolo uns schaute hinunter auf die große Säule mit den Hyrogliphen (oder so…) drauf und die beiden symmetrischen Kirchen. Auch alle anderen großen Kirchen der Stadt waren gut zu erkennen und es war wirklich ein schöner Anblick. Da ich langsam des Laufens müde wurde setzte ich mich gegen halb sieben ein bisschen in den Park hinter besagter Terrasse. An einem Baum gelehnt nahm ich ein kleines Abendbrot aus Saft und Keksen zu mir und war wieder bereit für den bestieg über die vielen gewundenen Treppen zur Piazza. Durch kleinere Straßen mit ein paar Umwegen und Schlenkern an unwichtigeren Kirchen und Plätzen vorbei erreichte ich schließlich das Panteon. Auf dem Platz vor dieser Kirche stand ein Springbrunnen und ich setzte mich zu der bereits beträchtlichen Anzahl von Menschen auf die Stufen und genoss meine letzten Feigen währen eine kleine Band auf dem Platz spielte. Irgendwann kam ein Mann in den Vierzigern auf mich zu und begann auf Englisch mit starkem italienschem Akzent über diese Jammermusik zu scherzen. Er fragte wo ich herkomme und wo ich in Italien schon gewesen sei (meine Tour ist je jetzt inzwischen schon ganz beachtlich) und wir kamen gut ins Gespräch. Um neun trieb mich dann jedoch ein sehr sehr dringendes Bedürfnis um und ich verabschiedete mich und machte mich auf die Suche nach dem nächsten McDonalds. Der war dank der verwirrenden Ausschilderung gar nicht so einfach zu finden aber schließlich fragte ich mich durch und fand bald darauf Erlösung. Nach meinem Geschäft setzte ich mich und musste enttäuscht feststellen, dass hier das Wifi nicht funktionierte.

Also kein Grund zu bleiben und weiter geht´s. Ich hatte bei meinem schnellen Lauf ein bisschen die Orientierung verloren und irrte jetzt da ich wieder unverschwommen sah erst etwas herum bis ich wieder auf die Piazza del Popolo kam Inzwischen war es total dunkel geworden und ich setzte mich zu den anderen Touristen auf den Rand einer der vier Springbrunnen rund um die Säule. Hier fiel mir jetzt noch ein Wurstbrötchen zum Opfern und Unterhaltung beim Abendessen bekam ich durch ein paar Japaner die leuchtende Bälle in die Luft schnipsen die ein in der hier verkaufte. Sie freuten sich wie die kleinen Kinder und rannten diesen Dingern unermüdlich hinterher.

Schließlich erklomm ich wieder die Stufen und stand auf meiner altbekannten Terrasse. Jetzt im Dunkeln mit den angeleuchteten Kuppeln sah die Stadt fast noch schöner aus. Ich setzte mich auf das Geländer und schaute ein bisschen und lauschte den zwei Jungs neben mir die Irländisch sprachen. Wirklich eine seltsame Sprache…

Dann war ich bald wieder in dem Park und suchte mir einen bequemen Baum dessen Wurzeln quasi einen Sessel bildeten. Hier las ich im Schein einer Laterne ein wenig und schließlich setzte ich meine Kopfhörer auf und ruhte ein wenig aus. Schlafen konnte ich dann doch nicht aber das macht ja nichts. Dafür lief ich dann weder zu der Mauer auf der ich am frühen Abend gesessen hatte und begann erneut zu lesen. Irgendwann legte ich mich hin (natürlich näher zu dem Rand wo man nur einen halben Meter auf den Boden fallen kann und nicht 10m bis auf die nächste Straße) und versuchte auf meinem Arm liegen ein bisschen weg zu dösen. Das gelang mir nicht wirklich. Also beschloss ich ein bisschen auf und ab zu gehen. Mit ca. 15kg auf dem Buckel macht das aber wenig Spaß sodass ich bald zurück kehrte, meine angewärmte Stelle auf der Mauer suchte und mich wieder hinsetzte um erneut zu lesen, Rom an zu schauen und gegen drei schließlich anzufangen Blog zu schreiben Wieder hatte ich jetzt en Bedürfnis und suchte mir in besagtem Park eine stille uneinsehbare Ecke. Jetzt fühlte ich mich wieder in der Lage etwas aufs Papier also bzw. die Tastatur zu bringen und suchte mir eine Bank oberhalb der Piazza del Popole. Hier rechnete ich auch zu dieser späten Stunde noch mit Touristen und hatte recht. Da fühlt man sich doch gleich ein bisschen weniger nervös.

Inzwischen war es ja schon lange Mittwoch geworden und halb vier saß ich immer noch mit meinem Laptop auf dem Schoß auf der Terrasse und schaute hinunter auf den Platz um kurz darauf ein Armband zu flechten, noch was zu essen, Musik zu hören und einfach alles zu machen um bis zum Sonnenaufgang wach zu bleiben.

Diese Aufgabe wurde mir aber bald abgenommen. Oder zum mindestens um einiges vereinfacht. Mich sprach nämlich, kaum hatte ich den PC ausgemacht ein Mann an. Ein pechschwarzer aus Nigeria, Anfang vierzig. Er sprach richtig gutes Englisch und war relativ gebildet. Es machte wirklich Spaß sich mit ihm zu unterhalten – über andere Länder, andere Sitten, die ganzen Touristen, Rom, die Vorliebe von Italienern für Sex in der Öffentlichkeit. Davon wäre ich während des Gesprächs auch selber fast Zeugin geworden, zum Glück bemerkte uns das Paar rechtzeitig und verzog sich in eine andere Ecke des Parks.

Wir redeten bis halb sechs, als langsam der Himmel heller wurde musste er heim um noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen und setzte mich auf die Treppe eines Denkmals nahe der spanischen Treppe direkt neben ein Polizeiauto. Damit mich keiner weg fängt. Sehr nett.

Ich hielt es dort aber nicht lange aus und ging noch ein mal die spanische Treppe wieder hinauf, durch die Gärten, vorbei an meiner “Nachtbank“ und stieg am anderen Ende an der Piazza del Popolo die Treppe runter- Das hier ist – wie ihr schon gemerkt habt – bis jetzt mein Lieblingsplatz in Rom. Jetzt machte ich mich auf den Weg zum Tiber und ging am Ufer entlang bis zu dem Schloss der Engel wo ich eine Runde durch den Burggraben ging und schließlich zum Vatikan abbog. Ich kämpfte mich die lange lange Straße bis zur Peterkirche hinter und setzte mich erst mal auf eine Säule des Säulenganges. Und als ich dann da gerade so saß und mein frühstück verzehrte und Blog schrieb wusste ich auch woran mich die Peterkirche erinnert – an die Kazanskiy-Kathedrale also die größte in Sankt Petersburg. Ich bin mir fast sicher, dass die Kuppelform und die langen gebogenen Säulengängen zu beiden Seiten hier abgeguckt wurden…

Kurz nach acht kamen dann die ersten Touristenherden und ich raffte mich doch auf weiter zu gehen. Alle wichtigen Ziele waren abgearbeitet also lief ich mehr oder weniger planlos durch die Straßen außerhalb des Zentrums. Aber auch hier ist es recht schön und mit meiner inzwischen doch ganz schön nervigen Last fand ich oft Parks oder Bushaltestellen (der Bus auf den ich wartete kam zwar nicht aber man konnte den Rucksack abstellen) zum Ausruhen. Gegen neun lief ich an einem kleinen Ökocafe vorbei und kaufte mir erst mal mein Frühstück und ging mit allen mir zur Verfügung stehenden elektronischen Geräten ins Wifi. Die Welt hatte mich schon vermisst so blieb ich eine knappe Stunde und versicherte erst mall rund um, dass ich noch lebe.

Dann lief ich zur nächsten Metro (auch diese verdient den Namen eigentlich nicht…) und fuhr zum Hauptbahnhof. Ich schlenderte auch hier ein bisschen rum, dass machte aber bei der Hitze keinen großen Spaß. Schließlich musste ich auch schon bald in den Bus zum Flughafen steigen. Die Fahrt habe ich gleich verschlafen und auf dem Flughafen hielt ich mich dann auch nur mit lesen wach. Schließlich begab ich mich auf die Suche nach meinem Schalter und Gate. Nur blöd, dass das nirgendwo dran stand. Ich rannte also von einer Frau zur nächsten bis mir endlich der Weg zur Information gewiesen wurde wo sie in ihrem Computer doch tatsächlich den tollen Hinweis fand: „Sie müssen da hinten links durch die Sicherheitskontrolle und dann schauen sie da mal welches Gate.“ Na super.

Ich resignierte also und ging durch die Sicherheitskontrolle. Mein Gepäck kam ohne weiteres durch nur ich musste drei Mal wieder umdrehen, noch ein Armband ablegen, auch noch die Ohrringe und dann kam ich endlich ohne Piepsen durch den Scanner.

Hier hinten stand wenigstens schon mal dran Gate D, aber welcher von den 10 Eingängen auch nicht. Ich kämpfte mich also durch die Menschenmenge und sah auf jeden Bildschirm bis ich schließlich einen fand wo tatsächlich Berlin drauf stand und so war sogar noch fast die erste in der Reihe.

Im Flugzeug hatte ich den Platz ganz innen, neben mir eine Italienerin mit ihrem Sohn die in Berlin wohnen. Die Frau sprach allerdings kein Deutsch und so versuchten wir uns ein bisschen auf Italienisch zu verständigen. Meine Italienischkenntnisse reichen inzwischen sie zu verstehen und durch aneinanderfügen mehrerer Wörter kann ich sogar so etwas wie Sätze (über Grammatik reden wir hier natürlich nicht) bilden. Das klingt dann z. B. so: „Also ich Deutsche. Familie alle wohnen in Deutschland. Nur ich ein Jahr in Sankt Petersburg. Weil ich lerne. In der Schule. Deswegen spreche ich Russisch.“ Eigentlich also ausreichend verständlich. Weiter ging es mit der Bewertung der italiensichen Städte: „Venezia bella.“, „Milano noooo! Nooooo!“ „Roma bella. Tutto bello.“ „É Calabria bella. Mare belissima!“… So viel dazu. Aber wir verstanden uns. Und ich bin – vielleicht ungerechtfertigt aber trotzdem – recht stolz auf meine Italienischkenntnisse nach drei Wochen hören und nie sprechen.

Irgendwann waren wir dann heil in Berlin gelandet und mein Italienurlaub war wirklich vorbei. Ich fuhr dann zu meiner Volunteer aus Sankt Petersburg die gerade in Berlin studiert und übernachtete bei ihr. Jetzt habe ich gerade Paul der letzts Jahr in Südrussland war aus dem Bett geklingelt und werde heute mit ihm einem NachwuchsAFSer der bald nach Vyborg geht ein bisschen Angst machen. Und dann mal wieder auf ein Dach, dass hatte ich Paul ja auch beigebracht… Also ihr merkt – an Mangel von AFSatmosphäre werde ich trotzdem nicht vergehen! ;)

Das Ende naht

Sonntag, 10.08.2014

10.8.14

Sonntag ist natürlich Familientag. Deswegen waren wir heute nicht am Strand sondern Chiaras Mutter hat gekocht und zum Mittag kamen die Großeltern sowie Tante, Onkel und Chiaras kleine Cousine zu uns hoch. Wir aßen lange, fünf Gänge und im Anschluss stellte Chiara noch en Rätsel welches wir bei AFS mal hatten. Alle Erwachsenen zerbrachen sich den Kopf und auch wenn ich nicht viel verstand war es wirklich lustig mit anzusehen. Am Ende hat die Tante die Lösung gefunden und laut jubelnd auf und ab gesprungen.

Danach spielten Chiara, ihre Schwester, der Vater, der Onkel und ich noch lange verschiedene Kartenspiele. Wir starteten mit dem russischen Spiel „Durak“, dann lernte ich noch die ital. Variante vom schwarzen Kater und ein paar andere schnelle Spiele.

Am späten Abend sind wir dann noch mal an den Strand gefahren und haben Sterne geguckt. Es war wunderschön und ich habe doch tatsächlich eine Sternschuppe erwischt. Anschließend gingen wir auf die Dachterrasse und entdeckten noch ein paar.

 

11.8.14

Am Montagmorgen ging es dann wieder wie gewohnt morgens zum Strand, zum Mittag zurück und als die größte Hitze vorbei war saßen wir gegen vier wieder unter unserem Schirm. Nach einer Stunde planschen saß ich mit Chiara auf den Liegen als ihr Onkel uns zum Spielen aufforderte. Ich war mit ihm in einem Team und wir spielten gegen Chiara und ihren Vater als es darum ging mit je zwei Stahlkugeln so nah wie möglich an einen kleinen Holzball zu kommen. Mit was für einem Ehrgeiz man(n) da rangehen kann…

 

12.8.14

Am Dienstagmorgen fuhren wir wie gewöhnlich zum Strand. Nur etwas wärmer bekleidet und einige Stunden eher. Wir schauten den Sonnenaufgang an und hörten die Messe, begleitet von Klavierspiel und einem kleinen Chor. Dann legte ich mich in ein Handtuch gewickelt unter den Schirm und die anderen gingen spazieren. Als ich aufwachte war noch immer weit und breit niemand zu sehen, also ging ich alleine ins Wasser und bald darauf kam Chiara auch schon angeschwommen.

Ansonsten war es ab dem Mittagessen ein sehr nachdenklicher Tag, bestimmt von unserem Versuch noch mal das ganze Jahr an uns vorbeiziehen zu lassen. Was sich natürlich als ziemlich unmöglich rausstellte. Es sind einfach zu viele herzzerreißend schöne, furchtbar traurige, radikal ungewöhnliche und unfassbar einzigartige Dinge passiert. Die Zeit im größten Land der Erde mit dem Menschen mit dem größten Herzen zählt eindeutig zu den schönsten Teilen meines Lebens. Ich kann das Gefühl nicht wirklich erklären welches mich gerade überfällt (die

Austauschschüler unter euch Lesern verstehen mich auch so, ihr anderen braucht einfach ein bisschen Phantasie) - eine Mischung aus Trauer, Melancholie und Vorfreude auf alles was noch kommt. Denn nach vorn schauen hat man in diesem Jahr allemal gelernt! So lagen wir bald zusammen auf Chiaras Bett und hörten auf mit den Tagträumen bevor es wie gewohnt nachmittags zum Strand ging.

 

13.8.14

Früh am Strand sind wir gleich einen reichlichen Kilometer geschwommen, immer parallel der Küste, von einer Schirmplantage zur nächsten. Bei dem Wellengang ist man danach ganz schön erschöpft aber es hat trotzdem Spaß gemacht.

Dann schnappten wir uns die Luftmatratze von irgendeinem Cousin fünften Grades und paddelten ein bisschen draußen and en Bojen herum. Natürlich kamen gleich Chiaras Schwester mit ihren Freunden und nach einer Viertelstunde waren wir so genervt, dass wir die Matratze abgegeben haben.

Wir trieben immer noch faul im Wasser als eine andere Cousine Kam. Sie ist in unserem Alter und versuchte mit ihren sehr mangelhaften Englischkenntnissen eine Konversation mit mir. Niedlich war es auf jeden Fall.

Nach dem Mittagessen fingen wir an Teig vorzubereiten. Biskuitböden wurden gebacken, wieder zerbröselt und mit dem Rest der Zutaten vermischt.

Danach fuhren wir wieder zum Strand und Chiara und ihre Mutter machten mit ein paar andren Frauen Yoga.

Nach dem Abendessen gingen wir alle außer Chiaras Mutter aufs Dach und hielten Ausschau nach Sternschnuppen. Ich sah drei, eine davon war so lang und riesig, dass wir sie alle sehen konnten. Beeindruckend…

 

14.8.13

Morgens vollendeten wir unser Werk – russische “Kartoshkas“ also kleine Teigklumpen in Kakao gewälzt bis sie aussehen wie Kartoffeln. Dann fuhren wir zum Strand wo heute eigentlich der alljährige Backwettbewerb stattfinden sollte. Diesmal hatten sch allerdings nur 4 Leute gemeldet und so aßen schließlich nur die Bäcker und deren Familien von dem Backwerk. Aber nach einer mündlichen Umfrage wären unsere Kartoffeln der Sieger gewesen. Die waren aber auch echt verdammt lecker!

 

15.8.14

Heute fuhren wir nicht zum Strand, stattdessen hieß es das Haus zu putzen. Im ersten Stock war renoviert wurden und nun war es an Chiara, ihrer Mutter, der Tante und mir die Treppe zu kehren, zu wischen, das Geländer auf allen drei Etagen zu putzen und weiter die Wohnung im ersten Stock zu kehren.

Zu diesem Zweck platzierten wir erst mal Chiaras Handy auf dem Treppenabsatz, sodass das ganze haus mit russischer Musik beschallt wurde. Schon lässt es sich leichter arbeiten…

Mittags kamen dann die Verwandten mit gegrolltem Fleisch hoch. Mit den Großeltern, Tante, Onkel und Chiaras kleiner Cousine saßen wir also wieder endlos lange und schlemmten uns von Gang zu Gang.

Abends fuhren wir in eine kleine Stadt oben in den Bergen. Hier gab es eine alte Festung und eine Kirche. Wir trafen noch Chiaras Tante und gingen alle zusammen Eis im Brötchen essen.

 

16.8.14

Wie gewohnt fuhren wir zum Strand, nahmen aber zum Mittagessen noch eine Freundin von Chiaras Schwester (auch irgendeine fernere Verwandte) mit. Sie schien ganz nett und spielte auch Gitarre. So saßen wir vier Mädels dann irgendwann wieder auf der Terrasse und die Gitarre wurde weiter gereicht.

Kurz darauf gab es Mittag und das aufgewärmten Steak von gestern wurde serviert. Zuerst aß o. g. Mädchen. Und hörte gleich wieder auf. Denn ihr kroch eine Made aus dem Fleisch entgegen. Na Prost Mahlzeit!

Ich habe dann auch lieber was anderes gegessen…

Nachmittags fuhren wir zurück zum Strand und ich genoss noch mal in vollen Zügen die Wärme, das Meer und Chiaras Gesellschaft.

Calabrien im Schnelldurchlauf

Mittwoch, 06.08.2014

Mittwochs waren wir über Mittag allein zuhause. Wie immer konnte man bei der Hitze nur faul auf seinem Bett rum liegen. Dann raffte sich Chiara auf und zog ihre "Babuschka" auch mit hoch bevor sie mir in der Küche Tee kochte und auch noch frisches Brot mit Käse und Feigenmarmelade servierte. Frisch gestärkt setzten wir uns auf ihr bett und spielten Gitarre bis wir nicht mehr konnten und nichts mehr wussten.

Bald darauf ging es wieder zum Strand und nach der ersten Stunde baden saßen wir zum Trocknen da und sahen wie die anderen Kinder am Strand eine Murmelbahn in den Sand bauten. Wir gingen hin und halfen, als dieses Meisterwerk fast beendet war und nur noch Detailarbeiten anstanden wurde es mir allerdings zu langweilig. Also nervte ich Chiara ein bisschen bis sie aufstand und wir anfingen uns mit Sand zu bewerfen (dank dem schallenden Lachen nebenher war uns auch die Aufmerksamkeit des halben Strands sicher) bevor wir immer noch lachend ins die Wellen sprangen. Kaum wieder draußen gingen wir zurück zur Murmelbahn. Daneben in dem kleinen Restaurant wurde gerade ein Kindergeburtstag gefeiert und die kleinen Kinder hatten "Schwänze" aus Absperrband in ihren Hosen stecken die sie sich gegenseitig versuchten zu klauen. Von einem der unmotivierteren Kinder bekamen wir eines dieser Bänder, dann noch eins und nun kämpften auch die großen Kinder. Ein Mädchen bewies sich als wahres Naturtalent und machte einen nach dem anderen kalt. Als letztes war ich an der Reihe. Wir standen uns an dem steil abfallenden Strand gegenüber und als wir gerade angefangen hatten uns umeinander rum zu schleichen meinte das Mädchen so geht das nicht und wir tauschten schnell die Seiten damit ich unterhalb von ihr stand und wir einigermaßen auf Augenhöhe waren. Kurz darauf lagen wir so und so im Sand und sie gaunerte mir mein Band ab.

Kurz darauf kam noch ein kleines Mädchen zu mir die ihren narren an mir gefressen hatte ud machte mir gestenreich klar, dass ich noch Sand in den Haaren hatte. So süß...

 

Der Donnerstag begann dann schlechter. Chiara fühlte sich nicht gut und rannte aller paar Minuten aufs Klo. Schließlich beschloss sie einfach nichts mehr zu essen und legte sich mit einer Wärmflasche aufs Bett. Wir beschlossen also, dass heute Keiner an den Strand geht und lagen mehr oder weniger nur dumm rum. Ein gutes hatte das aber - wir bekamen endlich das Wifipasswort von den Verwandten aus dem Erdgeschoss und ich konnte so mal wieder von mir hören lassen.

 

Freitag ging es Chiara zum Glück besser und wir fuhren wie immer früh an den Strand. Chiara schwamm noch nicht wieder also drehte ich allein meine Kreise  zwischen den Bojen und dann saßen wir auf unseren Liegen bevor es zum Mittag heim ging. Die Pasta war mal wieder übel gut und danach gab es gebratene Auberginen gefüllt mit weichgekochtem Brot-Käsematsch in Tomatensauce. Richtig lecker! Danach wie immer Feigen und langsam werde ich richtig schnell im Schälen.

Dann fuhren wir wieder zum Strand und schauten gegen sechs beim Volleyballturnier zu. Zwei Mannschaften waren richtig gut, die anderen vier dafür umso unterhaltsamer da sie sich nur ungehalten Kommandos zubrüllten, sich übereinander lustig machten und lautstark anfeuerten. Heute fuhren wir allerdings schon früher nach hause und zogen uns gut an bevor wir mit den Großeltern zusammen in ein abgelegenes Bergdorf fuhren. Hier hatten Verwandte von Chiara ein riesiges neues Haus gebaut, nebenan stand noch das aus der Zeit der napoleonischen Kriege samt Steinofen und hundert Jahre alter Uromi. Die ungefähr fünfzig Verwandten – also der engere Kreis – begrüßten sich und ich wurde reihum vorgestellt. Ein Mann kam aus Südtirol und machte wie Viele nur den Sommer über Urlaub hier. Er sprach also Deutsch und man setzte uns gleich gegenüber hin. So unterhielten wir uns den ganzen Abend. Als wir schließlich wieder heim fuhren war es schon gegen eins und die vier Gänge samt Eistorte lagen ganz schön schwer im Magen. Wir Kinder legten uns gleich schlafen während Chiaras Mutter ihren Vater abholte der jetzt auch endlich wieder Urlaub hatte. Die Feier heute war übrigens nur, weil der Bruder des Großvaters in Rente gegangen ist. Zu Geburtstagen o. ä. wird das alles noch ausschweifender.

 

Samstagmorgen ging es nach dem Frühstück zwar wieder an den Strand allerdings wollte Chiara noch nicht wieder schwimmen sodass ich alleine meine Runden zog. Nach einer Stunde saß ich mit Chiara draußen und grub sie bis zur Hüfte in den Sand ein Was gar nicht so einfach war da sie im Schneidersitz saß... Wir redeten über Gott und die Welt und so verging die Zeit zum Mittagessen recht schnell.

Auch das zweite Mal Strand lief ähnlich. Allerdings vergaßen wir eine der Taschen am Strand da Chiaras Mutter die nicht an unseren Schirm sondern den ihrer Schwester gehangen hatte. So standen wir recht blöd im Treppenhaus. Alle fingen n sich gegenseitig zu beschuldigen und stritten. Irgendwann ging der Opa den Untermieter fragen der tatsächlich einen Schlüssel für unsere Tür hatte. Die Stimmung war aber natürlich im Eimer.

Sonnenaufgang, Meer, Messe, Feigen, Olivenbäume...italienischer geht´s kaum

Dienstag, 05.08.2014

Dienstagmorgen standen wir unerhört früh auf. Mit Chiara ging ich zum nahen Strand. Wir wollten gerade durch die Unterführung als wir sahen, dass da ein Gulli übergelaufen war. Durch Exkremente waten musste dann doch nicht sein und der bestialische Gestank ließ uns schnell einen Umweg über die Bahnlinie nehmen. Kurz nach Beginn der Predigt am Strand kamen wir an. Ungefähr 30 Gemeindemitglieder darunter Chiaras Mutter, Tante und Opa hatten sich bereits eingefunden und saßen auf ihren Handtüchern am Boden, auf mitgebrachten Plastikstühlen oder den umgedrehten Fischerbooten.

In dem diffusen Licht hielt der Priester mit den zwei Messdienern (oder wie auch immer die auf Deutsch heißen) seine Predigt während wir de Sonne über dem Meer aufgehen sahen. Glutrot und riesengroß wanderte sie langsam höher und ließ den Himmel in orange, rosa, violett und blau erstrahlen. Wunderschön…

Gleich nach Ende der Predigt nachdem sich jeder ein Stück Brot abgeholt hatte und sich die Hände gereicht gingen wir zu der Gelateria und kauften mit Chiaras Tante für jeden ein frisches Crossaint was wir kurz darauf auf der Terrasse der Großeltern verdrückten. Auch der Rest der Familie wachte langsam auf und wenn man schon mal so früh auf den Beinen ist beschlossen Chiara, ihr Bruder und ich mit dem Opa Feigen pflücken zu gehen. Nach zehn Minuten im Auto kamen wir vor einem Zaun und einem Tor an einem steppenartig trockenen Berghang an. Her standen auf einer Fläche so groß wie zwei Fußballfelder verstreut Olivenbäume, Feigenbäume und Kakteen an denen auch Feigen wuchsen. Wir gingen mit einem 10l Eimer hinter dem Opa her der jeden Baum und jeden Grashalm hier kennt, seine halbe Kindheit auf diesem hang verbracht hat und alles auf Dialekt bereitwillig erklärte.

Als wir am unteren Ende des Grundstückes angekommen waren hatte man einen tollen Blick über unser Dorf bis hin zum Meer. Doch in der Stille des Morgens fühlte man sich irgendwie ganz weit weg von dem allen.

Schließlich fuhren wir mit einem vollen Eimer wieder zurück und waren gegen neun daheim. Zur gewohnten Zeit brachen wir zum Strand auf nur fühlten wir uns heute irgendwie als wäre schon der halbe Tag vergangen so viel wie wir geschafft hatten.

Einfach mal faul sein

Sonntag, 03.08.2014

Mittwochmorgen fuhren wir nach dem gewohnten Frühstück zum gewohnten Strand mit den unzähligen Verwandten. Aufgrund der Hitze stürzten ich und Chiara und gleich wieder mit Anlauf und Kopfsprung ins Wasser und kühlten erst mal eine Stunde aus. Dann ging es fürs Mittag wieder heim, danach faulenzten wir, Chiara lernte den Stoff der elften Klasse nach und wir spielten Gitarre und sangen Russisch. Nachmittag ging´s dann wieder zum Strand und abends zu einem langwierigen Abendessen nach hause. Danach wollte Shushana noch unbedingt mit uns skypen.

Wir verzogen uns also mit dem Laptop ins Wohnzimmer der Großeltern eine Etage unter uns. Hier ist das Wifi das wir von der Verwandten im ersten Stock „klauen“ besser und so kriegten wir eine relativ gute Verbindung. Eine knappe Stunde redeten wir über Gott und die Welt und ca. nach der Hälfte wurde uns sogar noch eine calabresische Spezialität gebracht – Eis in einem runden aufgeschnittenen Brötchen. Also du hast im Prinzip die kreisförmige Unterseite, darauf zwei Sorten Eis gepackt und obendrauf sitzt dann die Oberhälfte die wie ein kleiner Teighügel aussieht. Total lecker und auch noch praktisch zu essen. Da wurde Shushana schon neidisch…

Gegen elf machten wir dann Schluss und ließen sie schlafen. Auch uns sah man die Erleichterung an, dass wir das hinter uns gebracht hatten. Gerade beim Verabschieden kam Chiaras Vater rein und verabschiedete sich auch da er erst mal zurück nach Mailand musste. Und ich durfte nach einem weiteren schönen Tag erschöpft ins Bett fallen.

 

Der Donnerstag lief im Großen und Ganzen genauso ab, nur dass uns jetzt Chiaras Mutter um einiges nervöser als ihr Vater zum Strand fährt. Die fahren und parken hier nämlich wirklich wie die Bekloppten. In der freien Zeit nach dem Mittag schrieben Chiara und ich den 4 neunen AFSern für Sankt Petersburg und Vyborg eine Mail. Wir hatten ihre Adressen gestern von Shushana bekommen und mussten uns jetzt gleich mal nützlich machen. Und wieder ein Mal wurde uns klar, wie gern wir an deren Stelle in ein paar Wochen in Moskau stehen wöllten...

 

Freitags quälte ich mich wie immer um kurz nach acht aus dem Bett damit wir halb neun die ersten am Strand sein konnten. Bei dem  herrlichen Wetter bei scheinbar immer guten Wetter lässt es sich auf seiner Liege unter dem Sonnenschirm oder im Wasser echt gut entspannen und rumfloskeln. Gerade weil uns ja niemand versteht.

Heute gab es zum Mittag einen teil der 16kg Wassermelone aus dem garten. Quasi Chiaras Bruder als Melone. Wenn man vom Gewicht ausgeht zum mindestens. Und bei der Gelegenheit lernte ich gleich mal einen belebten Zeitvertreib – mit dem Messer in die abgegessenen Melonenschalen schnitzen. Man hat ja sonst nix zu tun…

Abends gingen wir dann noch in der Gelateria gegenüber eines dieser Eisbrötchen essen. Bei so viel Auswahl an Eissorten wird einem wirklich ganz schwindelig.

 

Auch Samstag brachte keine nennenswerten Veränderungen doch Sonntag der als wöchentlicher Feiertag gilt und mit besonderem Essen begangen wird lernte ich wie man Pasta macht. Vom Teig über das zu Rollen formen, dann Stückchen abschneiden und die erst über das Messer abrollen und dann von da aus auf den Finger stülpen bis sie die typische Form erhalten. Kinderleicht oder?

Unser Machwerk schmeckte mit frischem Pesto sogar richtig gut und die verbliebene Zeit nach dem Essen nutze Chiara dann um mir eine Strähne mit der russischen Flagge in die Haare zu flechten bevor es wieder zum Strand ging.

 

 

italienische Definition von Familie

Dienstag, 29.07.2014

Nach dem ersten Abend mit Chiaras Familie standen wir Dienstag gegen acht auf. Das Frühstück ist ungewöhnlich unfamiliär. Es steht einfach Brot, ein Glas Marmelade und Müsli auf dem Tisch und jeder kommt und geht wie er will und nimmt sich was. Chiara saß zum Glück noch am Tisch als ich mich aus dem bett gequält hatte und so war ich nicht ganz alleine. Sie kochte mir sogar "Chai". So fängt der Tag doch gut an.

Dann fuhren wir bald 5km zu einem Strand hinter einem kleinen Pinienwald. Hier parkten wir und gingen dann auf das kleine Restaurant und die vielen Schirme zu.  Chiara wurde gleich überschwänglich begrüßt und versuchte mir all die Familienmitglieder zu erklären. Die Restaurantbetreiber (Mutter und sechs erwachsene Kinder) deren Urgroßvater der Bruder von Chiaras Ururgroßvater gewesen war waren da erst der Anfang. Sie erklärte mir, dass diese Seite des kleinen Weges eigentlich nur von Verwandten besetzt wird. zu Erklärung - auf dieser Seite stehen so um die dreißig Schirme mit je einer Familie drunter. Die nächsten Verwandten der Familie sind alle in den Norden ausgewandert, im Sommer finden sich aber alle hier ein da viele wie Chiaras Familie sowieso noch ein Haus hier unten rum stehen haben. So ging die Freude auch bald weiter und mir wurden die am wenigsten weit entfernten Verwandten vorgestellt. Ihr Opa war der Bruder von Chiaras Uropa. Das geht ja noch. Im Laufe der dreieinhalb Wochen sollte nämlich auch Chiara noch feststellen, dass selbst die ungeliebtesten Angeber hier am Strand über ein paar viele Ecken mit ihr Verwandt waren. Aber wenn ich sie heute gefragt hatte meinte sie einfach immer, dass wenn man lange genug sucht hier alle Verwandt sind. Denn an diesem Strand gibt es außer mir keine Ausländer und alle kommen ursprünglich aus einem Dorf. Die Familie der großväterlichen Seite kommt übrigens aus einem anderen Dorf und die sind dann noch mal doppelt so viele.

Chiara und ich gingen dann erst mal baden während ihre  Mutter sich von einem Schirm zum nächsten vorarbeitete und mit den Dutzenden Verwandten sprach die sie auch alle beim Namen kannte. Das Schwimmen konnte man dafür wirklich genießen. Das Wasser ist selbst draußen bei der Boje noch so klar, dass man ohne Probleme den Boden sieht und auch warm genug, dass wir ungefähr eine Stunde drin blieben. Dann duschen gehen und in der brutal warmen Sonne trocknen.

Gegen zwölf fuhren wir heim und alle Kinder deckten schnell den Tisch während die Mutter Pasta kochte. Im zweiten Gang gab es Rühreier mit Tomate und roter Zwiebel, danach wieder Feigen und die besten Pfirsiche die ich je gegessen habe sowie Quitten, Weintrauben und noch mehr was ja hier alles im Garten hinter dem Haus wächst.

Nach dem Mittag fuhren Chiara udn ich mit ihrem Vater Wasser holen. Bewaffnet mit zwei Einkaufskisten voll leerer Flaschen und 5 großen Glasflaschen (10l) fuhren wir eine kurvige Straße hoch in die nahen Berge. Wer noch nie in Italien war - Ausßer ganz im Norden um Mailand findet man hier eigentlich keine flache Stelle. Vom Strand aus sieht man immer die Berge und man ist eigneltich die ganze Zeit nur am steil hoch und runter kurven.

An der Quelle angekommen hatte man einen wunderschönen Ausblick und nachdem wir alle Behältnisse gefüllt hatten fand Chiaras Vater noch einen Brombeerstrauch. Wir schlugen uns also noch ein wenig die Bäuche voll, tranken Wasser aus der Quelle hinterher und fuhren zurück nach hause wo wir unsere Beute in die dritte Etage schleppen durften.

Kurz vor fünf fuhren wir dann wieder zum Strand und gingen sofort ins Wasser. Um acht ging es wieder nach hause und es gab ein gewohnt leckeres ausschweifendes Abendessen im Schein des roten Mondes.

vom wegfahren und heim kommen

Montag, 28.07.2014

"Traveling, discovering, get to know - this is like a drug. Once you did you need it, feel bad if you haven´t got, it changes you and you can just never stop again.", um mal zu zitieren was ich mir nach dem Genuss einiger (flüssiger, farbloser) russischer Spezialitäten so von der Seele rede. Aber wenn man AFSer war/bleibt kommt man sogar recht einfach an seine "Droge".

Und weil das alles so gut klappt, sich alle lieb haben und jeder gemeinsame Erfahrungen und Träume teilt bin ich jetzt gerade mal ein paar Wochen in Italien. Quasi als Spätfolge meines Auslandsjahres. Zuerst mit den Eltern 2 Wochen nach Ligurien, die wollen mich ja auch mal wieder sehen, und anschließend mit Chiara ein mal quer durch Italien. Wenn ihr euch jetzt wundert was das in einem Blog über ein Auslandsjahr zu suchen hat - ganz einfach: durch den intensiven Kontakt mit den AFSern, das fast tägliche stundenlange Russisch sprechen, schreiben und lauschen, das Entdecken neuer Orte, alte Gewohnheiten und das Kennenlernen neuer Menschen was auch nach dem Rückflug nicht aufhört fühlt man sich immer noch halb im Auslandsjahr. Oder doch zum mindest nicht wieder ganz normal "zuhause" so wie vorher. Mal schauen ob das jemals wieder so wird... Naja wie heißt es immer so schön - Lifechanging experiences eben! Denn auch wenn das vielleicht klischeehaft klingt, das Einzige was sich über jede/n Austauschschüler/in sagen lässt, egal wie sein/ihr Jahr war, es war prägend, hat dich verändert. Und auch wenn man das während des Jahrs natürlich schon merkt – zurück kommen zu all den Leuten die dich von früher kennen das ist noch mal eine ganz andere Nummer! (Wie gut, dass man dann einfach wieder abhauen kann. ;) ) Und da gerade diese Leute mich immer wieder fragen ob´s noch mal was zu lesen gibt und ich es auch einfach nicht lassen kann nehme ich euch jetzt noch mal mit auf einen kleinen Kulturschock in Italien...

 

13.-24. Juli 2014

Mit dem Auto, meinen Eltern und meiner besten Freundin die selber ein Jahr in den USA war ging es nach Italien, in ein kleines Bergdrof in Ligurien mit ungefähr 3 Bewohnern aber mindestens 5 mal so vielen leerstehenden Häusern und unzähligen Olivenbäumen. Wir besichtigten Monaco, San Remo, Imperia, Genua und noch ein paar andere größere und kleinere Städte. Doch trotz Streifzüge durch kleine Gassen und den paar Kommunikationsversuchen mit der fast zahnlosen Omi von nebenan fühlte man sich doch nur als Tourist. Ich denke jeder von euch weiß was ich meine...

25. Juli 2014

Halbwegs vorgebräunt und mit guter Laune ging es Freitagabend nach Magenta, einer kleinen alten Stadt 20km von Mailand. Hier fanden wir ohne Probleme Chiaras Haus und wir beiden durften uns erst mal belächeln lassen als wir in unbändiger Widersehensfreude aufeinander zu rannten und erst mal fünf Minuten einander umarmten. Dann gab es natürlich Weißbrot und Salz, man will ja schön russisch bleiben. Nach den ersten drei seltsamen russischen Sätzen (seltsam weil viel zu deutsche Betonung und komischer Akzent) waren wir auch schon wieder drinne und plapperten wie immer ohne Pause drauf los.

Nachdem alle ihre Zimmer bezogen hatten gab es ein gebührendes italienisches Abendessen. Mit Pasta, Weißbrot, Salat, Käse und Eis. Aus dem Stockwerk unter uns kam eine Studentin die mit ERASMUS ein halbes Jahr in Deutschland gewesen war und meine Eltern waren ganz froh, dass sie endlich mal wieder verstanden worum es ging. Auch wenn sie sich inzwischen wphl an die Geschwindigkeit und Unbekümmertheit mit der wir Russisch sprechen gewöhnt haben.

Dann gingen wir bald schlafen und mit meiner deutschen besten Freunden in dem Bett auf der einen Seite und der "russischen" besten Freunden auf der Anderen war ich einfach nur glücklich.

26. Juli 2014

Früh am Morgen brachen wir Richtung Mailand auf. Nach unzähligen Kreisverkehren (welche die Italiener zu lieben scheinen) waren wir schließlich an einem Parkplatz angekommen und stiegen in die Metro da im Zentrum von Mailand Autos verboten sind. Die Metro hier ist ein Witz! Aber was soll´s, wir kamen trotzdem ans Ziel und stiegen unmittelbar vor dem Dom aus. Mit seiner hellen filigranen Fassade ist der wirklich ein Hingucker. Weiter ging es durch ein paar kleine Straßen, am Theater vorbei und schließlich zu einem alten Kloster. Kurz darauf erreichten wir das Schloss des alten Adelsgeschlechts aus Zeiten in denen Italien noch in Dutzende Königreiche aufgeteilt gewesen war mit einem herrlichen Park dahinter. Jetzt noch vorbei an einigen neuen EXPOgebäuden und dann stiegen wir wieder in die Metro und hatten es geschafft. Mailand ist eine Riesenstadt, es gibt schöne Ecken aber die Atmosphäre ist nicht wirklich italienisch. Trotzdem hat sich´s gelohnt.

27. Juli 2014

Der Wecker riss uns viel zu früh aus dem Schlaf und nach einem schnellen Frühstück mit Espresso und "Chai" und was es eben noch so braucht wenn Russland auf Italien auf Deutschland trifft ging es los nach Venedig. Zwei Stunden später kamen wir auf einem Parkplatz auf der Festlandseite an und saßen kurz darauf in einem Boot Richtung Venedig. Und die Stadt ist wirklich einzigartig! Auch wenn ich ehrlich gesagt gedacht hätte es sind noch mehr Kanäle sind die Anzahl der Gondeln, die alten Häuser und heruntergekommenen Paläste, die engen Gassen und vielen Brücken doch beeindruckend. Wir besichtigten die wichtigsten Kirchen, Brücken und drückten uns sonst einfach in ein paar der kleineren Gassen herum. Doch wohin man ging fanden sich auf jedem außergewöhnlichen Quadratmeter auch ca. dreieinhalb Touristen. Von Atmosphäre kann hier also auch nicht wirklich die Rede sein... Aber ich glaube trotzdem, dass ich wiederkomme. Venezia hat einfach seinen ganz eigenen einzigartigen Reiz.

(Fotos gibt´s hier: http://1year-usa.jimdo.com/italien/)

28. Juli 2014

An diesem Montagmorgen waren meine ersten zwei sehr touristenmäßigen Urlaubswochen Italien vorbei. Mit dem Auto wurden Chiara und ich noch bis zur nächsten Metrostation gebracht, dann verabschiedeten wir uns rings rum und mit einem riesigen Rucksack auf dem Rücken und genug Essen im Gepäck ging es Richtung Mailänder Zentrum.

Auch wenn wir soweit weg von unserem zuhause waren fühlten wir uns doch wieder ein klein bisschen zurückversetzt nach Piter. Wieder mal zu zweit allein Metro fahren, wieder mal eine Sprache sprechen die keiner der Passanten versteht. Und wieder mal auf einen Zug warten der mich ins Ungewisse bringt. Denn genau das taten wir wenig später auf dem Hauptbahnhof. Nach einer halben Stunde kam unser Schnellzug und über Firenze und Rom ging es bis nach Neapel. Hier, in der Stadt der Diebe, warteten wir wieder eine knappe Stunde bevor wir uns auf den Weg zu unserem Gleis machten. Auf beiden Seiten des Gleises standen identisch aussehende Züge, deswegen wunderte ich mich nicht als Chiara den Rechten nahm. Allerdings schon gewundert habe ich mich dann als ein Ehepaar auf unseren Plätzen saß. Wir glichen die Tickets ab, die beiden älteren Herrschaften waren schon ganz besorgt, bis zufällig das Wort "Milan" fiel. "Der Zug fährt nach Mailand?!", fragte Chiara ganz aufgeregt. Und eine halbe Minute später standen wir wieder draußen auf dem Gleis. Glück gehabt. Also doch der Zug auf der anderen Seite. Und siehe da, da waren unsere Platznummern auch unbelegt und bald fuhr der Zug ab.

Sozusagen an der Oberseite des Stiefels fuhren wir immer mit den Meer im Blick bis Rosarno, dort holten uns Chiaras Vater und ihre Schwester ab und wir fuhren über die einzige Straße (oder viel mehr 40km lange Brücke) die den Norden Kalabriens mit dem Süden verbindet an die Fußsohle. Hier noch eine holprige Küstenstraße entlang und endlich kamen wir am späten Abend in Ardore Marina an.

Empfangen wurden wir von Chiaras Mutter und dem kleinen sechsjährigen Bruder samt einer ordentlichen Mahlzeit. Die besteht hier - woran ich mich noch schnell genug gewöhnen sollte - aus drei Gängen. Zu allererst Gemüse, gebraten, gekocht oder einfach roh. Danach zum Beispiel Käse frisch abgesäbelt vom Stück und zum Schluss Obst. Weißbrot liegt dabei immer in der Mitte des Tisches, wird aber nicht etwa unter dem Käse gegessen sondern eher zum Teller abwischen genommen. Nach dieser ersten sehr leckeren Erfahrung bei der ich auch gelernt habe wie man am effektivsten die frisch geernteten Feigen schält (Übrigens total lecker wer noch nie frische Feigen gegessen hat…) wollte ich nur noch ins Bett. Was allerdings ein Problem darstellte. Noch eine Erkenntnis zu italienischen Häusern - die Räume sind großzügig geschnitten, hell und hoch. Aber...wenig! So hatten wir hier nebst einer gigantischen Terrasse (oder eigentlich ja Balkon) eine große Wohnküche, zwei Bäder aber nur zwei Schlafzimmer. Eins für die Eltern, eins für uns nun mehr vier Kinder. Hier gab es ein Doppelstockbett, ein normales und seit heute auch ein echt cooles Teil, quasi ein Schrank mit Bett oben drauf. Allerdings lag da noch keine Matratze. Also überließ mir Chiaras Schwester ihr Bett und ging auf der Luftmatratze auf der Terrasse schlafen. Problem gelöst. Und nachdem ich auch alle überzeugt hatte, dass das Bett sogar bei meiner Größe nicht zu kurz ist konnte ich endlich schlafen.

Hier noch der Blick on der Terrasse aufs Meer, rechts die Kirche und den Hauptplatz des Dorfes. Und natürlich auf die unfertigen selbstgebauten Häuser.

Zuhause abgereist und daheim angekommen

Samstag, 28.06.2014

Freitag wachten wir früh auf. Der letzte Rest wurde zusammengepackt, ein schnelles Frühstück runter geschlungen und dann saßen wir bald mit sagenhaften 7 Gepäckstücken in Iras Auto und fuhren in Rekordgeschwindigkiet (noch ohne Stau...) in die Stadt. Ira parkte im Halteverbot vom dem Moskauer Bahnhof und genau wie am ersten tag warf ich einen sehnsüchtigen Blick die Hauptstraße hinunter. Jetzt musste ich auch noch die letzte Pitererin verabschieden. Die Stimmung war dementsprechend bescheiden.

Jeder mit seinen drei vier Taschen beladen kraxelten wir dann ein letztes Mal die Treppen unter den altehrwürdigen Deckengemälden hoch und runter und steuerten in der Bahnhofshalle auf die riesige Büste Piter des Großen zu. Das brauch man uns als Treffpunkt gar nicht mehr extra mit zu teilen. Als uns dann auf den letzten Metern Thena in Hippiehose entgegen gerannt kam und alles abnahm was irgendwie ging stieg die Laune auf dem kurzen Weg zu Natascha (AFSlehrerin) und Thenas riesigem pinken Koffer schon wieder um einiges. Shushana kam natürlich zu spät also machten wir uns schon mal auf den Weg zu unserem Zug. Als unser elektronisches Ticket akzeptiert, die Koffer verstaut und die riesigen Schlafsessel belegt waren gingen wir drei wieder raus aufs Gleis wo sich inzwischen auch Shushana eingefunden hatte. Eine letztes große Umarmungsrunde und bald saßen wir im Zug und ließen bei 200km/h Piter und de russischen Weiten an uns vorbei ziehen.

Irgendwann saßen wir dann zu dritt auf zwei der breiten Sessel und hätte ich nicht links und rechts von mir Thena und Chiara gehab hätte ich garantiert angefangen zu heulen und zu fluchen. Um elf waren wir dann in Moskau und Marina empfing uns samt Oma und Onkel auf dem Bahnhof. Mit unserem ganzen Gepäck beladen suchten wir rund um die zwei Hauptbahnhöfe unsere AFSgruppe. Aber da standen sie schon auf dem Bürgersteig, 30 Leute aus dem Uralgebiet. Nicht zu übersehen und vor allen dingen zu überhören. Bei der allseits freudigen Begrüßung war die schlechte Laune schon wieder verflogen und bald saß ich neben Katja aus Hessen mit der ich mich in Piter ganz gut angefreundet hatte im Bus zum Hotel.

Wir warteten in der Lobby wo immer mehr AFSer eintrafen und bald nachdem mir Merret um den Hals gefallen war bezogen wir zusammen unser Zimmer im 17ten Stock. Schlumperhosen an, Hausschuhe und zurück ging´s in die Lobby. Hier hatten wir schon alle Sofas und Sessel in Beschlag genommen und nach Länder geteilt wurde rumgesessen und gequatscht. Irgendwann gingen Merret und ich mit ein paar Deutschen hoch in unser Zimmer – schwerer Fehler, denn wir verpassten natürlich prompt den Aufbruch zum Roten Platz. Hinterher heiß es! Und dank Merret die ja jedes Wochenende in Moskau gewesen war kamen Bella, Katja, Lennart und ich auch heil an. Das Moskauer Stadtzentrum ist recht klein und der Teil der davon historisch und hübsch ist noch kleiner und so wusste sogar ich schon den Weg durch den Park hinterm Kreml. Wir sahen den Wachwechsel und waren kurz darauf auf dem Roten Platz wo wir, wie nicht anders zu erwarten war, prompt in ein paar AFSer rein liefen. Die wollten zwar schon nach hause, deuteten uns aber die Richtung wo dder Rest war. Und als wir endlich auf dem höchsten Punkt des Platzes standen und den besagten Rest erblickten erblickten die gerade Thor aus Island. Es begann ein chaotisches aufeinander zu Gerenne und umarme. Thor war nämlich auch AFSer allerdings nach unserer kleinen Saufexkapade während deren Camp in Piter von diesem letzten Camp ausgeschlossen worden und nun mit seinen Eltern in Moskau. Das konnten wir natürlich nicht einfach so hin nehmen, deswegen das Treffen hier.

So schlenderten bald zwei Dutzend AFSer die beste Einkaufsstraße Moskaus entlang. Der Großteil wollte zu Starbucks, wir spalteten uns ab und so saß ich bald mit Bent, Bella, Katja aus Hessen, Lennart und Olivia aus den USA (der ich beim Füllen ihrer Gedächtnislücken während derer sie mich vollgekotzt hatte half) in einem Diner. Unsere letzten Rubel waren also umgesetzt und wir gingen zurück zur Metro. Allerdings nicht ohne dass Bent auf die Idee kam wildfremde Leute die ich für ihn aussuchte nach einer tröstenden Umarmung zu fragen, weil er Russland verlassen musste. Und als wir dann endlich an der Metro waren konnte er seinen schlecht imitierten sächsischen Akzent auch nicht an sich halten und kassierte noch eine letzte Ohrfeige dafür. An Traditionen soll man ja fest halten und wenn wir damit sogar noch zur Belustigung der Anderen beitrugen…

Zurück im Hotel gab es bald Abendbrot und das Buffet war der Hammer. Am “deustchen Tisch“ war die Stimmung ausgelassen und man konnte den nahenden Tag noch einigermaßen verdrängen. Nach dem Essen saßen alle in der Lobby. Flaggen wurden signiert, in Bücher und auf T-Shirts geschrieben, ständig kam jemand zu dir der dich noch mal umarmen wollte. Chiara bat mich auf der Gitarre zu spielen und mit einer Hand voll AFSer und einer Betreuerin brachten die AFSsongs wieder die gewohnte Melancholie.

Gegen Mitternacht wurde es ernst. Die Italiener wurden gebeten ihr Gepäck zu holen und 30 der verbliebenen 120 AFSern drohte also der Moment vor dem sich jeder Austauschschüler am meisten fürchtet. Zwischen all den hoch emotionalen Menschen (Man kann Italienern ja nachsagen was man will aber…) fing auch ich an zu heulen wie ein Schlosshund und da die Betreuer weiser Weise schon eine Stunde vor Abfahrt angekündigt hatten konnte man sich von allen verabschieden. Ich umarmte, tröstete Leute mit denen ich noch nie mehr als drei Worte gewechselt hatte, das Foyer das nur noch ein Chaos von Taschen und Koffern war wurde von Dutzenden weinenden Jugendlichen gefüllt. Irgendwann hatten wir uns etwas beruhigt und Thena, Marina, Chiara und ich saßen auf eiern Bank, an meiner anderen Seite wechselten sich Paul der mehr gekommen war um mich zu trösten und Luigi der alleine mit drei Italienerinnen in der Stadt gewesen war und untern Schluchzern nur immer wieder hervorbrachte: „Ich kann das nicht, ich bin zu jung für so was!“ ab.

Das unrauszögerbare geschah natürlich und der Bus stand bereit. Alle Taschen wurden eingeladen, eine letzte Gruppenumarmung unseres Komitees und dann saß Chiara mit all den anderen Menschen die mir alle weniger oder viel mehr bedeuten auf der einen Seite des Fensters und wir standen auf der anderen. Mit Marina, Thena und Paul standen wir heulend aber auch tanzend und gestikulierend vor dem Fenster und ließen unsere Freunde keine Sekunde aus den Augen. Dann setzte der Bus auf dem winzigen Parkplatz zum wenden in 86 Zügen an und mit Marina, Thena und einem Mädchen aus Ungarn stand ich auf der Treppe vor der Eingangstür und tanzte, machte Laolawellen und dachte gar nicht an meine eiskalten gefühlslosen Füße oder mein regennasses T-Shirt. Dann war der Bus endgültig weg und wir rannten zurück ins Warme.

Die Stimmung war am Boden. Mit ein paar der wichtigsten Leute saß ich auf einem Sofa. Alle Essensvorräte wurden aus den Zimmern geholt, man unterhielt sich leise. Nach ein paar Stunden brach die nächste gemischte Gruppe auf, darunter auch Thena. Wir warteten auch mit ihr auf den Bus, diesmal war es aber schon um einiges ruhiger, wenn auch nicht weniger traurig. Wieder tanzten wir im Regen bis nur noch die Rücklichter zu sehen waren.

Dann gab es schon bald Frühstück und mit den ganzen frischen Säften, verschiedenem Brot, Kuchen, Obst und warmen Speisen, dazu natürlich “Chai“, stieg die Laune wieder ein wenig. Paul verriet mir, dass er unserem Hobby nachgegangen war und den Zugang zum Dach entdeckt hatte. So ein 25stöcker am Moskauer Zentrumsrand reizt natürlich schon! Also standen wir bald im Fahrstuhl und kurz darauf vor der Tür auf halber Treppe. Die war natürlich zugeschlossen und Paul war schon fast daran vorbei geklettert als die Putzfrau kam. Ich schaffte es noch eine Treppe runter zu rennen und wurde gar nicht bemerkt, Paul forderte man auf runter zu kommen, rügte ihn und ließ ihn seiner Wege ziehen. Heute ist halt einfach ein schlechter Tag.

Als wir unten waren bemerkte ich die fatalen Folgen unseres Ausflugs – eine kleine Gruppe der “Einzelnen (Also AFSer die die Einzigen aus ihren Ländern waren und daher alleine flogen.) war gerade abgefahren Darunter auch Oriana alias und ich hatte mich nicht verabschiedete. Ich rannte nach draußen in den Regen doch das Taxi bog gerade um die letzte Ecke. Mist. Resigniert trat ich den Rückweg an, das Wasser schwappte in meinen Stoffschuhen. Gerade als ich eintreten wollte sah ich Nella aus Finnland in einer dunklen Ecke neben dem Eingang. Sie war im Wintercamp in meiner Gruppe gewesen, wir hatten uns angefreundet, ich musste einfach zu ihr gehen. Sie heulte und heulte aber dennoch versuchte ich sie dazu zu bewegen mit rein zu kommen. Sie schüttelte nur stoisch den Kopf, irgendwann sah sie mich mit einem total verzweifelten Blick an und bat inständig noch ein paar Minuten hier bleiben zu dürfen. Ich sah ein, dass es keinen Zweck hatte und ging endlich total erschöpft rein.

Jetzt waren unsere letzten Stunden gekommen. Mit Merret fuhr ich hoch in unser Zimmer, wir zogen uns um, packten die letzten Kleinigkeiten und bald saß ich neben Katja, hinter mir Lennart und Bent, vor mir Paul im Bus. Für uns tanzte keiner mehr im Regen. Nur der russische Himmel weinte nach wie vor.

Im Moskauer Berufsverkehr nickte ich endlich ein. Der ganze Bus war totenstill. Als wir langsam wieder aufwachten erblickten wir schon den großen Flughafen zwischen den Feldern. Ich bin sicher alle dachten dasselbe: Genau hier vor ziemlich genau zehn Monaten…

Wir hielten wie schon ein Mal auf dem Busparkplatz hinterm Flughafen und nahmen wieder die kleine Drehtür. 15 von ehemals 20 deutschen AFSern plus ein Australier und Marina. Irgendjemand sagte er fühle sich als würde diese Tür uns jetzt verschlucken und sobald wir auf internationalem Boden wären wäre das ganze Jahr wie vergessen, wie nie gewesen, unerklärbar. Klingt unrealistisch. Aber uns allen war klar, dass es genau so kommen würde. Einer der wenigen tröstenden Fakten war, dass es kein Zurück gibt. Egal wie sehr wir wollten, denn eins war sicher – Egal wessen Auslandsjahr besser oder noch sehr viel schlimmer als meins gewesen war, egal was zuhause (Wo ist das gleich noch mal?) auf uns wartete, in diesem Moment wollte niemand fliegen. Doch die Tür verschluckte uns.

Bald standen wir in einer ruhigen Ecke, legten unser Gepäck ab und bekamen unsere Pässe und Flugpläne. Wir hatten noch eine Stunde Zeit also ging ich mit einem Großteil der Leute zu Burger King. Es wurden flache Witze erzählt, man plauderte über seine Erlebnisse. Nur nicht zu viel nachdenken. Vor allen nicht über das was kommt!

Als wir zurück zu unserem Gepäck gingen dachte ich an das was mir Katja im Bus zum Hotel gesagt hatte, dass sie sich fühle als würden wir nur mal wieder auf ein Lager fahren und wären in einer Woche wieder in unseren Städte. Zuhause. Aber selbst an dieser Illusion konnte sich jetzt keiner mehr klammern. Die Laune war dementsprechend.

Wir sammelten unser Zeug ein, es wurde rumgetauscht und ich wurde gleich meinen Laptop an Merret los die nur ein Handgepäckstück hatte. Jetzt hatte ich nur noch mit 3 Sachen zu kämpfen, ein Fortschritt. Am Check in stellte ich mich hinter Katja ganz rechts an, alle anderen AFSer waren links. Und damit klar im Vorteil. Denn die Schalterdame hier nahm ihren Job ein bisschen zu genau und wog auch Katjas Handgepäck. Vorsorglich wie sie sagte. Da wir alle u viel mit nach hause zu bringen hatten waren unsere Rucksäcke voll gestopft. Die werden ja normalerweise nicht gewogen. Katja hatte 15 statt 8kg. Und durfte 70 Euro nachzahlen gehen die natürlich nie wieder kontrolliert wurden. Blöd gelaufen. Ich hatte auch 2kg zu viel, unternahm aber nur einen halbherzigen Versuch indem ich noch Jeans über meine Strumpfhosen zog und ein paar Mädels einen Pullover in die hand drückte. Dann wen wir auch schon durch die Passkontrolle und an der Stelle fürs Handgepäck. Ich war die ganze Zeit mit Paul rumgelaufen und in einem Anfall von guter Laune tauschte er mit mir meine Gitarre die natürlich nirgendwo angemeldet war gegen seine Laptoptasche. So schnell lösen sich meine Probleme manchmal. Im Nacktscanner schlugen natürlich meine ganzen Armbänder Alarm aber irgendwie schafften wir es alle in den Aufenthaltsbereich. Ich sammelte mein Zeug zusammen und rannte mit Merret nach Getränken herum. Als wir wiederkamen waren natürlich schon alle Sitzmöglichkeiten belegt aber mit einem Hundeblick der seines gleichen sucht ergatterte ich einen Platz auf Pauls Schoß und wartete mit den anderen AFsern und sich fragenden Passagieren auf den Aufruf. Der viel zu bald kam.

Durch einen langen Gang kamen wir bis an die Flugzeugtür, Paul immer mit mir zusammen und am rum labern damit keiner von uns einen Panikanfall bekommt. Dann waren wir in der Kabine und alle suchten sich ihre Plätze. Ich hatte natürlich wieder den Jackpot – alleine in der Mitte während die restlichen ganz hinten drei Reihen belegten. Noch mal machte ich mich auf den Weg zu Paul der einsah, dass man diese nächsten 4 Stunden auf keinen Fall alleine durch stehen kann und zusammen überredeten wir den Amerikaner neben mir, dass wir sein Gepäck hinter tragen dürfen und er Pauls Sitz nimmt. Puuh!

Unterbrochen von einem mittelmäßigen Essen, ein paar kurzen Nickerchen und Anstarren von Pauls Tablet dessen Hintergrundbild ein Döner ist (Entzugserscheinungen…) redeten wir die ganze Zeit. Auch noch als das Flugzeug landete und wir vergeblich nach Hinweisen suchten, dass wir auf dem falschen Flughafen sind. Das Aussteigen begann aber wir legten uns bequem in die Sitzreihe und wollten warten bis alle draußen sind. Das gelang uns ganz gut. Fast schon zu gut denn die Stewardess kam zu uns und teilte uns ganz freundlich mit, dass der Bus jetzt gleich ohne uns los machen würde. Paul schnappte sich also ein letztes Mal meine Gitarre und würdevoll stiegen wir die Treppe zum gemeinen Volk runter. Nach ein paar Minuten Fahrt waren wir im Flughafengebäude, liefen durch den grünen Zollgang und wieder musste man sich verabschieden – Merret, Bella und ein paar Andere hatten Anschlussflüge gebucht. Die Handvoll die übrig blieb von uns ging zum Gepäckband und kaum hatten wir uns unsere Taschen geschnappt gingen wir raus. Ich lief immer noch neben Paul der selbst mit dem ICE nach hause fuhr sodass wir uns damit ablenken konnten Ideen auszuarbeiten wie er seine Sitznachbarn mit russischer Musik oder anderen Waffen zur Verzweiflung bringen könnte.

Wir hielten gerade auf die letzte Glastür zu als er ganz geistreich meinte: „Lene guck mal da steht dein Name!“ während er auch ein riesiges Plakat deutete was da über die Milchglasscheibe gehalten wurde. Und ein paar Sekunden später als wir durch die Tür traten sah ich auch meine Familie. Da ich als erste lief war das nicht zu überhören aber kurz darauf wurden auch die Anderen von ihren Familien begrüßt.

Jetzt musste ich mich auch noch von den letzten Menschen verabschieden die mir im vergangen Jahr so ans herz gewachsen waren, die ich vielleicht nie wieder sehe auf die ich aber trotzdem immer zählen kann und zu denen ich leider nicht mehr einfach sagen konnte: „Wir sehen uns auf dem nächsten Camp!“.

So ging also nach zehn wunderbaren, erlebnisreichen, bizarren, lustigen, herzlichen, bestürzenden, unsagbar glücklichen, merkwürdigen, schwierigen, schrecklichen, erfolgreichen, liebevollen, interessanten, verstörenden und einfach unvergesslichen Monaten mit neuen Freunden, unbezahlbaren Erfahrungen, vielen Erkenntnissen, Höhen und Tiefen in denen nichts so gelaufen war wie ich wollte aber am Ende doch das Meiste gut wurde. Ich hatte für immer ein zuhause gewonnen und Menschen die auf mich warten und mich lieben so wie ich sie liebe und schätze. Und ich bin einfach nur verdammt dankbar, allen Menschen die ich treffen durfte und die mich alle in kleinem oder großen Maß beeinflusst und mir etwas beigebracht haben, dankbar für alles was ich dank AFSvolunteeren, der Hilfe meiner Freunde und Familie erleben durfte, dankbar das Russland so ist wie es ist und ich es von seinen ganz verschiedenen Seiten kennen lernen durfte, dankbar, dass es immer noch genug Geheimnisse gibt die ich selbst nach einem Jahr nicht erfahren konnte, dankbar, dass es immer Leute gab und gibt die hinter mir stehen und mir helfen, dankbar das die Welt so ist wie sie ist mit ihren unzähligen verschiedenen Kulturen und Erfahrungen die es noch zu machen gilt. Und vor allen dingen dankbar, dass ich weiß, dass das nicht das Ende ist. Das ist erst der Anfang.

Ein halbes Leben in einen Koffer

Donnerstag, 26.06.2014

Donnerstagmorgen hatte Chiara den zweiten Teil ihres Examen. Ich fuhr zum letzten der unzähligen Male mit der 22 in die Stadt. Die ganze Hauptstraße hinunter bis zu Chiaras Schule. ich hätte heulen können! Dann ging ich über die Nevabrücke und traf Chiara auf der anderen Seite auf der großen Nevainsel. Es war noch früh am Tag also beschlossen wir noch mal das ganze Ufer dieser Seite lang zu laufen, fanden noch einen Park, ein paar der allgegenwärtigen Sphinxen und schließlich waren wir bei der Piter-und-Pavel-Festung angekommen. Wegen einem Bootsrennen war der Strand gesperrt aber wir stürzten uns noch mal in die Touristenherden und durchquerten die Festung mit ihrem huckeligen Pflaster, den kleinen Statuen überall und dem schimmernden Gold an jeder Ecke. Auf der anderen Seite wieder raus liefen wir durch einen Park bis zu dem kleinen Modell von Piter. Das hatte seine Pforten nach langer Renovierung geöffnet und wir machten noch ein paar Fotos und kletterten endlich mal auf unseren geliebten Kathedralen und Denkmälern rum.

Dann fuhren wir mit der Metro in den äußersten Süden der Stadt, gingen gleich noch kurz in den Supermarkt und genehmigten uns noch ein paar letzte russische Spezialitäten und fuhren weiter 20 Minuten mit der Tram eine schnurgerade Straße runter. Ganz am Ende wo die Stadt in Brachland übergeht standen ein paar neue Wohntürme - Chiaras zuhause. Wir fuhren bis in den 20. Stock und betraten bald darauf Chiaras Wohnung. Die Mutter und die ältere Schwester waren da, redeten aber kaum mit uns. Chiara sammelte ihre letzten Sachen zusammen, stopfte sie in die schon gepackten Koffer und ich passte derweil auf, dass keine der drei Katzen sich noch mal geruchsmäßig verewigt.

Kurz bevor wir die Wohnung verließen bekam Chiara noch eine der zwei großen Plastiksäcke mit Klamotten an ihre Gastschwester los die sie spenden würde, den anderen würde Natascha bekommen. Auch eine Variante das Übergepäck zu reduzieren. Dann waren schließlich alle Taschen fertig und wir verabschiedeten uns. Die Mutter umarmte Chiara kurz und wünschte ihr alles Gute, die Gastschwester ließ es nicht mal zu so viel Körperkontakt kommen. Eine Liebe unter den Menschen...

Dann fuhren wir in dem viel zu kleinen Aufzug runter und standen bald auf der Straße vor dem Haus. 500m von der Haltestelle entfernt. Zwei Mädchen mit einem großen Koffer (24kg), einem kleineren Handgepäckkoffer von ungefähr 15kg, zwei Umhängetaschen, einer großen Tüte mit Klamotten und einer großen Aufgabe. Chiara rollte den Koffer und nahm die zwei Handtaschen, der Handgepäckkoffer hatte keine Rollen, nur einen Trageriemen also hängte ich mir den um und stapelte noch die Tüte drauf. Da Chiara mit dem schlingernden Ungetüm sehr langsam vorankam nutzte ich jede Laterne für eine Verschnaufpause indem ich den Koffer mit der Schmalseite an die Laterne lehnte und meinen bauch and en Koffer lehnte. Meine Schultern waren natürlich trotzdem zu vergessen und ich habe glaube ich noch nie so viel Zeit für einen halben km gebraucht!

An der Haltestelle warteten wir kurz und tranken erst mal einen unserer zwei Liter Wasser aus. Wenigstens ein bisschen leichter. Bald darauf waren wir an der Metro und schleppten unsere Koffer noch mal bis in die Station und brachten dann drei Minuten auf der Rolltreppe zu. Mit dem Ungetüm von Koffer der jeden Moment die Treppe runter purzeln wollte. Dank ihm hatten wir dann in der Metro wenigstens einen Sitzplatz aber als wir in einer der letzten Stationen noch mal die Linie wechseln mussten also ungefähr einen Kilometer unterirdische irgendwelche Treppen hoch und Schrägen wieder runter fühlte man sich schon wie sterben. Chiara hatte Glück und ein Mal half ihr ein Mann beim Tragen. Ich rackerte mich alleine durch. Jetzt noch eine Station in der blauen Linie und unter Nevskiy stiegen wir aus. Noch mal zwei Treppen aus der Unterführung raus! Inzwischen sahen wir so fertig aus, dass wieder ein netter Mann den Koffer hoch trug. Ich übernahm jetzt den Rollkoffer und alle kleinen Taschen und arbeitete mich in Schneckentempo vor während Chiara und der kleine Koffer zu Fadi eilten. Auf den letzten Metern und - am wichtigsten vor dem bösen Treppenhaus - kamen mir dann also Fadi und Natascha entgegen und halfen den Koffer in Fadis Schlafzimmer zu wuchten.

Ich und Chiara fielen total verschwitzt auf die Couch, froh unsere zig Kilo los zu sein. Jetzt war es nahezu um sechs und Natascha hatte Arbeitsschluss. Wir gingen also zu dritt spazieren. An der Bluterlöserkirche entlang wo uns ein junger Typ mit seiner Sofortbildkamera fotografierte, weiter durch ruhige Nebenstraßen und Hinterhöfe. Leider waren wir schon spät dran und kamen nicht mehr an allen unserer Lieblingsstellen lang, dennoch konnten Chiara und ich es einfach nicht fassen. Diese Straßen die ich mit geschlossenen Augen entlang gehen könnte, an denen ich jede Häuserfassade kenne (ich kann die heute noch im Geiste fehlerlos durchgehen), in denen an jeder Ecke eine Erinnerung an ein Gespräch, eine Bekanntschaft, ein neu gelerntes Wort hängt. Und das alles sollte nie wieder unsere Stadt sein. Obwohl wir sie besser kennen als unsere Heimatorte. Man stelle sich vor wie uns zu mute war...

gegen halb acht waren wir wieder bei Fadi und er half uns mit dem Koffer zur Bushaltestelle indem er den großen Koffer auf den Schultern trug. Nach zehn Minuten warten kam unser Bus und mit Küsschen auf die Wange und einer festen Umarmung verabschiedeten wir uns von Fadi, kurz darauf in einem Dreierumarmungshaufen von Natascha. Fadi trug schnell den Koffer in den Bus und wir legten alles auf einen der vorderen Radkästen und winkten aus dem Fenster des anfahrenden Busses der heulenden Natascha zu. Bald darauf saßen wir beide auf dem anderen Radkasten und schwiegen und starrten den schönsten Ort der Welt an. Und trauerten den ganzen Freitagen bei Fadi, den Mittwochen bei Natascha und dem täglichen so selbstverständlichen herum laufen nach das es nicht mehr geben sollte. In Moment brauchte man wirklich nichts sagen...

Im abendlichen Stau waren wir eine Stunde später zuhause und stiegen gegenüber des Parks mit den drei Seen aus, gingen vorbei an "meinem" Supermarkt, über den Matschweg wo ich genau weiß an welcher Stelle welches Loch ist, vorbei an dem kleinen Stadion und waren schließlich and der Bank vor meiner Tür. Ira kam die Treppe hinunter und wir brachten gleich Chiaras großen Koffer in ihr Auto und den Inhalt des Kofferraums (IKEAregale die da seit 2 Monaten spazieren fuhren) nach oben. Und natürlich die restlichen Taschen.

Noch ein Mal fettiges Abendessen in die Mikrowelle und "Chai" dazu, dann saßen wir da mit Ira und versuchten ihr unsere Verwirrung zu erklären. Schließlich gingen wir in mein Zimmer und packten unser Handgepäck fertig sowie die "persönliche Tasche". In Chiaras Falle ihre Handtasche die am Ende mit all den schweren Souvenirs 8kg wog. Not macht erfinderisch.

Gegen Mitternacht mussten wir uns erst noch mal einen "Chai" genehmigen, da kam Marina dazu und wir redeten ein wenig. Dann ging sie frisch inspiriert in ihr Zimmer, stellte sich an ihre Staffelei und alte ein Bild für mich welches sie mir wenig später noch feucht überreichte. Ich war gerührt. Anscheinend hatte mein Aufenthalt hier sie doch nicht gaaanz so kalt gelassen.

Gegen drei Uhr früh legten wir uns noch ein letztes Mal auf mein verhasstes Schlafsofa, betrachteten das rosa Licht der weißen Nächte und nickten todmüde ein.

Verabschiedungen (Teil II. Damenrunde)

Mittwoch, 25.06.2014

Heute Morgen hatte Chiara ihr Examen und so konnte ich ausschlafen. Dann fuhr ich ins Zentrum und traf sie im Park vor dem russischen Museum wo sie: "auf einer Bank sitze und Puschkins Hintern anstarrte". Das ist doch mal ´ne Wegbeschreibung!

Zusammen liefen wir dann ein paar Kringel durch die Nebenstraßen und Hinterhöfe und setzten und schießlich in ein kleines Café um noch mal "Pyshki" also eine Art frittierter Teigkringel zu essen. Es gibt schon einen Haufen Essen den ich vermissen werde. Dann gingen wir noch zu Fadi um uns mit Natascha und noch einer 11klässlerin von Chiaras Schule zu treffen. Sie und ihr Freund waren mit uns bei der Abschlussfeier der 11er das Konzert über sich ergehen lassen und das rosabeflaggte Schiff anschauen gewesen und kamen sich nun verabschieden. Wir saßen ein paar Stunden auf dem Sofa, scheuchten Natascha herum, spielten mit den Kätzchen und unterhielten uns über dies und jenes. Halb sieben gingen dann alle bis auf Natascha und mich und kurz darauf kam Katja. Auch mit ihre saß ich noch eine Stunde und wir redeten ein letztes Mal auf Deutsch, Russisch und Englisch wild durcheinander. Dann liefen wir noch zusammen die Hauptstraße runter udn gingen zu H&M wo wir eine geschlagene halbe Stunde grübelten ob Katja Schuhe für 2000 Rubel kaufen kann. Am Ende waren wir usn einig, dass es das Wert ist und liefen noch bis zur nächsten Metrostation. Jetzt war es schon fast 9 und Katja musste los. Wir verabschiedeten uns ziemlich emotional (Ich habe noch nicht geheult!) und wieder wurde versprochen die andere zu besuchen.

Dann fuhr ich im Bus heim. Es war noch relativ früh und bei dem guten Wetter und den weißen Nächsten beschloss ich mich noch von meinem Viertel zu verabschieden. Ich lief also in den nahen Park mit den drei Seen und saß eine ganze Weile auf einem der unbegreiflichen Betonbauteilen in dem einen See. In einem weiten Bogen lief ich dann zurück und war schließlich um 10 zuhause. Mit Marina setzte ich mich vor den Fernseher, guckte unsere russische Lieblingsserie und schlürfte drei Tassen "Chai" mit "Pirog". Das war mal ein guter letzter Tag...

Verabschiedungen (Teil I. Die Kerle)

Dienstag, 24.06.2014

Heute Morgen riss mich Chiara um 10 aus meinen Träumen und sagte sie mache jetzt daheim los. Da musste ich also wirklich aufstehen! So ein Mist. Ich fuhr dann wieder zum "Djadja Fadi" und da waren Fadi, Natascha und Chiara gerade am Küche putzen. Es war schon zwölf und wir halfen erst mal den Gasherd mit Alufolie abzudecken, die "Herdplatten" wieder aufzustecken, wenn möglich ohne Elektroschocks davonzutragen, und konnten dann endlich Suppe kochen. Kidneybohnen, Reis und noch ein paar magische Kräuter. Das Ganze köchelte dann eine Stunde während der wir noch wischten und 7kg Datteln entkernten. Chiara und ich arbeiteten ohne Pause, nur Natascha die eigentlich heute wirklich arbeiten sollte und ach als Einzige Geld bekommt heute spielte die ganze Zeit mit den Kätzchen oder tanzte durch die Gegend. Also manchmal könnte ich wirklich...

Gegen fünf gingen ich und Chiara nach einem letzten hysterischen Lach- und Heulanfall (man merkt uns die Anspannung langsam an) dann also. Nicht ohne Fadi vorher noch was zu schenken und uns zu verabschieden. Er war nicht vorbereitet und schenkte uns so nur jedem eine Schachtel voll Konfekt aus Datteln und Kokos. Auch gut. Danach lief ich mit Chiara ein bisschen kreuz und quer durch die Stadt. Durch den Park mit dem Riesenpuschkin, am russischen Museum vorbei, zum Sommergarten und weiter durch den Park mit der Gedenkflamme, vorbei am großen Kanal und mit ein paar Sitzpausen in denen wir auch unsere Namen verewigten liefen wir schließlich zum Ende der Hauptstraße wo wir um 7 Kirill trafen.

Zu dritt liefen wir in ein nahes Restaurant und schlugen uns den Magen voll. Kirill ganz der russische Gentleman zahlte wieder für uns und hatte auch nach Geschenke für mich zum Geburtstag und so allgemein zum Abschied. Auch wir schenkten ihm was und dann war es schon halb zehn und wir mussten alle los. An meiner Haltestelle gab es noch eine nicht endend wollende Umarmung mit Kirill und wie so oft schon das Versprechen, dass ich wiederkomme. Das wir wiederkommen.

Zuhause angekommen machte mir Marina die Tür auf. Sie war für ein paar Tage von der Datscha gekommen, weil dort keiner ihrer Freunde ist. Wir machten also zusammen "Chai" und redeten eine gute Stunde. Dann kam auch Ira und ich machte mich in mein Zimmer. Noch ein paar kleine Veränderungen am Koffer und erneutes Wiegen. Immer noch Alles im grünen Bereich. Puuuh!

 

kreuz und quer

Dienstag, 24.06.2014

Dienstagmorgen packte ich noch ein paar Sachen, brachte mein Zimmer auf Vordermann und dann rief mich Chiara zu Hilfe. Sie wollte sich eigentlich mit 3 Klassenkameradinnen treffen von denen dann aber nur eine aufgetaucht war. Also fuhr ich ins "Djadja Fadi" und da saßen wir dann eine ganze Weile. Schließlich kam auch noch Natascha dazu und wir gingen gegen fünf als es aufgehört hatte zu regnen wieder zu dem Haus in der nähe von der Isaaks-Kathedrale und gingen auf das Dach von vorgestern.

Zu viert kletterten wir hoch und stiegen über ein paar Dächer bis vor an de Straße und auch wieder auf das Glasdach vom letzten Mal. Diesmal gingen wir auch noch auf der Parallelseite entlang um einen Blick auf den Kanal werfen zu können und hatten so einen ziemlich langen Rückweg. drei oder vier Dächer vor unseren Dachfensterchen sahen wir dann auf der anderen Seite des Hofes Arbeiter die eines der mit Metallplatten gedeckten Dächer reparierten. Sie saßen zum Glück mit dem Rücken zu uns und nur ganz vorsichtig auf die herausragenden kanten an den Rändern der Platten tretend (die machen weniger Lärm) eilten wir an ein paar Schornsteinen auf und ab kletternd zu unserem Einstieg. Dann noch durch das Loch im Treppengeländer fädeln und bald standen wir wieder auf sicherem ebenem Boden. Nach der ständigen leichten Neigung auf dem Dach ein komisches Gefühl...

Es war schon sieben also brachten wir Chiara zur Metro und auch ich saß bald darauf mit Natascha und Chiaras Mitschülerin an der Haltestelle. Ich zeigte ihnen noch schnell ein Timecafé und dann fuhr ich heim. Unten traf ich ira die gerade von Arbeit kam und sie ging gleich zu unseren Nachbarn um wegen eiern Waage zu fragen. Das war halb neun. Ich packte also fertig meine große Tasche und wartete. Ich schaute noch einen Film und wartete noch immer. Gegen eins kam Ira schließlich zurück und ich konnte endlich meine Tasche packen. Und hatte genau 23km bzw. 8kg im Rucksack - Wer kann der kann!

Italienisch hardcore

Sonntag, 22.06.2014

Sonntang schleifen wir aus bis um elf Marina in mein Zimmer kam und sich verabschiedete. Mit Ira fuhren sie auf die Datscha während Chiara und ich frühstückten. Um zwölf stiegen wir in den Bus und fuhren zur Isasks-Kathedrale. Shushana war wie immer zu spät also trug sie uns auf eine Austauschschülerin zu treffen die letztes Jahr für drei Monate in Piter gewesen war. Wir dachten schon das wäre unmöglich bei den tausend Leuten aber dann erblickten wir schnell ein Mädchen das wild gestikulierend auf Italienisch in ihr Telefon plapperte. Man muss nur Glück haben.

Wir setzten uns in ein nahes Café und aßen "Pirog". Am Anfang unterheilten wir uns noch auf Englisch, dann wechselte das Mädchen immer wieder zu Italienisch. Am Ende saß ich eine Stunde angestrengt lauschend rum während die beiden über ihre Gastfamilien sprachen. War aber nicht so schlimm, weil ich im Großen und Ganzen schon verstand worum es ging. Dann kam Shushana mit einer Stunde Verspätung endlich. Sie begann Russisch zu sprechen, nach 5 Minuten wurde aber auch sie zu faul und jetzt plapperten drei auf Italienisch.

Das wurde mir dann doch langsam zu viel und so waren wir nur noch in einem Buchgeschäft und trennten uns dann nachdem auch Shushana unsere Flaggen signiert hatte und wir ihr ein T-Shirt mit "Supervolunteer" drauf geschenkt hatten. (Achtung Sarkasmus!)

Dann trennten wir uns endgültig und mit Chiara ging ich in einen Schlosspark um am Teichufer auf der Wiese sitzend vertilgten wir ein paar Kekse. Dann hatten wir genug Kraft geschöpft um durch ein paar Hinterhöfe in einem der alten zentrumsnahen Bezirke zu spazieren. Schließlich endeten wir mal wieder an einer der Uferstraßen und gingen auch noch durch die "perfekte Straße". Hier steht die Balletakademie. Zwei Gebäude gegenüber sie haargenau gleich aussehen. Das ist wirklich eine komische Atmosphäre.

Wir saßen noch kurz in einem Park zu Füßen Ekaterina II. bevor ich Chiara zur Metro brachte und selbst heim fuhr. Nachdem ich mit Ira gegessen hatte fing ich an mein Handgepäck zu packen. Da sind bis jetzt nur Souvenirs, Geschenke etc. pp. aber ich glaube es sind jetzt schon mehr als 8kg. Langsam werd´ ich echt nervös...

Zurück über den Straßen der Stadt

Samstag, 21.06.2014

Nach den ganzen schlaflosen Nächten und der Anstrengung gestern lagen wir heute mehr oder weniger untätig bis um zwölf im Bett. Dann ein herrliches Frühstück mit gefüllten Eierkuchen und zu dem Rest "Chai" kauten wir noch ein paar Bienenwaben. Gegen drei fuhren wir dann endlich los ins Zentrum und gingen zu Anya nach hause. Chiaras ehemalige Gastoma machte uns die Tür auf und wir unterhielten uns ein paar Minuten. Dann saßen wir in der Küche und warteten, dass Anya aus der Dusche kommt. Sie fing dann auch gleich an Kartoffeln mit Gemüse aufzuwärmen und Händchen zu braten. So aßen wir ganz gut und zum "Chai" gab es sogar "Pirog". Man merkt, dass die Großmutter wieder da ist.

Inzwischen war noch eine Freundin von Anya gekommen die wir auch schon kannten und halb acht entschlossen wir auf ein Dach zu gehen. Zuerst standen wir eine Weile vor einer Einfahrt bis ein Auto rein fuhr und wir hinter denen durchs Tor huschten. Wir glaubten uns schon des Sieges gewiss doch nachdem wir uns 8 Stockwerke hoch gekämpft hatten zeigte sich, dass die Tür zum Dachboden zwar offen war, die Gittertür davor allerdings verschlossen und auch so gut eingelassen, dass man nicht drum herum klettern kann.

Aber zum Glück kennt Anya noch ´ne Menge andere Dächer und so standen wir kurz darauf vor der nächsten Einfahrt nahe der Isaaks-Kathedrale. Nach einiger Zeit ging ein Mann ein und wir liefen hinterher. Eine der Türen zu den Treppenhäusern war der PINcode leicht zu erraten und bald darauf fuhren wir im Aufzug hoch. Auch her war das Gitter vorm Dachboden zu doch dieses war auf halber Treppe eingelassen und kurz hinter der Tür ein Stab des Geländers rausgebrochen. Also auf das Geländer der Treppe drunter steigen, dann einen Klimmzug und irgendwie die Beine, dann hochkant die Hüfte und den Rest des Ichs irgendwie durchzwängen.

Zum Dach war dann aber alles offen und nach einem kurzen Weg über Holzbohlen im Dachboden kletterten wir aus einem Fenster hinaus aufs Dach. Wir mussten noch 5 Dächer weiter um an die Straße zu kommen. Die sind natürlich alle nach gleich hoch aber mithilfe ein paar selbstgezimmerter Leiterchen oder Kaminen usw. ging das ganz gut. Dann waren wir schließlich fast am Platz vor der Iaaaks-Kathedrale angekommen, hier ragte dann aber blöderweise das Nobelhotel der Stadt vor uns auf und versperrte die Sicht. Naja, trotzdem gab es immerhin das pyramidenförmige Glasdach einer Kunstgalerie zu besteigen und genug Dachfläche zum rumtanzen und sonnen.

Nach einer guten Stunde stiegen wir wieder runter und an der nahen Haltestelle signierte Anya noch meine und Chiaras Russlandflagge. Ein Sechstel ist jetzt schon voll mit Wünschen, Insiderwitzen und ein paar Kussabdrücken aus Lidschatten (in Ermangelung von Lippenstift). Da konnte ich ja dann getrost mit Chiara heim fahren.

Marina machte uns die Tür auf (sie ist heute aus der Türkei wieder gekommen) und wir knuddelten gleich mal. Dann machte ich mit Chiara "Chai" und wir aßen Eierkuchen. Dann holten wir Marina dazu und vertilgten zusammen die Torten- und Kuchenstücke die sie mit Ira gekauft hatte. Sie wünschte sich dann noch mal ihr Lieblingslied von den ärzten von mir auf der Gitarre und so saßen wr noch eine knappe Stunde und spielten uns so durch unsere gemeinsamen Musikkenntnisse. Schließlich beschloss Marina gegen Mitternacht, dass sie noch ihren Koffer auspacken muss und wir gingen in mein Zimmer und riefen Chiaras Eltern per Skype an. und gegen zwei durften dann auch endlich wir ins Bett fallen. Bei schönstem Sonnenschein versteht sich.

Алые паруса - праздник выпускников

Freitag, 20.06.2014

("Alye parusa" - Der Festtag der Schulabgänger)

 

Freitag schliefen wir erst mal ein aus und machten dann ganz entspannt Frühstück, spielten ewig Gitarre und sangen, bastelten und um 5 als Chiara zu ihrer 2. Gastfamilie abdampfte saß ich immer noch tiefenentspannt im Schlafanzug auf dem Bett.

Ich gönnte mir dann endlich mal wieder einen russischen Film und schließlich machte ich mich um acht auch mal auf den Weg. Der Bus kam gleich und ich war recht gut in der Zeit als auf ein mal 4 Haltestelle vorm Ende der Hauptstraße verkündet wurde, dass der Bus heute nicht mehr weiter fährt. Na Danke! Ich nahm also die Beine in die Hand und zwei Kilometer später traf ich Chiara irgendwo an der Hauptstraße und zusammen eilten wir zum anderen Ende. Nach einer Dreiviertelstunde und ca. 3 Kilometern durch Touristenherden pflügen die schon auf der gesamten Breite der Straße liefen waren wir schließlich an der Isaaks-Kathedrale und trafen Chiaras Lehrerinnen und die Elfklässler, also die Abschlussklasse. Man gab uns kostenlos zwei Tickets zum Fest der Schulabgänger und wenig später standen wir schon in der Schlange zu den Sicherheitsleuten und ihren Metalldetektoren und Müllcontainern. Nachdem wir also unserer Wasserflaschen udn noch einigen Kleinkram losgeworden waren kam noch eine zweite Kontrolle, wieder mit Polizeileuten und Detektoren, dann standen wir endlich auf dem Schlossplatz vor der Ermitage und schauten die Show für die Elftklässler an. Ein buntes Gemisch aus russischen Popsängern, Tanz, Akrobatik und unterhaltsamen Gelabere. Langsam aber sicher kämpften wir uns dann auch bis in die erste Reihe durch und als wir dann gegen eins nach drei Stunden die Masse verließen war ich darüber auch froh, da hinten wo die Leute nicht so eng stehen die Betrunkenen schon zu tanzen begonnen hatten.

Wir steuerten zielsicher auf die Menschenmassen an der Ufermauer zu. Eine der Lehrerinnen hatte hier mit ihrem Mann ein paar Quadratzentimeter Platz besetzt und wir konnten uns zu ihnen rein drängeln. Nach einer gten halben Stunde warten begann schließlich das halbstündige Feuerwerk. Es war atemberaubend. Man hatte von einem zum anderen Rand seines Blickfeldes die Neva vor sich auf der sich das Feuerwerk spiegelte. Sogar auf das Wasser wurden Feuerwerkskörper gesetzt die wie kleine feuersprühende Boote da rum fuhren. Zum Ende der Vorführung kam schließlich "Алые паруса" in Sicht. Ein Segelboot mit roten Segeln. Vor der Kulisse aus Feuerwerk, rieseigen Scheinwerfern die eine Lasershow in den vernebelten Himmel strahlten fuhr also dieses riesige Schiff um zwei Uhr nachts, der dunkelten Stunde der weißesten Nacht an uns vorüber, drehte genau vor uns bei und fuhr wieder zurück.

Halb drei, sozusagen bei Morgendämmerung machten wir uns dann auf den Weg heimwärts. In einem nahen Park setzten wir uns erst mal 3 Minuten auf eine Bank. Nach 6 Stunden ohne Pause stehen fühlte ich mich als ich wieder aufstand eher als würde ich fliegen. Wir verabschiedeten uns dann und gingen nur mit einer Lehrerin und deren Mann noch eine halbe Stunde zu einer Metrostation ein bisschen außerhalb des Zentrums. Auch hier waren noch ein Haufen Leute und ein Polizist machte mir genau vor der Nase die Tür zur Station zu und meinte ich solle die Nachbarschlange nehmen. Das ließ sich Chiaras Lehrerin nicht gefallen und drei Sekunden später waren wir unter dem Geländer zur Nachbartür durchgeschlüpft und endlich in der Metro. Zum Glück hat meine Linie hier Endstation, sodass wir wenigstens jetzt sitzen konnten.

An meiner Station angekommen gingen wir erst mal ganz schnell in den nächsten Park und suchten einen Busch. Hier war es relativ ruhig, doch als wir uns zurück an die Haltestele setzten kamen aller drei Minuten entweder Betrunkne Leute vorbeigelaufen die uns ansprachen oder alte Männer n verrosteten Ladas vorgefahren die uns eine Mitfahrgelegenheit anboten. Wir änderten dann also unseren Plan bis um 6 auf den ersten Bus zu warten und riefen stattdessen ein Taxi. Zwanzig Minuten später war es da und um vier waren wir also endlich todmüde und 6 Euro ärmer zu hause. Nicht mal ich hatte jetzt genug Energie übrig "Chai" zu machen. Also nur eine Tasse Wasser und schon fielen wir ins Bett. Mein Rücken bringt mich um.

mal... aaaaanders!

Donnerstag, 19.06.2014

Mittwoch konnte ich ausschlafen und traf um 12 Chiara die sich italienermäßig verspätete aber wenigstens eine dicke Geschenktüte in der Hand hatte in der Metro auf Nevskiy. Als allererstes drückte sie mir einen roten Luftballon mit "С Днём Рождения"-Aufdruck in die Hand und ich hüpfte mir Russinnenschal, flatterndem Rock und rotem Ballon an der Hand ein bisschen über die Hauptstraße. Kaum aus der Metrounterführung raus wollte mein kleiner Freund bei dem Wind allerdings nicht mehr so richtig fliegen. Trotzdem tapfer geschlagen...

Nachdem wir wieder auf unseren Lieblingsunverständlichenholzdingern gesessen hatten und tausende Touristen es wert fanden von mir und dem Luftballon ein Foto zu schießen spazierten wir schließlich ein bisschen rum und landeten schließlich in dem Café mit der weltbesten heißen Schokolade. Und dem Klavier. Hier ist wenigstens alles so weit alternativ, dass ein Mädel in Spitzenpulli, Flatterrock und mit ´nem Luftballon an der Hand Aufmerksamkeit erregen würde.

Dann beschlossen wir Abendessen jagen zu gehen. Ich wollte "Schaverma" (also Dürümabklatsch) und so liefen wir zwei Kilometer zu der einen Metrostation am ehemalgen Marktplatz. Hier gibt es recht gute "Schaverma" die wir dann am Ententeich in einem nahen Schlosspark vertilgen. Auf dem Rückweg ging´s ins Einkaufszentrum aufs Klo und Chiara verschwand mal wieder um mir noch ein zwölftes Geschenk zu kaufen. Anschließend gingen wir noch kurz Fotos ausdrucken, so richtig mit Warteschlange, Beratung und allem und anschließend liefen wir langsam zurück auf Nevskiy.

Hier waren wir dann kurz vor sieben in dem kleinen Restaurant angekommen in dem schon die AFSgruppe saß. Wir fläzten uns zu Arabell, Ori und ein zwei Thais und wurden wieder durchgefüttert. Dann spazierten wir alle zusammen zum Lebensmittelladen und weiter ins Hostel wo wir mehr oder weniger nur im Zimmer rum saßen und laberten. Dann machten Chiara uns ich uns im Sauseschritt auf den Weg zur Metro und bald darauf waren wir and er Elektrischkastation und holten Marina ab die gerade aus Vyborg eingetroffen war. (Sie fährt für die letzte Woche noch zu ihren Verwandten in Moskau und kommt dann direkt von da zum Flughafen.) Mit ihrem Riesenkoffer wollten wir nicht in die Metro, Bus fuhr aber auch nicht, also stiegen wir in die Marschrjutka. Um halb neun Uhr abends ist das keine gute Idee. Wir saßen ganz vorne und der Mann im Gang laberte uns die ganze zeit mit leichter Fahne von der Seite an. Dann hatten wir ihn los, da beschloss aber der völlig betrunkene Kasache sich hinter uns zu setzen. Ab und an packte er mir und Chiara die Hand auf den Hinterkopf, sonst hielt er sich aber eigentlich recht zurück. trotzdem waren wir froh als wir nach zwanzig Minuten an der Endhaltestelle ankamen. Blieb nur eine Frage - Wo ist jetzt die Metro? Kurz darauf erkannte ich aber das Einkaufszentrum hinter dem die Metro liegt und in prasselndem Regen hasteten wir in das Bahnhofsgebäude. Marina gönnte sich noch einen Salat zum Abendessen (Vegatarier...unfassbar...) Rechtschreibung versteht. Da wurde auch schon der Zug aus Murmansk nach Moskau aufgerufen und halb elf setzen wir Marina in den Zug. Dann 5 Minuten pantomieren durchs Fenster bis sie beschloss noch mal zur Tür zu kommen. Als der Zug dann dreiviertel elf los fuhr rannten Chiara und ich noch lange mit und winkten. Wir schauten dem Zug nach und verstanden, dass es jetzt wirklich zu Ende ist. Sch***gefühl.

Wenig später saßen wir dann in der Tram heimwärts und ich paukte Italienisch. Ist wirklich nicht so schwer zu merken. halb zwölf waren wir dann zuhause und ich kochte Pelmeni und "Chai" während Chiara meinen Geburtstagskuchen mit Kerzen und Eiskugeln verzierte. Um Mitternacht rief dann Mama an, Kerzen wurden ausgeblasen, ich bekam Geschenke und ich muss sagen es war nicht der schlechteste Anfang eines Geburtstages. Wir redeten noch lange mit Chiara und verschliefen dann natürlich prompt.

Um neun begannen wir also zu frühstücken und dreiviertel zehn waren wir an der Haltestelle. Die Marschrjutka kam und kam einfach nicht also beschlossen wir mit einer anderen bis zum Bahnhof am Ende der Hauptstraße zu fahren und en Rest zu laufen. Der Rest sind ungefähr 2km und so kamen wir halb elf im Hostel an. Die Gruppe wollte eigentlich um 10 schon losgefahren sein, letztendlich stiegen wir dann 11:30 in den Bus. Ich saß neben Arabell, Hinter mir Chiara und ein paar Italiener. Wir fuhren über den Deich nach Kronstadt. Eine Insel mitten in der Ostsee.

Wir hatten einen Guide der die ganze Zeit recht interessantes Zeug erzählte und wir fuhren quer durch Kronstadt, stiegen ungefähr acht mal aus und sahen einen Haufen Matrosendenkmäler, die U-Bootstation, die Matrosenschule und die große Seefahrekirche. Zwischendurch immer Freizeit, rumlaufen mit Ori oder Arabell oder wer sich grad so anbot. Gegen fünf waren wir dann auf dem größten Massengräberfreidhof mit den Opfern während der Blockadezeit. Die Stimmung war dementsprechend gedrückt. Ob nun aus Zugehörigkeitsgefühl zu den Machern oder den Opfern war uns selbst nicht mehr ganz klar.

Dann fuhren wir im Bus zurück ins Zentrum und aßen in einem kleinen Restaurant nahe des Bahnhofs. Chiara und ich saßen mit Arabell am Tisch udn bekamen von rund herum Essen, sodass wir am Ende auch ein vollständiges Drei-Gänge-Menü im Bauch hatten. Dann liefen wir alle zum Bahnhof und Chiara und ich verabschiedeten uns von der letzten AFSgruppe. Weltuntergangsstimmung.

Und die wurde auch nicht besser als wir hinaus in den Regen traten. Ich wollte nun nicht auch noch den letzten Rest meiens Geburtstags Trübsal blasend zu hause sitzen also ging ich mit Chiara erst mal in den nächsten Laden Schokolade kaufen und während wir gerade noch an einer SMS bastelten wie wir Ira am unauffälligsten eine Torte aus dem Kreuz leiern können rief schreib dieselbe schon Chiara und fragte ob heute oder morgen mein Geburtstag sei. Fünf Minuten später klingelte mein Telefon und Ira meinte wir sollen in ein Nobelrestaurant neben der großen Kathedrale gehen und alles bestellten was wir wöllten, sie würde gleich kommen.

Das Problem war dann da, dass es bis Mitternacht keinen freien Tisch gab. Also riefen wir Ira an und kurz darauf sprach uns auf der Straße vor dem Restaurant Marinas Vater an und meinte wir gehen in das Restaurant gleich hier um die Ecke. Kurz darauf traf auch Ira ein die einen Parkplatz gesucht hatte und bestellte uns ein Riesensteak mit Kartoffeln. Dazu noch Salat, Torte und frisch gepressten Saft sowie "Chai" und verschiedene Sorten Brot mit Saucen. Also so lässt´s sich doch aushalten.

Ich hatte dann gerade den wahrscheinlich besten Salat meines Lebens hinter mir als das Steak auf einer warmen Steinplatte kam. Chiara teilte es und innen so rosa und außen dunkelbraun sah das aus wie einer Fernsehwerbung entstiegen. Jetzt stelle man sich das noch in einem schick eingerichteten dezent beleuchtetem Saal vor, auf eiern Couch sitzen, mit guter Musik beschalt und alle halbe Stunde einen Tanzauftritt oder eine Sängerin...Läuft!

Nachdem wir noch die Torte verputzt und mehrmals angestoßen hatten fuhren wir spät abends heim. Iras Exmann setzten wir bei seinem Auto ab und wir beschlossen noch schnell einkaufen zu gehen. 23:00 im Megamarkt bekamen wir dann ein paar gefrostete Eierkuchen mit allen möglichen und unmöglichen Füllungen, Süßkram für "Chai" und was eben so gebraucht wird wenn keine Köchin mehr kocht.

Zuhause fiel Ira dann gleich ins Bett. Chiara und ich laberten bei "Chai" noch ein paar Stunden und bewunderten die weiße Nacht bevor wir schließlich auch noch schlafen gingen.

verpeilt aber trotzdem lusitg

Dienstag, 17.06.2014

Heute Morgen traf ich halb elf auf dem Schlossplatz Chiara. Wir warteten auf die AFSgruppe die aber nach einer Stunde immer noch nicht da waren. Später erfuhren wir, dass sie dann mit zwei Stunden Verspätung doch noch angekommen sind. Wir saßen derweil im Timecafé "12 Zimmer" und genossen noch ein letztes Mal "Chai", Kekse, Waffeln und Co ohne Ende. Ich hatte auch noch eine Tütensuppe aus dem Zug und so aßen wir recht gut Mittag.

Um zwei gingen wir schließlich und mich rief ein Mädchen aus dem "Djdja Fadi" an ob ich nicht heute einspringen könnte. Also spazierten wir ein bisschen und um 3 übernahm ich dann dort die Kontrolle. Mit Chiara saßen wir die ganze Zeit "Chai" trinkend auf dem Sofa in der Küche wo auch die 4 Babykatzen schleifen. Gäste waren nur 2 da die aber schon gegessen hatten. So lässt sich´s leben!

Um fünf machte sich Chiara dann auf die AFSer zu suchen. Kurz darauf kamen ein junge und zwei Mädchen die das erste Mal hier waren. Ich zeigte ihnen also wo die Hausschuhe, der Plattenspieler, die Babykatzen, der Gastraum und alles Wichtige ist. Dann erklärte ich noch wie man eine Steeldrum spielt und machte nebenbei Falafeln und "Chai" wobei sie mich noch über die verschiedenen Masterklas hier ausfragten. Um halb sechs war immer noch keine Ablösung da und ich rief das Mädchen von vorhin an. Sie fragte ob Gäste da wären und drei Sekunden später hatte eines der Mädchen mein Telefon am Ohr und willigte ein Mal eine halbe Stunde den Laden am Laufen zu halten. So einfach kann´s gehen...

Ich rannte dann den AFSern entgegen. Chiara und 7 Italiener waren natürlich verloren gegangen. So war ich bald von einer schreienden und singenden (brüllenden?) Gruppe umgeben die sich bald nach ihrem Konzert im Laufen auf dem Bürgersteig auf den Boden in der Unterführung setzten bzw. drum herum stellten. Ein Hut wurde ausgelegt und wir begonnen zu singen. "Felicita" kenne inzwischen sogar ich und so standen wir also da. Nur der einzige Junge machte ein Video von uns, weil es ihm selbst zu blöd war. Nach drei Liedern sagte uns aber einer der Kioskbesitzer wir sollten verschwinden Kein Geld eingenommen aber lustig war es schon. Und im Weitergehen ging es natürlich ähnlich weiter.

Zwanzig Minuten später verabschiedeten wir uns dann schon von Chiara und gingen alle zusammen auf eines der kleinen Boote. Wieder mal eine Stunde über die Kanäle und die Neva. Ich saß mit Ori auf dem Deck, dann fing es an zu regnen und wir gingen in den panoramaverglasten Schiffsraum wo ich ihr die Haare flocht, Süßigkeiten rumgereicht wurden und die Italiener wieder alles übertönten.

Schließlich trauten wir uns wieder nach oben aber bei dem starken Wind hielt Ori e doch nicht lange aus. Wieder an Land gingen wir gleich in ein nahes Café essen und ich bekam von den Vegetariern und nicht hungrigen Leuten ein ordentliches Essen zusammengestückelt. Dann liefen wir einkaufen und weiter ins Hotel. Hier saß ich mit Ori, Arabell und 2 Thais. Um zehn ging ich dann schließlich, Es hatte gerade angefangen zu schütten und ich war froh, dass die Marschrjutka nur 200m weiter Endhaltestelle hat. Ich stieg also in den wartenden Kleinbus und machte mich erst mal über zwei Sitze breit. In Ballerinas waren meine Füße natürlich klitschnass und eiskalt. Schal drum gewickelt, Kopfhörer aufgesetzt und schon beginnt eine tiefenentspannte Fahrt. Wieso fahre ich eigentlich so wenig Marschrjutka?!

Auf dem Weg riss mich dann Shushana aus meiner kleinen Ruhepause und quatschte mir ein Ohr wegen morgen ab. Als ob ich nicht selber wüsste zu welchem Bahnhof ich Marina zu bringen habe. Dann folgte noch eine SMS mit wortgleich denselben Anweisungen und nachdem ich das mit Chiara am Telefon ausgewertet hatte war ich auch schon zuhause. Um halb elf begann ich also bei schönstem Sonnenschein Pelmeni zu kochen und versumpfte dann wieder vorm Rechner.

Jetzt wird´s ernst

Montag, 16.06.2014

Heute Morgen verschlief ich und stand erst halb elf auf. Nachdem man eine Woche kein Internet hat ist die Nacht nämlich kurz. Nach einem schnellen Frühstück saß ich um elf im Bus. Eigentlich sollte ich jetzt schon Chiara treffen, die war aber als ich gegen 12 bei ihr in der Schule war immer noch nicht fertig.

Da rief Katja an und ich ging ins "Djadja Fadi". Irgendwie wollte ich heute nicht schon wieder die Touristenmassen auf Nevskiy ertragen müssen also schlug ich mich kurz vor der Hauptstraße in eine Seitengasse. Hier ist ja dank Peter I. alles schön rechtwinklig und wenn man einigermaßen weiß wann welcher Kanal die Hauptstraße kreuzt kann man ja nichts falsch machen. Die letzten Meter kämpfte ich mich durch ein paar Hinterhöfe und war schließlich halb eins da.

Ich setzte mich zu Katja und kurz darauf hatten wir schon jeder eine Falafel vor uns. Unser zweisprachiges Gespräch verlief ohne Punkt und Koma und Katja teilte mir ihre neueste Erkenntnis über´s Reisen mit - man brauche entweder Geld oder Hirn. Ich hatte noch eine dritte Variante parat - Freunde.

Eine gute Stunde später kam endlich auch Chiara die in der Schule ihre Dokumente abgeholt hatte. Kata musste dafür bald los und ich saß dann mit Chiara auf dem Sofa udn wir schnippelten an ein paar T-Shirts rum. Solche mit richtig coolen Motiven drauf, die aber uisex und deswegen ohne Ausschnitt und mit ewig langen Ärmeln sind. Man kennt das ja. Dann lagen wir noch langgestreckt auf der Couch und spielten mit den 4 kleinen Kätzchen bevor wir  kurz vor fünf los machten. Auf dem Weg noch für 25 Cent ein Eis gejagt (Das ist in Russland übrigens wirklich so unglaublich fettig/sahnig aber auch unglaublich lecker.) und dann trafen wir Natascha vor der Metro die uns noch Pfandgeld für unsere Lehrbücher gab und uns Chauffeurdienst zum Bahnhof anbot. AFSleute sind manchmal einfach umwerfend.

Danach saßen Chiara und ich noch zu Puschkins Füßen auf einem Stück Wiese im Park. Wir waren die einzigen auf der Wiese aber Touris dürfen halt alles. Halb sieben war die AFSgruppe immer noch irgendwo auf Exkursion und Chiara musste heim. Ich beschloss also auch los zu machen und hatte nach ewigem Warten Glück, dass durch den Stau gleich zwei Busse hintereinander kamen, der zweite fast leer. So konnte ich die folgende Stunde im Bus wenigstens absitzen. Zuhause kochte ich dann ein paar Pelmeni was dank den allgegenwärtigen Gasherden ja wenigstens schnell geht.

Dann stand ich halb acht in meinem Zimmer. Und fing an zu packen! Zuerst die Dresscodesachen, schwarze Kleider, High Heels und so, dann was vom Winterzeug noch so übrig ist und T-Shirts die ich in den letzten zehn Tagen jetzt auch nicht mehr brauche. Mein Gott ist das deprimierend! Und noch umso verwirrender...

Ich weiß nicht was ungewisser war - as weg fahren nach Russland oder jetzt das weg fahren nach Deutschland.

Sonntag, 15.06.2014

Sonntagmorgen stand ich um acht auf, packte meine Tasche, aß ein paar Cornflakes mit "Chai" und dann brachte mich Natascha halb neun auf dem Arbeitsweg zu der Stelle wo meine Marschrjutka halten sollte. ich wartete 10 Minuten, dann kam eine andere Marschrjutka an die auch meine Kreuzung geschrieben war. Also steig ich ein. Dann kam aber 5 Minuten später die andere und die ist schneller also gab mir der nette Fahrer mein Geld zurück und ich sprintete um die andere zu erwischen. Wie ich also sonst eine halbe Stunde mit der Metro und danach noch Bus fahre war ich so über die Schnellstraße schon nach 20 Minuten zuhause.

Ich frühstückte noch mal normal und fuhr dann gleich in die Stadt. Marina wartete schon in einer der Kantinen auf mich und zusammen laberten wir bis Chiara kam. Zusammen liefen wir zu großen Kathedrale und setzten uns dort wieder auf diese coolen Holzdinger. Dann gingen wir zum "dom knigi" und trafen Natascha (Russischlehrerin) und Chiaras Volunteer. Shushana war natürlich zu spät also setzten wir uns erst mal hin und aßen Pirog. Mit zwei Stunde Verspätung kam Shushana dann aber die beiden anderen mussten los. Also nur schnell Fotos machen, Geschenke schenken und dann waren wir drei Mädels mit Shushana allein. Auch ihr wurden diese Holzdinger vorgeführt und wir machten tausende Fotos und Videos.

Halb sechs fuhren wir schon mit Marina zum Bahnhof und setzten sie in die Elektrischka. Chiara fuhr jetzt heim, ich und Shushana stiegen schon eher aus der Metro und gingen zum Hostel der AFSgruppe die heute gekommen sind. Die aus Moskau von der Orientation und noch welches aus dem Norden. Natürlich waren sie nicht da und als wir anriefen meinten sie nur sie wären in einem großen Supermarkt an dem und dem Kanal. Na super.

Aber ich kenne ja inzwischen jeden Stein hier deswegen wusste ich welches Geschäft sie meinen und sah durchs Schaufenster auch gleich eine Deutsche and er Kasse stehen. Kurz darauf kam Arabell aus dem Laden und direkt hinter ihr Orianna alias Helga aus Venezuela (Wintercamp wer sich erinnert...). Lange umarmen, dann kamen auch bald noch mehr auf mich eingestürmt. Wir warteten erst mal vor dem Geschäft und aller 20 Sekunden musste ich Ori noch mal knuddeln.

Dann ging´s ins Hostel. Zimmer beziehen (12 in einem Raum - liebe Güte) und dann schnappte ich mir Arabell, Ori und eine Thai namens Buffy und wir spazierten. Bei der Gedenkflamme setzten wir uns auf die Mauer und starrten gemeinsam die Bluterlöserkirche an - erneut Einigkeit, dass diese schöner ist als die Kirche am roten Platz in Moskau - und dann gingen wir zurück in ihr Hostel nahe des russischen Museum. Um neun waren wir da und eigentlich sollte nun die Exkursion beginnen aber wie immer bei AFS verspätete sich das ganze und eine halbe Stunde später liefen wir nun los. Wir gingen nur kurz mit ihnen, danach gingen ich und Shushana zur Haltestelle. Se weiter in die Metro und ich saß um 10 endlich in einem Bus.

Zuhause saß Ira auf ihrem Bett und skypte mit Marina. nach einer halben Stunde hatte ich gegessen, "Chai" getrunken und ein bisschen aufgeräumt, da kam Ira aus dem Schlafzimmer und wir setzten uns in die Küche und verputzten ein halbes Kilo Kirschen während Ira von Amsterdam und ich von meiner Woche hier und den folgenden letzten Tagen erzählte. Dann gab sie mir noch Essensgeld und ich war heilfroh da ich mit 60 Rubeln nicht mehr weit gekommen wäre. So verzog ich mich gegen elf in mein Zimmer und nach einer Woche ohne Internet kam ich erst gegen zwei und noch bei schönstem Sonnenschein ins Bett.

Chiaaaaaaraaaaa

Freitag, 13.06.2014

Freitagmorgen fuhr ich ins Zentrum und traf Chiara. Wir saßen eine Weile rum da eigentlich Katja dazu stoßen wollte. Sie hatten ihr aber auf der Arbeit noch eine Übersetzung aufgebrummt also fuhren wir stattdessen zu zweit zu einer Kirche in der nähe meines zuhause. Hier war aber leider ein Museum in der Kirche und wir wollten da nicht wirklich rein. Also liefen wir nur durch den kleinen Park um die Kirche herum und entdeckten, dass im Nebengebäude welches auch im Stil der Kirche gehalten ist Universitätsgebäude untergebracht sind. Unter anderem die Fakultät Internationale Beziehungen. Da überlegte sich Chiara gleich ob man das nicht studieren sollte….

Zu Fuß, mit einem Zwischenstopp im Supermarkt um Eis und Kekse zu besorgen, gingen wir dann in einen nahen Park. Hier steht mal wieder ein Schloss von irgendeinem Zaren rum, sogar mit Wassergraben und Türmchen und allem drum und dran. Rund herum ist ein Park mit ein paar Bäumen und viel Wiese wo niemand außer Ausländern drauf liegt. Wir verbrachten also die nächste Stunde an einen Baum gelehnt und Kekse futternd. Bei 28°C kein schlechter Zeitvertreib.

Dann fuhren wir im Bus zurück auf Nevskiy und gingen ins “Djadja Fadi“. Wir unterhielten uns mit Fadi (Weiß jemand wie viel es an Gebühren kostet in Deutschland ein Café zu eröffnen? Fadi will nämlich weiter ziehen…), speilten mit den vier kleinen Kätzchen, aßen eine Falafel udns chließlich kam kurz vor sechs Kirill.

Wieder mal eine extrem kurze Pseudoitaliensichstunde, dann alberten wir nur noch rum. Um neun verließen wir schließlich das Sofa, spielten noch kurz einen arabischen Zeitvertreib mit Fadi und zwei weiteren Gästen und spazierten schließlich noch zu dritt und mit 3 Millionen Touristen auf Nevskiy entlang. Am Ende angekommen bogen wir links ab und liefen an der Neva entlang bis zur Isaaks-Kathedrale. Hier setzten wir Kirill in die Metro und selber fuhren wir mit dem Bus zu mir heim. Wir tauten Pelmeni auf, aßen Torte und leerten zusammen einen reichlichen Liter “Chai“. Wir redeten lange, dann konnte ich sogar noch bei Chiara eine Massage raus schlagen. Um zwei beschlossen wir schließlich, dass es ziemlich geil wäre jetzt noch spazieren zu gehen, hell ist es ja noch. Allerdings entschieden wir dann, dass das sogar in meinem Stadtteil ein bisschen gefährlich ist und verschoben das auf nach dem Schlafen.

So standen wir also um 9 auf, frühstückten und gingen zur Neva. Am Ufer entlang liefen wir bis zu dem Wandbild von Paris. Dann fuhren wir mit dem Bus ins Stadtzentrum. Heute war faul sein angesagt. Also saßen wir erst mal gegenüber der großen Kathedrale auf einem etwas merkwürdigen Holzgebilde was eine umgekippte Stecknadel aus Google Maps darstellen soll. Dran geklebt ist eine Karte bzw. Fotos von Piter. Sommer. Touristen. Das Übliche.

Als wir uns genug begafft hatten lassen beschlossen wir ein bisschen zu spazieren und liefen zum Park mit der ewigen Gedenkflamme. Hier lagen wir geschlagene drei Stunden auf dem Rasen, schauten in die Wolken und träumten.

Dann rafften wir uns auf und mit einer Zwischenstation beim Supermarkt (Eis) ging´s zu einem Museum welches wir zur Nacht der Museen entdeckt hatten. Die Ausstellung ist über eine piterer Schriftstellerin. Das wollten wir uns nicht wirklich anscheuen aber im Innenhof von irgendeinem alten Palast in dem das Museum ist war ein wunderschöner Park in den sich auch fast niemand verirrte. Kaum saßen wir auf der Bank fragte mich Chiara ob sie mich mal kurz allein lassen kann, denn sie hätte ein kleines Geschäft gesehen wo es vielleicht was für meinen Geburtstag gibt. Also luchste ich ihr ihr Handy ab und nutzte mal das allgegenwärtige kostenlose Wifi während Chiara loseilte.

Ich starb fast vor Lachen als sie wieder kam und mich um Geld fragte, weil sie keine Karte nehmen und dann nach 10 Minuten erneut zurück kehrte, weil jetzt erst mal geschlossen war. Also drehten wir eine Runde durch den Park wo eine Fotoausstellung war, legten noch schnell eine Liste bzw. Karte mit coolen unbekannten Orten für die nächste Generation Austauschschüler in Piter an und dann ging Chiara noch mal mein Geschenk jagen. Und war endlich erfolgreich. Also konnten wir jetzt weiter ziehen und waren kurz darauf wieder auf Nevskiy. Erneut hockten wir uns in so eine umgefallene Stecknadel. In diesem Loch weht aber ein ganz schöner Wind und wir sahen wahrscheinlich etwas herzzerreißend aus, jedenfalls sprachen uns eine Menge Leute an ob es denn gemütlich wäre und wir bekamen ziemlich viele mitleidende Lächeln.

Aber um sieben mussten wir ja eh in die Metro, da Chiara Familie heute wieder kommt und sie heim muss. Also fuhr ich auch nach hause und stellte mich 20 Minuten später dem kamp mit der Tür. Inzwischen haben sogar wir uns schon en wenig angefreundet und nach 10 Minuten rumrütteln und gegenstemmen war ich wirklich in der Wohnung! Ich konnte mein Glück kaum fassen…

Im Kühlschrank war natürlich nichts mehr, da Nataschas Mutter immer noch auf der Datcha ist. Aber im Frost fand ich Pelmeni und nachdem ich schon heißes Teewasser aus dem Kessel hatte gingen auch die Pelmeni auf dem Gasherd ganz schnell und ich konnte endlich wieder was essen. Es fand sich sogar noch “Smetana“ (saure Sahne). Perfekt“!

Einfach so

Donnerstag, 12.06.2014

Um acht ging der Wecker und ich war froh, dass niemand mehr in der Wohnung war als ich nur halb bekleidet und noch halb schlafend zum Gasherd tappte um erst mal den Teekessel aufzusetzen. Ich fand noch etwas “Pirog“ gefüllt mit Eiern, Käse und grüner Zwiebel und frühstückte das zu meiner Riesentasse “Chai“. Dann rief ich Marina an die heute aus Vyborg kommen wollte. Ich hatte ihr zwar gestern am Telefon gesagt und noch mal geschrieben, dass sie eine Station früher aussteigen soll als sosnt, weil ich jetzt 5 Minuten davon entfernt wohne aber natürlich ist sie trotzdem wie immer bis Endstation gefahren. Ich brachte sie imaginär um und beschrieb ihr den Weg zur Mero. Sie musste auch noch die Linie wechseln um ins Zentrum zu kommen und so hatte sie immer noch keine 3 Stationen geschafft als ich eine halbe Stunde später auf der Plattform stand auf der sie ankommen sollte und sie anrief. Ich erklärte ihr also noch mal den Weg und meinte, wir treffen uns auf der Plattform, da es verschiedene Ausgänge gibt. 5 Minuten später klingelt mein Telefon und sie fragte mich wo ich denn sei, sie wäre oben an der Rolltreppe. An welcher zur Hölle?! Bitte bringe mich einer um…

Als wir uns dann endlich gefunden hatten gingen wir erst mal ins “Djadja Fadi“. Bald darauf traf auch Chiara nach ihrer kleinen alltäglichen stündlichen Reise aus der Vorstadt ein und wir aßen Falafel. Dann kam Fadi und zeigte uns seine vier kleinen Katzen. Er hatte sie erst am Wochenende geholt und sie waren noch so richtig winzig und flauschig. Trotz alle dem mussten wir dann langsam mal los und nach einem kleinen Umweg über den Künstlermarkt liefen wir zum Park hinter dem russischen Museum. Heute war Tag Russlands und in der ganzen Stadt waren Konzerte und andere Festlichkeiten. Hier war eine Freilichtausstellung mit Blumenkunst und modernen Skulpturen. Bald machten wir uns auf in den Sommergarten. Marina war hier noch nie gewesen und bestaunte die vergoldeten Springbrunnen und Marmorstatuen. Schließlich setzten wir uns in einen der kleinen bewucherten Holzpavillons und vertilgten Kuchen während die tausenden Touristen uns den Blick auf die Fontänen versperrten. Dann entschieden wir nicht nur rum zu sitzen und gingen über die Brücke zu Piter-und-Pavel-Festung und weiter zu dem Souvenirladen wo sich Marina endlich ein T-Shirt kaufen konnte. Kurz darauf saßen wir jeder mit einem Eis in der Hand in einem nahen Park am Ufer eines Sees und brutzelten in der Sonne vor uns hin während wir einer Blaskapelle lauschten die auch anlässlich zum Tag Russlands im Park spielten.

Gegen vier gingen wir zur Metro und fuhren zu der Station wo Natascha arbeitet. Durch den Waldpark den ich gestern erkundet hatte liefen wir zu der Station wo ich im Moment wohne. Bei den ganzen grillenden, Volleyball spielenden und rumlümmelnden Leuten wollten wir gar nicht mehr hier weg. An der Station angekommen kauften wir Marina noch “Schaverma“, die russische Variante von Dürüm. Sie hatte das nach einem halben Jahr in Russland immer noch nicht gegessen! Unakzeptabel. Dann fuhr sie kurz vor sechs schließlich heimwärts und ich und Chiara gingen zu mir heim.

Ich übertrug Chiara gleich die Aufgabe die Tür aufzumachen und nach zehn Minuten hatten wir es mit vereinten Kräften tatsächlich geschafft. Überglücklich betraten wir die Wohnung und machten natürlich erst mal “Chai“. Sämtliche verbliebenen Essensvorräte wurden von uns vernichtet, dann massierte Chiara mich noch und ich holte meine schlimmste Schauermärchenstimme raus bis sie kurz davor war aus der Wohnung zu rennen. Weniger später musste sie aber so oder so los und ich war halb acht schon alleine. Ohne Internet. Raus kann ich mit dieser beschissenen Tür auch schlecht. Was macht man da also außer T-Shirts bemalen, Taschen nähen zum eintausendneunhunderteinundfünfzigsten Mal die Filme gucken die man auf dem Laptop hat und ich durch sämtliche Teesorten probieren die es im Haus gibt. So viel zur Ausgestaltung meiner zwei letzten Wochen in Russland.

Der Kampf um ein und mit einem Schloss

Mittwoch, 11.06.2014

Als um zehn der Wecker klingelte fühlte ich mich so ausgeschlafen wie noch nie. Als ich mich von der Couch erhob oder vielmehr runter rollte krachte es zwar wieder im Rücken aber der Weg zur Kühe mit Teekessel, Pirog und allem was die Welt besser macht ist ja zum Glück nicht sehr weit. So begann mein Tag zur Abwechslung mal ganz entspannt und kurz vor elf knallte ich die Tür hinter mir zu und ging zur Metro.

An einer zentrumsnahen Station traf ich Chiara. Wir warteten eine Weile auf Nastya (Tochter von Iras Freundin mit der ich mich schon ein paar Mal getroffen hatte) und schließlich kauften wir beim nahen Bahnhof für 34 Cent ein Zugticket nach Puschkin.

40 Minuten später erblickten wir die erste Ansammlung Plattenbauten und kurz darauf steigen wir am historischen Bahnhof aus. Noch 5 Minuten im Bus und wir waren am Palast von Ekaterina II. Und mit uns abertausende Touristen. Durch den Rat einer Frau entdeckten wir einen anderen Eingang am Ende des Parks wo die Schlange um einiges kürzer war und so bekamen wir kurz vor 3 älteren Herrschaften aus Sachsen (unerwartete in ein Gespräch auf Dialekt Ratschläge einwerfen wenn die Leute denken du sprichst nur Russisch macht übrigens Spaß) unsere Eintrittskarten in den Park.

Wir gingen eine großen Kreis um den See in der Mitte des Parks und sahen hier ein älteres Backsteinanwesen, ein Bad im türkischen Stil, eine Pyramide, eine Art griechischen Tempel und allerlei andere interessante Bauwerke. Mit einigen Pausen näherten wir uns so dem eigentlichen Palast. In der besten Mittagshitze standen wir dann wieder mit eiern Herde Touristen an. Nach einer halben Stunde ließ man uns rein. Mit einer Gruppe deutscher Touristen und ihrem Guide schleusten wir uns gleich durch die Sicherheitskontrolle, den Metallscanner, zogen brav die Überzieher über unsere Schuhe und gaben die Taschen ab. Dann ging es in das eigentliche Schloss. Hier ist nicht wie z. B. in der Ermitage ein Museum sondern die Palasträume wie sie früher waren ausgestellt. Oder besser wie man sie nach dem krieg in dem ausgebrannten Schloss wieder aufgebaut hatte. Wo in Pitergof noch ab und zu den Augen Ruhe gegönnt wurde waren hier komplett alle Zimmer in Weiß und Gold (Verhältnis 2 zu 8) gehalten.

Nach einer knappen halben Stunde war´s das auch schon. Etwas enttäuscht gingen wir noch ein wenig durch den Park und schließlich durch den kleinen Vorort zurück zum Bahnhof. Um 5 saßen wir wieder im Zug heimwärts. Diesmal stiegen wir schon am Stadtrand aus, Chiara fuhr direkt in der Tram nach hause, Nastya und ich fuhren in der Metro. War ich froh, dass Natascha so nah an der Metro wohnt, meine Füße waren nämlich nach stundenlangem Rumlaufen in Ballerinas schon ausreichend strapaziert. Also stieg ich siegesgewiss die letzten Stufen hoch, steckte den Schlüssel ins Schloss und…Ba Ba Ba Baaaaaaam! Natürlich hatte die altersschwache Tür genau heute mal wieder beschlossen nicht aufzugehen. Ich probierte eine Viertelstunde herum, dann beschloss ich erst mal beim Supermarkt um die Ecke was zu trinken und ei Brötchen zu holen damit ich wieder klar denken kann. Der Entschluss lautete: Zu Natascha auf Arbeit. Also eine Station in der Metro zurück. Sie arbeitet in einem “Kofe Chaus“ gegenüber der Metro an der Kasse.

Ich erklärte also mein Problem und halb lachend halb verzweifelt gab sie mir ihre Schlüssel die angeblich besser funktionieren.

Ich war also zurück auf der Straße und da ich nicht mehr wirklich viel Geld übrig habe beschloss ich lieber zu Fuß zurück zu gehen. Durch den Waldpark wusste ich, dass es nicht so weit war aber die halbe Stunde zusätzlicher Fußmarsch gefiel meinen Füßen trotzdem ganz und gar nicht.

Dann war ich also wieder im Treppenhause und natürlich ging die Tür nicht auf. Ich setzte mich in einen Park quasi direkt vor Nataschas Haustür und rief aus purer Langeweile und an Wahnsinn grenzender belustigter Verzweiflung Chiara ann. Die ging noch mal alle Freundinnen, öffentliche du halböffentliche sowie inoffizielle Orte durch die ich schon im Kopf abgehakt hatte und kam wie ich zu dem Schluss, dass mir wohl nichts übrig bleib als zurück zu gehen zu Natascha auf Arbeit wonach mich meine Füße wahrscheinlich selbst gefressen hätten oder zu warten. Allerdings war sie nicht wie ich ein Verfechter des Im Park Wartens sondern überredete mich das Ganze im Treppenhaus abzuhalten, in der Hoffnung, dass ein hilfsbereiter Nachbar vorbei kommen würde. So war ich also irgendwann gegen neun wieder im Treppenhaus. Nach weiterem vergeblichen an der Tür rum rütteln war mein Daumen inzwischen Blutig vom Schlüsseldrehen, mein restlicher Handballen ebenfalls aufgerieben aber die Tür immer noch zu und das Treppenhaus leer. Da hörte ich wie unten die Tür ging du schlich aus der 4ten Etage Richtung Erste. Hier war gerade ein Vater mit Kleinkind nach hause gekommen und verstaute noch umständlich den Kinderwagen bei halb offener Wohnungstür. Ich fasste mir ein herz und trug mein Problem vor. Er schaute mich sehr kritisch an und sein Gesichtsausdruck hatte etwas von “Verrückten soll man nicht widersprechen“ aber er willigte doch ein drei Etagen weiter oben sich an meiner Tür zu versuchen. Er fragte mich drei Mal ob ich denn auch sicher war, dass es genau dieses Haus und diese Wohnung wäre (Die Frage ist berechtigt denn hier sehen ja wirklich die nächsten Dutzend Nachbarhäuser gleich aus.) und ich versicherte, dass ich mir sicher wäre und ich einfach nur bei einer Freundin wohne die eine schreckliche Tür hat. So legte der Mann also los, er ganz vorsichtig, dann drückte er die Tür ran, schließlich kniete er sich sogar hin und rüttelte an der Tür und im Schloss. Und nach 10 Minuten war die Tür tatsächlich auf!

Nach 3 Stunden war ich also wirklich und wahrhaftig in der Wohnung. Ich fiel erst mal auf mein bett welches praktischerweise gleich gegenüber der Tür steht und rief Chiara an. Zusammen verfielen wir in ein hysterisches Lachweinen. Dann machte ich “Chai“, holte Priog aus dem Kühlschrank und überdachte erst mal meine Situation. Drei Stunden verloren in denen ich eigentlich hätte Geschenk machen sollen, dafür eine Schrecklichkeit an die ich mich wahrscheinlich bis ans Ende meines Lebens erinnern werde. Hätte schlimmer kommen können.

Mitternacht kam Natascha mit einer Freundin nach hause und brachte mir “Schaverma“ (russische Auflage des Dürüms) zum Abendessen mit. Ihr iPhone hatte sich beim Runterladen eines Programms aufgehängt und jetzt rief sie über skype tausend Leute an, las im Internet und versuchte auf allen möglichen und unmöglichen Wegen dieses Telefon wieder in gang zu bekomme. Nach einer guten Stunde gab sie schließlich auf und ging um halb zwei zu einem Freund der in der nähe wohnt und anscheinend ein bisschen was von Technik versteht. Ich war froh, dass ich endlich schlafen konnte und so wie sich das anhörte als ich gegen drei kurz wach wurde war der besagte Freund auch erfolgreich gewesen. Da kann man ja beruhigt wieder einnicken.

ein bisschen alternativ

Dienstag, 10.06.2014

Dienstag klingelte schon um neun der Wecker. Nach unzähligen Nächten im Schlafzug und auf unbequemen Sofas, jetzt zudem zurück auf meiner durchgelegenen Schlafcouch lief ich die ersten Minuten erst mal sehr gebückt und langsam durch die Wohnung. Nach einer Tasse “Chai“ sah die Welt aber schon wieder ein bisschen besser und weniger schmerzhaft aus also ging ich daran meine Klamotten, den Laptop, alle Lehrbücher und was man eben noch so braucht und nicht braucht um eine Woche zu überleben zu packen. Gegen zehn fuhr ich zur Schule. Hier kann man jeden Tag ab 10 seien Lehrbücher abgeben. Jeden tag außer Dienstag wie mir wenig später erklärt wurde. Ich reif also meine Klassenlehrerin und in ihrer grenzenlosen Freundlichkeit bot sie mir an, meine Bücher in der Schule zu lassen damit sie sie dann abgibt.

So saß ich also wenig später wieder an der Bushaltestelle und fuhr ins Zentrum. Chiara hatte verschlafen also kam ich in den Genuss mit tausend Touristen in einem park nahe der Ermitage zu warten. Nach dauerhafter Hitze war es haute wieder erstaunlich kalt, sodass wir als Chiara dann kam bald ein Timecafé aufsuchten.

Auf eiern Dachterasse hoch über Nevskiy, eingewickelt in ein paar Wolldecken auf einem Ledersofa mit unbegrenztem Vorrat an Tee und Keksen begannen wir dann ein T-Shirt für Shushana zu bemalen. Unser Abschiedsgeschenk. Ich fand noch eine Gitarre und wir spielten ein wenig um zwei Stunden später das Café zu verlassen.

Auf dem Weg zur Haltestelle fiel uns noch die Bank ins Auge und Chiara beschloss sich mal wegen den hundert Euro für ihr Russischexamen zu kümmern. Das klappte natürlich nicht. Warum einfach wenn´s auch kompliziert geht. Also fuhren wir mit dem Bus zu dem Hostel in dem die erste AFSgruppe gewohnt hatte. Hier gibt es eine Lounge mit vielen Sofas, Esstischen und Computerplätzen und wie selbstverständlich setzten wir uns zwischen die Hotelgäste um an einem warmen und trockenen Platz auch noch ein T-Shirt für Natascha (die aus Chiaras Schule) zu bemalen.

Um sechs gingen wir dann schließlich zurück zur Haltestelle und ich fuhr mit Chiara zum Theater. Sie hatte über die Schule eine Karte fürs Ballett bekommen und so gab ich sie am “Marinskiy teatr“ ab bevor ich selbst eine halbe Stunde zurück zur Metro lief. Bei dem Wetter macht das ja auch Freude.

Um neune war ich also bei Natascha (also die die letztes Jahr in Berlin war) zuhause. Ihr Mutter Olga öffnete mir die Tür mit dem Kommentar, dass ich ja schon wisse wo meine Sachen hin sollen, wo mein Bett steht und das wir gleich essen können. Ich stellte also meine Taschen ab und ging brav in die Küche. Hier war sie schon am rumwerkeln und während sie mir Fischsuppe aufwärmte ging wieder eine der Endlosunterhaltungen die wir beide führen können los. Als zweiten Gang gab es Kotletten mit Kartoffeln. Normalerweise hier zu Püree verarbeitet folgte Olga mal meinem Rat und aß zum ersten Mal einfach so gekochte Salzkartoffeln. Dann setzte sie mir noch ihren selbstgemachten Joghurt vor. Der ist ein bisschen sauer aber mit selbstgekochter Marmelade von der Datcha ein Hochgenuss. Und pünktlich zu diesem Freudenfest an kulinarischer Hochkultur kam auch Natascha von der Arbeit heim. Sie wollte zwar nichts mehr essen aber an der Unterhaltung beteiligte sie sich gern.

Bis Mitternacht elf laberten wir so durch die Gegend, dann ging ich mit Natascha spazieren. Wir schafften es nur 10 Minuten bis zu MakDak, denn trotz hellem Sonnenscheins wurde es inzwischen empfindlich kalt. Sie kaufte uns beiden je ein Frappe und so saßen wir dann noch mal eine gute Stunde und werteten die AFSlager in Piter und die ihrer Zeit in Berlin aus. Wider zuhause wollten wir nur noch schlafen und ich war froh, am nächsten Morgen ausschlafen zu dürfen.

Zuhause in der Zivilisation

Montag, 09.06.2014

Montagmorgen gegen fünf waren wir im Zentrum Piters angekommen. Wir setzten uns ins nächstgelegene “Kofe Chaus“ und führten uns erst mal ein bisschen Koffein zu Gemüte. Shushana war bei uns also schafften wir es natürlich nicht Marinas Elektrischka zu erwischen. Ich scheuchte sie dann, damit sie nicht noch zu der Nächsten zu spät kommen und so gingen Mariana und Shushana dann endlich zur Metro. Chiara und ich liefen zur Haltestelle und fuhren kurz darauf im Massengrab (auch bekannt unter Bus 22) auf stauverstopften Straßen heim. Es war schon 8 als wir ankamen also war Ira auf Arbeit.

Erste Amtshandlung – Wasserkocher an! So saßen wir erst mal mit was Ordentlichem zu essen und werteten die letzten Tage aus. Dann ging Chiara duschen und ich nickte auf dem Sofa ein. Als se fertig war gesellte sie sich zu mir und wir begannen warum auch immer unsere Hymnen zu singen. Dann hörten wir noch die einiger anderer Staaten und ich muss gestehen, wir haben da echt Glück gehabt!

Dann war die nächste Runde “Chai“ dran, diesmal wagte ich mich an meine Frostvorräte und hatte nach drei Minuten Mikrowelle eine halbwegs essbare Lasagne vor mir. Chiara kam es natürlich fast hoch aber für sie fand ich ein paar gefüllte Eierkuchen zum Auftauen. Dann rief überraschenderweise Shushana an. Sie hatte verpennt gehabt Chiara für ein weltweit anerkanntes Russischexamen einzutragen wozu AFS auch Hilfe anbietet und informierte sie jetzt, dass sie bis fünf am heutigen Tage dort aufzutauchen habe. Wir verpassten uns also noch eine letzte Ladung tiefschwarzen Tee und fuhren dann ins Zentrum. Von Chiaras Schule aus liefen wir über die Neva um auf die größte der Inseln zu kommen. Hier steht ein Großteil der Universitäten und wir fanden auch schnell das Amt für Sprachprüfungen. Nach 10 Minuten war Chiara angemeldet.

Es war erst fünf also beschlossen wir ein bisschen zu spazieren. Durch die Piter-und-Pavelfestung wo leider der Strand gesperrt war kamen wir schließlich zu einem großen Souvenirladen. Hier am Zentrumsrand ist das Zeug schon relativ bezahlbar und wir fassten uns ein Herz und arbeiteten endlich mal die Liste mit Geschenken für die Leute daheim ab. Dann saßen wir im Park vor dem Laden und Chiara bekam schon wieder einen Anruf von Shushana, diesmal weil sich ihre Gastmutter bei Shushana beschwert hatte. Dieser Tag begann wirklich anstrengend zu werden.

Über die nächste Brücke, durch den Park mit der ewigen Gedenkflamme, vorbei an der Bluterlöserkirche liefen wir zu meiner Bushaltestelle. Ich brauchte Chiara nur ansehen und wie so oft in letzter Zeit haben wir beide dieselbe Frage im Gesicht: Wie sollen wir nur ohne Piter leben? Was macht das Leben für einen Sinn wenn wir nicht mehr jeden Tag hier zusammen rumlaufen als wäre diese unglaubliche Schönheit das Normalste auf der Welt? ...Und sagt jetzt nicht ich hätte Luxusprobleme! ;)

Um sieben setzte ich mich schließlich in den Bus heimwärts und dank des immensen Staus zur Ferienzeit war ich erst eine Stunde später zuhause.

Ira war noch nicht da also ging ich wieder an meine Frostreserven und versackte dann vorm Rechner. Kurz vor zehn kam schließlich Ira und wir unterhielten uns kurz bis sie anfing ihren Kram für die nächste Geschäftsreise nach Estland und das Feiertagswochenende welches sie mit ihrer Freundin in Amsterdam verbringt zu packen. Ich wollte nur noch schlafen und verschob das Packen.

End of Stay Orientation

Donnerstag, 05.06.2014

Donnerstagmorgen fuhr ich gegen zehn mit meiner Tasche für die Orientation zu Chiara. Es war schon eine Bullenwärme und ich war froh im Foyer ihrer Schule warten zu können wo ein paar Jungs Kaugummi vom Boden kratzten und auch sonst fleißig aufgeräumt wurde. So viel zu 3 Monaten Sommerferien.

Dann kam auch endlich Chiara und wir liefen ein bisschen durch die Straßen bis wir dreiviertel zwölf bei Fadi waren. Kurz darauf kam Natascha und wir fingen an einen Obstteller zu machen, Getränke bereit zu stellen und so weiter. Bald trudelten dann Nataschas Freunde ein und saßen im Wohnzimmer, spielten und feierten so Nataschas 17. Geburtstag. Die Bäuche schlugen wir uns voll mit Falaffel, Kuchen und Obst, wir spielten Activity (Chiara und ich waren wie immer unschlagbar) und im Großen und Ganzen war es ein lustiger Nachmittag. Um sechs musste Natascha los ins Theater und auch der Rest der Gruppe zerstreute sich. Mit Kirill, Chiara und drei Jungs saßen wir weiter auf dem Sofa rum und spielten weiter. Gegen neun brachen dann auch wir auf und Kirill brachte uns bis zum Bahnhof. Hier saßen in einer der Kantinen schon Thena und Marina und bald gingen wir zusammen in die Bahnhofshalle. Shushana trudelte wie immer ein wenig zu spät ein und wir gingen an einen Schalter um die Onlinetickets als normales Ticket zu drucken. Shushana fragte nach unseren Pässen und mir wurde leicht schwindelig - so übermüdet wie ich meinen Kram gepackt hatte ich vergessen, dass man in Russland ja einen Reisepass braucht um in den Zug rein zu kommen!

Eine Sekunde später hatte ich schon das Handy am Ohr und rief Ira an. Die fuhr (ich weiß bis heute nicht wie) in zwanzig Minuten die 5 Kilometer von mir nach hause zum Bahnhof. zum Glück war es schon fast 10 und kein Sau mehr. Ich hetzte zurück und kam noch rechtzeitig aufs Gleis wo die anderen vier gerade unseren Wagon suchten. Bei 30°C im Schatten Rumrennen, dann im warmen Zug sitzen...Lecker! Aber wenigstens waren wir 4 Mädels mal wieder beisammen und überschrien sogar die meiste Zeit Shushana. Später wurden dann die Matratzen ausgerollt, Kissen bezogen, Tische zu Liegen geklappt und schließlich saßen wir im Halbdunkel kurz vor Mitternacht jeder mit einer Tasse "Chai" (von mir und Thena heldenhaft aus dem nächsten Wagon besorgt, weil in unserem der Samovar kaputt war) in der Hand da und laberten. Bis einer die Tasse aus der Hand fiel und meine und Chiaras Beine leicht verbrühte. Aber was soll´s. Gegen Mitternacht gingen wir dann schlafen um gegen fünf am Freitagmorgen einigermaßen ertragbar zu sein.

 

Moskau begrüßte uns mit seiner Festlandwärme und wir gingen gleich neben dem Bahnhof in Shushanas pseudoitalienisches Lieblingsrestaurant. Mit einem Stück Margarita sieht so ein Morgen halb sechs doch schon ganz anders aus. Dann noch das Päckchen Schulschokomilch und schon war ich fähig den Rest des Rudels antreiben, sodass wir pünktlich um halb sieben in der Elektrischka Richtung Aleksandrov saßen. Kopfhörer auf und drei Minuten später war ich an Marinas Schulter eingenickt. Eine halbe Stunde später schreckte ich noch mal hoch und fand auch alle anderen n mehr oder weniger unbequemen Positionen schlafend vor. Zweieinhalb Stunden später waren wir in Aleksandrov udn wurden von den dort wohnenden AFSern sowie drei Italienern aus anderen Käffern nahe Moskau begrüßt.

Zuerst brachte man uns zu Marinas Gastfamilie nach hause. Auch den ersten Abend meiner allerersten Orientation hatte ich bei dieser Familie verbracht und war froh so ein liebes Mädchen u uns zu haben. Wir bekamen dann auch gleich "Chai" vorgesetzt sowie Eierkuchen mit süßer Milch und saurer Sahne. Wir spielten noch ein bisschen Klavier, einige Mädchen duschten und wir gingen zurück zum Bahnhof. Von hier fuhren wir 40 Minuten zu der nächsten größeren Stadt und schauten uns das dort befindliche ehemalige Klostergelände mit den vielen Kirchen an. Dann saßen wir eine dreiviertel Stunde bei MakDak (also die russische Variante von McKotz oder wie auch immer) und fuhren schließlich nachdem wir auf dem Gleis noch ein paar Energizer gemacht hatten wieder nach Aleksandrov. Hier gingen wir wieder mit zu Marina nach hause und nach weiterem "Chai" brachten uns Marinas und meine Gastschwester (dieselbe wie letztes Mal) zur Schule. Hier ging um 4 die Orientation los.

Shushana hatte zwei 17jährige Returnees aus Italien und der Tschechei zur Hilfe bekommen und fing dann mit uns paar Hanseln an. zu elft ist so was wirklich sinnlos, vor allen dingen, wenn über die Hälfte Italiener sind. Aber trotzdem gingen die ersten zwei Stunden ganz gut. Dann wurden wir in kleine Gruppen geteilt. ich landete bi dem Jungen der in der Tschechei war. Er sollte eigentlich mit uns besprechen was wir in den letzten drei Wochen machen sollen und wir wieder die ganzen Probleme angehen wenn wir wieder zuhause sind. Hat er auch. Ungefähr acht Minuten lang. Dann saßen wir ziemlich wortkarg rum und warteten bis auch die zweite Gruppe fertig war. Dort war es ähnlich schnell vorbei und während Shushana mit ihrer Gruppe noch eine knappe Stunde redete spielten wir derweil irgendwas und sprangen wie bekloppt durch den Gang.

Gegen acht war dann auch Shushana fertig und bald darauf konnten wir nach hause gehen. ich ging zusammen mit Arabell aus Deutschland die ihr Auslandsjahr nur zwei Häuser von mir entfernt verbringt. Die Mutter war arbeiten, der Vater noch mit dem Taxi unterwegs also kochte mir Nastya ein par Pelmeni während ich endlich duschen gehen konnte. Mit einer Tasse "Chai" saßen wir dann noch eine ganze Weile und irgendwann nach Mitternacht fiel ich schließlich auf die Couch und schlief ein.

 

Samstag mussten wir dann schon wieder halb 8 raus. Nach einem schnellen Frühstück warteten vor dem Tor schon Arabell und ihre Gastschwester auf uns. Wir gingen zusammen zu der Bushaltestelle an der unasphaltierten durchlöcherten Lehmpiste. Bald kam der Bus und wir fuhren zur Schule. hier wartete ein etwas solider aussehendes Gefährt auf uns und beförderte bald 11 Austauschschüler und einen Haufen Gastgeschwister sowie Gasteltern nach Sjuzdal. Einer 10000einwohnerstadt ca. 2einhalb Stunden von Aleksandrov. ich saß mit Arabell und rotz der Schüttelstraßen nickte ich bald weg. Sogar ich brauche halt irgendwann mal Schlaf.

Endlich in Suzdal angekommen parkten wir zuerst vor einem der Kirchenpaare um hatten 10 Minuten zum Souvenire kaufen. Wieder im Bus hatte unser Guide, eine Frau um die 30 uns gefunden und erklärte den kurzen Weg zu einem der Freiluftmuseen. Hier wurde ein Holzkirchenpaar aufgebaut.

Was es mit den Paaren auf sich hat? Hier wurden wie in vielen der kalten Regionen Russlands Kirchen immer paarweise errichtet. Eine große Sommerkirche und eine kleinere, kompakte, gedrungene Winterkirche die leichter zu beheizen war. Diese Exemplare wurden aus dem Norden hierher transportiert und originalgetreu wieder aufgebaut. Bedeutet nur aus Holz, mit Holznägeln und Holzkeilen und Holzschindeln auf den unzähligen kleinen Zwiebeltürmchen.

Nachdem in den beiden Kirchen waren betraten wir noch eines der großen Holzhäuser deren Einrichtung hier auch noch gut erhalten war. Ein Wohnraum mit gigantofantösem Kamin auf und über dem die bis zu 10 Kinder schliefen, eine kleine Eckküche und ein bett für die Eltern. So wie das eben ein paar Jahrhunderte früher auszusehen hatte. Nicht zu vergessen das zweite Zimmer in dem die Sachen für die Mitgift angehäuft werden und der dritte Raum mit dem Geschirr und Ackergeräten.

Bald darauf hatten wir 4 Piterer ein Eis gejagt und saßen bei 35°C wieder im Bus.

Es ging zum Kreml. Hier standen wieder Kirchen, allerdings war das Gebäude das wir ansahen bis auf die wunderschönen Wandmalereien wie ausgestorben. Hier war ein Gulag beherbergt gewesen und man hatte in der Sowjetzeit alles Kircheninventar entfernt. Der Garten um das alte Herrschaftsgebäude war trotzdem wunderschön und wir hörten auch noch um 2 das Glockenspiel und ließen von Shushana tausend Fotos machen.

unser local chapter...

...erst mal normal... .

..dann kurz Planbesprechung... ...zwischendurch...

...und was bei rauskam! Dann noch posen im Russenstyle:

Es fing an zu tröpfeln und wir gingen zum Bus. Bis wir am Parkplatz waren war es schon ein ausgewachsener Platzregen und ich rannte mit Thena und Marina in den Bus. Nur um 2 Minuten später einer verrückten Idee nachzugehen und wieder raus zu rennen um im Regen zu tanzen und rumzuspringen. Kaum wieder zurück im Bus schickte uns Shushana erneut raus, weil sie es nicht geschafft hatte Fotos zu machen.

Völlig durchnässt saßen wir dann also irgendwann im Bus und fuhren Souvenire kaufen. So vollkommen durchnässt hatte ich eigentlich keine Lust aber was tut man nicht alles. Wenigstens war es jetzt nicht mehr so sch***e warm.

Nachdem ich mit Chiara ein paar Geschenke für die Zuhausegebliebenen für die Hälfte von dem was man in Piter bezahlt erstanden hatte ging es auch schon wieder zurück zum Bus und Mittag essen. In einem kleinen Restaurant standen schon süße Brötchen und Salat bereit, kurz darauf kam noch Suppe, Kartoffeln mit Fleisch, „Chai“ und Dessert. Das hatten wir aber auch nötig gehabt!

So halbwegs wieder getrocknet fuhren wir jetzt zum letzten Event. Der ältesten Kirche der Stadt mit den Gebäuden irgendeines Barons drum herum. In die Kirche kam man nicht rein aber wir wurden durch die herrschaftlichen Räume geführt und liefen anschließend noch über das Gelände, machten Fotos und begafften die 5 Brautpaare.

Jetzt endlich durften wir unseren Guide verabschieden und fuhren völlig erschöpft im Bus heim. Das war natürlich auf der Schüttelstraße keine Erholung aber wenigstens holte uns um 8 dann mein Gastvater an der Schule ab. Da meine Gastmutter auch mit auf der Exkursion gewesen war hatte heute der Vater gekocht. Als wir heim kamen mussten wir so nur noch die Auflaufform mit Fleisch, Kartoffeln und Möhren aus dem Ofen holen und setzten uns auf die Terrasse des kleinen Gartenhäuschens.

Wir unterhielten und ganz gut und gegen neun ging ich mit Nastya, einem Gartensack und einem Handschuh zu einem nahen Feld. Über “Straßen“ wie sich die Feldwege zwischen den Bruchbuden hier nennen strackselten wir abwärts, vorbei an ein paar Quellen, über einen kleinen Fluss und standen bald auf einer großen Wiese in einer Senke zwischen den Holzhäusern und benachbarten Plattenbausiedlungen. Nastya pflückte einen Sack voll Gras für ihre zwei großen und zehn Babyhasen, als ihr einfiel, dass heut auch noch Milchtag war half ich ihr schnell und wir rannten nach hause. Wir legten das Gras zum Trocknen aus und gingen zwei Ecken weiter zu der Milchfrau. Auf der Straße trafen wir Nastyas Freunde die den ganzen Tag hier rumgelungert hatten. Nachdem wir bei der Frau die frisch im Garten gemolkene Milch abgeholt hatten brachten uns zwei Freunde von Nastya heim. Sie stellte nur schnell die Milch ab und wir beschlossen ein bisschen zu spazieren. Zuerst saßen wir nur auf einem Stapel Holzbalken und redeten mit dem Mädchen während der Junge zuhause kurz seinen Eltern half. Kaum war er wieder da begannen wir mal eine Runde um die Sieldung zu drehen. Immer wieder hielten wir an damit Nastya eine ihrer lustigen Vorführungen und Parodien bringen konnte, mir wurde auch sogleich der Gesang und Tanz des berühmtesten Dauerbetrunkenen der Siedlung gezeigt der leider schon seit ein paar Tagen nicht mehr gesichtet worden war. Nach den Blicken der anderen zu urteilen war ich nicht die Einzige die vermutete, dass der gute Mann anscheinend seinem Laster erlegen war.

Schließlich waren wir an einem Stapel unverständlicher und schon halb verwitterter Betonbauteile angekommen und ließen uns nieder. Dann überredete mich Nastya noch ein Spiel von der Orientation zu spielen, im Gegenzug machten wir uns jetzt auf den Heimweg. Ich hatte schon vor geraumer Zeit dem Jungen sein Mountainbike geklaut gehabt und genoss es endlich mal wieder auf einem normalen Fahrrad zu sitzen. Kurz darauf waren wir wieder daheim, gaben den Häschen unser gesammeltes Gras und ließen uns in der Küche mit der frischen Milch nieder.

Danach ging ich duschen und setzte mich schließlich noch daran Nastyas Armband fertig zu knüpfen. Deutschland- und Russlandflaggen. Als ich es ihr gegen Mitternacht endlich um den Arm knotete war sie ganz außer sich vor Freude. Ich glaube sie will jetzt auch noch zwanzig mehr so wie ich.

 

Sonntagmorgen klingelte mein Wecker um acht. Meine Gastfamilie war schon in Herrgottsfrühe auf die Datcha gefahren. Ich konnte nicht mit fahren also hatte man mir einfach die Schlüssel dagelassen. Kein Kommentar zu so viel Vertrauen. Als ich gerade umgezogen war kam aber auch Nastyas ältere Schwester heim. Sie studiert in Moskau und wunderte sich ebenfalls niemand anzutreffen. Trotzdem machte sie mir erst male einen Eisbecher und Marmeladenbrot mit “Chai“. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihr und sie hat wirklich ein paar sehr interessante Gedanken geäußert. Zum Beispiel, dass sie Moskau lieber mag als Piter, weil Zweitere ja so eine kleine und ruhige Stadt wäre. Daaaa muss ich anscheinend noch mal drüber nachdenken.

Dann traf ich um zehn nach elf Arabell draußen vorm Tor und wir fuhren zur Schule. Hier saßen schon ein paar AFSer und Gastgeschwister auf den Stufen. Der Großteil um Marina und Thena fuhr in dem Kreml. Wir waren da schon bei der ersten Orientation gewesen und legten keinen großen Wert drauf noch mal hin zu müssen.

Also fuhren Chiara, Bella und ich zurück zu meiner Haltestelle und gingen erst mal kurz zu Bella nach hause. Sie wohnt drei Häuser von meiner Gastfamilie entfernt in einem erst kürzlich um eine Etage aufgestocktem Holzhaus mit zugewuchertem Garten und unter Hängepflanzen verschwindendem Tor. Chiara und mir hatten die zwei tage Dorf anscheinend noch nicht gereicht – wir waren recht geschockt wie Arabell hier ein Jahr glücklich geworden war. Aber ihre Gastfamilie war schon echt nett.

Fünf Minuten später hatten wir eine Decke bekommen, meine Tasche abgestellt und gingen wie gestern Abend zu der großen Wiese hinunter. Heute liefen wir aber weiter den Fluss entlang und kamen schließlich in einer der Kurven zu einer kleinen Bucht wo wir unter einem Baum unsere Decke ausbreiteten und uns erst mal ins Wasser stellten. Wir picknickten und lagen dann einfach faul in der Sonne. Nach zwei Stunden kamen die andren aus dem Kreml. Wieder standen wir alle gemeinschaftlich im Wasser. Die Gastgeschwister der meisten hatten sich schon gegenseitig ins Wasser geschmissen, nur wir planten noch kulturvolles baden gehen. Beziehungsweise wollten wir eigentlich gar nicht in das kalte Wasser bis Thena meinte der Ozean zuhause wäre auch nicht wärmer. Sie ließ sich von Arabell deren Top geben das diese über dem Kleid gehabt hatte und mit ihrer Unterhose ergab das einen passablen Bikiniersatz. Kurz nachdem sie reingesprungen war hatte ich auch Chiara, Marina und eine andere Italienerin überzeugt und wir alle zogen uns rasch aus. Kleidungsstücke waren weiter keine übrig also blieb uns nur BH und Unterhose. In Momenten wie diesen ist es doch gut, dass wir bei AFS (gerade in den Gastfamilien) immer so einen gewaltigen Mädchenüberschuss haben, so war das auch keiner von uns peinlich. Wir schwammen ein paar Flussbiegungen herunter, dann beschlossen wir umzukehren. Allerdings mussten wir bei der starken Strömung zurück laufen und natürlich stand inzwischen das halbe Dorf glotzend am Ufer.

Wieder in unserer Bucht angekommen standen wir noch ein paar Minuten in der Sonne, dann mussten wir mehr oder weniger nass doch wieder in unsere Klamotten und alle liefen zurück zur Bushaltestelle um noch pünktlich ihr Zeug von zuhause zu holen. Ich hatte ja schon alles bei Arabell stehen also gingen wir zu ihr heim wo ihre Mutter uns gleich Mittagessen anbot. Fischsuppe, danach Fleisch mit Kartoffeln und Salat. Ich weiß nicht was diese Frau magisches getan hat aber das Gemisch aus Feldsalat, Gurke und Tomate hat sogar mir Gemüsehasser geschmeckt. Chiara war nach meiner Bemerkung diesbezüglich den ganzen Abend im Schockzustand.

Nachdem wir noch einen Cocktail aus Eis und frischen Erdbeeren vertilgt hatten gingen wir in die oberer Etage in Arabells Zimmer. Das hatte der Vater wenige tage nach ihrer Ankunft fertig gestellt. Wenn Arabell nach hause fliegt wird eine ihrer zwei Gastschwestern darin wohnen, dementsprechend war von der Decke, über Wände, den selbstgebauten begehbaren Kleiderschrank bis hin zu Teppich, Bettwäsche und Vorhängen alles in verschiedenen Lilatönen gehalten. Gut, dass wir nur eine halbe Stunde dort saßen!

Dann gingen wir runter und mit einer Tasse “Chai“ und ein paar Keksen verabschiedete ich mich von Aleksandrov um dann mit Arabell zum Bahnhof zu fahren wo schon Marina wartete. Auch die anderen trudelten ein, in letzter Sekunde kam Shushana und schließlich fuhren wir um 6 nach Umarmungen zu acht ab. Die meisten hatten von ihren Gastfamilien Fresspakete bekommen, sodass wir vier Piterer uns es schon in der Elektrischka gut gehen ließen. Nach zwei Stunden waren wir in Moskau, verloren gleich eine der Italiener und bekamen dafür interessanten Zuwachs. Marinas Mutter, eine gebürtige Russin, war gerade auf Verwandtschaftsbesuch in Moskau gewesen und mit der Großmutter gekommen um Marina zu treffen. Während die drei also schnatternd abzischten gingen Thena, Chiara, Shushana, di zwei restlichen Italiener und ich in einen nahen Diner. Gut, dass wir Shushana überreden konnten nicht wie immer in dieses pseudouitalienische Gruselkabinet zu gehen. Während 4 der Anwesen sich auf Italienisch belegten redete ich mit Thena und erklärte ihr wie das mit den Dialekten in Deutschland so ist. Für jemand aus den USA ist das wirklich schwer zu fassen. Dann holte ihre Gastfamilie sie ab um weiter in den Urlaub nach Wolgograd zu fahren und auch wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Hier trafen wir Marina samt Mutter und Oma und gingen auf unser Gleis. Nach einer langwierigen Verabschiedungszeremonie von Seiten Marinas und ihrer Familie fuhr der Zug gegen elf endlich los. Wieder war es stickig warm aber trotz alle dem saßen wir natürlich schnatternd und “Chai“ trinkend auf einem der Betten. Bis mir wieder siedend heißes Teewasser über die Unterschenkel gegossen wurde da im Vorübergehen in dem engen Gang ein Mann eine der Tassen umgeschmissen hatte. Ich schrie den ganzen Zug wach und humpelte dann schnell ins Klo wo 5 Minuten später auch eine immer noch ratlose Shushana auftauchte und mir zusah wie ich kaltes Wasser über mein Bein laufen ließ.

Kaum wieder hingesetzt schaffte Marina es noch mal ihre Tasse über meiner Wade zu leeren, dies Mal war der Tee aber zum Glück nur noch lauwarm. Sie nahm das dann auch gleich als Zeichen, dass es Schlafenszeit ist und kurz darauf unterbrach ich auch Shushanas Redefluss und legte mich mit Chiara hin.

Hitze hetzen

Mittwoch, 04.06.2014

Dienstagmorgen fuhr ich schon um 8 aus dem Hostel nach hause. Ich aß erst mal was, duschte eine geschlagene Stunde bis ich mich wieder wie ein Mensch fühlte und versackte dann ewig mit einem "Chai" vorm PC. Gegen 2 rief mich Chiara an und ich traf sie und Natascha in der Stadt. Wir gingen ins "Djadja Fadi" und aßen eine Falafel. Dann rief mich halb fünf Katja aus Hessen an und ich eilte zur Ermitage. Dort traf ich nach einigem Suchen auf eine kleine Gruppe, bald darauf gabelten wir auch noch Bent und die anderen Jungs auf. Die verloren wie aber gleich wieder als ich mit Bent und Katja die Bilder von Dresden und Pirna anstarrten.

Um sechs verließen wir das Museum und setzten uns draußen auf eine Bank in die Sonne. Dort wurden wir von einigen Japanern fotografiert, die dachten wahrscheinlich sie hätten endlich mal richtige Russen gefunden. Schließlich liefen wir zu der Anlegestelle an einem der Kanäle ud fuhren zwei Stunden über die Neva und die Kanäle. Um neun waren wir wieder da und liefen zusammen zum Nevskiy. Hier teilte sich die Gruppe auf und ich blieb bei denselben Leuten wie gestern Abend hängen die anfingen sich eine Geschichte auszudenken die sie dann für die Volunteers über den gestrigen Abend aufschreiben sollten. Wir liefen also zum Hostel, ich verabschiedete mich und ging zu Katja.

Ich redete noch ein bisschen mit Katja, trank Kakao und aß drei Chips, die letzten Lebensmittel im Haus. Dann legten wir uns zusammen auf die Couch schlafen. Am nächsten Morgen wachte ich um 8 auf als Kaja sich fertig machte. Ich war aber so übernächtigt und fertig, dass ich mich nur umdrehte und weiterschlief. So rief mich Viertel vor elf Chiara an, ob ich denn unser Examen heute vergessen hatte. Ich hatte es natürlich nicht vergessen. Nur vergessen, dass heute Mittwoch ist. oder überhaupt irgendein lebenswerter Tag. Ich zog mich also an und war 10 vor 12 aus der Wohnung. 10 Minuten bis zum Examen. Na toll. So rannte ich den ganzen Weg bis zu Chiaras Schule. Das sind ungefähr 4 km und wir hatten 30°C.

Trotz allem war ich zwanzig nach völlig außer Atem an der Schule und Chiara nahm mich mit hoch ins Klassenzimmer wo Natascha und eine weiter AFSvolunteer sowie Chiaras Englischlehrerin warteten. Wir begannen mit 6 Grammatikaufgaben, dann eine Höraufgabe, schließlich noch vorlesen und Fragen beantworten und letztendlich mussten wir ein Thema ziehen und darüber erzählen. Chiara hatte Freizeit, ich hatte Sport. Damit hatte ich eigentlich schon gewonnen, dann als ich sagen "skalalazanie" sagen konnte, was so viel wie klettern bedeutet, und das auch noch im 5. Fall war schon mal der gesamte Raum beeindruckt. Dann kannte ich noch das Wort "dostoprimechatelnost" (Sehenswürdigkeiten) und schon bekamen wir unsere Noten - beide 5. Ich hatte lediglich einen Fehler bei der Grammatik indem ich eine Frage im 3. und nicht 5. Fall gestellt hatte. Also vernachlässigbar. ;) Im Großen und Ganzen kann man schon sagen, ich kann Russisch. gerade jetzt wo ich gehört habe, dass die anderen AFSer es nicht können macht mich das recht stolz.

Danach fuhren wir zum Bahnhof. Dort sollte eigentlich eine Gruppe im Café sitzen, sie waren aber weder dort noch auf dem Bahnhof, Wir liefen herum, wurden sogar zur Leiteruin des Cafés gebracht, suchten erneut den Bahnhof ab und kauften schließlich in der untersten Etage Eis und Saft und setzten uns hin. Ich hatte seit der Falafel gestern nichts mehr gegessen und bekam mein Eis kaum runter, dann ging aber zum Glück endlich ein Italiener aus der Ekaterinburggruppe ran udn erklärte uns, dass diese vom Elektritschkabahnhof im Osten der Stadt abfahren. Wir rannten also zur Metro und waren wenig später da. Hier erneut rumsuchen, bis wir sie auf einem der Balkone, einem Wartesaal sozusagen fanden. Alle bis auf 2 Thais und 2 Italienerinnen waren Essen kaufen also spielten wir mit ihnen UNO. Dann kam das Mädchen aus Hong Kong und ich machte mit ihr einen Rundgang über den Bahnhof. Wir fuhren runter zu einem Gleis doch die Tür zur Rolltreppe aufwärts war verschlossen. Also rannten wir die Rolltreppe in die entgegen gesetzte Richtung wieder rauf. Verdammt anstrengend!

In der Bahnhofshalle sahen wir sofort drei Gestalten mit Kronen auf uns zu kommen - Bent und seine Leute waren bei Burger King gewesen. Wir liefen als hoch in den Wartesaal und mussten sofort zum Gleis aufbrachen. Umarmungszeremonien, durchs Zugfenster winken, dann waren ich und Chiara wieder allein in Sankt Petersburg. ich weiß schon nicht mehr, wann ich den letzten tag ganz normal zuhause geschlafen habe, ohne zu wissen, dass ich sch***e früh wieder zu den AFSern muss...

Während wir auf die Tram warteten knuddelten ich und Chiara ausgiebig, uns hatte jetzt schon dei Einsamkeit befallen. Wie gut, dass wir morgen wieder zur Orientation nach Moskau fahren - nur nicht zu lange ohne AFser bleiben! Dann waren wir eine halbe Stunde später bei mir daheim und machten "Chai". Um sechs ging Chiara zur Bushaltestelle und ich fing an mein Zeug zu packen. Dann kam Ira, ich redete mit ihr und schließlich fuhren wir zum Megamarkt. Wir kauften für mich Essen für den Zug, Trinken und Fertiggerichte bis ans Ende meiner Tage. ich habe jetzt täglich einen oder mehrere Flashs wann ich verstehe, wie wenig Zeit es nur noch ist. (Den Rest des Tages weigert sich mein Kopf nämich das zu verstehen, sich vorzustellen oder gar zu akzeptieren.) Aber dann habe ich Angst. Und ich will nicht. Und es ist einfach zu unrealistisch. Und als ich heute erkennen musste, dass ich Ira nur noch maximal 10 Mal sehe wurde mir regelrecht schlecht.

In Etappen zum Totalabsturz (zensierte Version)

Dienstag, 03.06.2014

Ich habe euch ja ganz schön lange zappeln lassen aber jetzt bekommt ihr endlich mal die Nacherzählung meiner letzten AFStage.

 

Samstags begann alles ganz harmlos. Um 8 früh war ich im Hostel und ging mit Merret frühstücken. Ich schnappte mir einen Teller, denn Danja geht eh nicht frühstücken und verdrückte Ei mit Toast und drei "Syrniki" mit süßer Milchcreme. Jetzt waren wir einigermaßen lebensfähigen und gingen schnell Merrets Tasche zusammenpacken um uns in die Lounge zu setzen wo wir uns dann halb elf alle zusammen auf den Weg zu "Carskoe zelo" machten, dem Palast von Ekaterina II. Auch Chiara war inzwischen gekommen und schließlich brachen wir bei schönstem Sonnenschein zu unserem Bus auf. Ich pennte ein bisschen an Merrets Schulter, dann warteten wir bald 40 Minuten in der brütenden Hitze vor der Ticketkasse. Wir fanden Kölner Kaffeefahrtenrentner und erklärten uns mal wieder. Schließlich gingen wir dann in den Park. Merret setzte sich ab zum Fotos machen, ich wollte mit Luigi und Paul mal total den Touri raushängen lassen. Also zogen wir die Schuhe aus und gingen auf den Rasen. Russen stellen sich nämlich nicht auf die Wiese. Am Ufer eines großen Sees gab es ein pusteblumenübersähtes Areal. Ihr wisst was jetzt kommt? Jaaaaa! Wir sind wie die kleinen Kinder jauchzend und springend quer durch die Wiese geschneist. Glaubt mir, die Blicke der Russen waren zum schreien komisch.

Dann setzten wir usn auf eine Bank und begafften die verschieden alten Palastgebäuden von rotem Backstein mit gotischen Fenstern bis hin zum hellblaugoldenem Barock. Dann liefen wir durch die kleinen Souvenirstände zurück zum Bus und fuhren zum Bahnhof. Hier setzen wir uns auf eine Treppe in der Halle und verabschiedeten bald die Gruppe in Richtung Krasnodar. Die Kliner hatten noch bis 21:30 Zeit also ging ich mit Merret zu Subway. Dann kamen wir wieder und redeten mit Praew, einer Thai deren bestechende Logik: "Das ist mein Essen aber du bsit meine Freundin, also iss!" mir sehr gut gefällt, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Wir liefen Nevskiy runter bis hin zur Ermitage. An dem Nebengebäude stehen hier die Titanen aus dunkelgrauem Stein die die decke auf ihren Schultern tragen. Da mussten Fotos gemacht werden und dann schauten wir noch ein paar Parcourläufern zu. Mit dem Bus ging es zurück. Dann saßen Paul, Merret und ich m Wartebereich rum. Shushana kam auch noch und hielt Paul eine Standpauke, dass er zwar jetzt frei sei aber sie sich ja trotzdem sorgen würde und das er keinen Scheiß machen soll. Das Tolle an der Sache - Shushana hat den armen Pascha um den sie sich so sorgt an diesem Samstag das erste Mal gesehen. Super ne.

Dann gingen Paul und ich also die Kliner verabschieden. Trauriger Moment. Aber bald war ich mit Paul und seinem Rollkoffer auf der Hauptstraße und wir kamen auf andere Gedanken. In einem Aufzug fuhren wir zu einem Dach hoch. ich war schon um die letzte Gittertür geklettert als eine Frau im Morgenmantel aus ihrer Wohnung kam und sich demonstrativ in den Flur setzte. Also nichts mit Dach. Vorerst. Wir gingen wieder auf die Straße und meine Idee war jetzt ein Hotel nahe der Isaaks-kathedalre. Aber dahin ist es mit Rollkoffer ein bisschen weit. Paul fragte mich dann beim nächsten kreuzenden Kanal, ob ich nicht schon auf dem Dach da gewesen wäre und ob wir es da probieren wollen. ich war skeptisch aber das Unmögliche wurde wahr - das Tor zum Hof, die Tür zum Treppenhaus, die Gittertür auf der obersten Treppe und die zum Dachboden waren immer noch offen! Also hievten wir Pauls Koffer 5 Stockwerke hoch, verstauten ihn unter den Laufplanken des Dachbodens uns stiegen raus aufs Dach. Wir waren in zweiter Reihe hinter der Hauptstraße. Also liefen wir ein Dach entlang, kletterten zwischen Hauswand, Kaminwand und an 2 halbkaputten wackligen selbstgezimmerten Holzleitern auf das 3stöckige Gebäude runter um über dessen Dach zu einer Feuerleiter zu rennen die dann beim nächsten Gebäude bis hoch auf den 6. Stock führte. her hatte man einen grandiosen Ausblick über alle Kathedralen der Stadt sowie hunderte der alten heruntergekommenen aber trotzdem wunderschönen Häuser die den besonderen Flair der Stadt ausmachen. Auch Paul meinte: "Sankt Petersburg, das ist eine Klasse für sich!". So lässt sich das zusammenfassen würde ich mal sagen.

Dann liefen wir parallel der Hauptstraße entlang, eine Feuerleiter wieder runter und die zwei wackeligen Holzleitern zurück nach oben. Also wir schließlich wieder durch die Dachbodenluke sprangen waren wir eine geschlagene Stunde oben gewesen und es war fast Mitternacht. Bei rosa Himmel setzten wir uns an die Baushalte und warteten auf den letzten Bus. zu der Uhrzeit waren wir in 20 Minuten daheim, machten Sandwichs und fuhren den Laptop hoch. Wir wollten Pauls Tickets nach Moskau im Internet kaufen und hatten auch schon alles rausgesucht bis der PC die Kartennummer nicht nahm. Und auch nicht die von der anderen Karte. Geschlagene zwei Stunden rumprobieren, 4 Sandwichs und 10 Tassen "Chai" später gaben wir auf und gingen in mein Zimmer. Wir lümmelten uns aufs Bett und spielten Gitarre. Paul ein paar Basslines und ich alles Melodien die mir einfielen. Dann lagen wir bis um 5 rum und flachsten einfach mal wieder auf Deutsch rum, machten schlechte Witze und machten uns über des anderen Sprachfehler lustig. Aber "Durch die Gegend kübeln" und "der Kelr ist so torfig" ist doch eigentlich voll gut verständlich, der? ;)

Dann beschlossen wir um 5 doch noch mal kurz zu schlafen und nickten einfach nebeneinander noch komplett unbequem bekleidet mit Jeans und Pullover und ohne Decke ein. Die letzten Nächte waren definitiv zu kurz!

 

Sonntag standen wir dann gegen elf auf. Ira war gerade von der Datcha gekommen und nahm uns gegen 12 mit in die Stadt. Sie ließ uns nahe des Bahnhofs aussteigen und dort meinte Paul auf einmal - unglaublich aber wahr - dass da AFSer sind. Ich hatte erst gar nicht gecheckt was er meint und woher er Passanten einfach so aus AFser irgendwoher aus der Welt erkennt bis ich mich umdrehte und feststellte, dass wir gerade 5 Jungs aus der anderen Region die heute früh gekommen sind überholt hatten. Und 2 Sekunden später lagen Bent (kenne ich von der Vorbereitung in Deutschland bzw. Arrival Camp) und ich und lachend in den Armen während die anderen Jugns und Paul sich gänzlich cool mit Handschlag begrüßten. Die 40 AFser gingen dann essen, ich ging mit Paul anch einer Fahrkarte anstehen. Nach einer Stunde waren wir in einer der 6 Schlangen bis fast ganz vorn gekommen als die gute Frau für eine Stunde Mittagspause zumachte. Paul stellte sich woanders an, ich wartete hier. Und als die Frau um 3 wieder aufmachte war Paul immer noch am Ende seiner Schlange, sodass wir dann letztendlich doch an dem erstmals gewählten Schalter die Fahrkarte nach Moskau für heute Nacht erstehen konnten.

Danach fuhren wir zu der Isaaks-Kathedrale wo Chiara auf uns wartete. Die AFSer kamen auch bald und Bent wollte mich unbedingt überreden mit rein zu kommen. Weder Paul noch ich hatten aber Bock das schon wieder zu bezahlen. Also spazierten wir ein bisschen rum, u. a. auf dem Schlossplatz vor der Ermitage wo inzwischen Big Ben, Notre Dame, das Coloseum, das Brandenburger Tor und die Akropolis aufgebaut sind. Ungefähr 10m hoch und mit Kinderspielen u. ä. Entertainment erinnert das eher an einen Frühlingsmarkt oder ein Dorffest in Deutschland. Interessant anzusehen war es aber trotzdem.

Dann liefen wir zum Hostel, nicht ohne auf dem Weg ein Kebab zu holen. Dort fläzten wir uns auf eine Couch und als eine halbe Stunde später die AFSer kamen schrieen wir bis uns endlich jemand fand. Bald darauf lag Bent auf uns und auch die anderen Deutschen kamen. Wir saßen also ein bisschen da rum bis die Italiener uns nach oben zum Milch trinken baten. Wir gingen in ein Mädchenzimmer, das verließen wir aber bald um uns mit noch mehr Menschen zusammen in ein Jungszimmer zu setzen. Wir machten ein deutsches Bett auf. Mit 25 Leuten in dem kleinen Raum musste da natürlich zweireihig besetzt werden, sodass ich hinten auf Bent lang, Katja aus Hessen auf meinem Schoß, Julia aus Österreich lümmelte von der anderen Seite. Lediglich an der Bettkante hatten wir die Stellung aufgeben müssen und so hockten sich ein paar Italiener dort hin. Doch trotz unserem Plätzen haben wir oft genug eine der 6 Falschen bekommen oder auch Cola und Saft. Um das Ganze interessanter zu gestalten spielten wir dann "Ich habe noch nie..." und wir begannen uns gegenseitig Vodka in den Mund zu schütten. Dementsprechend schnell war aber auch alles schnell alle ohne das jemand ernsthaft betrunken war.

Bent und mir war das dann bald zu blöd n einem Raum mit 25 schwitzenden pöbelnden Leuten also gingen wir in sein Zimmer und langen erst mal zur Erheiterung der anderen lachend auf dem Boden während wir alle lustigen Geschichten unseres AFSjahrs aufrollten. Irgendwann beschlossen wir, dass Bet sei doch bequemer und so entgingen wir dem allgemeinem angetrunkenen Gegenseitigverarschen draußen auf dem Flur. Um Mitternacht kam dann der Volunteers und ich stand auf dem Fensterbrett hinter dem Vorhang bis sie weg war. Ich war ja nicht eingeplant also natürlich auch kein Bett frei also ging ich zu Bent und wir zogen den Hass der anderen 6 Jungs im Zimmer auf uns, weil wir noch bis früh um 5 weiter laberten.

 

Montagmorgen wurden wir um 8 geweckt. Man hatte ich eine Scheißangst, als auf ein Mal die Volu im Zimmer stand! Zum Glück hat sie mich nicht gesehen. Dann gingen wir duschen und zum Frühstück. Schließlich liefen wir zum russischen Museum. Chiara und ich bleiben draußen sitzen und redeten eine knappe Stunde, dann kamen die AFSer nach und nach raus. Ich schloss mich einer relativ großen gemischten Gruppe an. Die Hälfte verloren wir allerdings schon bei der Bluterlöserkirche. Ich fuhr mit der anderen Hälfte zum Ende der Hauptstraße um in dem großen Shoppingcenter zum Mittag zu essen. Danach wollten die Mädels shoppen, ich und Katja aus Hessen hatten da aber kein Bock drauf und sahen weder Sinn noch Nutzen also beschlossen wir spazieren zu gehen. Im letzten Camp waren Merret und ich ja die einzigen deutschen Mädchen gewesen, da musste ich das doch jetzt mal ausnutzen! Also lief ich mit ihr in den Seitengassen entlang, wir grüßten Puschkin und versuchten rauszufinden um wie viele Etagen die barocken Häuser immer bei einem Mal aufgestockt worden waren. Dann gingen wir am russischen Museum vorbei, am Michailovskiy-Schloss, durch den Sommergarten und auf die Nevabrücke. Von hier gafften wir ein bisschen und liefen schließlich durch den park mit der ewigen Gedenkflamme und an der Bluterlöserkriche zurück.

Wir entscheiden mal zu schauen wer schon so im Hostel ist da wir recht müde waren. Als wir den Flur betraten kam uns gleich die Französin entgegen, Sie war gestern als einzige richtig betrunken und heute daheim geblieben. inzwischen war sie relativ nüchtern, nur verkatert und kotzte nicht mehr. Also setzten wir uns mit ihr in ihr Zimmer und redeten zwei Stunden. Ich habe seit Monaten mal wieder richtig Englisch reden müssen. Man war das hart! Ich wollte ständig zu Russisch wechseln. Irgendwann kamen dann immer mehr Mädels und schließlich um zehn auch die Jungs. Ich ging raus in den Flur und klatschte Bent erst mal eine dafür, dass er Katja und mich nicht mit in die bar genommen hatte. Die anderen Mädchen fanden das ganz toll von mir und so war ein lustiger Start in den Abend gelegt. leider sollte es nicht so lustig bleiben.

Kurz darauf verziehen wir den Jungs nämlich, weil sie wenigstens noch 2 Flachen Vodka gekauft hatten. Mit unseren zwei 18jährigen Austauschschülern durften wir so lange draußen bleiben wie wir wollen. Also gingen wir in einem nahen park und leerten die ersten zwei Flaschen zu zehnt. Dann gingen wir zurück zum Hostel und trafen gerade die Rezeptionsdame. Die zeigte uns wo man noch nach um 10 wann das also rechtlich verboten ist Vodka abkaufen kann und so besorgte die Ungarin drei Flashchen. Wir gingen zurück in den Park und schmissen uns alle übereinander und untereinander auf eine Bank. Jetzt waren wir alle ausreichend angeheitert und es wurden die Münder aufgerissen und einfach der Vodka von oben reingegossen, die Reihe rum. So war schnell die dritte Flasche alle, dann wurden Bent und mir das aber zu eklig also folgten wir dem Beispiel ein paar anderer und verzogen uns auf eine Bank weiter hinten in Park. Ein Fehler wie sich herausstellte.

Denn nach einer knappen Stunde die ich so mit Bent rumgelabert hatte ging ich mit ihm zum Geländer am Kanal damit er sich mal kulturvoll übergeben kann. Dann wollte ich die anderen einsammeln. Die mit 2 Falschen Vodka allein zu lassen hatte natürlich Folgen gezeigt. Also scharrte ich die 4 nicht ganz so betrunkenen Mädchen um mich und teilte sie ein die Betrunkenen weg zu schaffen. Zuerst kam unsere beiden Aufsichtspersonen, die Ältesten welche versichert hatten wir würden nichts trinken. Die wollten sich gar nicht trennen, sodass man sie nebeneinander her zum Hostel stützten musste, ich schnappte mir Bent und es gab wieder einen der seltenen Momente in denen ich froh war so groß zu sein. Jetzt waren noch 4 nüchterne übrig und die Amerikanerin die auf einer Bank schlief.

Kurz vorm Hostel kam mir ein Hilfstrupp entgegen., Bent konnte ja noch allein relativ gerade laufen also schickte ich sie zum Park helfen. Bents schwuler Zimmergenosse machte mir derweil auf und ich war heilfroh den Kerl endlich in sein bett verbannen zu dürfen. Draußen auf dem Flur musste ich mich erst mal setzen. Wenigstens kamen kurz darauf das betrunkene Pärchen rein udn mit ihnen ein paar der "Nüchternen".

Die Italiener die im Hotel geblieben waren brabbelten so vor sich hin und ich verschnaufte einfach nur also auf ein Mal ein großer Italiener vom Hilfstrupp für den Park die Treppe hoch gestürzt kam und etwas auf Italienisch brüllte. Bents schwulrer Zimmergenosse lieferte mir eine Übersetzung: "Die Amerikanerin hat das Bewusstsein verloren." Eine Millisekunde später rannte ich barfuss und ohne Jacke wie ich war die Treppe runter während mir die ach so hilfsbereiten Italiener noch hinterher brüllten ich solle das lassen. Inzwischen hatten die anderen es auch geschafft die Amerikanerin im Korridor abzulegen wo sie sich gerade übergab. Halbbetrunkene Leute sich um eine Betrunkene kümmern lassen ist keine gute Idee und so zog ich den Kopf des Mädchens auf meinen Schoß um sie nicht ersticken zu lassen und schrie die anderen fünf sechs Leute an Handtücher, einen Eimer, kaltes Wasser usw. zu holen. Die Frau von der Rezeption erlaubte uns sie auf die Couch zu legen also schleppten wir sie dort hin und ich und eine halbwegs nüchterne Schweizerin kümmerten uns um sie.

Als sie eingeschlafen war ging ich mal hoch mir die Hände waschen. Da sah mich natürlich die Volu und meckerte warum ich hier übernachten würde. Am Ende meiner Kräfte und jeglicher Beherrschung oder Ausdauer antwortete ich nur, damit das Mädchen unten auf dem Sofa nicht stirbt und trottete wieder runter. Die Volu die alles verschlafen und um 4 früh immer noch nicht ihre Schüler nachgezählt hatte zeterte mir natürlich hinterher. Die Volu beschloss dann, dass das Kind in seien Bett muss und so durften wir sie nach ein paar Ohrfeigen und Kaltwasserüberschüttungen die keinerlei Reaktion zeigten die Treppe hoch schleppen. Wir lagten sie in ein Bett udn ich zig ihr die nassen Klamotten aus. inzwischen hatte ich mir einen recht fähigen Hilfstrupp aus der Schweizerin und der Ungarin die anscheinend öfters Betrunkenen Leute sieht zusammengestellt. Wir komandierten die Jungs rum um sie in eine mehr oder weniger aufrecht Position zu bringen und während 4 Leute den total erschlafften Körper festhielten drückte ich ihren Mund auf und flößte ihr Wasser ein.

Die anderen standen alle draußen auf dem Gang und hatten nicht mal ein Handtuch übrig. Die Volu stand hinter mir und ihre einzige Sorge war mich zu belöffeln warum ich immer noch hier bin. Ich war kurz vorm Platzen.

Irgendwann hatte sie dann alles erbrochen und wir legten sie schlafen. ich und die Ungarin beschlossen bei ihr zu bleiben. Ich legte mich gegen um sechs schlafen und versuchte mit den ganzen Bildern im Kopf irgendwie zur Ruhe zu kommen. Wie kann sich ein Mensch nur so gehen lassen?

Spontan

Freitag, 30.05.2014

Donnerstagnachmittag rief mich um vier Chiara an und ich fuhr gleich los ins Hostel. Hier kamen um 4 Uhr die AFSer aus Piterhof wieder. Total durchgeweicht setzten wir uns gleich etwas essen. Ich bekam wie immer von Merret was. Dann hatten wir Freizeit und warteten bis um 11. In der Zwischenzeit gabelten wir einen indischen Volunteeer auf der mit seiner Gitarre in der Lounge saß. Dann ging die Gitarre weiter an Vova, mich und unsere Betreuerin udn wir sangen russische, englische und AFSlieder.

Dann liefen wir also 23:00 Uhr tatsächlich los und waren bald am anderen Ende der Hauptstraße. Hier hatte man auf dem Vorpaltz der Ermitage das Brandenburger Tor, Big Ben, den Triumphbogen, das Colusseum u. ä. aufgebaut. Paul und ich kriegten fast ´nen Anfall.

Mit Paul und Luigi stand ich dann einfach so an der Ufermauer als uns 3 ältere russische Herren ansprachen ob wir aus Deutschland seien. Wir redeten bis die Brücke mit einer halben Stunde Verspätung schließlich halb zwei auf ging. Nachdem dieses Spektakel genossen war gingen wir im strömenden Regen nach hause. Auch meine letztes Paar Schuhe hat jetzt ein Loch in der Sohle und so wärmte das durch die Pfützen laufen die Füße tatsächlich auf. Fragt nicht! Und unter dem tiefhängenden Regenschirm einer kleinen Deutschen mit brabbelndem Luigi auf der anderen Seite bekam ich gar nicht mit wo wir hin liefen. Aus dem Hostel hatten wir nämlich einen Russen mit, einen aus SPb der meinte er weiß wo´s lang geht. Natürlich kamen wir an der Metro irgendwo südlich vom Zentrum raus und sogar der Kerl selbst musste zugeben, dass wir falsch sind.

Also riefen unsere tollen Volunteers die nicht mal drei Meter Feldweg verstehen ein paar Taxis.  Wir warteten unter einem Vordach und ich hatte auf dem Schoß eines Deutschen ein recht bequemes Plätzchen gefunden. Außerdem durften die Mädchen natürlich zuerst zurück fahren, sodass ich bald mit Merrets Shorts, Socken und Top ausgestattet in die Dushce konnte. Die war zwar um 3:30 Uhr morgens nur kalt aber das habe ich auch nicht mehr gemerkt.

Dann ging ich mit Merret in ihr Zimmer. Sie wohnt mit den zwei Finninnen, die eine davon, Nella, kenne ich schon ganz gut aus dem Wintercamp. Wir saßen also ein bisschen zusammen rum, aßen und redeten, irgendwann kamen auch noch Luigi und Paul. Merret legte sich schlafen und wir restlichen 5 machten uns an die Vernichtung von Nellas Liter Vodka. Wir spielten "Ich habe noch nie..." und so stieg der Pegel an Alkohol im Blut proportional mit dem Spaß schnell an. Ab und zu gingen wir runter um Kaffee oder "Chai" zu machen oder, weil jemand rauchen wollte. Um sieben unternahmen wir die letzte dieser Touren. Paul und die eine Finnin verloren wir unten im Raucherbereich, Luigi verschwand zum Kaffeeautomaten und ich ging mit Nella, wir zwei nüchternsten, die Treppe hoch um noch eine halbe Stunde zu schlafen. Wenigstens war jetzt das Bett der Finnin frei.

Dann weckte mich Merret und wir gingen zum Frühstück. Wieder durfte ich bei Merrets Omelett mitessen, dann setzten wir uns runter in die Lounge und tranken "Chai". Halb elf brach die Gruppe auf und wir fuhren zur großen Kathedrale. Endluch hatten die Volus angefangen auf mich zu hören und so stiegen wir gleich in den richtigen Bus. Was mit 40 Leuten natürlich trotzdem ein Heidenspaß und eine echt enge Kiste ist.

Wir fanden bald unseren Reisebus und hatten noch 20 Minuten Zeit vor der Abfahrt. Also spackte ich mit Merret, Danja und Vova rüber zu Subway. ich schnorrte mich erfolgreich wie immer durch, dann setzten wir uns in den Bus. Ein Doppeldecker, oben offen. Alles AFSer gingen hoch, ich und Merret blieben als einzige unten. Wurden aber nach und nach immer ehr bis alle von dem kalten zugigen Deck herunter kamen. Ich hatte mir mit Merret ja Plätze am Fenster gesichert, die Füße auf irgendeiner Öffnung aus der warme Luft kam und meine Strumpfhose trocknete. Und so schlossen wir uns bald dem Großteil der AFSer an und ich nickte auf Merrets Schulter, sie mit dem Kopf am Fenster ein.

Irgendwann wurden wir dann geweckt und gingen auf die Piter-und-Pavel-Festung. Zuerst setzten wir uns zum aufwärmen in die Kirche und schauten die Särge von Piter I. und Ekaterina II. plus deren Verwandten an. Und rechneten nebenbei aus wie viel Geld in Blattgold hier rum hängt. Warum nicht…

Die nächste Station war das alte Gefängnis. Hier waren noch original eingerichtete Zellen und neben jeder hing der Steckbrief eines der Gefangenen. Es war wirklich interessant, wenn auch ein wenig verstörend. Danach warteten wir noch auf den Bus und fuhren weiter zur Isaaks-Kathedrale.

Auf der Fahrt hörte ich ein paar Reihen hinter uns richtiges gutes Sächsisch von einem Rentnerehepaar und während ich zu Paul meinte, das wäre wie ein Schlaflied murmelte er nur: "Schrecklich, ..." vor sich hin. Kaum angekommen gingen wir die 250 Stunden bis zur Kuppel hoch und bei inzwischen aufgeklärtem Himmel und Sonnenschein betrachteten wir die Stadt. ich kenne inzwischen wirklich jeden Stein - ein unbeschreiblich unglaubwürdig unglaubliches Gefühl. Dann gingen wir wieder runter und hörten uns in der Kirche eine Führung an. Die war aber relativ langweilig und da der Großteil deutsche Atheisten waren auch ein bisschen am Thema vorbei. Also verlegten ich und Merret uns darauf einem Österreicherin dabei zu helfen eine Italienerin mit nicht existenten peinlichen Fotos in Verlegenheit zu bringen. Ach was macht es dich immer einen Spaß mit der AFSfamilie...;)

Vor der Kathedrale wartete Shushana und wir teilten uns auf, ich zeigte der Hälfte der Gruppe den Weg zum Hostel und ging dann noch mit Danja, Vova und Merret einkaufen. Wir setzten uns mit heißen "Chai" und Süßkram in die Lounge und gingen nach eiern Stunde auch schon Abendessen. ich schnappte mir endlich mal eine eigene Portion, da die Hälfte der AFSer um 8 noch nicht da war. Zurück in der Lounge redete ich mit Chiara und Natascha die von der Schule gekommen waren, mit Luigi und schließlich blieb ich bei Merret und dem Inder hängen. Es war echt interessant über den indischen Lebensweg zu erfahren oder als Deutsche mit einem Inder über die russische Mentalität zu diskutieren, deswegen war ich recht traurig als ich um 10 schon los musste. Aber irgendwann muss ja auch ich mal schlafen also war ich mit ein Mal umsteigen 22:45 Uhr zuhause. ich redete noch kurz mit Ira, duschte mal wieder ausführlich und begutachtete die Schäden wir Blasen oder blutig geriebene Beine und habe jetzt mal versucht aus meinem Sprachchaos was halbwegs Verständliches und durchgängig Deutsches für euch hinzubekommen.

Aber nachdem heute zu Merrets und meiner Zitatensammlung "Der Kopfhörer arbeitet nicht mehr", "Schau mal eine gelbe Maschine! Ich darf dich schlagen..." usw. noch Schätze wie "Der Mehrzahl von Plan ist Plans." oder "Wie heißt Segel auf Russland" hinzugekommen ist wundert euch bitte über nichts mehr!

letzter Schultag

Donnerstag, 29.05.2014

Heute Morgen standen wir drei um 8 Uhr auf. Nach einem ganz entspannten Frühstück brachte ich die beiden Mädels zur Bushaltestelle und setzte sie in die Marschrjutka Richtung Bahnhof. Selbst fuhr ich zur Schule. in der ersten Mathestunde wurden nur noch einige Tests nachgeschrieben wenn sie jemand verbessern wollte also saß ich herum und las Narnia. Dann ging ich in die vierte Etage zu Chemie, Alle anderen waren noch unten also redete ich wie immer kurz mit der netten Lehrerin.

Die gab uns die Stunde dann auch frei, danach hatten wir Russisch wo nur Prüfungsvorbereitung kam und schließlich gingen die anderen noch mal zu Mathe, ich machte mich aus dem Staub und traf im Vestibül Polina die gerade gekommen war. Sie eröffnete mir, dass wir morgen und Samstag keine Schule mehr haben. Ganz komisches Gefühl.

Wir umarmten uns also, ich bedankte mich bei ihr für alles und versprachen uns irgendwann wieder zu sehen. Dann verließ ich also zum letzen Mal meine Schule aber selbst bei dem letzten Blick zurück mit melancholischer Musik auf den Ohren konnte ich kein so rechtes Gefühl zustanden bekommen.

Nach der Marschrjutkafahrt zuhause angekommen öffnete mir die Putzfrau die Tür und auch Marina schlappte noch im Schlafanzug durch die Wohnung. Ich machte mir "Chai" und ein Sandwich und starrte auf die grünen regentropfenbesetzten Blätter vorm Küchenfenster. Arme AFSer heute in Pitergof.

Scheißwetter...udn trotzdem gute Laune

Donnerstag, 29.05.2014

Mittwoch stand ich schon wieder in so einer Herrgottsfrühe auf. Also 6:30 um genau zu sein. Ich frühstückte schnell und fuhr dann mit dem Bus bis zum Bahnhof, von da aus ging´s zu Fuß durch den Regen weiter bis zum Hostel. Ich ging hoch in Merrets Zimmer und wartete ein bisschen auf sie. irgendwann kam sie hoch und es stellte sich raus, dass sie unten in der Lounge gewartet hatte. Na ja so früh am Morgen...

Also gingen wir jetzt zusammen runter und sie nähte mit meinem extra mitgebrachten Nähzeug ihre Hose während ich uns "Chai" machte. Dann wieder die Treppen hoch zum Frühstück um 9. Es gab Omelett und "Syrniki" und ich schnorrte mich ein bisschen bei Merret durch. Dann setzten wir uns wieder runter in die Lounge mit ein paar anderen. Eigentlich sollte die Exkursion um 10 Uhr losgehen aber die Volunteers meinten wir würden warten bis der Regen aufhört. guter Witz. um 11 fuhren wir also endlich bei unvermindert starken Regengüssen los. inzwischen hatten wir aber noch Zuwachs von Thena und Marina bekommen.

Wir liefen zur Haltestelle. Natürlich zu der falschen. Ich nahm also die Sache mal in die Hand und suchte mir die vernünftigste Volu die mir dann auch glaubte, dass ich wohl wissen würde wo die wichtigste Kirche in meinem Stadtteil steht. So fuhren wir also zum "Smolnij sabor". Immer bei jemand mit unter den Regenschirm gequetscht kamen wir bis auf den Vorplatz der Kirche, machten ein Foto und gingen zurück. Ernsthaft?! Aber wenigstens hatte ich inzwischen mit Merret, Marina und Paul ein Hamburgisch-Österreischich-Berlinerisch-Sächsisch-Battle gestartet was echt zum totlachen war.

Dann gingen wir 15 Minuten zu irgendeiner Bushalte, da redeten wir aber wegen Danja, Thena und Vova wieder Russisch. Das ist auch echt einfacher als Deutsch im Moment! So fuhren wir also alle vollkommen durchnässt zurück. Auf der Fahrt unterhielt ich mich mit Paul und Luigi. Also doch wider Deutsch. Son Mist. ;)

Im Hostel angekommen gab es Mittagessen. Ich saß bei Merret, Vova und Danja und bekam von letzterem seine 3 Kohlrouladen womit ich so endlich meinen schreibenden Magen beruhigen konnte. Dann setzte ich mich zu Paul, Marina, Thena und Luigi an den Tisch und wir führten mal wieder eine beunruhigend deutsche Unterhaltung. Noch kurz in der Lounge aufwärmen, dann

beschlossen wir noch einkaufen zu gehen. Also zogen Vova, Danja, Merret, Marina, Thena und ich wieder los. Bei dem Wetter erledigten wir das aber wirklich so schnell wie möglich. Dann gingen wir zurück in die Lounge, krallten uns alle zusammen 2 Sofas und hatten mit Tom aus Australien eine echt interessante Unterhaltung über das gefährliche Australien. Gekrönt wurde die Geschichte über springende Schafe, kratzende Kängurus und tödliche Spinnen und Schlangen dann von seiner abschließenden Frage: "Und wie ist es so in Deutschland?".

Inzwischen warne auch noch Chiara und Natascha gekommen und wir furhen im Bus bi zur großen Kathedrale. Hier stiegen alle AFSer in ein Boot um eine Stunde rund über die Kanäle zu fahren. Wir hatten das ja alles schon gesehen und hatten bei 10°C und anhaltendem Regen auch keine Lust, sodass wir stattdessen lieber kurz zu Fadi eine Falafel und ein bisschen "Chai" genießen gingen. Gegen acht trafen wir die anderen bei Subway. Meine übliche Gruppe saß um einen großen Tisch und schnell entwickelte sich das übliche Rumgezanke, Geplänkel und das Veräppeln. Also kurz gesagt ein ganz normales Gespräch. Unterbrochen von kleinen erheiternden Zwischenfällen, wie der Kampf mit Paul und Luigi um den Keks den Merret mir geschenkt hat oder die Umarmung eines der deutschen Kerle der sonst immer nur kleine Mädels umarmt und sich nun diebisch freute, dass ich mal saß, verging die Zeit wie im Fluge und irgendwann beschlossen wir dann doch mal einen Fuß vor die Tür zu setzen. Die meisten wollten ins Hostel - ich und Paul tauschten nur einen Blick und beschlossen, dass uns das zu langweilig ist. Also schnappten wir uns meine Schützlinge Marina und Thena und gingen mit Chiara die nach hause mussten zur nächsten Metro.

Wir fuhren eine Station und stiegen nahe der Piter-und-Pavel-Festung aus. Die Festung war schon zu aber uns interessierte auch nur der Strand. Und das Panorama. Paul starrte sich die Augen aus dem Kopf und verstummte endlich mal mit seinen Behauptungen, dass es unten am schwarzen Meer wo er gerade ist ja viel besser wäre. Dann gingen wir im Platzregen völlig durchweicht zurück zur Metro. Wir brachten ihn bis zu der Station am Ende der Hauptstraße und wir drei Mädels kriegten das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht als er schwärmte, wie lange er nicht mehr in der Metro war und das er ja wenn die Rolltreppe losfährt über mich hinauswächst und wie toll es ist mal 3 Minuten im leben größer zu sein als die Mädchen.

Dann fuhren wir 3 noch eine Station weiter und schließlich in der Marschrjutka heim. Noch kurz Schokolade kaufen gehen, dann machte uns Ira die Tür auf. Wir redeten kurz mit ihr und setzten uns schließlich Essen. Danach natürlich noch "Chai" mit Kuchen und nach einem "Danke Mama" von den beiden an mich gingen wir zu dritt Zähen putzen. Wusstet ihr, dass amerikanische, russische und deutsche Zahnbürsten echt unterschiedlich aussehen? Jedenfalls saßen wir dann noch u dritt in meinem Zimmer bevor Marina ins Wohnzimmer schlafen ging und ich mit Thena redete. Es ging um Tornados, Erdbeben und Fluten, ich konnte mit Hochwasser und Miniwirbelstürmen dagegen halten. Aber um 1, nachdem wir noch ausgewertet hatten was Thena am meisten vermisst: "Surfing and Peanutbutter", entschieden auch wir uns zu schlafen.

Vereint!

Dienstag, 27.05.2014

Das ist eine Liebe unter den Menschen! Für meine Lieblingskliner quälte ich mich heute doch tatsächlich um 5 aus dem Bett um nach einer Tasse "Chai" halb sechs in den ersten Bus zu steigen. Kurz nach sechs war ich am Bahnhof und 20 nach fuhr der Nachtzug aus Moskau ein. Meine Leute waren natürlich am hintersten Ende der 1km langen Plattform, das Aufeinanderprallen mit Merret und die anschließende etwas weniger schwungvollen Umarmungen mit Danja, Vova und den ganzen anderen entschädigte die frühe kalte Wartezeit aber.

Da die Volunteers in Klin alle Lehrer sind und in der Examenwoche nicht weg können waren Danja und Vova die einzigen "Volunteers". Sie sind aber eben jünger als die Hälfte von uns und nicht wirklich Autoritätspersonen. So setzten wir uns auch erst mal 3 Stunden in einen Warteraum und ich laberte ohne Punkt und Koma mit Merret. Dann standen wir vorm Bahnhof und warteten auf den Reisebus einer anderen Gruppe aus dem Süden Russlands. Feiner Nieselregen und 15° - wo ist mein schönes Wetter von gestern hin?! Aber wenigstens konnten wir uns an der nächsten Ecke etwas Heißes zu trinken holen. Dann kam der Bus endlich und wir stiegen ein um die letzten Meter zum Hostel zu fahren. Hier stellten wir die Koffer ab und dann durften wir eine Stunde spazieren. Das Hostel der 40 AFSer steht am Ende der Hauptstraße und ich zeigte ein paar Italienerinnen die in Shorts aus dem 35°C warmen Moskau gekommen waren erst mal das Shoppingcenter. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die ganzen Dorfleute sich alle in das Getümmel stürzen wollten. So winkte ich nur einer der Volunteers und machte mich mit Merret allein auf den Weg.

Wir kamen bis zur nächsten Ampel. Da entdeckte Merret einen Rockshop. Rin da! Dann liefen wir weiter auf Nevskiy bis zur großen Kathedrale und fuhren im Bus zurück. Ich setze Merret pünktlich zum Mittag ab und rannte selbst zur Metro um in die Schule zu fahren. Ich kam kaum zu spät zu Doppelenglisch wo wir Wortbildung besprachen und dann einen letzten Test schreiben.

Um 2 war ich auch schon wieder draußen und in der Metro unterwegs zum Hostel. hier fand ich nach einigem suchen in den verschiedenen Läden, Bars, Clubs und Cafés auf den vielen Etagen auch endlich das kleine Szenehostel und kurz darauf Merret in ihrem Zimmer. Zusammen mit allen Anderen fuhren wir dann zur Ermitage. Anderthalbstunde liefen wir mehr oder weniger planlos rum. Die Gruppe teilte sich immer weiter, ich hatte es aber gut abgepasst und fühlte mich unter Paul, Max, Niklas, Verena und wie sie alle heißen mal wieder ausreichend Deutsch. Auch wenn´s mit der Sprache echt hapert. Aber wenigstens habe ich Sächsischfans gewonnen! Und wurde von Tom aus Australien auf einmal mit beiden Händen um die Taille gepackt und kreuz und quer durch den Saal geschleppt, weil er Amerikanern mit ordentlichem Englisch hinterher wollte. Ach so und es gibt übrigens nebeneinander 2 Bilder vor Dresden (Frauenkirche) und Pirna. Auch hier konnten sich sie Anderen begeistern

Dann saß ich mit Merret, Paul und immer mal wechselnden Gesichtern auf einer Bank im Eingangsbereich bis endlich alle da waren. Wir gingen zur Haltestelle. Shushana war auch da und setzte uns in den nächstens Bus. Ich erfuhr aber vom  Fahrer, dass der gar nicht zu unserem Hostel fährt. Bis die Nachricht durch den überfüllten Bus angekommen war waren wir allerdings schon recht weit weg und so durften wir dann wieder durch den Regen zur nächsten Haltestelle laufen. Und 12 Leute schafften es irgendwie diesmal nicht in den Bus einzusteigen und rannten teilweise hinterher bis zur nächsten Haltestelle oder kamen n anderen Bussen und Metro nach. Stress pur also. Wie gut, dass ich meine tiefenentspannten Kliner Danja, Vova und Merret um mich hatte.

Dann gingen wir Abendessen und ich bekam Danjas Salat (Ja, nach einem ganzen tag ohne Essen kann sogar ich Gurken und Salat verdrücken.) und klaute rundherum jeweils drei gabeln Spaghetti Carbonara. Dann ging´s wieder mit den 3 Klinern los. Zuerst in den Rockshop, diesmal für länger, war aber auch recht lustig mit diesen Fanatikern. Dann gingen wir noch Trinken und Essen kaufen und schließlich um 10 zurück ins Hostel. Hier war gerade Langebesprechung. Halb elf brachten mich dann Merret und Danja zur Haltestelle. Ich fuhr drei Haltestellen zum Bahnhof am Ende der Hauptstraße, lief dann zu meiner Haltestele wo der Bus natürlich gerade weg war. Also zur Fuß bis an die nächste Metrostation, hier stand dann zum Glück endlich eine Marschrjutka. Mit einem kleinen Meer im Schuh und vollkommen zerstörter Strumpfhose fiel ich also in den Sitz und ließ mich nach hause chauffieren. Als ich meinte, dass der Fahrer an der Ampel halten soll machte er sich gleich über meinen Akzent lustig. In seinem eigenen gebrochenem usbekischen Russisch. Und während wir nur scherzten, dass wir sowieso beide nicht reden können meinte er, er könne mich auch bis ganz nach hause bringen. Man sollte eben wirklich nach elf nicht mehr auf der Straße sein.

der letzte normale Tag :´(

Montag, 26.05.2014

Heute Morgen saß ich völlig erschöpft 4 Stunden in der Schule ab. Die einzige Heldentat geschah in der ersten Stunde: Ich war eigentlich gerade in Narnia, saß aber blöderweise vor Vika, hinter Jana und wir schrieben die Abschlussarbeit in Mathe. Ich reichte ein Dutzend Mal ganz vorsichtig Janas iPhone zu Vika die ein Foto ihrer Lösung machte und dann das Telefon zurück zu Jana damit sie abschreiben konnte. Spicken auf hohem Niveau.

Dann saß ich n der Bushalte und wartete ein letztes Mal auf meinen Bus nach hause. Dort angekommen aß ich nur schnell was, räumte auf und um 2 fuhr ich schon wieder los. Chiara und Natascha warteten nahe ihrer Schule auf mich und wir setzten uns erst mal auf eine Bank wo Natascha weiter Hesse las und ich mit Chiara den gestrigen Tag auswertete. Schließlich rafften wir uns auf und gingen über die nahe Brücke auf die größte der Nevainseln und zu Natascha nach hause. Hier aßen wir erst mal und tranken natürlich "Chai". Halb sechs gingen Chiara und ich wieder nachdem wir den lieben langen Tag italienische, deutsche und russische Wörter verglichen hatten um festzustellen, dass die Sprachen wirklich vollkommen verschieden klingen und ich Natascha erklärt hatte wie ein Regenbogen entsteht.

Mit Chiara spazierten wir zur Neva und setzten uns gegenüber einem Kreuzfahrtschiff mit Panoramablick auf die Stadt ans Kai. Hier setzten wir ein anderes kürzlich erfunden Spiel fort - nenne ein beliebiges russisches Wort und finde dazu ein Lied in deiner Muttersprache oder auch in Russisch und Englisch. Wenn ich dadurch in den Genuss komme italienisch zu hören und singen zu dürfen macht es wirklich Spaß. Dann waren wir noch kurz in einer kleinen wunderschönen Kirche am Ufer und liefen schließlich zur Metro. Eine Station fuhren wir noch zusammen, dann stieg Chiara um. Ich fuhr noch 2 und wechselte auch auf meine Linie. Dann noch in die Marschrjutka und halb neun war ich zuhause.

"Medvedj" - das Lager des Bären

Sonntag, 25.05.2014

Freitag fuhr ich nach zwei Stunden "Obschestvoznanie" bereits nach hause. Ich packte meinen Rucksack, wechselte vom Dresscode zu Shorts und Top und halb sechs fuhr ich schließlich los in Richtung Bahnhof. Die Elektrischkastation liegt zum Glück in meiner Nähe, so brauchte ich nur 20 Minuten im Bus vor mich hinschwitzen. Um sechs war ich dann in der Bahnhofshalle und traf bald Nataschas Mama. Schließlich kamen auch auf den letzten Drücker Chiara, Natascha und ein Junge auf dessen drei Fahrrädern angedüst. Für 2 Euro kauften wir schnell ein Ticket und bald darauf fuhren wir drei Mädels das Gelis entlang, während der Junge neben uns und seinen 3 Rädern joggte. Das war ein Omen.

Dann saßen wir kurz vor sieben in der Elektrischka. Auf dem Boden bzw. den Gepäckträgern, über uns alle Fenster aufgerissen und die Wasserflasche herumreichend. Wir fuhren in zweieinhalb Stunden (!) 80km nach Norden, nach Korelija, wie die Seenlandschaft heißt. Mitten im nirgendwo stiegen wir aus. Direkt gegenüber war schon das Wasser zu sehen, wir hatten allerdings noch ein ganzes Stück Weg vor uns. Chiara, ich und der Junge saßen auf den Rädern, Natascha bei ihm auf dem Gepäckträger. Ihre Mutter und noch eine andere ältere Frau gingen zu Fuß. Dann riss allerdings bald die Kette des einen Rades und wurde fachmännisch am Straßenrand mit einem Stein wieder zusammengedroschen. Jetzt fuhren allerdings nur noch wir Mädchen und der Junge rannte nebenher. Zuerst 10 Minuten über ein paar Hügel (Endlich...) an einer Landstraße entlang, dann bogen wir in den Wald ab. Zurst ein Stück Asphaltstraße, die Datchen der Neureichen, dann ging es auf einen Waldweg. Auf dem Fahrrad war das eine ganz Schöne Schüttelei. Aber trotz allem war ich so unfassbar glücklich nach 9 Monaten mal wieder Fahrrad zu fahren, dass es mir auch nichts ausmachte, dass ich mir bei jedem Mal in die Pedale des Klappfahrrads treten mit der anderen Ferse selbst einen Ar***tritt versetzte.

Irgendwann rasteten und warteten wir dann auf unsere zwei Füßlinge. Während die uns einholten lagen wir in dem lichten Nadelwald auf trockenem Moosboden und lauschten. Lauschten der Stille (nur gelegentlich unterbrochen wenn ich eine Mücke erschlagen musste). Wie lange hatten wir Großstadtkinder keine absolute Stille mehr erlebt?! Schließlch ahtten die 2 Frauen usn eingeholt und kurz darauf erreichten wir eine Quelle. Huer hignen schon 2 Tassen am Baumsamm und wir stürzten gierig das eiskaölte Wasser herunter. Dann wurde das Stadtwasser ausgegossen und das 100 Mal bessere in die Flashcen gefüllt und einige hundert Meter später erblcikten wir endlich ein paar Finnhütten. Hier gingne wir ans Ufer und warteten am Sandstrand auf unser Boot. 5 Minuten wurden wir über den See kutschiert und setzen dann um 11 Uhr letztendlich unsere Füße, Rucksäcke und Fahrräder auf den Bden deas “lager medvedj“. Von der kleinen mit Birken umstandenen Bucht liefen wir eine sandige Anhöhe hoch und sahen schon 300m vor uns den grünen Zaun um das Lager.

Herzlich wurden wir empfangen, rcihteten uns kurz in unseren Zelten ein (ich mit Natascha und Chiara zusammen) und schließlich wurden um Mitternacht im hereinbrechenden Dämmerlicht (Abenddämmerung? Morgendämmerung?...Nur zu erraten wo der rosa Schatten hängt.) Nudeln mit Dosenfleisch und “Chai“ serviert. Im stehen am Tisch direkt neben dem Lagerfeuer...ähm, Herd. Schließlich nahm man die Kessel zur Seite, ein paar Stücken Baumstamm wurden aufgestellt und man setze sich im Kreis um das Feuer. Inzwischen waren noch ein paar andere Jugendliche Angekommen und wir waren so um die 10 Leute. In der Runde herum wurde vorgestellt und wir spielten ein paar Spiele bei “Chai“ und Keksen. Schließlich erhob man sich und ein paar von usn gingen runter zum Strand. Darutner ir drei, das Mädel aus der Küche und der lagerleiter. Unten a,m Strand gab es dann (was sonst) eine spontane Gruppenumarmung, Und da wir usnere Italienerin in der Mitte hatten ging es um Pizza. Und Mozzarella. Und der Boss fing an eine Hymne über Mozzarella zu singen. Kurz um, ein bisschen verrückt aber lustig. So wie immer bei uns.

Gegen halb drei krochen dann alle in ihre Zelte. Natürlich ohne Dusche oder Zähne putzen. Strom gibt es keinen. War aber trotzdem ein wunderbarer Anfang.

 

Samstag standen wir also um 10 Uhr auf und halfen erst mal beim Frühstück machen. Dann standen alle auf dem Beachvolleyballplatz zwischen Esstisch und “Küche“ und machten ein paar Energizer wo natürlich auch Chiara und ich ein bisschen AFSspirit beisteuerten und Meditationsübungen. Um elf gab es schließlich endlich etwas zu essen. “Chai“ frisch aufgebrüht aus dem Wasser ausm See, “Kascha“ und Schnitte mit Dosenpastete oder Marmelade. Einfach, aber bei dem Hunger hätten wir alles verdrückt. Bei der Gelegenheit wurden die Aufgaben eingeteilt. Wichtigstes Kriterium :Jung oder Mädchen. Denn während die männlichen Geschöpfe unter uns Baumstämme durch die Gegend schleppen und zersägen durften um den Feuerholzvorrat für 3 Monate Kinderlager in den Somemrferien zu sichern säuberten wir drei Mädels mit Nataschas Mutter um die 80 Isomatten. Im Klartext putzten wir also erst mal eine Riesenplane auf der wir dann die Isomatten mit Schwamm und Seife säuberten um sie anschließend die paar hundert Meter zum See zu tragen und dort nch mal komplett im Wasser abzuwaschen. Das beschäftigte uns erst mal bis 2, dann halfen wir beim Mittagessen zubereiten. Man musste zum See gehen um Wasser zum Gemüse waschen, für die Kanister an denen man sich die Hände wäscht sowie für den Tee holen. Dann schnippelten wir ein bisschen und halb vier waren schließlich Schnitte, Suppe und “Kascha“ aus braunem Hafer mit Dosenfleisch (das war selbst für mich zu russisch) fertig. Wir alle setzen uns mit unserem Mettallcampingtassen und Plastikschalen die fachmännisch im See gesäubert und mühsam hin und ehr geschleppt worden waren an den langen Tisch und zum ersten Mal an diesem Tag war es mir vergönnt mal eine halbe Stunde zu still sitzen.

Dann machte ich mit Chiara die letzen Isomatten und nachdem wir sie zum Trockenen als Regenbogen übers Volleyballnetz gehängt hatten und “Help“ von den Beatles geschmettert gingen ich und Chiara mit Müllsäcken um das Gelände und sammelten ein bisschen. Denn wie schon erwähnt nehmen die Russen es ja mit Naturschutz nicht ganz so ernst. Scherz - es interessiert sie überhaupt nicht. Also hatten Chiara und ich genug interessante Funde bevor uns ein bisschen Ferizeit zugestanden wurde.Chiara und Natascha lagen wie von der Hitze erschlagen im Zelt. Ich ging zum Volleyballpaltz wo man mich fragte welches Team ich wähle, Gewinner oder Verlierer. Steht ja wohl außer Frage. Jetzt ging nicht aber ein Spiel los sondern der Preis der letzten Partie wurde noch eingelöst – ein Wunsch. Mein Team wählte und so geschah es, dass wir nacheinander auf eine Bank gelegt, auf die Schultern der anderen uns mit dem Gesicht in den wolkenlos blauen Himmel zwischen den Baumkronen im Kreis gedreht wurden. Interessanter Anblick.

Danach musste schon wieder fürs Abendessen geschnippelt werden und schließlich wischten Chiara und ich noch schnell ein paar Zelte aus bevor wir uns wieder am Tisch versammelten. Nach dem Essen gab es drei Sätze Volleyball. Ich spielte in einem Team mit dem Campleiter und 3 anderen Jungs, uns gegenüber 3 Jungen und eine Frau. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit waren wir nicht wirklich gut und verloren den ersten Satz knapp. Im zweiten kamen Chiara und Natascha vom Geschirr spülen am Ufer zurück und Chiara gab unserem Team den Namen "Mozzarella". Nun mehr mit einem Fanclub und Jubelrufen am Rand wurde alles besser sodass wir nach 8 Angaben von mir den Satz tatsächlich gewonnen. Im dritten verloren wir allerdings wieder um 2 Punkte und mussten so einen Wunsch erfüllen. Ein 8zeilige Gedicht über jeden der Gewinner plus ihre Fans. Und dann, weil wir gerade so drin waren, auch noch über uns.

Schließlich rannten wir kurz alle für Feuerholz und nun setzten sich die inzwischen 20 Leute im kreis ums Feuer und fingen an Pantomime zu spielen. Bei solchen Wörtern wie Molekularphysik, Desintegration oder Situation brauchten wir ewig und es wurden bis zu 5 Helfer geschickt. Die Zeit bis um 2 verging wie um Fluge und als das Feuer heruntergebrannt war bestaunten wir noch mal den rosa Himmel und gingen schließlich schlafen.

 

Sonntag verschliefen wir ein bisschen. Natascha war heute allein für die Küche verantwortlich und so werkelten wir drei ziemlich hektisch um dann endlich um 10 Uhr ein Frühstück auf die Beine gestellt zu bekommen. Noch kurz die Begrüßung, Meditation u. ä., dann setzten wir uns mit "Kascha" (heute grießbreiähnlich also genießbar), Schnitten und "Chai" an die lange Tafel. Dann setzten wir die Küche wieder halbwegs in Stand, spülten das ganze Geschirr im See und schnappten uns ein paar Eimer um am Strand Laub zusammenzurechen, aufzusammeln und in den Wald kippen zu gehen. Das beschäftigte uns lange genug und halb zwei gingen wir dann nahtlos zum Mittagessen zubereiten über. Suppe ist Pflicht, heute bestand sie aus Kartoffeln, Weißkraut und Dosenfleisch, als zweiten Gang beschloss ich, dass wir "Plov" machten. Also Reis mit Möhre, Paprika und Fleisch. Und dazu noch Schnitten und eine Salat aus Apfel, grünem Salat und "Smetana" (saurer Sahne). Man braucht sich also nicht sorgen, dass wir verhungern.

Soweit klang das ja einfach, bedeutete aber erst mal Wasser vom See herschleppen, Gemüse wasche, für 15 Mann schnippeln und dann noch ein Feuer in Gang kriegen über dem wir 3 Kessel gleichzeitig erwärmen konnten. Wir bekamen das aber recht gut auf die Reihe und bald war das Essen fertig. Ihr werdet es mir nicht glauben aber ich zweigte auch mir eine vegetarische Version des "Plov" ab, denn das Dosenfleisch kann man echt nicht essen. Zumal 50% des Doseninhaltes ja auch nur weißes ausgehärtetes Fett sind und kein Fleisch. Als wir dann am Tisch saßen, dampfende Teetassen vor uns und Chiara die Suppe mit Fleisch probierte war ich noch mal froh, das in meinem Reis nicht solche Phänomene sind. Das mich der Junge mir gegenüber mich aufzog, weil ich ja nicht mal Vegetarierin wäre aber mich trotzdem weigern würde das Fleisch was ja auch nur normales Fleisch ist zu essen oder gar die Schnitten mit 3cm Dosenpastetenbelag war mir dann auch herzlich egal.

Als wir dann wieder alle Schüsseln, Tassen, Töpfe und Löffel zum See schleppten machten schon wieder ein paar los. Es wurde umarmt und rumgeflachst, dann waren wir nur noch zu siebt. Also schrubbten wir drauf los, besonders der hornalte, unbeschichtete und zudem russverschmierte Topf machte einige Mühe, zumal wir nicht wie die anderen Mädels einen Haufen Spülmittel benutzen wollten wenn wir gerade in einem See stehen. Chiara schrubbte immer noch an diesem Ungetüm während Natascha und ich schon alles andere fertig hatten und zum Lager brachten. Dann schnappten wir uns Handtücher, Bikinis, Klopapier und eine Schaufel und ich ging mit Natascha in den Wald und stand Schmiere. Normalerweise kann man ja einfach hinter irgendeinen Baumstamm gehen, in dem Sandboden verschwindet sowieso alles ganz schnell. Aber für das große Geschäft gibt es einen abgesägten Baumstamm mit einem Loch drin und einer Klobrille drauf. So viel Luxus muss sein.

Dann gingen wir zu Chiara die inzwischen auch fertig war und schwammen eine letzte ausgiebige Runde während der ein springender Fisch Chiara einen blauen Fleck einbrachte und Natascha, die kleine Weltverbesserin der Revolution durch FKK widmete. Ob aus Faulheit oder mit einem höheren Ziel sei jetzt mal dahin gestellt. Dann packten wir unsere Rucksäcke, nahmen einen letzten "Chai" im stehen um das Feuer ein und schließlich machten wir uns um 5 auf den Weg zum Strand wo das Ruderboot liegt. Die Umarmungen begannen erneut und ich verlor auch noch eines meiner Armbänder an einen riesigen Jungen mit Hundeblick. Jetzt stiegen wir aber wirklich in das Boot und einer der Männer ruderte uns rüber auf die andere Seite, eine letzte Umarmung und wir liefen los. An der Quelle oder besser gesagt dem Mückentreffpunkt legten wir eine kurze Pause ein und nach 40 Minuten hatten wir den Wald hinter uns gelassen. Jetzt musste selbst ich nach 2 Tagen mal wieder Schuhe anziehen (Barfuss laufen ist doch was Tolles!) und erfreute die anderen mit meinen komplett schwarzen Fußsohlen. Wir nahmen eine Abkürzung und kletterten neben der Trasse durch einen frisch gerodeten Wald, dann noch ein paar mal haarscharf von überholenden Autos verfehlt und schließlich fanden wir den Pfad zur Station. Ein schneller Halt im Tante-Emma-Laden und schließlich waren  wir nach einer guten Stunde und 7km auf dem Gleis.

Wir fanden doch tatsächlich 3 freie Sitzplätze und Natascha schlief gleich auf meiner Schulter ein. Ich und Chiara redeten noch ein bisschen und bekamen so den Vorfall zwischen den 2 wichtigen Stationen "82. Kilometer" und "79. Kilometer" mit. Kaum wahren wir nämlich von der einen Plattform abgefahren zog jemand die Notbremse. Da hatte jemand das Aussteigen verpasst. Der Maschinist verkündete, dass er die Türen nicht aufmachen werde und das es ihr Problem sei wenn sie ihre Haltestelle verpassen. Kaum 2 Sekunden nach dem Anfahren wurde erneut die Bremse gezogen und nun ertönte es vom Maschinisten zornig durch die Lautsprecher: "Ich habe es doch in russischer Sprache gesagt, ich mache die Türen nicht auf!". An dieser Stelle grinsten Chiara und ich uns nur an und schauten dann auf die träge vorbeiziehende Seenlandschaft. Kurz vor Piter holte ich schon mal mein Handy und die Kopfhörer raus, wurde sie aber gleich wieder los, weil ich Natascha und Chiara jetzt mal ein bisschen deutsche Musik näherbringen durfte. Dann steigen sie an der ersten piterer Station aus um in die Metro zu gehen. Ich fuhr noch 20 Minuten weiter und stieg an der Endstation aus. bald konnte ich mir eine Marschrjutka ranwinken und war so 15 Minuten später daheim. Marina und Ira waren auch gerade von der Datcha gekommen und Ira packte schon für die nächste Dienstreise. Ich legte mich nur noch in die Wanne und fiel mit einer Tasse "Chai" ins Bett.

lernen, arbeiten, quatschen und spielen...alles gleichzeitig

Donnerstag, 22.05.2014

Schon halb neun fläzte ich mich auf eine Bank im Korridor und überbrückte die erste Freistunde mit "Die Chroniken von Narnia", auf Russisch natürlich. 60 Seiten, 3 verschlafene und 2 wache Schulstunden später war ich dann auf den Weg zur Haltestelle.

Ich fuhr bis zur Ermitage und lief von da aus zu Chiaras Schule. Zusammen gingen wir zu Fadi. Der lag in der offenen Küche auf einem Sofa und sah aus wie ein Zombie. Wir fragten ihn nach seinem befinden und er bestätigte, dass es ihm dreckig ginge. Also scheuchten wir ihn nachdem er sich weigerte zu schlafen raus spazieren gehen und ich war mal wieder "Tjotja Lijena". Erst mal machte ich für Chiara und mich Falafeln während Chiara für uns beide und Kirill "Chai" machte. Ist ja jetzt auch wieder nicht so viel Arbeit.

Danns etzetn wir uns auf usner Lieblingssofa, legten mit unserer Pseudoiutalienischstunde los und werteten nebenbei die letzten Tage aus. Irgendwann kam noch Anya (Chiaras erste Gastschwester) und wir fingen mal wieder an Activity zu spielen. Diesmal war ich mit Kirill in einem Team und erriet jeweils so 2,3 Wörter, konnte aber in der gleichen Zeit 6 erklären. ich kann halt doch noch kein normales Russisch. Zwischendurch kamen auch noch 2 Kunden denen ich Falafel machte und Fadi kehrte auch zurück. Mit Einkaufstüten. Nicht nur Frauen heitern sich also mit shoppen auf.

Um sechs ging Anya wieder aber Natascha kam. Kurz darauf musste auch Chiara los also lagen wieder die üblichen drei auf dem Sofa. Aber gegen halb acht verließen schließlich auch Kirill, Natascha und ich Fadi und gingen zur Metro bzw. Haltestelle. Ich hatte Glück und bekam gleich eine Sitzplatz am offenen Fenster. heute waren es zwar nur noch 22°C und so in Shorts uns Top angenehm auf der Straße aber in einem rappelvollen Bus ist die Luft ja dann doch nicht so dolle.

Halb neun war ich also vor der Haustür und traf Ira dort. Wir gingen zusammen hoch und unterhielten uns kurz. Dann machte ich "Chai" und Abendessen, allerdings setzte sie sich wie immer vor den Fernseher wo schon Marina hockte. Ich kann diese hohlen Sendungen nicht ertragen und verzog mich schnell in mein Zimmer. WO kurz später Marina auftauchte und mich zusammenschiss, weil ich ihr Wasser geklaut hätte (man kann ja hier kein Leitungswasser trinken deswegen friert sie normalerweise Wasser ein und ich koche es ab). Mann o mann...

quer durch die Riesenstadt

Mittwoch, 21.05.2014

Heute Morgen waren zum mindest ein paar Wölkchen am Himmel sodass es als ich um 11:00 Uhr die Schule verließ nur 25°C waren. Zuhause koche ich mir erst mal einen "Chai". Später am Tag kann man sich das ja nicht mehr antun aber es steckt eben doch ein gewisses Suchtpotential drin. ;)

Dann verzog ich mich mit meinem Laptop und einem Film auf mein Schlafsofa bevor ich mich halb zwei wieder vor die Tür wagte um Chiara abzuholen. Im Bus noch schnell die Russischhausaufgaben gemacht, dann war ich gewappnet und stieg eine Dreiviertelstunde nahe Chiaras Schule aus. Wir spazierten erst mal ein bisschen planlos durch die Gegend, dann kauften wir uns ein Eis und setzten uns in einen Park nahe ihrer Schule. Wir hatten wieder ein paar geistreiche Gedanken auszutauschen und vollführten die tollsten Verrenkungen um irgendwo das überall in der Stadt verfügbare Wifi zu finden. Aber nach dem Spaß muss ja wieder die Arbeit kommen also fuhren wir zu Natascha. Hier am Ende der Stadt sieht man wie Piter wächst. Es führt einfach eine lange Straße gänzlich ohne Kurven von der Metro weg, an den Seiten 20stöcker hochgezogen. Und wo vor 3 Jahren noch Ödland ist wird eben jetzt die Stadt vergrößert und einfach noch ein Stück an die lange Straße dran gepflastert. Kurzum ein Ort an dem keiner Leben will, die meisten aber trotzdem hängen bleiben.

Wir schlossen heute den letzten Fall ab. Endlich! Ich habe zwar immer noch nicht im Kopf wann welcher dran ist aber theoretisch weiß ich jetzt zum mindest die halbe russische Grammatik. Jetzt stehen noch Verben auf dem Plan, der vollendete und unvollendete Aspekt, Passiv und solche Nettigkeiten. Aber das schaffen wir ja schon gar nicht mehr so richtig.

Um sieben verabschiedeten wir uns wieder und eine halbe Stunde später trennte ich mich in der Metro auch von Chiara die selber zu ihrer eigenen Endlosstraße mit ihrem 25stöcker fährt. Ich warte dann noch an der Haltestelle. Zu meiner Unterhaltung brannte ein naher Mülleimer lichterloh vor sich hin. Plastik gibt echt einen übel riechenden Brennstoff. Aber keine 10 Minuten später fand sich eine beherzte ältere Frau die dem Feind Kraft des letzten Schlucks aus ihrer Wasserfalsche niederstreckte. So kam ich dann wohlbehalten um halb neun daheim an und mache mir erst mal was zu essen und trank einen halben Liter Wasser ohne abzusetzen. Diese Hitze macht einen fertig!

Dises Hitze macht einen noch verrückt

Dienstag, 20.05.2014

Heute schrieben meine Klassenkameraden Matheprüfung. Das heiß für mich, dass ich ausschlafen durfte. Nach dem Mittag - ähm, Frühstück sah ich mir noch einen Film an, dann fuhr ich mit dem Bus zur Metro. Irgendwo unter dem Zentrum wechselte ich die Linie und traf dort Chiara. Da es heute wieder über 30°C waren hatten wir beschlossen in einen Park auf einer kleinen Nevainsel im Nordwesten der Stadt zu fahren.

Kaum aus der Metro ausgestiegen standen wir auch schon in dem Park um einen Palast. Es gibt einen See und mehrere kleine Flüsschen, außerdem wird der Park auf voller Länge von der Neva gesäumt. Wir legten uns erst mal auf eine Wiese in den Schatten. An einen Baumstamm gelehnt begann ich dann mit der verrückten Mission des Tages. Chiara hatte heute schuluniformbedingt zwar einen Rock an, ihre kaputte Jeans aber im Rucksack. Sie zog die also kurz an, zog den Rock hoch und ich malte los. Und schnippelte dann. Und nach einer geschlagenen Viertelstunde hatte Chiara ein neues paar Shorts mehr und eine kaputte Hose weniger.

Dann zogen wir an das Ufer eines kleinen Sees um wieder unzählige unschöne Bilder zu machen.

Und wie ich schon mal so schön auf Chiaras Schoß liege hat sie mir dann eben die Haare geflochten. Und ich dann ihre. Ihr merkt schon, uns ist wirklich ein bisschen langweilig.

Irgendwann beschlossen wir dann in die Sonne zu gehen. Auf dem Weg fassten wir noch ein Eis ab und lagen kurz darauf auf einem Stück Wiese am Nevaufer. Hier war das Wasser schon etwas sauberer und auch der Ausblick auf die Jachten und den Vergnügungspark gegenüber war recht einladend. Blöd, dass wir halb sieben schon wieder los mussten. Aber als ich eien Stunde später daheim war, war es natürlich trotzdem noch taghell und erschlagend warm. Jetzt hoffe ich nur noch auf ein richtig schönes Sommergewitter.

Strand

Montag, 19.05.2014

Heute war ich nach Doppelmathe, Literatur und Russisch schon um zwölf auf dem Heimweg. Als ich die Tür der Schule öffnete schlug mir eine stickige Hitze entgegen. Aber eigentlich war ich recht erfreut. So brach heute auch wieder die Saison an in der man an der Haltestelle vor der Schule wartet und nicht bis zur Metro geht um sich in die warme wartend Marschrjutka zu setzen. So fuhr ich als in der Straßenbahn nach hause wo schon die ersten Männer ihre Hemden aufknöpften und T-Shirts auszogen. Zuhause aß ich Mittag und schließlich fuhr ich halb zwei ins Zentrum.

Mit Shorts und trägerlosem Top klebte ich bei 33°C an den Sitzen fest und auch die kleinen Fenster versprachen kaum Abkühlung durch Fahrtwind. Als h schließlich eine gute halbe Stunde später vor Chiaras Schule stand überzogen die natürlich und ich wartete 20 Minuten in knallender Sonne. Allerdings wurde ich reich belohnt - Natascha hatte ihr Fahrrad mit und seit über einem halben Jahr fuhr ich endlich wieder mal Rad! Dann liefen ich und Chiara zu dem nahen park hinter der Isaaks-Kathedrale und setzen uns unter einen Baum in den Schatten. Wie erschlagen von der plötzlichen Hitze redeten wir nur, machten unzählige bescheuerte Fotos und bewegten uns einfach so wenig wie möglich.

Dann beschlossen wir schließlich doch noch unseren Strandplan für heute umzusetzen. Da Chiara so lange Schule hat schaffen wir es einfach nicht an die Ostsee zu fahren (dauert eine Stunde von ihrer Schule plus halbe Stunde Fußmarsch) also gingen wir in der knallenden Sonne an der Ermitage über die Brücke. Vorbei an unzähligen oberkörperfreien Männern und Frauen in langen Jeans und langärmligen Blusen bahnten wir uns unseren Weg zur Piter-und-Pavel-Festung.

Nach der prallen Sonne bei den Temperaturen wir das Nevawasser aus dem gerade erst getauten Ladogasee fast schmerzhaft zu ertragen. An einem nicht ganz so überfüllten Strandstück direkt an der Wasserkante ließen wir uns dann wieder auf mein Handtuch nieder, genossen die Sonne und gingen hin und wieder ins Wasser.

Allerdings nur bis zu den Knien. Bei den vielen oft bis zur Unkenntlichkeit aufgeweichten Müllteilen, Flaschen, Glasscherben, Holztsücken und was nicht so alles durch die Neva treibt möchte man dann doch lieber nicht allzu intensieven Kontakt haben. Auch wenn es interessant war wie sorglos sich die kleinen Kinder und älteren Herren in die Fluten geschmissen haben oder sich auch vom Ufer aus Hände und Gesicht wuschen. Lecker!

Gegen sieben machten wir dann los zur nahen Metro. ich stieg schon an Nevskiy aus und ging ins "Djadja Fadi". Dort traf ich Fadi vor dem Rechner mit Thea, einer Rucksacktouristin aus Leipzig. Endlich mal wieder schönes Deutsch! Sie fragte mich aus was ich hier so mache und war ehrlich begeistert von dieser ganzen AFSsache. Nach einer halben Stunde kam Katja und Thea musste los. Trotzdem hat es mich ehrlich gefreut. Mal kurz so ein Aufflackern von "Deutschheit" tut doch mal ganz gut. Mit Katja aß ich dann erst mal Falafel und wir tranken "Chai": Danach las ich ihr Tagebuch. Sie schreibt auf Deutsch und ich kontrolliere ihre Fehler. Und ich muss sagen sie ist in den knapp 9 Monaten (Die Zahl hört sich schrecklich an oder?!) mit mir wirklich besser geworden.

Halb zehn gingen wir zur Bushaltestelle und bei jetzt schon einigermaßen erträglichen Temperaturen, wolkenlosem Himmel und Sonneschein fuhr ich heim. Sogar Stau blieb mir um die Uhrzeit erspart. Warum kann es eigentlich nicht immer Sommer sein?

25km Fußmarsch, weiße Nächte und Sommerhitze

Sonntag, 18.05.2014

Samstagmorgen ließ ich Doppelliteratur und Geografie an mir vorbeiziehen. In Englisch schenkte mir die Lehrerin Schokolade und bedankte sich noch mal unter einem kleinen Applaus für meine Hilfe. Dann hatten wir eine langweilige Stunde über indirekte Rede. Um nicht einzuschlafen las ich derweil auf dem Foto auf Janas iPhone ihr Aufgabenblatt und gab ihr kurz darauf auf einem Zettelchen die Lösungen.

Kaum läutete die Glocke sprintete ich schon die Treppen runter, wechselte die Schuhe, schnappte mir meine Jacke aus der Garderobe, die ich heute zum ersten Mal dieses Jahr nicht anziehen brauchte und rannte bei schönstem Sonnenschein und 25°C zur Metrostation. Hier saßen Thena und Marina aus Vyborg an einem Tisch. Wir vertilgten erst mal zusammen die Schokolade und unter gelegentlichen lauten Jubelschreiben und spontanen Umarmungen wurde der Ferienplan erstellt.

Dann fuhren wir mit dem Bus ins Zentrum und sprangen unweit der großen Kathedrale raus. Wir gingen in das kleine Fotomuseum: Schon nach den fünf Stockwerken Treppensteigen schwitzen wir wie die Schw***e. Wir bezahlten brav unsere 50 Cent Eintrittsgeld und stiegen eine kleine Wendeltreppe in das Dachzimmerchen hinaus. Von hier hatte man einen phänomenalen Ausblick. Doch mit den Fenstern rundum war es relativ stickig und wir gingen wieder runter um uns die alten Fotos von SPb anzusehen. Dann gingen wir auf die Dachterrasse und wie schon mit Anya und Josi war ich mal wieder geflasht von dem Ausblick über Nevykiy, die drei großen Kathedralen und die vielen bekannten Fassaden. Nach ein paar Minuten passten wir einen guten Zeitpunkt ab und verwirklichten unseren verrückten Plan - über die Feuerleiter wieselten wir runter aufs Nachbardach, von da aus über eine Holzleiter wieder hoch auf das nächste und lagen schließlich außer Sichtweite hinter einem kleinen Mäuerchen auf einem Haus in zweiter Reihe mit dem Gesicht in der Sonne. 10 Minuten genossen wir das Spektakel dann ging´s weiter aufs nächste Dach. Ich fand problemlos den Eingang vom letzten Mal und nachdem wir uns durch das kleine Fensterchen fallen gelassen hatten tasteten wir uns im Dunkeln über die Dachbalken bis zur Tür.

Ba ba ba baaaam!

Sie war zu. Nicht aufgebrochen wie das letzte Mal. Und auch die Tür auf der anderen Seite war verschlossen. Also Rückwärtsgang. Zum Glück nahmen Thena und Marina es mit Humor und so rannten wir Drei unter vernichtenden Blicken der Museumsleiterin bald die Treppen runter. Auf Nevskiy wurde das Abenteuer dann unter Lachen ausgewertet und von Marina sofort als eines der besten Erlebnisse in Russland deklariert. Da habe ich ja ganze Arbeit geleistet.

Wir liefen zu Chiaras Schule, holten uns ein Eis und setzten uns auf eine Bank auf einem schmalen Grünstreifen in der Mitte der Straße. 10 Minuten später kam Chiara und wurde in einer Dreifachumarmung erstickt. Wir saßen dann erst mal kurz wie erschlagen von solchen Aktivitäten bei der Hitze auf der Bank bevor wir uns ins Timcafé "12 Zimmer" aufmachten. Wir nahmen wieder den Kinosaal für uns ein. Erstmal wurde sich auf Sofas und Sitzsäcke geschmissen bevor wir anfingen massenweise Kekse und Waffeln mit "Chai" zu verdrücken. Schließlich fand Marina Kreide und so bemalten wir anschließend noch die Wand die anstatt eines Anstrichs eine riesenhafte flächendeckende Tafel bekommen hatte.

Nach einer guten Stunde mussten die beiden schon los. Wir fuhren zusammen in der übervollen Metro und nachdem ich Thena vor dem Heldentod aufgrund von Todtrampeln während ruckelicker fahrt bewahrt hatte stiegen ich und Chiara um und fuhren zu Nataschas Station auf der größten Nevainsel. Wir saßen erst mal bei ihr in der Küche und versuchten noch ein bisschen Energie zu tanken bevor wir um sieben los gingen um die Nach der offenen Museen in Piter zu erleben.

Am Rand der Insel gegenüber einem monströsen Kreuzfahrtschiff begannen wir in einem kleinen Museum. Hier hörten wir zuerst eher zufällig einen Vortrag über andere Planetensysteme, Galaxien und außerirdisches Leben an. Die ganze Zeit über liefen Teleskopfotos durch. Es war echt wunderschön anzusehen was da so an uns vorüber schwebt. Und außerdem gut zu wissen, dass ich solches Zeug selbst auf Russisch halbwegs verstehe. Dann liefen wir kurz durch die verschiednen Ausstellungen und schließlich setzten wir uns draußen auf ein kleines Geländer und schauten indische Tänze an. Auch wenn die Tänzerinnen samt und sonders blond und blauäugig waren und wohl eher Mascha, Nastya und Natascha als Anita oder Sharita hießen war es echt schön anzusehen. Auch weil Kostüme und Musik aus Indien importiert waren, sodass wenigstens ein bisschen Atmosphäre aufkam.

Gegen neun machten wir uns dann auf den Weg die Uferstraße entlang mit unbeschreiblich schönem Panoramablick über die Innenstadt, über die Brücke, vorbei an der Isaaks-Kathedrale und schließlich ins Museum der Kuluren. Wir hatten beschlossen, dass man die Museen ja auch so ansehen könnte und waren heute eher auf Konzerte u. a. Aufführungen aus. Als wir den Innenhof des Museum betraten war auch gerade eine irische Tanzgruppe am Rumspringen. Wir setzten uns vor die erste Reihe auf den Boden und genossen im Dämmerlicht die phänomenale Show. Abgewechselt wurden die Tänzer mit einer Band aus Gesang, Schlagzeug, Kontrabass und Querflöte die französische und englische Musik spielten. Irgendwann war aber auch das leider vorbei und nach 5 weiteren Stücken japanischer 800 Jahre alter Musik auf Liegeharfe, Banjoverschnitt und Bambusflöte gingen wir weiter.

Jetzt erst mal zur nahen Metro auf einem großen Marktplatz. Hier waren Nataschas Freund und seine Leute in einem Burgerladen. Es war ja jetzt schon fast 2 Uhr morgens und wir hatten keine Lust da rein zu gehen. Also standen wir auf der Straße und unterhielten uns recht nett. Dann gingen wir drei Mädels erst mal bei Subway dinieren. Himmel, war ich nach dem ganzen Rumgelaufe hungrig! Dann ging es zurück zur McD-Nachmache wo wir Natascha ihrem Freund übergaben.

Mit Chiara lief ich weiter. Die 7 Euro für die Karte mussten ja schließlich noch ausgenutzt werden. nach einer kurzen Rast im Park vorm "Marinskiy teatr" gingen wir in das Hinterhoftheater Mimigranten. Hier werden ziemlich futuristische Stücke aufgeführt. Als wir kamen wurde gerade im ersten Stock in einem ehemaligen Turnsaal ohne Bühne oder Sitzgelegenheit ein Spektakel veranstaltet. Ohne Text, dafür mit vielen Trommeln die bis in den Magen vibrierten, Lichteffekten und sehr viel Rumgespringe. Alles in allem aber recht spannend.

Dann gingen wir weiter in ein seriöseres Theater. Hier hatte man aber leider schon um drei und nicht wie im Programm angekündigt um 6 zugemacht. Na toll. Also liefen wir mit schon schmerzenden Beinen, hungrig und inzwischen auch bei Dunkelheit bis Nevskiy. Hier brachen wir förmlich auf der Mauer des Metroeingangs zusammen und ignorierten auch die ganzen komischen gestalten um uns herum. Aufstehen ist dann natürlich noch schwerer aber irgendwie machten wir uns trotzdem auf den Weg. Eigentlich wollten wir zu Philharmonie, Chiara erblickte aber ein Museum über eine piterer Schriftstellerin in einem der vielen kleinen Schlösser. Das erwies sich allerdings als guter Zufall denn im Schlosspark gab es erstens eine Bank und zweitens wurde auf der kleinen Bühne grade eine echt coole Vorführung gezeigt. Schwarzgekleidete Menschen bildeten mit ihren weiß verbundnen Unterarmen und Händen verschiedenen Bilder und Schriftzüge, das alles zu Musik. Durch die Dunkelheit und die Schwarzlichtscheinwerfer entstand tatsächlich der Eindruck die Hände würden sich da Ohne Körper rum bewegen und es war toll anzusehen. Wenig später traten auch noch Frauen in mit Lichterketten ausstaffierten Kleidern auf den Rasen und tanzten in unheimlicher Stille vor sich hin.

Da jetzt die Sonne schon weiter aufgegangen war ging ich mit Chiara weiter. Die Philharmonie war einfach nicht an dem Ort zu finden in der sie in der Karte stand, nicht mal die Straße war da. Und auch nach dreimaligen Nachschauen half es nichts - ein Plan B musste her. Also bogen wir ab und erblickten bald den Sommergarten und das Michailovskiyschloss. Wie schön wieder Sachen vor der Nase zu haben die man fast jeden Tag sieht. Mit letzter Energie hievten wir uns auf die 3m hohe breite Mauer um die Gedenkflamme im nächsten Park und mit einem grandiosen Ausblick auf die Bluterlöserkirche, den ein oder anderen Palast und die Bäume des Sommergartens vor dem rosa der Morgendämmerung genossen wir es einfach nur mal unsere streikenden Beine hochzulegen.

Es war schon fünf, sodass wir nach einer halben Stunde bereit waren uns in Richtung Nevskiy aufzumachen. Noch ein Halt auf eiern Bank im Park vor dem russischen Museum, dann gingen wir wirklich zur Haltestelle vor der großen Kathedrale wo auch sofort ein Bus kam.

Sitzplatz. Ohne Stau. Schnell. Nach Hause. Erleichterung. Und so pennte ich auch gleich auf Chiaras Schulter ein. Halb sieben waren wir zuhause und kochten erste mal "Chai". Dann fielen wir nur noch ins Bett. Total fertig.

Um drei klingelte dann der Wecker und ich schmiss Chiara aus dem Bett damit sie mal wieder mein Dusche nutzen kann. Kurz darauf raffte ich mich auch auf und kochte uns Tee gefrühstück/-mittagt/-nachmittagt wurde Fleisch und Kartoffeln. Und mein Magen war dankbar endlich wieder aus seiner Erbsengröße auf Normalvolumen heranwachsen zu dürfen.

Nach dem Essen spielte ich Gitarre und sang mit Chiara. Jetzt ging es zum Ernst des Tages. Unsere wichtigste (und einzige) Aufgabe heute wartete. Die Frage beantworten: Wie viele Kilometer zur Hölle haben unsere armen Füße in 18 Stunden zurücklegen dürfen?! Und die Antwort ist erschreckend, aber auch befriedigend, da ich mich jetzt nicht so schlecht fühle wenn meine Beine immer noch weh tun. Denn es waren verfluchte FÜNFUNDZWANZIG Kilometer! Und das bei mangelhafter Verpflegung und nur gelegentlichen unbequemen Sitzgelegenheiten. Wer verleiht uns jetzt dafür einen Orden?

Um sechs schaffte ich Chiara zur Haltestelle. Bei herrlichem Sonnenschein, unrealistisch blauem Himmel und 26°C konnte ich einfach nicht widerstehen und ging in den Park gleich gegenüber von unserem Block. Hier tümmeln sich auf 8ha Wiese und Müll zum Sonntag also dem einzigen freien und dazu noch erstem warmen Tag gefühlt eintausendachthunderteinundfünfzig Leute auf den löwenzahnübersäten Wiesen zwischen drei Seen und rauchenden Grills mit wunderschönem Ausblick auf ihre unzähligen Hochhäuser. Also lief ich auch eine Dreiviertelstunde, machte Rast an einem Baumstamm, ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen und genoss den Sommer wobei ich versuchte meinen von der Hüfte abwärts schmerzenden Körper zu ignorieren. Aber barfuss und auf Gras zu laufen ist nach dem ganzen Asphalt schon eine Wohltat. Obwohl ich mit dem Wrack von Schuhwerk was nach dem Marsch gestern übrig geblieben ist auch gut und gern als barfuss hätte gelten können. ;)

Um sieben war ich wieder daheim und machte es mir auf dem Fensterbrett bei offenen Fester bequem. hier im 5. Stock ist es nicht nur weniger abgasverpestet sondern man kann sogar ein paar Sonnenstrahlen abbekommen. Und - ich finde das habe ich mir verdient - bei den Aussichten und Rückblicken beschloss ich den Rest des Tages einfach nichts mehr zu machen. Also außer russische Filme gucken und "Chai" trinken versteht sich.

Was eben so gemacht werden muss

Freitag, 16.05.2014

Heute Morgen kutschierte mich "Deduschka" zur Schule wo ich gleich ins Zimmer der Englischlehrerin ging. Sie hatte mir ausrichten lassen, dass ich heute noch Mal Prüfungen abnehmen dürfte. Super.

Ich hatte eigentlich mit einer von den unteren klassen gerettet, stattdessen saß der 11. Jahrgang also die Abschlussklasse in der letzten Englischstunde ihres Lebens vor mir. Nach ein paar Vorbereitungsminuten ging es los. Diesmal saßen die Lehrerin und ich dem Opfer zu zweit gegenüber. Wir nahmen insgesamt 15 Schüler durch. Einer hatte 5, drei eine 3, der Rest 4. Glück gehabt. Während der letzten drei Prüfungskandidaten war schon kaum mehr einer im Raum und ein junge aus der 11. den ich flüchtig kenne fing an sich ein bisschen über mich lustig zu machen während ich - wenn die Lehrerin grad nicht guckte - zurückgestikulierte. Ich wäre gern in schallendes lachen ausgebrochen aber theoretisch bin ich ja so was wie eine Autorität für dieses arme Wesen was sich da gerade drei englische Sätze aus den Fingern saugt. Alles in allem zwei der unterhaltsamsten Stunde dieses Schuljahr.

Danach fuhr ich auch gleich heim. Und halb drei wieder ins Zentrum. ich traf Chiara und Natascha und zusammen gingen wir Karten für die Museumsnacht kaufen. Wir waren uns einig - jetzt nur noch sitzen und essen! Also gingen wir zur großen Kathedrale und setzten uns in das nahe Café. Erst mal "Pirog", "Chai" und dann waren wir einigermaßen bereit für Shushana. Sie hatte wie immer kaum zeit und so regelten wir nur anderthalb Stunden den Dokumentenkram und ich kriegte endlich meine 100 Euro für die 2 Monate Marschrjutka zur Schule und zurück. Dann liefen wir mit Natasch in einen Park mit der Gedenkflamme für die Helden und Opfer des Krieges. Auf der drei Meter hohen und 2m breiten Mauer um die Flamme saßen schon Natascha und ich als Chiara nachkletterte. Raaaatsch - und auch Chiaras Lieblingsjeans starb an Abnutzung wegen zu viel rumlaufen und reihten sich damit in die Reihe von 6 Paar Schuhen (4 von mir, 2 von Chiara) und 3 Hosen (2 von Chiara und eine von mir) ein. Aber sich jetzt zu beschweren, weil man jeden Tag paar Stunden in Sankt Petersburg rumlaufen "muss"...Das sind schon Luxusprobleme würd´ ich sagen. ;)

Um sieben ging ich dann mit Chiara zur Metro während Natascha weiter im Park "Gesse" (russisch Transkriptionen deutscher Namen) las. Ich hatte den phänomenalen Einfall nur 10 Wörter zur Verständigung zu benutzen, die unserer Meinung nach meistgenutzten wie: "da" (ja), "net" (nein), "naverrrrno" (vielleciht), "davai" (Komm schon!/Mach los!), "blin" (Schimpfwort, wörtl. Eierkuchen) und "molodez" (Gut gemacht!). Ihr könnt euch also vorstellen, dass das Gespräch auf den 10 Minuten Weg zur Metro etwas einseitig verlief. Aber bei meinem Rumgepantomiere hatte Chiara wenigstens was zu lachen.

Warum muss ich mir jeden Tag eine Überschrift ausdenken?

Donnerstag, 15.05.2014

Donnerstagmorgen fuhr ich wie immer mit "Deduschka" und Marina in die Schule. Ich saß mit ein paar Mitschülern auf der Bank, bis ich mitbekam, dass sie ungewöhnlich intensiv lernten. Warum war bald klar - heut war kein normaler Unterricht, jediglich ein Literaturexamen. Danke für die Info, Leute!

Leicht entnervt fuhr ich dann also heim und rief Chiara an. Die war also 2 Stunden und ein Schläfchen später bei mir. Wir frühstückten während die Putzfrau schon um uns herum werkelte. Dann saßen wir eine Weile in meinem Zimmer und planten den Aufenthalt der AFSleute in Piter die in anderthalb Wochen kommen. Dann ging Chiara noch schnell duschen (zuhause bei ihr gibt´s immer noch keine Dusche) und um zwei fuhren wir bei schönstem Sonnenschein und sommerlichen 20°C (macht echt Spaß in einem überfüllten Bus) ins Zentrum. Im "Djadja Fadi" wartete schon Kirill auf uns. Unter dem Deckmantel "Italienischstunde" tranken wir "Chai", aßen Konfekt und redeten so über dies und das und jenes.

Irgendwann kam dann auch noch Natascha (Sie hatte die übliche Dreiviertelstunde zum Fahrkarten kaufen angestanden) und zu dritt überreichten wir Kirill sein Geburtstagsgeschenk. Der schokoladige Teil wurde natürlich mit einem neuen Aufguss schwarzen Tee gleich gemeinsam auf dem Sofa verdrückt. Chiara meinte wir sollten doch mal ein wenig Italienisch machen, also wenigstens so tun als ob. Und da Italienisch ja jetzt doch nicht unsere beste Sprache ist spielten wir dann "Stadt, Land, Fluss" in allen Sprachen außer der jeweiligen Muttersprache. Wir nahmen das italiensche Alphabet was nur 21 Buchstaben hat, so waren die Diskussionen ja schon vorprogrammiert. Irgendwann gingen wir zu Activity über. Chiara und ich zusammen sind unschlagbar. Chiara musste bald los also saß ich noch mit Natascha und Kirill. auch Nataschas Mutter kam noch für ein halbes Stündchen vorbei, ließ usn aber bald wieder allein.

Viertel neun lief ich schließlich mit den beiden bis zu ihrer Metro am Ende der Hauptstraße und noch weiter bis zur nächsten Metro wo ich Katja in einem Café traf. Wir aßen, unterhielten uns wie immer auf Russisch, Englisch und Deutsch und am besten alles gleichzeitig und trennten uns halb zehn. Ich fuhr mit der Marschrjutka heim und aß mit Ira die kurz nach mir kam.

Sprachenchaos

Mittwoch, 14.05.2014

Mittwochmorgen machte um zwanzig nach sieben wie immer Ira die Tür auf um mich zu wecken. Ich entschied blitzartig (also so blitzartig wie das eben geht wenn das Hirn praktisch noch schläft), dass man für eine Stunde Vertiefungskurs Physik und eine Stunde Physik doch eigentlich nicht aufstehen braucht. Geschweige denn in die Schule gehen und wieder zurück fahren. Also schlief ich bis um 12 aus, frühstückte ganz entspannt und machte mich bald auf in Richtung Zentrum. Ich spazierte ein bisschen durch die Gegend und holte schließlich Chiara ab.

Wir liefen in das nahe Timecafé mit den 12 verschiedenen Zimmern. heute suchten wir uns den Kinosaal aus in dem mit einem Beamer verschiedenste Filme und Serien an die Wand gehauen werden. Es gibt eine dreistufige Tribüne mit Sofas und Sitzsäcken und wieder mal einen auf halber Höhe eingebauten Boden auf dem noch mehr Sitzsäcke und Matratzen liegen.

Ich legte mich quer über eine Couch, den Tisch mit "Chai" und Keksen taktisch günstig genau vor mir. Chiara lies sich neben mich in einen Sitzsack Größe Kleinwagen fallen und nach einer kurzen Verschnaufpause fingen wir mit unserer eigentlichen Aufgabe an. Einen Brief in Englisch verfassen. ich hatte schon geschrieben aber die Grammatikkenntnisse die Chiara von ihrer Sprachschule hat gehen mir dann doch ab. Wir dichteten noch ein bisschen was dazu und nach einer Dreiviertelstunde waren wir glücklich und zufrieden und gingen zur Metro. Jedoch nicht ohne das ich die deprimierende Erkenntnis hatte schon fast genauso seltsam wie meine Englischlehrerin hier zu reden. Es ist eindeutig ungesund wenn das einzige Sprachtraining in einer russischen Schule stattfindet!

Eine Stunde später waren wir bei Natascha. heute nahmen wir den fünften und letzten Fall durch und übten für unsere mündliche Prüfung am Ende des Austauschjahres. Das war natürlich wesentlich weniger seriös als es jetzt klingt aber min ein Drittel der Zeit haben wir uns bestimmt mit dem Stoff beschäftigt! Dann fuhren wir wieder heim. Ich schaute mit Marina und Ira die russische Serie "Küche". Eine Komödie über ein Nobelrestaurant in Moskau. So ein typisch russisches wo alles irgendwie läuft aber nichts so richtig richtig. Zum Brüllen komisch. ;)

und der Regen geht

Dienstag, 13.05.2014

Dienstag begann als sterben langweiliger Schultag mit Doppelmathe. In der zweiten Stunde kam auf einmal die Englischlehrern rein und fragte mich, ob ich ihr in der dritten Stunde helfen könnte. Ich ging also in ihr Zimmer und kurz darauf kam eine achte Klasse zum mündlichen Examen. Die Lehrerin hörte die eine Hälfte der Schüler an, ich die andere Hälfte. Es war schrecklich. Einfach nur unfassbar grausam. Von einem Mädchen die in ihren 10 Minuten 3 Satzanfänge rausbekommen hat und selbst nicht auf die Frage nach ihrer Lieblingsjahreszeit oder welches Wetter heute draußen ist antworten konnte, über den Obercoole Typen der zu Tornados und Hochwassern je einen Satz auf Russisch und drei auf Englisch sagte(wozu soll man(n) schließlich Englisch reden, reicht doch wenn er die ganzen tollen Sachen auf Russisch weiß) bis hin zu den Strebern die mir mit ihrem Riesenakzent ein Ohr abgekaut haben war alles dabei. War ich froh, als die Stunde vorbei war!

Doch gleich kam Nachschub und eine neunte Klasse saß mir gegenüber. Auch hier fielen die Ergebnisse geschuldet den schwereren Themen (z. B. Festivals wo dann Neujahr und Ostern genannt wurden) nicht besser aus. Alles in allem einfach nur deprimierend. Und als ich dann noch Doppelenglisch in meiner eigenen Klasse absitzen durfte war ich endgültig und restlos deprimiert.

Ich fuhr dann gleich in die Stadt und traf Chiara, Natascha und noch eine Mitschülerin von ihnen unweit deren Schule. Wir liefen die Hauptstraße entlang, machten neben der großen Kathedrale einen Stopp zum "Pirog" essen und gingen schließlich nachdem wir das eine Mädchen in der Metro abgesetzt hatten in einen Buchladen. Wir wollten eigentlich ein Geschenk für Kirill jagen fanden aber nichts Gutes und gingen bald in einen nahen Park. Natascha erzählte ein bisschen über ihren Freund (läster läster) und wir quatschten noch munter als es eine halbe Stunde später anfing zu regnen. Erst war es dieser Nieselregen wie immer. Wir blieben sitzen und hielten das Gesicht nach oben. Dann wurde das Ganze stärker und wir beschlossen mal den Schirm aufzuspannen. EInen für drei. So saßen wir dann eng aneinandergekuschelt, die Beine hochgenommen und irgendwie über- und untereinader arrangiert auf die bank gekauert. Im russischen geht der Regen übrigens und fällt nicht. Das feuchtfröhliche Ergebnis bleibt aber dasselbe.

Nach einer dreiviertel Stunde liefen wir dann zur Bushaltestelle wo die beiden mit mir warteten. Jetzt hörte es natürlich auf zu regnen! Na danke...

ohne Worte

Montag, 12.05.2014

Montagmorgen verpennte ich nach einer kurzen Nacht gleich mal Doppelmathe, dann hatten wir noch Literatur und Russisch bevor ich heim fuhr. Um zwei ging dann der Tag erst mal so richtig los und ich machte mich auf zur Bushalte und gen Zentrum. Ich holte Chiara von der Schule ab und bei dem allgegenwärtigen Nieselregen liefen wir langsam zu Anya (Chiaras erster Gastschwester) heim. Da war natürlich noch niemand also liefen wir ihr noch weiter entgegen. Schon nach der Begrüßungsumarmung rochen wir alle als hätten wir zehn Jahre lang ohne zwischendurch zu duschen im Raucherbereich einer schummrigen Dorfkneipe gearbeitet. Als wir schließlich kurz darauf die Wohnung betraten wurde es nicht besser. Solange Chiara hier gewohnt hat, hat Anya ja wenigstens noch heimlich gemacht was sie eben so verbotenes macht, jetzt ist aber die Oma im Krankenhaus und Anyas Eltern trinken und rauchen selig zusammen mit ihrer Tochter. Sie gehen ja auch nicht arbeiten, sodass die Familie von trockenem Brot, grünem Tee und Zigaretten lebt, wenn Anya sich nicht wieder irgendwo durchschnorren ist.

Gut, dass ich erst mal Abhilfe schaffen konnte indem ich sie über meine beiden Schulbrote herfallen ließ. Dann förderte sie eine Styroporschachtel vom Chinamann zutage die ein unwissender wahrscheinlich für einen umfunktionierten riesigen Aschenbecher halten würde. Kurz darauf wurde aber auch die Pfeife rausgeholt und aus den Tabakresten von den Zigarettenstummeln was reingedrückt. Es ist wirklich zum verrückt werden.

Wir blieben ungefähr zwei Stunden in denen noch gegenseitig die Haare geflochten wurden und was Mädchen so machen. Dann ging ich mit Chiara bis zur Metro and er Hauptstraße und bog ab zum "Djadja Fadi". Der Regen hatte inzwischen aufgehört und die Sonne die uns ja schon 20 Stunden am Tag beehrt war wieder zu sehen. Auf dem Gehweg traf ich Katja und zusammen betraten wir kurz darauf Fadis Wohnung.

Ich hockte mich mit Katja auf die Couch ins Wohnzimmer und da auch kaum Gäste da waren brachte uns Fadi bald unseren "Chai". Katja hatte gestern Geburtstag und bekommt zwar selbst nichts mehr rein, hatte aber selbst bei DER Nobelkonditorei für mich und Fadi je ein Riesenstück Torte gekauft. Darauf wurden jetzt Kerzen platziert, jeder bekam eine Wunderkerze in die Hand, Katja so ein Glitzergeburtstagshütchen auf den Kopf, der Schallplattenspieler lies ein ewig altes russische Geburtstagslied erklingen und so standen wir drei dann schunkelnd und lachend.

Nach einer guten Stunde mussten wir schon wieder los. Ich fuhr mit dem Bus heim und aß mit Ira die mir von ihrem Urlaub mit Marina in Spanien und Portugal erzählte. Was würde ich um einen Tag mit durchweg Sonne bei 30°C am Strand geben!

Einladungen folgend

Sonntag, 11.05.2014

Was gibt es für ein besseres Erwachen als wenn das Telefon klingelt und Chiara dran ist?! Zumal am dritten Wochenendtag infolge. Der Wahnsinn. :) So sprang ich dann auch relativ schnell aus dem Bett, zog mich an, packte ein bisschen von dem Kuchenexperiment ein und war bald darauf and er Haltestelle. im Bus machte ich eine gute halb Stunde lang Russischhausaufgaben.

Der Genitiv ist echt endlos. Da beginnt man ganz harmlos mit den verneinten Sätzen die alle den Genitiv verlangen, mit Substantiven im Singular und lernt brav für jedes Geschlecht die Endungen um dann vom Genitiv der Personalpronomen, Adjektive und Possessivpronomen überrumpelt zu werden und sich als wäre das nicht genug auch noch mit den Numeralien, Zahlwörtern und allen Wortarten und ihren neuen Endungen im Plural  rumschlagen muss bevor man das Ganze mit dem Genitiv der Zugehörigkeit, bei Namen, Daten Zeitangaben, zehn Präpositionen und im Komparativ krönt. Klingt doch nett oder? Aber nachdem ich das so einigermaßen verstanden hatte kam ich schon an der Issaks-Kathedrale an. Hier saßen Chiara und Kirill in einem Haltestellenhäuschen um den ewigen Nieselschauern zu entgehen. Ich wurde in einem unverständlichen Gewusel aus Armen umfangen bald erkannten sogar wir, dass draußen bei diesem Wetter kein guter Platz für ist. Also machten wir uns auf den fünfminütigen Fußmarsch zu Kirills Lieblingsrestaurant. Wir probierten uns durch die russische Karte und laberten wie immer endlos. Nach drei Stunden mussten ich und Chiara aber leider aufbrechen also verließen wir das Restaurant nachdem Kirill - ganz der russische Gentleman - für uns gezahlt und die Tür aufgehalten hatte. Wir liefen also zusammen zur Metro. Nach ein paar Stationen gab´s wieder eine diesmal kürzere Ausgabe des Umarmungshaufens und ich und Chiara wechselten die Linie und fuhren in den äußersten Süden der Stadt. Dort fuhren wir aus der Erde, setzten uns in die schon wartende Marschrjutka und fuhren zu Natascha. Die kam gleichzeitig mit uns heim und wir behandelten noch mal anderthalb Stunden den Genitiv.

Kurz vor fünf verabschiedeten wir uns schließlich (nach einer kleinen Diskussion über den Ausgang des ESC - so erzkatholische Russen sind ja mit Frau/Herr Wurst nicht so ganz einverstanden) und fuhren zurück zur Metro während wir den Kuchen verputzten. Noch ein paar Stationen zusammen dann trennten wir uns und ich wechselte eine Station nach Chiara auf meine Linie. Ich hatte Glück und musste kaum auf den Bus warten, so war ich halb sieben daheim. Nach einem vorzüglichen Abendbrot mit den Resten von "Babsuchkas" Werk machte ich mich an die Arbeit und bastelte 3 Stunden Chiaras Abschiedsgeschenk. Das Ergebnis ist noch nicht ganz zufriedenstellend aber es wird. Dann schaute ich noch einen Film, lies mich mal wieder von den Künsten der russischen Synchronsprechung beeindrucken und beschloss um eins, dass es doch langsam Zeit wäre ins Bett zu gehen. Morgen ist ja blöderweise wieder mal Schule. Zum Glück hört das in absehbarer Zeit ein für alle Mal auf.

(irgendsowas ein bisschen wie) Zupfkuchen

Samstag, 10.05.2014

Um elf wurde ich von irgendeiner WerbeSMS geweckt (das kommt so 5 Mal am Tag vor, öfters rufen sie auch an) und beschloss, dass es ein wunderbarer Moment für Frühstück ist. Ich hatte schon herzhaften “Pirog“ und Walnusskuchen hinter mir sowie einen “Chai“ geschlürft als Olga rein kam und mir auch noch einen Teller Müsli aufschwatzte. Dann war ich kurzzeitig entlassen bis sie nach einer halben Stunde nach mir rief. Ich ging in die Küche und pfannenwarm wurden mir Pancakes auf den Teller geschmissen. Um den russischen Eindruck nicht zu verfälschen werden die natürlich mit einem Berg “Smetana“ (saurer Sahne oder so) drauf gegessen. Köstlich!

Kaum hatte ich meine Berichterstattung am Laptop abgeschlossen rief schon Chiara an und wollte von der Metro abgeholt werden. Nichts lieber als das. Also schlappte ich los. Sind ja auch nur 5 Minuten, dass kann man sogar bei diesem deprimierenden diesigen Wetter ertragen. An der Küste wohnen ist nämlich nicht immer ein Genuss. So hat es nämlich seit ich hier bin höchstens 5 Mal so richtig geschüttet, Nieselregen sind wöchentlich dran. Und diese komische getrübte Helligkeit ist noch verwirrender, weil die Sonne ja kaum mehr untergeht. Alles in allem sehr irritierend.

Und auf Chiara wartete ich natürlich auch noch, auf dem Rolltreppengeländer hockend und interessante Leute beobachtend. Dann liefen wir heim. Olga machte die Tür auf und fragte in einem Atemzug wie es ihr geht und was sie essen will. Und aus nur "Chai" wurde dann natürlich en umfangreiches Essen. Aber eine Tasse Tee gab´s hinterher auch noch. Dann packten wir meinen kram und machten uns am frühen Nachmittag auf den Heimweg.

Olga hatte uns den Weg zur Marschrjutka mit sehr wenigen Worten beschrieben. Natürlich verliefen wir uns prompt. Wir fanden zwar einen sehr schönen Park, ein paar typische russische Holzhäuschen und entdeckten sogar ein paar Marschrjutkas aber meine war nicht dabei. Mit der Elektritschka hatten wir kein Glück, die nächste war in einer Stunde dran. Also das alte Spiel - Metro, Bus. Aber da unten ist es wenigstens kühl. heute mit 20°, prallender Sonne und tausend Taschen war es schon recht anstrengend draußen.

Auf dem Weg von der Haltestelle stoppten wir noch kurz im Supermarkt. Hier lief uns meine Gastoma über den Weg und war froh, dass wir es ihr abnahmen die Einkäufe für meine Familie die Treppen hoch zu schleppen. Ich machte erst mal "Chai" mit Chiara, dann fingen wir an Zupfkuchen zuzubereiten. Da gibt es zu beachten, dass es hier ja keinen Quark gibt sondern nur ein ähnliches aber viel saureres, fettigeres und festeres Produkt (Tvorog) und Vanillezucker wird nur in Großpackungen verkauft weswegen wir flüssiges Aroma nahmen. Pudding war zum Glück aus Deutschland gekommen, dass ist ja auch so eine Sache. Ach so, eine Waage haben wir auch nicht. Auf mehr oder weniger abenteuerliche Weise hatten wir dann aber doch alles zusammengebracht und in einer Auflaufform (die Springform ist noch nicht in den Osten gehüpft) verstaut. Nur noch in den Ofen und die nächste Stunde ging Chiara duschen (Sie hat zuhause keine Tür vorm Bad, keinen Duschvorhang und seit zwei Tagen nicht mal mehr eine ordentliche Brause aber für solche Erfahrungen wohnt man wahrscheinlich im “Ghetto“ von Sank Petersburg.), wir spielten Gitarre und sangen und ich befreite mein Zimmer von Chaos. Dann öffneten wir den Ofen. Und stellten fest, dass er gar nicht gearbeitet hat. So ein Mist. Ich drehte alles wieder an und brachte Chiara zur Haltestelle.

Als ich zurück kam hatte sich natürlich im Ofen trotzdem nichts getan, dafür waren aber "Deduschka" und "Babuschka" da, hatten das Monster von Filia und etwas zu essen gebracht. Sie fragen mich nach meinem Werk und ich erklärte das Problem. "Deduschka" zog sich sogleich einen Stuhl an den Herd und probierte eine Viertelstunde das Ding in gang zu kriegen. Die durchschlagende Idee hatte aber "Babuschka" - sie rief die Köchin an. Die erklärte uns dann die nötigen Vorkehrungsmaßnahmen, damit der Strom bei Inbetriebnahme nicht ausfällt und erläuterte schließlich wo der Stecknadelkopfgroße Knopf ist der das Gas einschaltet. In der Uhr versteckt. Na super. Jetzt brutzelte mein Kuchen wenigstens und als ich einige Zeit später nachschaute war er tatsächlich und letztendlich fertig. Wenn auch der Geschmack sehr seltsam ist. Aber zum Glück weiß ja hier niemand, wie das richtig schmecken muss.

Ich aß also zu Abend. Ergänzt wurde der Kuchen von Steak und Kartoffeln. Ich muss "Babuschka" bei nächster Gelegenheit mal ganz herzlich umarmen! Dann ging ich zurück in mein Zimmer, eine Teetasse in der Hand, und bastelte nach drei Stunden endlich Chiaras Abschiedsgeschenk fertig.

Tag des Sieges

Freitag, 09.05.2014

Der neunte Mai ist in Russland und vielen Staaten der ehemaligen Sowjetunoin ein gesetzlicher Feiertag, der "Tag des Sieges"  über die Deutschen udn ihre ehemals Verbündeten. Und wie das jede halbwegs vernünftige Deutsche in Sankt Petersburg heute machen würde schlief ich erst mal bis Mittag aus.

Olga drängte mich dann wieder zu einem umfassenden Frühstück und packte mir noch was zum mitnehmen zusammen während sie durch die ganze Wohnung wuselte um ihren Kram für die Datscha zu packen. So ein verlängertes Wochenende muss ja ausgenutzt werden! Und bei den Touristenmengen bleibt einem sowieso nichts anderes übrig als fluchtartig die Stadt zu verlassen. Denn als ich gegen eins an der Metro irgendwo zwischen Isaaks-Kathedrale und Ermitage ausstieg wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt. Bei gefühlt dreitausendfünfhunderteinundachtzig Menschen pro Quadratmeter wühlte ich mich bis auf den Schlossplatz. Hier war alles weiträumig abgesperrt und eine Bühne aufgebaut. Ich kaufte mir eine riesenhaftige Russlandflagge (man muss sich ja der Masse anpassen) und schlängelte mich dann durch die schleichenden und Fotos schießenden Menschenmassen welche sich unter einem grauen diesigen Himmel unter den unzähligen Bändern und Flaggen auf Neskiy entlang schieben. Bald bog ich ab in die relative Leere einer der Nebenstraße. Dreihundert Meter weiter stand ich im "Djadja Fadi". Uff!

Ich war die erste heute, noch ein Indiz. dass wirklich alle vernünftigen Piterer aus der Stadt sind. Also kochte ich mir "Chai", unterhielt mich ein bisschen mit dem Mädchen was schon da war und setzte mich dann erst mal auf unser Lieblingssofa und freute mich endlich mal wieder Internet zu haben.

Nach ein paar Stunden untätigem auf de Sofa rumlümmeln quatschte mich in junges Mädel n, ob ich ihr und ihren zwölf Kumpels die rumzankend m Nachbartisch saßen nicht Tee machen könnte. Ich verkniff mir eine bissige Bemerkung und machte mich ans Werk. Ich schaute noch den Film zu Ende, dann wurde es mir endgültig zu viel und zu laut und ich verließ fluchtartig das “Djadja Fadi“.

Um acht war ich daheim und Olga wärmte mir gleich Tomatenreis und Hünchen auf. Dann eröffnete sie mir, dass wir in ei paar Minuten zu ihrer Freundin rüber gehen bei der Natascha und ich Samstag nach dem Kino schon gegessen hatten. So liefen wir also halb neun rüber. Alles begann ganz harmlos, für mich wurde “Schtschi“ auf den Herd gestellt. Eine Suppe aus saurem Weißkraut, Kartoffel und Rindfleisch. Während das Gas so vor sich hin flackerte überbrückten wiur die Wartezeit recht gut. Es wurde Wein eingegossen. Saurer Rotwein aus dem Süden Russlands. Verdünnt wurde nicht etwa mit Wasser sondern mit drei Eiswürfen für jeden. Warum nicht. Und angestoßen wurde natürlich auf den “Tag des Sieges“ und damit, viel wichtiger, auf den Frieden. Den Weltfrieden um genau zu sein, denn wir waren uns einig, dass es nirgendwo auf der Welt Kriege bedurfte. Wenn sich die Menschen doch immer so friedfertig und selig wären wie mit einem Glas süffigen Getränk in der Hand.

Dann war die Suppe fertig und während ich aß experimentierten die beiden Erwachsenen immer weiter mit dem Alkohol. Vorallendingen unsere Gastgeberin war echt einfallsreich. So bekamen wir erst ml Orangensaft zu unserem sauren Wein. Dann kletterte sie auf die Spüle und holte noch eine andere Flasche mit orangefarbenem Wein von der Krim. Den bekamen wir nur in Vodkagläsern was aber auch dicke ausreicht! Diese süße Plörre steigt direkt aus dem Mund in den Kopf. Deswegen stiegen wir auch bald wieder um. Campari aus Finnland mit dem restlichen Orangensaft und natürlich Eis. Inzwischen schon in Herzchen- und Blümchenform. Als dann noch eine andere Nachbarin vorbeikam die schon mit ihren Freunden mit Vodka auf den Tag des Sieges und auf den Frieden und die Liebe und wer weiß was sonst noch getrunken hatte kam richtig Stimmung in die Bude. Wir tranken noch mal auf den Weltfrieden und dann auf die internationale Freundschaft. Auch in solchen Momenten wo ich mich zu Abwechslung mal nicht anders und ausländisch und außenseitermäßig fühle muss ich eben daran erinnert werden, dass ich doch nur die deutsche Auf-Zeit-Russin bin. Was soll´s.

Gegen zehn, nachdem wir Walnusskuchen, “Pirog“ mit Käse und grünen Zwiebeln sowie Tiramisu vernichtet hatten, verschwand die Nachbarin und wir redeten weiter bis um elf als auch noch Natascha reinschneite. Jetzt schauten wir noch mal ein paar Videos vom Eurovision Songcontest, Mitternacht machten wir uns dann auf den Heimweg. Ach so, und diese russische Taktik geht echt auf – bei so viel reichhaltigem Essen nebenher kann man praktisch gar nicht betrunken werden.

so anstrengende Arbeit

Donnerstag, 08.05.2014

Unerhörterweise musste ich Donnerstag wieder um 7 aufstehen. Olga weckte mich und wir frühstückten zusammen. Dreiviertel acht sauste ich auch schon los. Eine halbe Stunde in der Metro und fast pünktlich war ich in der Schule. In der ersten Stunde schrieben die Anderen einen Russischtest, danach Mathetest. Zu Ende der Stunde kam die Chemielehrerin rein und meinte wir sollten für die nächste Stunde ins andere Gebäude gehen, auf dem Weg Eis kaufen und dann würden wir die letzten zwei Stunden irgendein Experiment machen. Die Hälfte von uns beschloss nach hause zu gehen. Ratet mal wer darunter war.

Ich machte mir “Chai“, steckte meine Schulschnitte in den Sandwichmaker und danach haute ich mich erst mal 2 Stunden aufs Ohr. Wach wurde ich davon, dass die Putzfrau die Tür öffnete. Ich fing bald an zusammenzupacken und fuhr um zwei los in Richtung “Djadja Fadi“. Dort war bis auf ein Mädel das immer (wirklich immer) da ist nur noch eine junge Frau. Meine Mitarbeiterin. Wenige Minuten später kamen auch noch Natascha und Chiara. Noch mal die Wiedersehensfeierlichkeiten mit Natascha, dann machte ich uns was zu essen und zu trinken und wir lümmelten uns aufs Sofa und schwatzten drauf los.

Nach zwei Stunden ging dann meine Gehilfin und dafür kam Nataschas Freund dazu der sie eigentlich nur abholen wollte. Natürlich blieben sie noch eine halbe Stunde, dann mussten sie wirklich los. Ich saß also weiter mit Chiara. Wir schauten noch Fotos von ihrem Trip an und wir redeten und redeten. Kurz vor 7 kam Kiril angestürzt der natürlich als erster erfährt wenn wir mal wieder im “Djadja Fadi“ sind. Und statt der Italienischstunde kriegte er heute eben auf eine Viertelstunde gekürzt die Erzählung von Chiaras 2 Wochen. Dann musste auch sie los und mir war derweil mal wieder ein bisschen Kundschaft reingeschneit. Ich machte also noch zwei Falafeln und als ich den Behälter mit den Tomatenstücken auffüllen wollte stellte ich fest, dass die ganze 10kgkiste verschimmelt war. Na super. Und natürlich kam genau in dem Moment ein Pärchen und wollte 2 Portionen. Ich schickte also Kiril zum nächsten Supermarkt den wir im Zentrum erst mal mithilfe von Google Maps ewig suchten.

Nach einer Viertelstunde kam er angerannt, mit 10 Tomaten und zwei Gurken. Ich habe mich noch nie im leben so über Gemüse gefreut!

Der Minuten später hatte auch das Pärchen ihr Essen vor sich stehen und ich und Kiril verzogen uns wieder auf unser Sofa, ich zeigte ihm de Fotos von Chiara und wir laberten ein bisschen sinnlos rum. Wie das eben immer so ist. Halb zehn kam meine Ablösung. Ich bekam meinen Lohn (nur 2 Euro pro Stunde aber ich mach ja unterm Strich nichts und nach 7 Stunden läppert sich schon genug zusammen) und kurz später verließ ich mit Kiril Richtung Metro die Wohnung. Er brachte mich bis zur Tür meines Metrowaggons dann trennten wir uns mit der gefühlt tausendsten Umarmung heute. Nach zwei Wochen ist endlich wieder alles wie immer.

Na ja fast. Ich fuhr ja zu Natascha nach hause. Ich war die erste und kochte mir ein paar Pelmeni aus dem Frost. Göttlich! Kurz darauf kam Natascha und sie hatte von Arbeit Tortenstücke mitgebracht. Wir schauten Eurovision, aßen Torte und schlürften Tee. Der Tag wird immer besser.

Wiedersehen

Mittwoch, 07.05.2014

Mittwochmorgen konnte ich ausschlafen bis zehn. War auch nötig denn den Tag vorher hatte ich 3 Stunden mit Olga geredet und danach hatten wir mit Natascha noch Eurovision bis nachts um 2 geschaut. Dann fuhr ich nach einem schnellen Frühstück mit der Metro zu meiner Schule. Wir trafen uns alle in der Nähe der Metro und fuhren dann ins Zentrum. Dort warteten wir kurz auf unseren Guide. Eine Frau um die Vierzig mit einem unglaublichen Wissen über piterer Hinterhöfe.

Unsere Tour führte uns an einem der gewundenen kleinen Kanäle entlang und an allen Häusern in denen Dostoevskij oder die Menschen die in seinem Romanen vorkommen jemals gelebt haben. Es war halbwegs interessant, vor allem, weil wir auch in viele Hinterhöfe gingen. Quasi das ungeschminkte Piter. Echt schön. Oder wohl eher interessant. So heruntergekommene Fassaden sind ja nun doch nicht jedermanns Sache.

Nach zwei Stunden zu Fuß durch die dreihundert Jahre alten Straßen waren wir wieder an dem großen Marktplatz mit der Metrostation angekommen. Ich ging in ein nahes Einkaufszentrum. Erst mal was Essen. Dann war ich wieder einigermaßen lebensfähig und wartet lesend auf Chiara. Die war heute Morgen um 7 gekommen musste jetzt zuhause aber noch auf ihre Schwester warten. Um vier war ich dann schon mal zu ihrer Metrostation gefahren  wo dann eine dreiminütige Umarmung stattfand.

Wir fuhren zurück ins Zentrum und wollten eigentlich in einen der unzähligen Schlossparks. Der war leider über die Feiertage zu aber direkt gegenüber war ein Universitätspark. Dort saßen wir dann, aßen Kuchen (halbes Kilo für 1,50Euro und so) und erzählten. Und erzählten. Und erzählten. Wir spazierten irgendwann zur Hauptstraße. Für so langes Sitzen ist es doch noch zu kalt. Und weil wir noch Zeit und Redestoff hatten liefen wir bis zum anderen Ende der Hauptstraße und dann noch weiter bis zur Isaaks-Kathedrale. Dann musste Chiara wirklich heim. Aber ich hatte noch nicht fertig erzählt meine zwei Wochen also fuhr ich wieder mit zu ihr. Und schließlich und letztendlich nach 5 Stunden ununterbrochenem Redefluss heim.

Dort wartete schon Olga und bereitete mir wieder ein Festmahl. Wir redeten wieder viele Stunden. Es ist wirklich interessant auch mal mit Erwachsenen Russen zu reden. Zumal sie ihre Kindheit in Sibirien verbracht hat (auch deswegen pocht sie so urrissisch auf das viele Essen). Wir redeten viel über Deutschland das sie durch Natascha ein wenig kennt und die Unterschiede zu Russland. Über AFS, Politik, Ökonomie, Trinkwasser, Fahrrad fahren und hasde nich gesehn. Mitternacht kam dann schließlich Natascha von Arbeit und hatte mir "Schaverma" mitgebracht. Die russische Variante des Dürüm. Mit Hühnerfleisch und drei Mal so viel Mayonnaise wie im Dürüm alle Soßen zusammen. An Döner kommt es lange nicht ran, trotzdem mal wieder ganz gut. Und ich habe mich natürlich auch diebisch gefreut, denn die anderen AFSer in den Kleinstädten und Dörfern kommen samt und sonders nicht an so was ran. Halb eins beschloss ich dann aber doch mal schlafen zu gehen. Schließlich ist morgen ausnahmsweise mal ein normaler Schultag.

Englisch - ich kann´s doch noch

Dienstag, 06.05.2014

Olga weckte mich gegen sieben und nachdem ich mich angezogen hatte und in die Küche geschlurft war (Auf dem Weg kam ich an Olga vorbei die mit vorwurfsvoller Stimme fragte: „Warum hast du gestern Abend nichts mehr gegessen? Hattest du wirklich schon gegessen?“)

kam meine zeitweilige Gastmutter Nachthemd herbeigesprungen, wuselte herum und kredenzte mir alle möglichen Leckereien. Müsli, “Chai“, Obst, Marmeladenbrot und einen dieser tollen Quarkriegel stopfte ich in mich hinein und nahm natürlich noch ein Brötchen mit Käse, Wurst und Salat sowie zwei riesige Äpfel mit in die Schule. Endlich bin ich mal in einer (was das Essen angeht) normalen russischen Familie.

So wankte ich dann die Treppe runter und zur Metro. Ich hatte mich noch mit Olga unterhalten und kam natürlich zu spät. Auch egal. Die ersten 3 Stunden Mathe und Physik kann man sowieso in die Tonne treten, aber der 5. Stunde wurde es dann interessanter. In Englisch löste ich mit Nadja ein paar simple Textaufgaben und schrieb über mein liebstes technisches gerät. Die Aufgabenstellung verlangte “einige Sätze“ also schrieb ich eine A5-Seite meines Hefts voll. Nadja produzierte in derselben Zeit zwei Sätze. Das reicht, meinte sie optimistisch, mehr kriege sie nicht hin. So viel zu der tollen Bildung. Jetzt saßen wir eine Viertelstunde rum und lauschten den Schülern die mündliche Prüfungen ablieferten. In der letzten Stunde für heute war der Rest der Klasse mit dem mündlichen Test dran. Wir zogen eine Karte mit einem Thema. Ich hatte Glück und bekam “Freundschaft und Freunde“. Dazu durften wir uns 10 min vorbereiten und sollten dann 2 min reden. Eine Schülerin der 11. war gekommen und nahm ebenfalls die Prüfungen ab. Ich war ebenfalls bei ihr und erzählte ihr dann also ein bisschen was. Sie war ganz perplex von meiner flüssigen Rede, fragte nur noch, ob ich meine Eltern auch als Freunde betrachte und warum nicht, bedankte sich und schrieb mir ohne mit der Wimper zu zucken überall volle Punktzahl auf. Als sie wenig späte mit der Lehrerin wisperte äußerte sie noch mal ihren Unglauben, die Lehrerin meinte nur, für mich wäre das ja normal. SO bekam ich dann als einzige eine 5, die anderen hatten vorrangig 3en und 4en. Die 11klässlerin bedankte sich noch mal vor der ganzen Klasse für meine “awesome speech“ und überließ uns dann unserem Schicksal. Wir korrigierten Fehler in der letzten Arbeit, dann klingelte es zum Glück schon ab.

Kurz nach zwei fuhr ich dann also im Bus heim. Erst mal setzte ich den Sandwichmaker in Gang und kochte “Chai“, dann wollte ich mich im Internet vertiefen. (Denksde). Anscheinend hat Ira vergessen für diesen Monat dem Anbieter zu überweisen und so haben wir jetzt kein Internet daheim. Na super!

So erledigte ich also was sich wieder so aufgestaut hatte: spielte Gitarre, las, räumte auf und so weiter. Um fünf brach ich dann wieder ins “Djadja Fadi“ auf. Wenigstens hier kann man sich noch auf das Internet verlassen! Außerdem waaren Katja, Mascha und noch 2 andere Mädels da und wir aßen Falafel, redeten und spielten.

Gefragt

Montag, 05.05.2014

Am Montag musste ich doch tatsächlich mal wieder zur Schule gehen. Und dann auch noch 6 Stunden. Unerhört! Zum Glück überstand ich das selbst nach den kurzen Ferien ohne Nervenzusammenbruch, Suizidversuch oder was sonst so zu erwarten wäre. Unsere Klassenlehrerin machte mir sogar eine recht erfreuliche Ankündigung, dass wir vor dem nächsten verlängerten Wochenende anlässlich des 9. Mai auch noch 2 Exkursionen machen. Man will es ja im Endeffekt doch nicht zu viel lassen werden mit der Schule.

Draußen begrüßte mich ein fast schwarzer Himmel und Nieselregen. Erkenntnis des Tages: Ich müsste mal ein paar Schuhe haben das nicht an irgendeiner irrwitzigen Stelle ein Loch hat! Aber na ja, ich saß dann bald im Bus und fuhr ins “Djadja Fadi“. Hier hatte ich endlich mal wieder Internet und arbeitete die Altlasten ab. Aber das ist natürlich wieder nicht so entspannt wie sich´s anhört. Auf dem Ledersofa sitzt es sich zwar auch nach ein paar Stunden noch gut aber ich war ja auch zwischenrein beschäftigt Falafeln zu machen, meine “Arbeitskonditionen“ hier zu besprechen und dann fing ich an mit Fadi einen Riesendattelklumpen aus ganz vielen kleinen Datteln zu machen. Wenn man die nämlich brät werden sie nicht etwa kross sondern klebrig. Und wie wir so die Süßigkeitenproduktion vorantrieben und ich mit Fadi schätzte meinte er auch, dass ich jetzt schon arabisch sei. Was denn noch alles in so ein par Monaten?!

Und dann ging alles ganz schnell. Katja und Mascha kamen rein und im selben Moment rief auf Skype meine Familie an. Dabei war unser Dattelwerk noch nicht mal vollendet! So viel das Skypegespräch etwas kürzer aus und anschließend half ich Katja die inzwischen gegessen hatte bei ihrer deutschen Bewerbung. Ich übersetzte, las Korrektur, rätselte mit ihr herum wie dieses oder jenes russische und deustche Wort wohl auf Englisch heißt (da verstehen es wenigstens beide) war aber am Ende recht zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn manchen Sätze immer noch nicht so richtig nach normalem Deutsch klingen. Aber das ist ja so ein Ding hin zur Zeit mit meinem normalen Deutsch.

Mascha hatte inzwishcen mit Fad gequatscht und kaum waren wir fertig alberten wir zu viert ein wenig rum, dann mussten die beiden Mädels schon los. Ich machte mit Fadi die Süßigkeiten fertig – kleine Bällchen aus dem Dattelmatsch formen und mit Kokos panieren. Schmeckt echt super. Auch wenn ich alles 2 Mal machen durfte, meine erste Version war nämlich zu groß geraten.

Dann fuhr Fadi mal kurz zu einem Kumpel und für eine Stunde war ich wieder die Verantwortliche. Wie gerufen kamen dann auch Gäste und ich zauberte eine Falafel und Tee für sie. Ist ja dann andererseits auch wieder nicht so schwer.

Halb zehn kam Fadi wieder und sah mich beim Blog schreiben. Er wollte sich eigentlich nur kurz für meine Hilfe bedanken, lümmelte sich dann aber neben mich aufs Sofa und begann mit seinem herrlichen Akzent das Deutsch vorzulesen was ich da gerade fabriziert hatte. Übrigens ein “Hi“ an euch von Fadi.

Dann musste ich auch schon los. Leider, denn mit den neune Gästen hatte ich gerade eine recht interessante Diskussion über Dresden, Architektur, deutsche Außenpolitik, Nachkriegsdeutschland, meinen Namen und so begonnen. Jetzt war Eile geboten aber zum Glück wohne ja sowohl Fadi als auch Natascha nahe der Metro.

Auf dem Rückweg wagte ich mich sogar noch in eines der 24Stundengeschäfte. Seit dem gesetzt, dass zwischen 22:00 und 7:00 Uhr kein Alkohol verkauft werden darf sieht es hier ja schon besser aus, die Kundschaft ist aber immer noch recht einschüchtern. Ichs schnappte mir also nur schnell meine Flasche Milch und sauste heim. Natascha und Olga schliefen schon als ich halb elf eintraf aber sie empfingen mich natürlich an der Tür und mir wurde gleich alles Essen aufgezählt was bereit steht. Wirklich rührend, auch wenn ich kaum etwas mehr herunter brachte.

mal wieder Vyborg

Sonntag, 04.05.2014

Um neun. Sonntagmorgen. Aufstehen. Brutal. Aber was nimmt man nicht alles auf sich für en paar Verrückte liebenswerte verpeilte Mädchen.

So kam es dann, dass ich nach einem schnellen Frühstück um zehn Katja und ihre Freundin Mascha (zu Gast aus der kleinen Stadt am Ural, Katjas Heimat) an der Elektrischkastation. Unsere Elektrischka war natürlich gerade weg. Also beschlossen wir mit der Metro zu dem Modell von Piter zu fahren. Inzwischen war es geöffnet und man konnte zwischen den "Gebäuden", auf der Neva oder einem Mininevskiy rumlaufen. Wir holten uns noch was zu Essen und zurück ging´s zur Bahnstation wo wir kurz darauf auf unsere Sitze plumpsten und anderthalb Stunden nach Vyborg fuhren. Während der Fahrt diskutierte ich mit Katja auf Deutsch Ökologie, vertilgte nebenher was von der deutschen Milkaration und unterhielt ich mich viel, mit Mascha die noch nicht so viel in der Welt rumgekommen war wie die meisten piterer Russen die ich kenne und dennoch ihren ganz eigenen interessanten Standpunkt zum Weltgeschehen und Politik hat. Ihr ehrliches Interesse und ihr Unglauben gaben mir mal weider gehörig zu Denken.

Zum Glück rollten wir in diesem Moment in Vyborg ein. Zum Glück hing am Bahnhof eine Karte so liefen wir zum roten Platz mit der riesigen Leninstatue. Auch hier war alles anlässlich des 9. Mai mit tausenden rot-orange-gelben Flaggen geschmückt. WIr liefen weiter kreuz und quer und ohne Plan durch das Städtchen. Entdeckten zwei schöne Kirchen, unzählige interessante und total unrussische Häuser (Vyborg war auch mal finnisch und schwedisch), standen im heruntergekommensten Viertel mit Blick aufs Meer, fanden die Kirchenruine und erhaschten schließlich einen Blick auf die Festungsinsel. Allerdings waren wir jetzt schon auf dem Rückweg zum Roten Platz und trafen Thena die zu Lenins Füßen schon nach uns Ausschau hielt. Wir setzten uns in einen nahe Pizzeria. Ich nahm neben Katja auf einem Sofa Platz und wir lieferten eine filmreife Darstellung als wir zeitgleich die Karte aufschlugen, uns anschauten, den Handrücken auf die Stirn legten, seufzten und aneinander sanken. Die Erklärung - wir sahen die Preise die mit einer der übelsten Kantinen Piters mithalten könnten wofür man hier aber vorzügliches Essen bekommt. Ich meine eine große Pizza und "Chai" für 7 Euro - da bekomm ich in Piter die halbe Pizza ohne Getränk für! In der Hinsicht hat sich´s also gelohnt mal wieder aufs Land zu fahren.

Kurz darauf kam auch Marina dazu und das Gespräch wurde vorprogrammiert witzig-verrückt. Thena und Mascha saßen strategisch günstig nebeneinander und unterhielten dich ganz zivilisiert, sie sind eher die Ruhigen. Aber Katja, Marina ud ich zusammen ergeben eine ziemlich anstrengende Mischung. Aber nach den letzten Wochen bin ich mir sicher -  besser Bauchkrämpfe vor Lachen als vor Hunger. In der Hinsicht ist es also gar nicht so schlimm wenn wir mal wieder ein bisschen die Sau rauslassen.

Nachdem wir gegessen hatten gingen wir auf die kleine Insel zwischen den beiden Landzungen auf denen die Stadt errrichtet ist. Hier steht en ewig altes Schloss, eines der wenigen in Russland. Wir gingen durch den Hof und bewunderten die Aussicht. Das alles klingt ja ziemlich normal und langweilig aber beruhigt euch, kurz darauf standen ich und Marina auf einer kleinen Holzbühne und bekriegten uns mit Holzkeulen mit Metalldornen dran das jeder Wikinger, Schwede, Zar oder wer hier sonst sein Unwesen getrieben haben mochte Angst bekommen hätte. Aufmerksam durch unser Gelächter kamen auch noch Mascha und Katja dazu und wir waren wohl die Hauptatraktion für die wenigen Besucher die sich an diesem mit Schauern durchsetzten Tag hier eingefunden hatten.

Jetzt brachten wir Katja und Mascha zur Elektrischkastation und um 5 saßen sie im Zug und wir liefen zu Thena nach hause. Die wohnt praktischerweise zentrumsnah und hat eine umwerfend großherzige und gastfreundliche Familie, vor allem Gastmutter. Die öffnete uns auch und bombardierte uns gleich mit Fragen nach unserem Zustand (Hunger, Kälte etc.). Ich lehnte Essen dankend ab, meinte "Chai" würde genügen. Wir saßen dann erst einmal ein paar Miunten im Zimmer von Thenas Gastbrüdern die beide nicht da waren. Dann rief die Mutter zum "Chai". Aufgetischt waren drei Teetässchen. Aber es gab auch noch Weißbrot, Wurst, Käse, Marmelade, Honig, verschiedne Kekse und Biskuitrollen sowie Obst. Nur mal eben Tee trinken.

Nach zwei Stunden machten Marina und ich uns auf den Weg. Nahe der Station musste sie abbiegen und im strömenden Regen begann eine fünfminütige Umarmungsverabschiedungsprozedur. Am Ende drängte die Zeit doch selbst im loslaufen redeten wir noch in gehöriger Lautstärke über die Schulter weiter. Ungeachtet der irritierten Blicke der wenigen Passanten. Als Marina wirklich außer Sicht- und Hörweite war begann ich zu rennen und sprintete durch die unterirdischen Gänge bis auf mein Gleis wo ich in der Elektrischka sogar noch eine freie Sitzreihe fand.

In meinen Schuhen war inzwischen ein richtiger See und ich war froh, dass ich meine Füße und Beine über drei Sitze ausstrecken konnte. So nickte ich während der Fahrt auch ein bisschen weg, selbst wenn es echt faszinierend ist den Wechsel von Nichts zu armen zu reichen Dörfern zu Vorstadt zu Stadt zu verfolgen. Um neun war ich also wieder in Piter und lief die wenigen Meter zu Natascha heim. Olga (ihre Mutter) war inzwischen auch da. Sie machte mir gleich Fischsuppe warm, weiter ging´s mit "Drainiki", also kartoffelgefüllten Pelmeni sowie "Chai" mit Kuchen und schließlich war noch der "Pirog" mit Käse und grünen Zwiebeln gefüllt fertig. Ich rollte danach also mehr oder weniger in die Dusche und fiel Mitternacht ins Bett.

russisches Kino und nächtlicher Besuch

Samstag, 03.05.2014

Alleine in der Wohnung aufzuwachen hat unzählige Vorteile. Man kann so gut wie unbekleidet aufs Klo torkeln, "Chai" in Unmaßen verzehren und schlechte Filme in Kinolautstärke schauen während man nebenbei immer noch in Schlafklamotten rumwuselt und seinen Kram packen. Und genau das tat ich Samstagmorgen bevor ich um vier aufbrach um mit dem Bus zur Metro zu gurken (Man, war das bei Katja bequem!) und damit in den äußersten Norden der Stadt. Dort traf ich Natascha (AFSmädel die letztes Jahr in Berlin war) und ihre usbekische Freundin Schachmircha. Zusammen liefen wir zu Natascha heim. Auch sie wohnt beneidenswerte 5 Gehminuten von Metro- und Elektrischkastation weg.

Nataschas Mutter Olga ist Iras beste Freundin und zur Zeit auf der Datcha. So waren wir allein und auch um die Essensvorräte war es nicht so gut bestellt. Aber ehe ein Russe keinen "Chai" und was Süßes dazu hat muss schon der 3. Weltkrieg ausbrechen. Wir überlebten also. Gegen neun trafen wir uns mit einer Freundin von Nataschas Mutter quasi ihrer Zweitmutter. Sie wohnt einen Hauseingang weiter und Natascha ist regelmäßig bei ihr zu Besuch. Heute war Kino ausgemacht. Wir fuhren also eine Station mit der Metro und liefen noch ein Stück bis wir halb zehn in dem fast leeren Kinosaal saßen. Hier sieht es übrigens aus wie in einem deutschen Kino abgesehen davon, dass die Lichter auf dem Boden fehlen weshalb ich fast in den Genuss kam mir den Boden noch genauer anzusehen. Auch brauchte ich ein paar Schrecksekunden um zu begreifen, dass durchaus Armlehnen existieren, diese nur hochgeklappt sind. Jetzt stand unserem Kinogenuss also nichts mehr im Wege. Wir schauten "kuchnja v Parizhe" also "Küche in Paris". Nach der russischen. Hitfernsehserie "Küche" wurde jetzt ein Streifen gedreht in dem die Helden in Paris ihr Glück versuchen. Recht unterhaltsam auch wenn russischer Humor euch wahrscheinlich kein müdes Lächeln abringen würde.

Der Film endete vorhersehbar spät und um Mitternacht erblickte ich unseren Wohnblock. Da weder Natascha noch ich viel gegessen hatten heute wurden wir von ihrer Freundin zu Reis und Hühnchen eingeladen. Mit dem 17jährigen Sohn veranstaltenen wir also ein kleines Mitternachtsdinner und ließen uns auch noch "Chai" und selbstgemachten Schokolikör schmecken. Wieder einmal war ich unendlich dankbar dafür, dass ich inzwischen so mühelos eine normale Unterhaltung auf russisch Führen oder verfolgen kann.

Um eins waren wir schließlich bei Natascha daheim. Ich sprang noch unter die Dusche und schaute dem faszinierenden an und aus der Gasflammen 20 cm neben meinem Kopf zu. Abdeckungen oder sowas wir doch überbewertete, so sieht man wenigstens, dass der Uraltboiler noch funktioniert. Natascha hatte inzwischen in ihrem Zimmer das Sofa für mich ausgezogen und ich viel dankbar halb 2 in einen viel zu kurzen Schlaf.

Abschied und so

Freitag, 02.05.2014

Freitagmorgen wurde ausgeschlafen. Nachdem ich erst mal im Internet versackt war kam mittags Katja mit 10 "Pischki" also untertassengroßen frittierten Teigringen mit Puderzucker nach hause. Wir waren aber alleine mit Nastya und so wartete der anschließende "Chai" zu einem ziemlichen Fressgelage aus. Ungeachtete dessen machte Katja dann ihre Lieblingsdeutschemusik an ("Mein kleines Herz schlägt nur für dich...") und wir beiden sangen und tanzten quer durch die Wohnung.

Dann widmete sich Katja ihrer Bewerbung für einen Freiwilligendienst in Dtl. und ich las nur ab und zu mal Korrektur. Um drei war mein Kram fertig gepackt und ich verabschiedete mich von Nasyta und Natascha (Ein Hinweis für alle Nichtrussischkenner unter euch: In Russland ist das so ein Ding hin mit den Namen - Es gibt allgemein bekannte Spitznamen die sowohl von Freunde als auch genau so ungescheut von Lehrern, Bedienung oder weitern halboffiziellen Bekannten benutzt werden. So sagt höchstens auf dem Amt mal jemand den vollen Namen zu Nasyta oder Natascha alias Anastásia und Nataliya.) Mit Katja (bzw. Jekaterina) lief ich die drei Minuten zur Metro. Sie fuhr zum Flughafen und ich ins Zentrum. Am Ende der Hauptstraße stieg ich aus und traf kurz darauf Marina und ihre Schwester aus Österreich im nobelsten Kaufhaus der Innenstadt. Dementsprechend liefen wir auch nur kurz durch und betraten lediglich den H&M. Die beiden Schwestern suchten recht interessante Outfits füreinander heraus aber als wir die Schlange an der Umkleide sahen verließen wir das Gebäude dann doch. An einem Feiertag im Zentrum zu sein, dass hat schon was von Selbstmordgelüsten.

Wir gingen in das nahe Timecafé in dem ich mit Marina schon war. Was blieb uns auch anderes übrig, denn Romi ist Vegetarierin und mag zudem nix Süßes. Der entscheidende Vorteil an dem Café ist natürlich, dass es ein Klavier gibt auf dem Marina dann für uns klimperte. Der Wahnsinn!

Nach unzähligen Tassen Tee und Keksen mussten die beiden aber schon zur Elektitschka. Ich schaffte sie also zur Metro und stieg selbst kurz darauf in den Bus heimwärts. Zum Glück war mein Bauch so vollgeschlagen, denn da Marina und Ira erst nächstes Wochenende wiederkommen gibt es natürlich  Essbares in der Wohnung. Ich verzog mich also auf mein Sofa, zog mir noch einen grauenhaft russische synchronisierten Film rein und versuchte dann zur Abwechslung mal eher zu schlafen.

тётя Лена ("Tjotja Lijena")

Donnerstag, 01.05.2014

Nachdem ich erst spät (schon wieder früh) auf der Couch eingeschlafen bin gönnte ich mir den Luxus bis um zwölf auszuschlafen. Nach einem typisch mageren frühstück machte ich meinen Laptop an, nur um festzustellen, dass sich das Wifi auch nach einer Dreiviertelstunde noch nicht erweichen ließ zu funktionieren. Ich packte also meinen Rechner, das Kabel, Geld und noch so ein paar Kleinigkeiten und lief die drei Kilometer bis Nevskiy. Hier sah ich mich nach irgendeinem gemütlichen Ort mit Wifi um. Dazu muss man noch sagen, dass es in Piter in so gut wie jedem Geschäft, Restaurant oder Café Wifi gibt. Zuerst saß ich in einem kleinen Café und trank wie immer die weltbeste heiße Schokolade. Allerdings war hier das Wifi nicht stark genug für meinen riesigen Rechner.

Hmmm...Was tun? Ein schneller Blick auf die Uhr bestärkte meine Vermutung, dass Fadi inzwischen wach sein müsste. Also auf drei Querstraßen weiter zum Дядя Фади ("Djadja Fadi"). Fadi machte mir auf umarmte mich gleich und zehn Minuten später war ich mit seltsamen Tee, Falafel und Internet versorgt. Bald setzte sich Fadi dazu und wir unterhielten uns recht nett. Bald fragte er mich ob ich nicht nächstes Wochenende hier arbeiten will. natürlich wollte ich! Und um das Ganze zu krönen überrumpelte er mich zehn Minuten später als ich in die Küche mein Geschirr abspülen ging gleich mit einer Falafellehrstunde.

Wir fingen ganz von vorne an. Erst mal muss man kleine Ovale aus dem Falafelteig herstellen. Dazu gibt es ein spezielles Metalldinges wo man den Teig drauf streicht und dann dank eines Hebels rausschiebt und in das Fritierfett im Wok fallen lässt. Und nebenbei darf da drin natürlich auch nicht zu wenig oder zu viel Teig sein, der muss gut verteilt sein, darf keine Löcher aufweisen und das alles darf nicht zu hoch oder tief ins Fett gefallen lassen werden. Kinderleicht also.

Und wie ich noch so mit den ersten Falafelrohlingen meines Lebens beschäftigt war meinte Fadi, er müsse mal schnell weg und ich kann ja schon mal üben den Laden allein zu schmeißen. So war ich zur тётя Лена (Tante Lijena) ernannt und war allein mit den Gästen und dem Herd. Die letzte Gruppe ging zum Glück bald, so war meine einzige Sorge der Herd. Aber der 10l Topf Falafelmasse war bald leer, sodass ich getrost den Herd ausstellen, abwaschen und mich erst mal wider hinsetzten konnte. Unverhofft kommt oft! Aber Spaß macht´s schon.

Eine halbe Stunde hatte ich Ruhe. Dann kamen zwei Jungs und ein Mädhcen. Die waren gar nicht überrascht, dass Fadi nicht da war und gingen gleich selber daran "Chai" zu machen. Auch gut, weniger für mich zu tun. Kurz darauf kam dann auch der Hausherr zurück und mein Puls fuhr langsam wieder runter. Dann machten ich und Fadi parallel 2 Falafeln. Und meine sah genauso aus wie sein. Talent ;) Die nächsten Gäste kamen bald und da Fadi noch am essen war machte ich allein die beiden Falafeln. Also jetzt bin ich schon ganz schön stolz auf mich.

Dann spielten wir noch mit den Gästen ein recht lustiges Spiel welches sich um den russischen Wortschatz dreht. Da waren ich und Fadi natürlich von vorn herein die Gewinner. Aber als kleines nettes Mädel wir einem zum Glück geholfen. Fadi hatte da weniger Glück und verlor wirklich jedes Mal.

erster Ferientag

Mittwoch, 30.04.2014

Feiertagsbedingt haben wir ein verlängertes Wochenende bekommen. Meine Klasse hat das Ganze noch ein bisschen verlängert, denn heute fielen die beiden Physikstunden aus (der Lehrer ist schon im Urlaub) und wir beschlossen für Sport und Informatik ist es sinnlos in die Schule zu gehen. Kann mir nur recht sein. Als sich heute morgen also alles fertig machte drehte ich mich nur auf meinem Sofa um und schlief noch weiter bis um zwei. Wenn man schon einen langweiligen Tag vor sich hat kann man ihn getrost zur Hälfte verschlafen.

Mein etwas enttäuschendes Frühstück bestand aus Kakao und einer Scheibe dunklem Brot. Zur Beilage gab´s den ersten Film für heute. Daraus wurde noch ein zweiter dann hielt ich es nicht mehr aus und lief mal eine Runde um den Block. Durch den Theaterpark der leider gerade umgegraben wird, an ein paar Kanälen vorbei immer mit der goldglänzenden Kuppel der Isaaks-Kathedrale vor der Nase. Herrlich im Zentrum zu wohnen!  Nach einer Stunde war ich daheim und auch alle anderen waren inzwischen eingeflogen. Ich machte mich an den dritten Film. Danach schaute ich mit Katja wieder ein Politikvideo und wir diskutierten ein bisschen. Das Abendessen wurde ein regelrechter Kracher - Rührei und Marmeladenbrot. Anschließend kam noch eine Bekannte von Nastya zur Wohnungsbesichtigung. Nastya geht nämlich in 2 Wochen zurück nach hause ins Uralgebirge, se war nur zum studieren hier. Katja und Natascha können die Wohnung aber nur halten wenn es wieder eine dritte Mitbewohnerin gibt die ein Drittel der Mietkosten beisteuert. ich bewundere sie dafür, dass sie überhaupt nicht geknickt aussehen auch wenn man sie in einem Monat auf die Straße setzten könnte. Das gibt einem zu denken...

daheim

Dienstag, 29.04.2014

Heute Morgen war das Sofa so bequem, die Sonne noch von weißen Wölkchen verdeckt und der Tag allgemein zu wunderschön um schon halb acht aus dem bett zu krabbeln. Ich verschob das also auf halb neun (Matheförderkurs kann ich getrost ausfallen lassen) und ging mit Katja zur Metro. Es war wieder sommerlich warm und ich kam mehr als rechtzeitig zur zweiten Stunde. Ich saß also Doppelgeometrie ab, dann hatten wir Physikvertretung. Die Lehrerin ließ alle aufstehen, "MaRRRRljiene Kasak" war als letztes dran. Und es ging los wie immer - Wie spricht man das richtig aus? Warum nur mit Bleistift? Was zur Hölle machst du hier? Und was soll ich mit dir machen? Letzte Frage stellen die Lehrer zum Glück nie laut aber in ihrem Gesicht sind sie auch so zu lesen. Zum Glück nahmen mir Polina und Dima (Also Dmitri - diese russischen Klischeenamen werden wirklich oft verwendet!) indem sie erklärten, dass ich nur Austauschschülerin bin, nix machen muss und der "Talisman" der Klasse. Schön zu hören.

Dann hatten wir Doppelenglisch. In der ersten Stunde erarbeiteten wir eine Mindmap mit wahnsinnigen drei Stichpunkten über Extremsport und sprachen jeweils mit anderen Schülern einen kleinen Dialog. Das Arbeitstempo würde sogar eine Nacktschnecke einschlafen lassen! Zum Glück gibt es Ebooks... In der zweiten Stunde schrieb die Hälfte der Klasse den Test nach, wir schrieben derweil einen Text (bedeutet max. 7 Sätze) über uns und Extremsport. Ich war damit nach gefühlt drei Sekunden fertig und half Polina bei ihrer Arbeit. Sie hatte die Aufgaben fotografiert, ich schrieb und fotografierte die Lösungen und reichte das iPhone zurück durch die Klasse. Zettelchen schreiben wie wir das in Deutschland noch so machen ist anscheinend out.

Als ich nach der sechsten Stunde die Treppe runter in die Garderobe ging sprach mach der Junge aus der 11. an der nach meinem Englischvortrag schon ein paar Mal mit mir geredet hatte. "Hello!" meinte er ganz freudig und statt mir die resigniert Hand an die Stirn zu schlagen oder noch besser ihn zu schütteln und: "Red gefälligst Russisch mit mir wenn wir schon alle in Russland leben!" zu schreien (also natürlich auf Russisch) zwang ich mich zu einem lächeln und meinte: "Privet". Zu meinem Glück fragte er gleich weiter wie Hallo auf Deutsch heißt und ob ich jetzt schon gut Russisch spreche und das alles nur nach einem halben Jahr. Ich antwortete brav und er freute sich ehrlich. Sein Kumpel warf noch ein, ob ich denn auch die Grammatik verstehen würde. Kurzum dieselben Fragen wie schon tausend mal. Trotzdem schön, dass meine Schule sich letztendlich noch an mich zu gewöhnen scheint.

Ich lief zur Bushalte und begann meine tägliche Exkursion. Heute gab es ein Zwillingskrokodilpaar (kleine Jungs in grünen Trainingsanzügen mit Schuppenmuster einschließlich Kapuze mit Gesicht und Reißwähnen am Saum) und der "Platz des Aufstandes" am Ende der Hauptstraße in einem Meer aus roten Fahnen zum Tag des Sieges am 9.5. Heute fuhr ich nicht nur bis zur Isaaks-Kathedrale sondern noch 7 Stationen weiter bis zum "Marinsky teatr". Der Himmel war immer noch leicht bewölkt und ich hatte keine Lust im Park zu sitzen. Also probierte ich stattdessen einen neuen Heimweg da ich ein paar Straßen weiter eine hübsche kleine Kirche erahnen konnte die ich erst ein Mal mit Chiara gefunden hatte. Ich lief also vorbei an den schönen barocken Häusern, über Kanäle und massenhaft Kreuzungen. Alle von Straßen in denen ich noch nie war. Aber ich habe inzwischen so einen ungefähren Stadtplan im Kopf und man muss ja mal die weißen Stellen ausfüllen. So bewegte ich mich also weiter durch das Netz der relativ parallelen Straßen. Geradeaus, ein bisschen nach rechts, wieder nach links wenden und weiter gerade aus, über 3 Querstraßen, die nächste wieder rechts, bald wieder gerade, so ging es die nächste Viertelstunde weiter. Und meine Ahnung hatte mich nicht getogen - ich kam wirklich an meinem Kanal raus. Nur eben 2 Brücken weiter als sonst. Aber vom höchsten Punkt der kleinen Schmiedeeisernen Fußgängerbrücken hat man einen herrlichen Ausblick, auf die Kirche in unserer Nähe und die 2 Parks (einer vond er Sorte Was-mache-ich-mit-der-Mitte-eines-überdimensionierten-Kreisverkehrs der andere vor eine Uni und mit Studenten angefüllt) die ich heute entdeckt hatte. Jetzt war es nciht mehr weit udn bald war ich wieder auf altbekanntem Pflaster. Um vier trat ich daheim ein.

Nastya war schon da und ich wärmte mir ein paar Spaghetti mit dem Rest Soße auf dem Gasherd auf. Das geht sogar schneller als die Mikrowelle! Nur ein Wasserkocher wäre ganz hilfreich. "Chai" machen dauerte nämlich ewig. Nachmittags kam Katja und mein Entertainment war gesichert! Erst mal schenkte sie mir einen Joghurt der zusammen mit Fladenbrot und Apfel eine recht anständige Mahlzeit ergab. Dann machte sie ihre allabendlichen Deutschaufgaben und ich half ihr bei der wichtigen Mission der/die/das/den/dem/dessen/deren unterschieden und richtig anwenden zu lernen. Echt mal, hättet ihr ´ne Ahnung welchen Fall ihr in jedem eurer Sätze so verwendet schon mal bewusst drüber nachgedacht? Ich auch nicht. Und so lief´s dann auch mit der Erklärung. Aber bald wendeten wir und einfacheren und verständlicheren (??) Themen zu und schauten ein Interview mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten der über den Dritten Weltkrieg sprach welchen Russland angefangen hätte. Darauf folgte eine politische Diskussion in der wie immer Katja auf Deutsch sprach und ich russisch antwortete. Aber es war echt mal wieder schön so lange mit ihr zu reden.

Irgendwann waren wir mit dem geistreichen kram für heute fertig und Katja fing an wie eine Wilde durch die Gegend zu tanzen, dann ihre Fitnessaufgaben die sieallerdings nicht vom Plappern abhalten und jetzt sitzt sie singend vorm PC. Nastya und Natascha heben ja bei ihren täglichen Austickern schon keine Augenbraue mehr, ich find´s schlicht lustig wie man einfach so wie eine Bekloppte durch die Gegend springen kann. Alles in allem kann ich mich also heute nicht beklagen. Und jetzt werde ich mich noch mal auf die Sache nach etwas Essbarem machen...

Feldforschung

Montag, 28.04.2014

Heute Morgen kam ich sogar relativ rechtzeitig aus dem Bett da alle anderen schon auf den Beinen waren und die Sonne ja halb acht auch schon hoch am Himmel steht. Nachdem ich einigermaßen schultauglich angezogen war nahm ich ein schnelles Frühstück aus Kakao und Banane zu mir und verließ kurz vor acht das Haus. In der Metro war wie erwartet viel los, dennoch fand ich einen Sitzplatz und nach zehn Minuten einschließlich einmal umsteigen war ich an meiner Station. Jetzt noch die wenigen Meter bis zur Schule und pünktlich machte ich es mir für Doppelmathe bequem. Es folgten Russisch, Literatur und Doppelgeschichte.

Um zwei verließ ich endlich das Schulhaus und trat in gleißenden Sonnenschein und brütende Wärme hinaus. Dieses nordische Meerklima ist echt verwirrend! Ich schlappte zum nahen Supermarkt und machte mich auf die Suche nach der billigste Variante für möglichst viel Essen. Für einen Euro hatte ich ein Pfund Weißbrot oder 250g Waffeln zur Auswahl. Meine Entscheidung ist vorhersehbar oder?! Danach schlenderte ich zur Bushalte im festen Entschluss heute mal nicht für die öffentlichen verkehrsmittel zu bezahlen. Also in der Metro geht da ja kein Weg dran vorbei aber in so einem rammelvollen Bus der einer Sardinienbüchse locker Konkurrenz macht geht das schon. Ich ergatterte sogar bald einen Sitzplatz und nickte mit der Sonne im Gesicht ein bisschen weg.

Ende Nevskiy erwachte ich, pünktlich um mich in den Park nahe der Ermitage zu verdrücken. Das Wetter ist doch wirklich zu schön zum zuhause sitzen! Und so saß ich geschlagene zwei Stunden unter dem surreal tiefblauem wolkenlosem Himmel, ließ mich von der Sonne braten und betrachte zwischen den Kapiteln immer mal wieder die tausenzweihundertachtundreißig Touristen die hier jede Sekunde vor der wunderschönen Kulisse der imposanten Kathedrale ausgeschüttet werden.

Um sechs machte ich mich dann langsam, an Kanälen und barocken Fassaden entlang auf den Heimweg. Ich wohne ja gerade am Zentrumsrand, was man vor allem daran merkt, dass die immer noch wunderschöne Architektur ihren Glanz verloren hat und alles etwas marode aussieht. Aber dazu wohnt man ja in Russland und ich genieße die halbe Stunde durch die Stadt. Und dann eine stuckverzierte lichtdurchflutete Altbauwohnung zu betreten versaut die Laune ja auch nicht gerade.  Kurz und gut, so ein Tapetenwechsel tut doch öfter mal gut!

Um sieben kam Katja heim. Die Essenspläne verwarfen wir aber bald und gingen stattdessen mit Nastya (einer aus der WG) in einen nahen Park. Katja joggte, ich und Nastya setzten uns mit Tablet bzw. Buch bewaffnet vor einen der griechisch aussehend weißen Pavillons. Allerdings kam ich nicht zum chatten oder sie zum lesen, stattdessen unterhielten wir uns eine knappe halbe Stunde. Sie kommt aus einem Dorf im Ural und hat noch weniger Weltverständnis als die meisten Russen ohnehin schon. Trotzdem ist sie total lieb und ein guter Zuhörer. Da mach es doch Spaß seine Erfahrungen weiter zu geben! Auch wenn Nastya wie viele Russen nicht mal das Geld ausgegeben hat um einen Reisepass machen zu lassen, sie wird also so und so die nächsten Jahre oder Jahrzehnte hier bleiben.

Um acht schloss der Park und wir gingen noch zu Spar und kauften was für´s Abendessen. Kaum zuhause machte ich mich also daran Spaghetti und Tomatensoße zu machen. Da hat man 8 Monate nicht gekocht und dann DAS als erstes. Jeder der mich kennt weiß, dass ich eine Abneigung gegen Nudel habe. Ich war also alles andere als glücklich auch, weil ich dáus diesem Grund die Abscheulichkeit noch nie zubereitet habe. Chiara würde mich wahrscheinlich ebenfalls umbringen wenn sie gesehen hätte wie ich schön nach Papas Rezept mit Mehlschwitze und Ketchup eine Soße zusammengerührt habe. Kurzum - der Gasherd des Grauens. Ich aß dann aber irgendwann (kocht mal mit ´ner Gasflamme Spaghettiwasser) doch noch mein Werk. ich habe überlebt! Und auch Katja als sie wenig später probierte. Dann gab es noch "Chai". Das war die nächste Herausforderung, da ich nicht so darauf stehe die Teekrümel und -blätter mit zu trinken. Aber zusammen mit diesen abstrusen Dingerchen die nur aus aufgeschäumtem rosa Zucker bestehen ergab es einen recht erfreulichen Abschluss meiner ersten und einzigen richtigen Mahlzeit heute.

mit meinem Rudel

Sonntag, 27.04.2014

Wie sich das für einen Sonntag gehört schlief ich bis um zehn aus. Kurz nach dem Weckerklingeln kam auch schon Jans Anruf, damit ich ja nicht zu spät komme. Aber nachdem ich ihn erinnerte, dass ich ja hier die überpünktliche Deutsche bin ließ er gleich locker. Katja wuselte schon durch die Wohnung und bat mir "Chai" an also wälzte ich mich aus dem Bett und ging mich im Bad umziehen. Mein Frühstück bestand aus der Tasse Tee und einer Banane. Auch eine halbe Tafel Milka lag noch auf dem Tisch rum. Das musste erst mal reichen.

Ich setzte mich vor den Rechner und machte kurz nach elf los. Nur in dünnem Spitzenpullover und Rock kann man es bei strahlendem Sonnenschein auf der Straße durchaus aushalten. Ich ging die drei Minuten zur Metro rüber und starrte erst mal eine kleine Ewigkeit die Karte an die da auf der Straße hängt. Irgendwann hatte ich dann so ziemlich rausgefunden wo ich war (hier gibt es ja keine Straßenschilder, nur kleine Tafeln an den Hauseingängen wo die Nummer sowie die Nummern der Nachbarhäuser - damit man weiß in welche Richtung man geht – dran steht und eben auch der Straßenname drüber) wusste ich auch gleich wo ich lang musste. Auf der ersten Straße der roten Armee (in unserer geliebten Reißbrettstadt gibt es 12 davon die durchnummeriert parallel zueinander verlaufen) die für den anstehenden Feiertag am neunten Mai schon festlich mit Wimpeln und Fahnen geschmückt war. Bald kam eine der unzähligen wunderschönen orthodoxen Kirchen (dieses Exemplar in schneeweiß mit 5 dunkelblauen Kuppeln und goldenen Sternen drauf) in Sicht und schon wusste ich wo´s lang geht. Die nächste Kirche, ein kleiner Kanal, so hangelte ich mich von einem bekannten Punkt zum nächsten und kam nach 3 km also 20 Minuten am "Marinskiy teatr" an. Die Vyborger waren natürlich noch nicht da also ging ich schon mal rein und suchte den Balkon hoch über der Saalmitte auf. In letzter Sekunde kamen auch noch die anderen acht  (gehässiger Blick für Jan der sich neben mich fallen ließ) und eine Frau trat auf die Bühne welche über die 231 jährige Geschichte des Theaters erzählte, wie es auch während der Kriegszeiten weiter bestand und wie es zum teuersten Theater Russlands wurde. Dann begann das Orchester und bald öffnete sich der Vorhang und die Balletttänzer begannen uns ein russisches "Märchen" zu erzählen. Nach einer Stunde war der Zauber vorbei.

Wir gingen zurück zum Hotel damit sich die Mädels aus ihren Kleidern und Ballerinas bequemen konnten, dann ging´s weiter zur Kazanskiy-Kathedrale. In der größten Kathedrale in Piter wurde gerade geheiratet und wir gafften ein bisschen. Dann drückte uns Jans Mutter jedem eine dieser dünnen Kerzen in die Hand die man hier überall hinstellt. Nachdem wir die alle brav angezündet hatten gingen wir raus. Marina zog ihren Kapuzenmantel aus, ich gab Vanja seinen Hut wieder und auch die anderen Frauen entledigten sich ihrer Kopfbedeckungen und bekreuzigten sich noch drei Mal Richtung Kircheneingang/Altar. Wir gingen noch ins "Dom Knigi", das größte und schönste Büchergeschäft der Stadt und in die Bluterlöserkirche wo wir uns eine Viertelstunde eine Exkursion antaten und die Mosaike (die einzige Mosaikkirche in Russland deren Bilder eine Fläche einnehmen größer als in irgendeiner anderen Kirche der Welt) begafften. Vor der Kirche gesellte sich noch Jans Onkel dazu der in Piter wohnt und wir gingen essen. Beim Italiener um die Ecke war alles voll, im nächsten russischen Restaurant fanden wir noch was. Ist eigentlich krass, dass es auf der Hauptstraße von ausländischen Restaurants nur so wimmelt während traditionell russisches Essen echt schwer aufzutreiben ist...

Für zehn Leute dauerte das alles etwas länger und auch wenn etwas reingestürzt war es echt lecker. Dann hetzten wir zur Metro damit die anderen noch ihre Elektritschka schafften. Ich machte mich auf den Heimweg, kam aber nicht weit. Als ich and er Issaks-Kathedrale vorbei schlenderte musste ich mich einfach auf den sonnenbeschienenen saftig grünen Rasen setzten. Herrschaftszeiten ist das lange her mal Gras unterm Ar*** zu haben und sich einfach die Sonnen ins Gesicht scheinen zu lassen. So las ich mich prompt anderthalb Stunden fest und erst als die Sonne langsam tiefer sank setzte ich meinen Weg fort. Wie schon heute Morgen lief ich an wunderschönen Gebäuden vorbei die ihr wahrscheinlich minutenlang angaffen würdet welche für mich aber schon so normal geworden sind wie für euch der Weg Sonntag früh zum Bäcker (Apropos, ´n Brötchen wäre auch mal wieder was Feines!). Noch einen Schlenker zu Spar und um eine Schachtel Kekse reicher kam ich halb acht zuhause an. Hier erbeutete ich noch die letzten paar Gabelladungen Frostgemüse und machte mir Milch mit Zimt (wenn es schon keinen Tee gibt). Jetzt werde ich mal wieder die nicht vorhandenen russischen Datenschutzbestimmungen ausnutzen...

akzeptiert

Samstag, 26.04.2014

Heute Morgen klingelte um sieben der Wecker. Schon um fünf war ich aufgewacht und dachte ich hätte verschlafen (es wird ja jetzt nur noch 6 Stunden oder so dunkel) was jetzt auch wirklich fast passierte. Denn ich stellte gleich den Wecker aus um die anderen drei, die ja Samstag wie alle glücklichen Menschen nicht arbeiten müssen, zu stören und nickte natürlich sofort wieder weg. 7:40 wachte ich auf. Mein erste Gedanke - Schule schwänzen?! Aber nein, ich bin ja brav. Also suchte ich leise ein paar dresscodetaugliche Klamotten zusammen (Samstag ist das zum Glück nicht so streng zu sehen) und verzog mich ins Bad zum umziehen. Nach einem schnellen Frühstück - Reiswaffel und eine Tasse Wasser - Willkommen im Gefängnis - hastete ich zur Metro. Das sind nur drei Minuten zu Fuß und die Station ist am südlichen Zentrumsrand also nicht weit von mir. So war ich tatsächlich kurz vor halb neun in der Schule. Der Wahnsinn!

In der ersten Pause machte sich mein Magen lautstark bemerkbar und ich war heilfroh, dass ich noch geistesgegenwärtig die Tafel Schokolade eingesteckt hatte welche Josi vergessen hat. So überlebte ich Doppelliteratur wo ich mich weiter mit meiner eigenen Literatur beschäftige sowie Biologie. Ich setzet mich in den Flur auf die Bank und hatte gerade zwei teilen gelesen als sich ein Mädchen aus der Parallelklasse zu mir setzte sie ich flüchtig kannte. Sie fing an mit mir zu reden und freute sich über meinen enormen sprachlichen Fortschritt. Sie zeigte mir in ihrem Pflanzenbestimmungsbuch (sie geht n die Biologieklasse also nicht wundern) ein paar Bilder und erklärte etwas über die Blumen. Dann kam sie auf unseren botanischen Garten. Hier mischte sich ein anderes Mädchen ein die zu uns getreten war und ragte mich nach meinen Lieblingsplätzen in Piter. Jetzt klingelte es leider und wir rannten in unsere Zimmer.

In Englisch schrieben wir eine Arbeit. Die Lehrerin sagte am Stundenanfang noch die Noten des Tests der vergangenen Stunde an. Ich war, wie zu erwarten, mit Abstand die beste der Klasse. Deswegen durfte ich dann auch 3 statt 2 Aufgaben machen. Trotzdem war ich schneller fertig als alle meine Kassenkameraden. Manchmal ist das Niveau hier wirklich erschreckend. Als ich schließlich zur Garderobe ging traf ich schon auf der Treppe das zweite Mädchen von vorhin aus der Pause mit einer Freundin. Die beiden gingen mit mir zur Metro und wir unterhielten uns recht nett. Sie waren auch total beeindruckt wie viel ich schon sagen kann. Sogar meine Grammatik fanden sie akzeptabel.

Zuhause angekommen gab es Linsensuppe. Nicht gerade mein Favorit aber mein Magen schrie nach Hilfe also aß ich eine kleine Schüssel. Wieder nur Wasser. Ich muss dringend ein paar Teebeutel besorgen! Ich "saß im Internet" (die russische Ausdrucksweise erscheint mir logischer) und machte mich um zwei schließlich auf den Weg zur Metro. An der Station nahe der Piter-und-Pavel-Festung traf ich mein ganzes AFSrudel - Marina, Jan, Thena (USA), ihre Gastbrüder Vanja (16) und Egor (10) sowie beide Gastmütter plus Marians Schwester Romi die zu Besuch gekommen war (da die beiden eine russische Mutter haben sprach sie zum Glück auch Russisch und ich kam nicht weiter in Verlegenheit mein grauenhaftes Deutsch zu präsentieren).

Wir gingen erst mal etwas essen und Theans Gastmutter lud mich gleich zu "Chai" ein. Kaum saß ich stellte sie mir auch noch zwei Crossaints hin damit ich auch ja nicht verhungere. Mein Magen konnte sich also endlich vollends beruhigen. Ich redete mit Thena, ab und zu mischten sich ihr kleiner Bruder und die Mutter ein. Eigentlich war es echt lustig. Dann gingen wir auf die Festung. Auch auf die Mauer hoch sowie in die Gewölbe. Über die Brücke, durch der park mit der Gedenkflamme, vorbei an der Bulterlöserkirche gingen wir ans Ende der Hauptstraße. Noch einen Zwischenstop vor der Ermitage und schon saßen wir in einem nahen Schnellrestaurant für Blinys (gefüllte Eierkuchen), Salate, Suppen und anderes russisches Essen. Ich kaufte mir zwei "Syrniki" und bekam von Theans Gastmutter bald noch einen Blin mit Äpfeln und süßer Sahne gebracht. Man lässt einen eben nicht verhungern. Die andere tranken auch "Kvas" wogegen ich mich standhaft weigere. Denn diese braune Brühe aus vergorenem Bier schmeckt wie Bier-gewollt-und-nicht-gekonnt, Umwerfend eklig kurz um. Ich meine, bitte, wer trinkt schon schlecht gewordenes Brot mit Wasser?! Ich saß mit Jan, Marina und Romi zusammen die sch auch gleich über meine "Unrussischheit" lustig machten. Das ertrage ich unter diesen Umständen gern.

Wir liefen weiter durch ein paar Nebenstraßen und kamen nahe der Isaaks-Kathedrale an ein kleines Hotel. Die Rezeptionistin zeigte die beiden Zimmer und wir versammelten uns bald alle in dem Jungszimmer. Erst saßen wir ganz geziemt auf den Betten aber schon sehr bald lagen Jan, Vanja und ich in einem gemütlichen Gewirr aus Armen und Beinen auf dem Doppelbett während Thena uns ungläubig beäugte und auf dem kleinen Bett Romi, Marina und Egor einen ähnlichen Kuschelberg bildeten. Viele Stunden redeten wir wild durcheinander, die Mütter gingen gegen neun noch "Pirog" kaufen und "Chai" gab´s für lau und ohne Limit im Hotelfoyer. Viertel elf beschloss Jans Gastmutter, dass ich mich langsam auf die Socken machen sollte wenn ich noch in einem Stück nach hause will. Also wurde ein Taxi gerufen. Ich wartete mit Jan draußen damit ich auch ja nicht weggefangen werde. Halb elf kam das Auto endlich und brachte mich zur nächsten Metro. Selbst für diese 2km zahlte ich 280 Rubel (5,60 Euro). Hauptstadtpreise eben. Noch eine Metrostation und um elf war ich daheim. Jetzt eine schöne lange heiße Dusche. Diese Wasserflatratesache gefällt mir wirklich! Noch eine Tasse Wasser in der Küche (ich habe nicht mal versucht den Kühlschrank aufzumachen, ist eh leer.) und dann setzte ich mich auf mein Bett, Laptop an, Kopfhörer auf und schon ist das zu viert in einem Raum wohnen gar kein Problem mehr. Aber nach so einem megaglücklichen Tag könnte mir nicht mal das meine Laune verderben.

Langzeitabschied, Kurzzeitabschied und Kurzzeitumzug

Freitag, 25.04.2014

Bei schönstem Sonnenschein standen Josi und ich halb acht auf. Noch die letzten Kleinigkeiten in die Tasche quetschen und nach einem hastigen Frühstück stiegen wir mit Marina und hundert Taschen die Treppe runter. Wir fuhren mit dem Auto bis zur Metro und dann ging es eine halbe Stunde unterirdisch weiter. Am Stadtrand stiegen wir aus und waren nach eine kurzen Fahrt in der Marschrjutka halb zehn am Flughafen. Nach einer Stunde machte Josis Schalter auf. Die kugelige Tasche kam mit achtzehn Kilo zum Glück durch und jetzt hieß es wirklich Abschied nehmen.

So saß ich Gegen elf wieder in der Marschrjutka und fuhr zurück zur Metro. Auf einer Bank wartete ich auf meine Lieblingsitalienerin die selbstverständlich wieder mal spät dran war. Wieder mal eine Reisetasche herum hievend fuhren wir ins Zentrum. Am Hauptbahnhof stiegen wir aus und setzten uns noch eine Stunde in die Wartehalle. Ich bekam mit leichter Verspätung noch einen russischen Osterkuchen und Chiara im Gegenzug für ihre 38stündige Fahrt ein Fresspaket mit deutschen Süßigkeiten, Teebeuteln, Minutenterrinen und Allem was man eben noch in so einem Zug gebrauchen kann. Die restliche Wartezeit überbrückten wir mit Armbänder machen und schließlich brachte ich Chiara zu ihrem Zug. Sie hatte natürlich den letzten der 20 Waggons und wir liefen eine kleine Ewigkeit über die Plattform. es folgte die obligatorische Passkontrolle und nach einer letzten Umarmung trennten wir uns für eine so lange Zeit wie schon seit acht Monaten nicht mehr, da Chiara für anderthalb Wochen ins AFScamp fährt.

Ich fuhr heim. "Deduschka" war da und bot mir zwei warme Wiener an. War das eine Ewigkeit her! Dann verzogen ich und meine große Teetassen uns bald in mein Zimmer und ich packte meine Sachen. um neun lief ich dann Los. An der großen Straße Entlang bis endlich mal eine Marschrjutka vorbei kam. Um zehn holte mich Katja Von ihrer Metro ab und wir gingen zu ihr und ihren zwei Freundinnen heim. die Mädels wohnen in einem großen schönen Zimmer mit eingezogenem Schlafboden und offener Küche. Katja meinte ich wäre erwachsen genug selbst zu kochen und haute gleich ab um bei einer Freundin Bettzeug für mich zu leihen. Ich machte mir also ein Rührei, las ein wenig und habe jetzt mal Katjas iPad mit der nervigen Autokorrektur damit ich euch auch schön zulabern kann.

Piter, Pirog, Paris

Donnerstag, 24.04.2014

Heute Morgen fuhr ich vollkommen verpennt in die Schule. Die erste Stunde verbrachte ich lesend auf der Bank im Flur, danach hatten wir Mathe und Doppelchemie. Jetzt brachen viele zu einer Exkursion mit unserer Klassenlehrerin auf. So viel die letzte Stunde Russisch schon mal weg. Und auch die Mathelehrerin stellte uns für die nächste Stunde frei, sobald sie sicher war, dass unserer Klassenlehrerin weg war. (Dieser hatte sie 5 Minuten früher nämlich noch versprochen, dass wir die Stunde machen.  – Intrigen, Intrigen...)

Traf sich doch gut! Auch Josi war schon fertig und holte mich gleich von der Schule ab. Wir fuhren mit der Metro ins Zentrum. Auf dem Fußweg kamen wir an drei Mitschülern vorbei die mich mehr oder weniger offensichtlich interessiert anstarrten. Die haben mich wahrscheinlich in den acht Monaten (Ja, acht Monate - erschreckend oder?) nicht so viel reden hören wie in den fünf Minuten von der Schule zur Metro.

20 Minuten später stiegen wir unter der Hauptstraße empor und saßen bald darauf mit ein paar richtigen Stücken "Pirog" und schwarzem Tee in einem Café neben der Hauptkathedrale Uns gegenüber saßen ein Mädchen und ihr Vater aus einem kleinen Dorf. Sie erkannten bald, dass wir Deutsche waren und waren ausreichend verdattert als ich das auf Russisch bestätigte. Der Vater fing sich schnell wieder und ermutigte seine 10jährige Tochter mich etwas zu fragen. Das tat sie dann auch. Wirklich niedlich! Ich bekam ein Kompliment für mein Russisch, fand jemand zum Schwärmen über Piter und weckte mal wieder das Interesse an Ausländern. Gute Bilanz also als sie nach 10 Minuten aufbrachen und Josi endlich erlöst wurde und wieder was verstand.

Dann liefen wir zum Schlossplatz (also vor der Ermitage) und trafen Chiara. Wir brachten sie zur Metro auf Nevskiy und ich und Josi liefen weiter zu einem Fotomuseum. Hier kann man für 50 Cent ein paar historische Drucke aus Piter angaffen und auf die Dachterrasse. Deswegen machen wir das ja! Nachdem genügend gegafft wurde fuhren wir schließlich heim. Während Josi mit dem Online-Check-in kämpfte trug ich meine Schlacht mit der Tasche aus. Alle meine Winterklamotten plus ein paar von Chiaras und Geschenke für die Lieben daheim sind jetzt in der roten Kugel.

Bald brachen wir nach Paris auf. Erst mal runter zur Neva, an der Kathedrale vorbei bis wir schließlich in den Hinterhof eines Hotels einbogen und bald schon an das große Wandbild kamen.

Tourifotos gemacht, dann liefen wir durch die Hinterhöfe zurück. Ich habe Josi natürlich auch noch meinen Lieblingsmosaikspielplatz drei Blocks weiter gezeigt.

Aber ich weiß ja, dass ich ihr nicht mehr als eine Dreiviertelstunde zumuten kann und so waren wir bald zuhause. Zum "Chai" vertilgten wir "Syrniki" (Endlich stimmt mir jemand zu, dass das das beste russische Essen ist!), Kuchen und einige andere Leckereien. Dann verzogen wir uns in mein Zimmer, schauten einen Film und schliefen dann gegen eins endlich. 

zu viele Klamotten

Mittwoch, 23.04.2014

Heute quälten wir uns schon halb acht aus dem Bett. Mit "Deduschka", Nastya und Marina fuhren Josi und ich zur Schule. Wir beiden stiegen an der Metrostation aus wo ich Josi eigentlich in einem Café 2 Stunden warten lassen wollte. Dann habe ich aber beschlossen, dass ich die 2 Stunden Förderkurs Physik auch schwänzen kann und wir stiegen gleich in die Marschrjutka zu dem großen Shoppingcenter am Stadtrand. Aber das Leben bestrafte mich indem wir erst im Berufsverkehrstau standen und danach noch eine halbe Stunde warten mussten, da das Ding erst um 10 und nicht (wie wir alle dachten) um 10 auf macht. Aber auf einer Bank in der Sonne und später eine Ledercouch im Gang war das auch nicht weiter schlimm.

Dann wurden endlich die Rollos hoch geleiert und vollkommen ohne Gedränge stürzten wir uns in die Läden. Nach zwei Stunden waren wir soweit durch und auch recht erfolgreich. Die besten Teile – 2 gleiche Jacken, in grau für mich und blau für Josi und T-Shirts in grau für Josi und blau für mich. Man soll uns mal nicht nachsagen wir hätten denselben Geschmack! Vor allen dingen, weil ich heute Josis und sie mein Oberteil anhatte. Ach ja, manchmal ist so eine große Schwester doch auch ganz cool. ;)

Schließlich beschlossen wir, dass es Zeit fürs Mittagessen ist. Im nahen Supermarkt füllten wir unsere Energiereserven und verputzen auf einer nahen Couch eine Milkatafel, Schokokuchen und einen Apfel. So gestärkt ging´s raus zur Marschrjutka und zur nächsten Metro und ins Zentrum. Wir steigen nahe der Hauptstraße aus. Gingen erst mal auf einen Markt (Konfekt gekauft!) und schlenderten dann weiter. An zwei Kirchen vorbei zum “Marinskiy teatr“ (wow das kannte Josi sogar schon) und in die nahe “Kantine“. In dem Selbstbedienungscafé kaufte ich für Josi erst mal ordentliches russisches Essen und “Chai“, dann saßen wir ungefähr eine Stunde. Schließlich trafen wir Chiara auf einer steinernen Hängebrücke. Und fingen an auf und ab zu springen und uns schaukeln zu lassen. Schließlich liefen wir zur Issaks-Kathedrale und setzten uns in den Park zum Sonnenbaden.

Irgendwann rangen wir uns durch wieder aufzustehen und liefen bis zur großen Kathedrale. Direkt in der Seitenstraße gibt es einen Frozen-yogurt-Shop mit Kunstrasen, Sitzsäcken und Baumstammstücktischen wo man sich ohne Schuhe hinsetzen bzw. -legen kann. Gegen fünf beschlossen wir dann, dass es Zeit für den Heimweg ist und zur besten Stauzeit schlichen wir heim.

Da gab´s gleich “Chai“ mit Sandwich, Kuchen, Konfekt und allem drum und dran. Wir haben ja nur fünf Tage Zeit um alles zu probieren/probieren zu lassen. Dann setzte ich mich mit der Reisetasche, meinen vielen Geschenken und Wintersachen auseinander. Gut, dass ich dann nicht alles mit nach hause nehmen muss! War schon jetzt ein Kampf.

Stadtbesichtigung...zu Fuß natürlich

Dienstag, 22.04.2014

Nach drei Stunden Mathe, einer Physik, Doppelenglisch in der ich mal wieder die einzige war die ´nen Plan hatte und die gesamte Gruppe bei mir abschreiben ließ eilte ich nach hause. Tasche hinschmeißen, andere Tasche raffen und dann raus in die wunderschöne Sonne. Mit Josi im Schlepptau die sich schon jetzt über mein Tempo beschwerte hasteten wir zur Haltestelle. Und wurden gleich belohnt. Wir fuhren zur Metro und weiter zur Station nahe der Piter-und-Pavel-Festung. Hier schauten wir erst mal das kleine Modell von SPb an, dann gingen wir auf besagte Festung und gleich an den Nevastrand vor den Festungsmauern. Hier trafen wir Chiara und Natascha und liefen zusammen über die Brücke auf die Zentrumsseite.

Erst mal im Park auf die Wiese fläzen. Dann gingen wir an einem Kanal neben einem Schloss und dem gewöhnlichen barocken Schick in das Café mit der besten heißen Schokolade Piters (der Welt). Weiter ging es parallel zur Hauptstraße. Wir fanden spontan ein riesiges Wandbild von Rom, Venedig und noch ein paar undefinierbaren italienschen Städten.

Man läuft ja nicht umsonst auf der "italienischen Straße". Dann verabschiedeten wir Chiara und Natascha an der Metro und gingen am russischen Museum und Puschkin vorbei zur Bluterlöserkirche,

durch ein paar Hinterhöfe bis zur Ermitage

und durch den nächsten Park zu Isaaks-Kathedrale. Jetzt hatten wir uns eine Pause in der Sonne auf einer Bank verdient! Als es langsam kalt wurde gingen wir in das nahe Timecafé "12 Zimmer". Wieder auf der Zwischenetage mit den Sitzsäcken schlürften wir unseren Tee, nach einer halben Stunden gingen wir ein paar Meter und stiegen zu Ira ins Auto die noch mal eine Runde mit uns fuhr und ein bisschen was zeigte und erklärte. Dann ließ sie uns in meinem Viertel raus. Wir liefen noch ein Stück, gingen in den Supermarkt und deckten Josi und meine Familie mit russischen Süßwaren ein, machten einen halt beim Obsthändler und schließlich kamen wir halb zehn, nach abermillionen Schritten mit müden Füßen und Rücken aber zufrieden nach hause. Wieder "Chai" und jetzt nur noch aufs Bett fläzen und chillen!

Mein Schwesterchen ist da!

Montag, 21.04.2014

Nach zwei hoch spannenden Stunden Mathe sowie Literatur und Russisch fuhr ich bei schönstem Sonnenschein nach hause. Letzte Woche noch in Skijacke ging es heute schon im T-Shirt auf die Straße. Mittag essen und Gitarre spielen, dann macht ich schon wieder los zur Metro. Ich wartete auf Chiara und zusammen machten wir uns auf in den Süden der Stadt. Aufs Festland. Wir stiegen aus und standen an einer riesigen Kreuzung. Halestelle für Haltestelle abtraben und immer die Busrouten lesen, bis wir endlich den Flughafenbus gefunden hatten. Dann fuhren wir mitten ins nirgendwo, vorbei an einem riesigen Kriegsdenkmal bis vor die Tore der Stadt.

Schon kam die erste halbpanische SMS von meiner Schwester. Natürlich waren wir zu spät. Aber tapfer schlug sie sich durch den Riesenflughafen bis zur Bushaltestelle. Das Problem war nur, dass unsere Haltestelle 3 Etagen weiter oben lag. Also rannten wir Runde um Runde und suchten nach einer Rolltreppe. irgendwann verfolgten wir 2 Stewardessen und entdeckten einen Fahrstuhl. Kaum rausgetreten sah ich schon Josi auf der Bank hocken. Die Trantüte schaute natürlich in die falsche Richtung und sprang erst auf, als ich schon fast bei ihr war. In die Hände klatschend und semihysterisch schreiend versteht sich. Im Sprung trafen wir uns in einer Umarmung in standen dann da ganz sentimental 5 Minuten in denen ich ein bisschen voll gerotzt und durch die Gegend geschleudert wurde. Danach stiegen wir in den Bus. Mit einer Reisetasche und Josis riesiger ballonartiger Ledertasche war ich froh, dass wir an der Endhaltestelle einstiegen und noch einen Vierer fanden.

Heiligebärenscheiße, ich und Deutsch. Aber man versteht mich anscheinen noch ganz gut, auch wenn ich komische Wörter wie "Raufbolde" oder so verwende. Mit einer grinsenden Chiara gegenüber fuhren wir zur Metro. hier verabschiedeten wir uns schon, denn Chiara schreibt morgen Matheprüfung und bereitet sich vor. Die Arme...

Wir fuhren derweil zu einem Timecafé am Ende der Hauptstraße. Hier saßen wir erst mal eine halbe Stunde, fraßen, tranken "Chai" und ich spielte ein bisschen Klavier. Dann schleppten wir die Taschen wieder die Treppe runter und machten uns auf zur Hauptkathedrale. ich bin ja wirklich stolz auf Josi die, sonst eher lauffaul, heute 1,5km ohne zu maulen mit mir zur Kazanskij-Kathedrale lief. Der Blick rüber auf die so russische Blutererlöserkirche ließ sie in diesen typischen Touristengaffermodus verfallen. Ach ja, nicht nur finde diese Stadt halt schön!

Danach ging´s die 3 Minuten rüber zm "Djadja Fadi" und wir aßen eine Falaffel. Leider war Fadi nicht da, die Falaffel also eher klein, aber meine vegetarische (verrückte!) Schwester freute sich trotzdem über den "Dürüm auf arabisch". Dann fuhren wir heim. Erst mal wurden die 12kg Mitbringsel inspiziert. "Chai" kochen, Eierkuchen und "Syrniki" aufwärmen, noch kleine Kuchen dazu und weiter wurde geschlemmt. Bald kam Ira und wir redeten einige zeit alle vier in der Küche. Sie wollte mich schon de nächsten Schultage frei stellen, aber da ich weiß, dass Shushana mich umbringen würde bin ich mal brav und tu so als ob.

Osterspaziergang

Sonntag, 20.04.2014

Heue morgen wälzte ich mich bis kurz vor eins  im Bett rum. dann wurde es aber so unbequem, dass ich mich doch druchrang aufzustehen, Jogginghos und Schlabebrpulli überzuziehen und mal ein Frühstück ind die Mirkowelle zu shcieben. Wie alle Mahlzeiten gestern nahm ich das dann wieder auf dem fensterbrett ein. Beine aus dem Fenster, Gesicht in die Sonne - so lässt sichs leben!

Danach verzog ich mich wieder auf mein Sofa vor den Rechner. Filme, weiter aufräumen, Armbänder machen, paar Mahlzeiten auf dem Fensterbrett. Bis vier erledigte ich die ganzen weltbewegenden Dinge. Mein Budenkoller war inzwischen ausgewachsen udn ich beschloss mal meinen eigenen osterspaziergang zu starten. Aber natürlich ganz anders als die Jahre davor. Sonst Autoanfahrt waren es heute nur 2km Fußmarsch, normalerweise eine kleine Runde im Wald mit Ostereier suchen suchte ich heute eher die Wege die sich auch nicht zwischen Bäumen sondern Kreuzen, Steinen und Müll hindurch schlängelten. Na, schon erraten?

Richtig, ich war auf dem nahen Friedhof. Aber wenn ihr da jetzt irgendwelche Bilder von einem Deutschen Friedhof in den Kopf bekommt - schmeißt sie umgehend wieder rauss!

 Hier läuft das ganze ein bisschen anders...

Eigentlich spiegelt das Grab wieder, wie die Leute vorher schon gelebt haben. In der Wohnung ist alles schön aber außerhalb stört es einen feuchten Kehrricht. So ist hier jedes Grab umzäunt, ummauert oder sogar ein richtiges "Häuschen" drum herum gebaut. Oft gibt es auch eine Bank und einen kleinen Stehtisch direkt daneben oder auf dem Grab. Außerdem sind hier fast ausschließlich Kreuze, lediglich ein paar moderne Gräber haben Grabsteine. Wege sind ebenfalls so eine Sache...wie im russischen Wald gibt es hier nur Richtungen. Das heißt, aller 200m zweigt so ein Steinweg ab, ansonsten stiegt man über/durch/ wenn man sehr vorsichtig und geschickt ist auch um die Gräber herum. Diese sind wirklich eng an eng, neu an alt, groß an klein, reich an arm. Und das obwohl der Friedhof riesig ist. Um nur ein Viertel zu sehen lief ich eine gute Stunde. Die wenigen freien Flächen sind mit Müll zugepflastert. Auch einen offiziellen Müllplatz gibt es ntürlich. Aber der Container hier ist schon lange voll. Also wird drum herum weiter gehäuft. Immer noch besser, als die Leute die es direkt zwischcen die Gräber schmeißen. Irgendwann stieß ich dann wieder auf den Hauptweg und nach einer Pause auf einer kleinen recht neuen Bank mit Tischchen machte ich mich auf den Rückweg. Eigentlich wollte ich noch in die kleine Kirche aber die hatte nach der Ostermesse gerade zu gemacht. Durch ein paar Hinterhöfe, immer die Türme des benachbarten Heizkraftwerkes im Blick fand ich den Weg nach hause.

Frohe Ostern! (denksde)

Samstag, 19.04.2014

Ostersamstag in die Schule. Spätestens jetzt sollte klar sein wie toll der Tag wird. Mi einem kurzen Blick auf den Küchentisch senkte sich meine Laune noch weiter: Dort standen 2 Mal Nasenspray, ein Plastikzylinder voll Vitaminpräparaten und noch ein paar Tabletten. Bedeutet, dass Marina erkältet ist. Bedeutet weiter, dass ich mit der Marschrjutka zur Schule muss. Wenigstens staufreie Straßen gibt es heute.

Also stieg ich erst zahn nah acht in das Fahrzeug wo mich gleich meine Klassenlehrerin grüßte (na super) und kam trotzdem recht früh zur Schule. Da las ich dann in zwei zerreißend spannenden Stunden Literatur und Geografie. In Englisch wachte ich endgültig auf da wir einen Test schrieben. Die Aufgaben für die beiden Gruppen standen an der Tafel, dazu wurden Blätter ausgeteilt. Ich war die einzige die nach dem Blatt für die 5. Aufgabe verlangt während meine Klassenkameraden am Ende immer noch mit der 3. oder 4. kämpften. Ich gab schon ein paar Minuten vor Stundenende ab und half dann noch Polina (unauffälliges Buchstaben in die Luft Gemale oder mit den Fingern Gebilde) und Jana (einfach daneben setzen und die Aufgaben lösen). Dann floh ich aus der Schule und in schönstem Sonnenschein fuhr ich mit der Straßenbahn heim. Die ist zwar mit den Holzstühlen und den wackeligen Waggons das unbequemste und zudem langsamste Verkehrsmittel aber ich habe ja Zeit. Die letzten drei Haltestellen lief ich durch die Hinterhöfe und musste mich dann aber um 1 doch dem heimkommen stellen. Da Chiara und alle anderen FreundeInnen mit ihren Familien Ostern feiern saß ich den restlichen Nachmittag rum, guckte 2 Filme, räumte mein Zimmer mal von Grund auf, packte die Sachen für mein liebes Schwesterchen und machte eben alles, was so liegen geblieben war. Tolles Ostern oder?

internationales Sandwich bis zu Brotsalat

Freitag, 18.04.2014

Alles begann mit Doppel-"Obschestvoznanie" und "O Be Sche" wo es immer noch um Alkoholkonsum geht. Dazwischen saß ich noch mit ein paar Klassenkameradinen in der Kantine und genoss meinen heißen Tee (übrigens für 6 Cent zu haben).

Zuhause genüsslich ein Frühstück und nach ein paar Stunden am Laptop machte ich mich halb drei wieder auf den Weg zu Chiara. Ich traf sie und Natascha an der Isaaks-Kathedrale und wir liefen ins "Djadja Fadi". Nicht nur wegen der vielen Touristen rissen wir drei uns einvernehmlich Tücher vom Hals und Jacken vom Körper. Der Frühling ist wirklich endlich und unwiderruflich da! ...Hier kommt halt wie gesagt alles ein bisschen später.

Im "Djadja Fadi" war außer Fadi nur ein Libanese und Fadi stellte uns mit unserer Nation vor (Natascha wurde kurzerhand zur Kualalumpanerin). Dann gingen die beiden daran unsere Falaffeln zu machen während ein arabsiches Gespräch in Gang kam. Hört sich wirklich sehr befremdlich an. Und macht es einem schwer - weniger Vokale, kein "p" oder "k" und noch ein par andere Buchstaben, dafür über 20 verschieden Personen. Schon klar, warum Fadi so langsam eine "normale" Sprache lernt.

Wir 3 starteten derweil im Wohnzimmer ein internationales Sandwich. Also Natascha in der Mitte und ich und Chiara haben sie umarmt. Bald kam Kirill. Er war ein paar Tage in Deutschland gewesen, für ein Konzert in Dortmund und Düsseldorf wegen Flughafen. So gab es auch erst mal eine langwierige Umarmungsprozedur. Theoretisch war ja Italienischstunde aber wir waren viel zu beschäftigt mit Kitzelüberfällen, Sticheln und den Reiseberichten von Natascha (4 Tage Schüleraustausch in Finnland) und Kirill zuzuhören. Ich lauschte nebenher auch noch auf das Gespräch am Nachbartisch - Chiara meinte erstaunt: "Lijen, ist das nicht Deutsch?". Ich wollte schon verneinen, doch dann hörte ich genauer hin. Tatsächlich! zwar wieder so ein vergewaltigtes Deutsch von der letzten Kuhhütte am hinterletzten österreicher Talende aber immerhin. Die hielten uns aber glaube ich für ziemlich verrückt, wie wir uns vor Lachen kugelten uns Kirill kurz anfing Natascha durch den Raum zu jagen. Aber was soll´s. Fadi hatte uns ja auch gleich vorgestellt, seine Freunde aus Aserbaidschan (ich und Natscha), Russland (Kirill) und dem Tunesien (Chiara).

Bald gingen die Österreicher und Fadi kam zu uns. Wir setzten eine Massagereihe in Gang (für einen Kreis war kein Platz) und ich hatte das Glück den einzig fähigen - Fadi - hinter mir sitzen zu haben. irgendwann schunkelten und hicksten wir zu einem russischen Trinklied und lagen am Ende einfach alle nur auf des Nebenmanns Schulter oder Bauch. Aber nicht lange. bald begann der Kitzelkrieg von neuem.

Dann, kurz bevor Chiara los musste, brach eine der selbstgezimmerten Bänke in der Mitte entzwei. Mist aber auch. Wir verabschiedeten Chiara standesgemäß und so langsam wurde aus unserem "mezhdunarodnij buterrbrod" ein ganzer Brotsalat aus 4 Nationalitäten und 5 Leuten. Dann machten wir 4 verbliebenen uns ans Werk die Bank zu reparieren. Fadi hämmerte ein paar Nägel und Schrauben in ein Holzstück welcher er quer über den Riss gelegt hatte. Dann noch ein Stützbein drunter. Nach ein paar gestorbenen Nägeln und weiteren kleinen Kollateralschäden war das Wunder vollbracht. Und brach erneut entzwei als sich Fadi vorsichtig niederließ. Er nahm´s wie immer mit Humor und wir trugen das Gebilde in sein Zimmer wo er 2 Kurze Bänke draus machen wollte. Hier begann unsere Schlacht von neuem und mit Tritten, Hieben, Kitzelattacken und Fadis Plastikarmbrust gingen wir aufeinander los während Kirill als einziger versuchte ein bisschen Ruhe in die Geschichte zu bringen. Aber manchmal muss die Verrücktheit halt raus!

Dann kamen leider Gäste und nach einem Friedensabkommen (Händeschütteln und Küsschen links und recht von Fadi) setzten wir uns ganz brav und nett in unsere ecke und Kirill erklärte Natascha noch schnell Geometrie für ihre Prüfung. Winkel innerhalb einer Pyramide berechnen. Aaaaaha! Ich saß nur staunend da. Bald gingen wir, nicht aber  ohne noch ein bisschen Kuchen abzustauben. Die zwei Mädels hatten nämlich eise Torte dabei gehabt und Fadi ein Stück spendiert. Davon bekamen jetzt Natascha und ich je 2 Messerspitzen. Also von Fadis großem Fleischermesser. Das gibt schon was her. Nach einer letzten Umarmung (diesmal nicht im Rudel sondern ganz zivilisiert und mit obligatorischem Wangenküsschen) gingen wir drei. An der Metro trennten wir uns. Noch mal ein kleines und leider nicht mehr so internationales Sandwich.

Dann kam der Moment, wo ich an der Bushaltestelle stand, Nevsky herunterblickte und über den wunderschönen barocken Fassaden im Sonnenlicht besonders das silbeblaue Grafitti von Anton und seinen Jungs sah welches sie gerade gemacht hatten als wir sie zum ersten Mal auf das Dach stiegen sahen. Mit einem riesigen dämlichen Grinsen im Gesicht stieg ich in den Bus und fuhr nach Hause.

12 Zimmer

Donnerstag, 17.04.2014

Wie immer saß ich Donnerstag de erste Stunde lesend auf einer Bank während sich meine Mitschüler für ihren Mathetest vorbereiteten. Danach war es auch schon so weit. Und prompt wurde danach in Doppelchemie noch ein Test geschrieben. Ich wartete bis Polina nach einer halben Stunde fertig war und wir eilten zu ihr nach hause. Wir sollten noch einen Englisch-online-Test machen aber nach einer Viertelstunde rumprobieren, auf iPad und Maus Eingehämmer stellten wir fest, dass der Button auf dieser Seite wirklich nicht funktioniert. Nu laaaadno...dann halt nur "Chai" und wieder in die Schule. Auch nicht schlecht. Selbst wenn Polina nichts zu essen da hatte, da ihre Mutter ein paar Wochen nicht da ist, nur die chinesische Familie mit der sie sich die Wohnung teilen.

In der Schule hatte gerade die Pause angefangen also gingen wir umgehend in die Kantine und ich bekam wie immer meine Suppe von Polina serviert. Heute Kartoffeln und Möhrenschnitzel in Öl plus saure Sahneflocken. Allerdings kalt. Jamjamajm. Danach saß ich noch eine Stunde Mathe ab. Unsere sonst so coole Lehrerin war total fahrig, weil unsere Klassenlehrerin sie angeschnauzt hatte, sie solle uns nicht gegen alle anderen Lehrer aufhetzten, wir wären ja angeblich nur in ihrer Stunde lieb und für alle anderen Lehrern untragbar. Schon klar. Also falls es euch beruhigt, diese Lehrerintrigen gibt es nicht nur an meiner deutschen Schule sondern auch an meiner russischen. Fühlt man sich doch gleich zuhause.

Die letzte Stunde war Russisch in der eine Regionalkontrollarbeit geschrieben wurde. Ich habe dafür heute 200 Seiten gelesen, ist doch auch nicht schlecht. Dann lief ich zum Bus und schon wurde ich von Chiara angerufen die - unerhörter Weise - zum ersten Mal früher als ich Schluss gehabt hatte. Wir trafen uns also auf Nevsky. Wir liefen erst mal planlos weiter. Als wir and er Hauptkathedrale angekommen war hatten wir uns auf unser Ziel geeinigt und liefen über ein paar Kanäle in einer Seitengasse parallel der Hauptsraße zurück. In der nähe von Chiaras Schule betraten wir ein Café. Durchs Fenster sah´s echt gemütlich und sehr alternativ aus, aber leider war es nicht nach Raucher- und Nichtraucherzone unterteilt. Ja, die Russen hängen in vielen Sachen 20 Jahre hinterher. Rauchergesetzte, Unterrichtsmethoden, Sozialpolitik und Medizin sind da nur die sichtbarsten Beispiele.

Also ein paar Straßen weiter. Als wir an der Ampel standen und dem Countdown beim Zählen zuschauten hörte ich, dass die Gruppe vor uns Deutsch sprach. Eine Familie mit einer Stadtführerin. Wir blieben ein paar Minuten hinter ihnen - aaach herrlich, so ganz “unbeakzentetes“ fehlerfreies Deutsch. Wenn auch leider mit Ruhrpottakzent aber man kann ja nicht alles haben.

Schließlich wurde es mir aber doch zu langsam und ich überholte. So typisch unrussisch wie es nur gehen kann trat die Frau einen Schritt zur Seite und ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf, als ich meine russische Unterhaltung mit Chiara (die für unwissende wahrscheinlich wie normales Russisch klingt, von der Geschwindigkeit zum mindest) und "Danke" sagte. Jetzt bleibt die Frage, ob sie merkte, dass ich Deutsche war und sich fragte warum ich Russisch spreche und gleich total wissend in den nächsten Hinterhof einbog oder ich schon so einen heftigen russischen Akzent habe, dass sie dachte das wäre nur Schuldeutsch.

Wie auch immer, einige Minuten später betraten wir das Timecafé "dvenadzatj komnata", also 12 Zimmer. Ws der Wahrheit entspricht. Mit 10 verschiedenen Sorten "Chai" und unendlich Keksen und Waffeln kann man sich hier in 12 verscheiden eingerichtete kleine, richtig schöne Zimmer zurückziehen. Also hat quasi jeder ein Zimmer für sich. Cooles Konzept, gerade für so eine zu-Hause-Atmosphäre.

Chiara und ich entschieden uns für eine Plattform über der Hälfte einer der größeren Räume. Chiara fläzte sich quer über 2 Sitzsäcke und ich lümmelte mich in einen riesigen Sessel. Dann noch so eine Omawolldecke über die Knie, Schuhe aus, Teetasse in die Hand und schon ging das Gelaber los. Erst mal werteten wir aus, dass wir für jede Sprache eine andere Stimme haben und uns irgendwie als anderer Mensch fühlen, einfach, weil man ganz andere Wörter verwendet. Ich sage zum Beispiel auf Russisch viel weniger Schimpfwörter, viel mehr "Bitte" und "Danke" und benutzte weniger Adjektive. Auch der Humor ist anders. Doch beim anschließenden Erzählen und vorlesen unserer Muttersprache haben wir festgestellt, das wir beide schon die russische Betonung, diesen Singsang und das Stimmen-auf-und-ab in jedem Satz angenommen haben. Ach so, und es ist extremst schwierig unser kehliges "r" zu sprechen. Das gerollte klingt so viel schöner...Kurz um, viel Spaß schon mal allen die in 2 Monaten wieder Deutsch mit mir reden müssen!

Danach widmeten wir uns noch unser Lieblingssprache (Also die Sprache in der man am einfachsten denken kann ist ja eigentlich automatisch die Lieblingssprache oder?) und ich udn Chiara lasen abwechselnd Narnia vor. Chiara tut sich nämlich echt noch schwer mit laut vorlesen. Ich krieg´s ganz gut und flüssig hin auch wenn ich viele der Wörter da nicht kenne oder zum ersten mal geschrieben sehe. Da hat der Russischunterricht in Deutschland doch was gebracht!

Nach anderthalb Stunden und 4 Tassen "Chai" verließen wir unser Zimmer und liefen noch eine Ringel in den Seitengassen um Nevsky. Dann wartet Chiara mit mir auf meinen Bus und um acht war ich schon zuhause. Wasserkocher an, drei Mal Teebeutel tunken und schon sprang ich auf den Stuhl an der Anrichte und aß gleich mit der Hand aus der Tupperbüchse die noch warmen Eierkuchen mit Apfelfüllung und "Syrniki" (eine gebratene Mischung aus Mehl, Milch und diesem seltsamen sauren Quarkverschnitt und nebenbei mein russisches Lieblingsessen). Herrlich. Genauso mein sauberes und schön aufgeräumtes Zimmer. Donnerstage sind doch eine Wohltat für die Seele!

Erst mal runter kommen

Mittwoch, 16.04.2014

Nachdem gestern ja ein ausreichend aufregender Tag war ließ ich´s heute mal ganz ruhig angehen. Nach zwei Sunden Physik war Schule gegessen und ich fuhr erst mal heim frühstücken. Dann ein bisschen entspannen, Film gucken. Halb zwei fuhr ich dann wieder ins Zentrum. Ich traf Chiara nahe ihrer Schule und wir liefen zu einem nahen neuen Einkaufszentrum. Das Café am Nevsky mit dem russischen süßen und herzhaftem "Pirog" (Kuchen oder so was) hatte hier hin expandiert, also saßen wir bald an einer großen Glasfassade und genossen "Pirog" und "Chai". Dann fiel uns auf, dass nicht nur unsere Essen echt russisch ist, sondern noch viel mehr unser Timing. Wir hatten nämlich verdrängt, dass Chiara heute eine Stunde länger als üblich in der Schule gewesen war und wir deshalb schon ziemlich spät dran. Aber schlau wie diese Leute vom Einkaufszentrum waren haben sie das Ding in dieselbe Straße wie die Metro gesetzt.

Dorthin hasteten wir dann und kamen gar nicht so viel zu spät zu Natascha. Die war auch gerade erst gekommen und wir fingen an unsere Hausaufgaben vorzutragen. 30 Sätze über unsere Heimatländer, berühmte Leute, Geografie, Politik, Essen, unser zuhause, Mentalität und alles was uns eben so einfiel. Das schweifte natürlich wieder aus und dann fingen wir auch noch mit AFSkram an. Ihr merkt schon, wir schaffen nich wirklich was. Dann widmeten wir uns doch noch dem Genitiv. Da muss man nämlich nicht nur einen Satz Endungen auswendig lernen sonder dann auch noch nach Zahlwörtern, Wörtern wie "mehr" und "wenig" oder anderen Sachen extra Endungen. Es nervt...

Noch selbst gemachten Beerensaft aus dem Datchagarten genießen (der Geschmack von Sommer) und dann machten wir uns um acht wieder auf den Weg. Diese ewig große Stadt hielt mich mal wieder auf aber nach einer Stunde war ich doch zuhause. Erst mal Abendessen, mein Gott war ich ausgehungert. Und jetzt noch meinen Aufgabenkatalog abarbeiten: Zimmer aufräumen, euch zutexten, Jahrbucheintrag ausdenken...Die Arbeit findet einen sogar im größten Land der Erde.

Über den Dächern der Stadt - man muss nur mit den richtigen Leuten zusammen sein

Dienstag, 15.04.2014

Haltet euch fest - heue kommt eine laaaange Rede über einen der aufregendsten Tage in Piter! Alles begann wie so oft, mit ein paar Missverständnissen in der Schule. Nachdem wir uns früh morgens durch den Stau auf den Nebenstraßen und den Stau auf der Autobahn gequält hatten setzt "Deduschka" mich gerade noch rechtzeitig an der Schule ab. ich zog gerade in Höchstgeschwindigkeit meine Schuhe um als meine Klassenlehrerin das Gebäude betrat und mir eröffnete, dass meine Klasse gerade im anderen Gebäude eine Prüfung schreibt, weiter meinte sie, dass sie nach der dritten Stunde wieder in diesem Gebäude sein werden. Ich trat also unschlüssig auf die Straße hinaus ´, doch da nahm mir das Schicksal schon die Entscheidung ab - als ich gerade die Straße überquerte und in der Mitte auf den Bahnschienen wartete kam mir meine Marschrjutka entgegen. Ich quetschte mich also in das überfüllte Fahrzeug und stand auch so weit vom Fahrer weg und so viele Leute waren zwischen uns, dass ich gar nicht erst bezahlte. Kurz vor neun war ich also wieder daheim, fiel ins Bett und schlief noch zweieinhalb Stunden. Danach ein schnelles Frühstück und bald saß ich wieder in meinem Lieblingsbus, dem in dem keine Kassiererin sitzt.

Halb eins war ich also wieder an der Schule (für die letzten beiden Englischstunden) als mir eine Mitschülerin entgegen kam und sagte, wir hätten heute keinen Unterricht mehr. Mist, zwei Mal umsonst zur Schule? Naja, wenn man schon mal an der Metrostation, also dem Verkehrskontenpunkt schlechthin ist, da fuhr ich gleich mit dem Bus ins Zentrum. Und was macht man da, wenn man allein, verärgert und pleite ist? richtig, Happy Hour im MkKafe ausnutzen.  So saß ich kurz darauf mit Mozarttorte (Schokoboden, Marzipan, Schokoboden, Marzipan, Schokocreme, Schokodecke und noch Schokostreusel - kurz um das beste was je an Kuchen existieren kann) und einem kostenlosen Cappuccino. Gut, dass ich meinen Reader dabei hatte, so wurde noch das allgegenwärtige freie Wifi ausgenutzt.

Halb zwei machte ich mich dann langsam auf den Weg, lief durch ein paar Nebenstraße bis zur Ermitage, genoss die Sonne und bog in Richtung Chiaras Schule ab. Wie ich so arglos durch den Park schlendere springt mich auf einmal Anya (Chiaras erste Gastschwester) an. Wir beschlossen zusammen den Tag zu verbringen (Hätten wir gewusst was für ein tag das wird...T und liefen also zu Chiaras Schule. Wir waren zu früh da, so setzten wir uns in den gang und Anya redete mit ein paar Leuten die sie noch von der Zeit in der sie hier lernte kennt.

Dann kam schließlich Chiara und wir liefen erst mal zu Anya heim. Wir blieben nur kurz in Anyas Zimmer und machten uns gleich wieder auf den Weg. Ziel war die "Mansarde", ein Nobelrestaurant. Warum dahin? Der Blick verrät alles oder... Mit Eis und "Chai" kamen wir auch noch zu einem vertretbaren Preis weg und nach einer guten halben Stunde ging´s weiter zu einem Hotel. Auch hier konnte man mit dem Lift bis fast aufs Dach fahren. Niemand hielt uns auf, als wir die kleine Treppe nach oben nahmen, doch endlich auf der Dachterrasse angekommen wurden wir gleich wieder verscheucht, weil dort gerade ein Fotoshooting vorbereitet wurde.

Wir gingen zu Anya heim, dort gab es ein bisschen Frostgemüse, verrührt mit "Kascha" also Haferschleim, diesmal in ganz trockener Ausführung aus braunen Körnern. klingt sehr appetitlich? Ist es auch. Aber wenigstens etwas im Magen. Dann brachten wir Chiara schon zur Metro, ich ging mit Anya weiter auf die Hauptstraße und nach einer Viertelstunde waren wir in einem Museum angekommen. Für 50 Cent konnte man hier einen 100 Jahre alten Fotosaloon und alte Fotos betrachten und - das wichtigste - auf die Dachterrasse zur Hauptstraße hin. Und wie wir da ganz arglos in der Sonne sitzen steigen auf dem Nachbardach auf ein Mal ein paar Jungs um die Ecke. Wir waren sofort Feuer und Flamme und fragten sie wie man dort hin gelangen könne. Sie verreiten es uns gerne und kamen sogar auf die Terrasse rüber, weil sie dachten, sie könnten hier wider nach unten. Wir unterhielten uns kurz, es wurde eine geraucht und eigentlich war es eine ganz lustige Runde, bis die Museumswärterin kam und die Jungs verscheuchte. Die gingen also zurück auf ihr Dach, machten ihr Graffiti fertig und Anya und ich sprinteten derweil nach unten.

Im Nachbarhof versuchten wir dann besagte Tür auf zu bekommen. Allerdings wurde uns nur gesagt, man soll "die abgenutzten Knöpfe benutzten", die Kombination aus 4 von 8 kriegten wir aber nicht raus. Nach 2 Minuten kam aber einer der Jungs raus und wir rannten die Treppe hoch. Auf der letzten Treppe war eine Gittertür. Drum herum klettern. Dann sahen wir schon die Tür zum Dach, Durch einen Dachstuhl, auf Planken entlang, unter Balken hinweg tauchend hasteten wir zum Dach. Die restlichen 4, 5 Jungs kamen uns schon entgegen und warnten, dass die Museumsfrau vielleicht jemand angerufen hatte. Aber für einen kurzen Blick und ein paar Fotos trauten wir uns noch rauf.

Wieder am runtergehen beschlossen wir die Jungs anzurufen und zu fragen, ob sie uns noch mehr Zugänge verraten kann. Erwies sich aber als unnötig, denn kaum traten wir auf die Hauptstraße heraus sahen wir sie da noch rum stehen. Auch sie erkannten uns gleich wieder und fragten uns, ob wir mit zum nächsten Dach kommen. Natürlich. Die Gruppe teilte sich dann und am Ende bleiben Anya, Anton, 2 andern Jungs und ich übrig. Die 2 spurteten heraus um auszukundschaften, Anton blieb bei uns und wir unterhielten uns recht gut.

Kurz darauf saßen wir in einem Treppenhaus, leider war hier die Tür zum Dach zu. Also auf zum nächsten. Hier hielt Anton das Tor vor der Einfahrt, während ein anderer Junge mit Anlauf die kleine Füßlingetür in dem Tor auftrat. Im Hof ging´s nach ganz hinten zur letzten Tür, die man mit ein mal ordentlich ziehen auch ohne den PINcode zu wissen aufmachen kann. Wir rannten die Treppen hoch, Da betrat natürlich jamand das Haus. Wir 5 drückten uns in eine Ecke, aber natürlich musste der Mann genau in die Wohnung gegenüber der letzten Tür zum Dach. Der hatte aber nichts dagegen also kletterten wir mehr oder weniger geräuschvoll um die nächste Gittertür herum. Der Zugang zum Dach war ähnlich, nur gab es hier keine Leiter unter der Luke. Aber die Jungs (auch wenn man das von solchen vielleicht nicht erwartete hätte) haben echt Anstand und Anton half Anya und mir hoch. Dann begann das eigentliche Abenteuer. Um einen guten Blick auf die Hauptstraße zu erwichen mussten wir drei Häuser weiter, auf die andere Seite des Innenhofs. Erst mal über dieses Dach, dass war alles noch okay.

Doch dann runter aufs nächste, dass zwei Etagen weniger hat. Und dazu gab es nur eine wackelige alte selbst zusammen gezimmerte Holzleiter und nahe einen Schornstein an dem man sich noch abstützen konnte. Die Jungs gingen zuerst, wir warfen unsere Taschen runter und während sie noch versuchten die Leiter fest zu halten kletterten wir runter. Verflucht sei diese Rock-Schulunifrom-Geschichte! Aber anscheinend hat sich wenigstens das jahrelange auf Bäumen rum steigen und klettern in der Sächsischen Schweiz gelohnt denn ich bekam allerseits Lob. Anya nach mir hatte mehr Angst. Aber auch sie machte ihre Sache gut. Dann versuchten wir leise über das Blechdach zu gehen und an der anderen Seite des Hofes ging es die Feuerleiter wieder hoch. Wider kamen Antons helfende Hände. Also manchmal sollte man das "englische Gentleman" wirklich auf "russisch" ummünzen!. Und dann standen wir tatsächlich ganz oben, 6 Etagen über Nevskiy. Atemberaubend! Und dann verewigte Anton, auch wenn die Graffitidosen bei jemand anderes waren, uns 5 dennoch mit Edding an der Wand des Schornsteins hoch über Piter. Danach rannten wir das Dach wieder zurück. Wir steigen ein paar Luken eher zurück in den Dachstuhl, hier war der Weg zum Treppenhaus aber zu. Also wohl oder übel noch mal diese Wackelkonstruktion. Diesmal scheuchte ich die 2 Jungs schon hoch, Anton stand aber noch unten, hielt die Leiter fest und guckte mir und Anya hoffentlich nicht so genau unter den Rock. Naja man muss halt Opfer bringen. Schließlich war es vollbracht und wir rannten die Treppe runter.

Es war erst kurz vor neun, also liefen wir Nevsky runter, rannten einem Trolleybus hinterher und fuhren die letzte Station zum großen Platz am Ende der Hauptstraße. Anya, Anton und ich im Bus, die 2 Jungs hinten an de Leiter geklammert die außen am Bus nach oben führt. Auch ´ne Möglichkeit das Busgeld zu sparen. Oder für eine Stadtrundfahrt mit Panoramablick.

Nach einer Station sprangen wir aus/vom Bus und gingen bald in einen Hinterhof. Nach einem kurzen Anruf erfuhren wir den Türcode und fuhren mit dem Aufzug hoch. Erstmal nur Anya, Anton und ich, die anderen rannten die Spraydosen holen. Hier war die Gittertür zum Dach sogar noch offen und es war recht einfach auf das Dach zu gelangen. Über ein paar Mäuerchen und auf den Giebeln entlang, immer eine helfende Hand nicht weit balancierten wir zur kante des Daches und wieder ein Mal eröffnete sich uns ein grandioser Blick. Bald kamen die 2 anderen Jungs und es wurde ein bisschen auf die Abzugsschächte u. ä. gesprüht. Wieder auf dem Weg nach unten zum lift verewigte Anton erneut unsere 5 Namen an der Wand. Irgendwie echt cool.

Zurück auf Nevsky gingen wir noch ein Stück zusammen, dann sprangen die 4 in einen Trolleybus und ich rannte zu meiner Haltestelle, Jetzt aber schleunigst heim! 20 Minuten zu spät, im letzten Licht der Dämmerung war ich also gegen halb elf daheim. Krass, war das ein Tag! Da musste ich gleich, noch in der Badewanne sitzend, Marina anrufen. Die ist vor Neid fast durchgedreht...In Piter zu wohnen ist halt wirklich wahnsinnig geil. Also wenn man nichts gegen Aktionen hat, zu denen ein bisschen Wahnsinn nötig ist. ;)

Vom Versuch zu verstehen wie ein katholisches und ein atheistisches Gehirn arbeitet

Montag, 14.04.2014

Nachdem ich Doppelmathe, Literatur und Russisch über mich ergangen lassen hatte (in den letzten fünf Minuten drohte die Apokalypse - meinem Reader ging fast die Batterie aus) saß ich mit Polina und ihrer Freundin in der Kantine. Ich aß wie immer die Suppe die mir Polina geholt hatte (heute eine braune Ausgabe mit Kidneybohnen, natürlich auf Ölbasis) als diese mich fragte, warum ich nicht eigentlich nach hause gehe. Gute Frage.

Zehn Minuten später saß ich also im Bus. Den kurzen Weg von der Haltestelle heim genoss ich Sonnenschein und Nieselregen. gleichzeitig. Ostseewetter ist echt verstörend.

Angekommen aß ich erst mal was auch wenn ich nicht weiß als welche Mahlzeit man das einstufen soll. jedenfalls gab´s "Chai" dazu, dass ist ja auch die Hauptsache. Nachdem ich in meinem Zimmer Klarschiff geschafft hatte fuhr ich um eins schon wieder gen Zentrum. Ich traf Chiara nahe ihrer Schule und in leichtem Nieselregen drehten wir eine große Runde zu unserer Lieblingskantine in der Nähe des "Marinskiy teatr". Dort gab es natürlich erst mal einen schwarzen Tee und ein bisschen was zu essen. "Ein bisschen" wäre es bestimmt nicht geworden hätten wir jett schon gewusst wie sich der Tag entwickelt.

Denn nach einer sehr interessanten, äußerst schwierigen, tiefsinnigen und komplexen Diskussion über christlichen Glauben und Atheismus/Agnostik  verließen wir 4 Stunden später das Lokal. Also für alle die mich Labertasche nicht so wirklich vermissen - ich rede noch mehr als früher, aber ich bin erstaunlich gut darin geworden die richtigen Worte zu finden.

Als Chiara mich kurz darauf am Bus verabschiedete redeten wir immer noch ununterbrochen. Über das Thema Religion kann man wahrscheinlich so lang reden wie Religion selbst alt ist. Schade, dass wir nur noch 2einhalb Monate übrig haben.

Zuahsue dann drei Stunden mit Mama geskypt, deswegen werdet ihr heute mal von meinen Schreibdurchfall verschont. Deshlb shcon mal. "Spokoinoi nochi!" :)

Der Wahnsinn greift um sich :D

Sonntag, 13.04.2014

Ich liebe Wochenenden! Um 12:00 duselte ich langsam aus dem Traumreich (Unglaublich aber wahr - seit ich in Russland bin kann ich mich an meine Träume erinnern! Leider sind sie ohne Ton, würde gern auf Russisch Träumen...) und beschloss, dass mein Bett viel zu bequem und warm ist um es zu verlassen. Also PC an und "Die Bücherdiebin" gucken. Nebenbei natürlich auch noch mit den wichtigen Leuten schreiben. Dann quälte ich mich u 3 doch aus dem Bett und nach ein bisschen "Chai" und weitere Nahrung zu mir bevor ich kurz nach halb im Bus saß.

So ganz typisch Deutsche war ich natürlich zu früh dran. Also fuhr ich mich einem anderen Bus bis zu einer Metrostation im Zentrum, einfach um Zeit tot zu schlagen. Dann noch 3 Stationen mit der Metro bis auf die äußerste Nevainsel. Immer noch 10 Minuten zu früh. Chiara hat schon recht, für mich läuft die Zeit langsamer! Aber nach 20 Minuten kam dann auch Chiara und nach weiteren 10 Natascha. Wir leifen 5 Minuten zu einem Frisörladen, gaben Chiara ab, erteilten noch ein paar gute Ratschläge und dann ging ich mit Natascha 5 Minuten durch ein paar Hinterhöfe zu ihr heim. Bei "Chai" saßen wir dann eine Stunde da und laberten einfach. Dann eilten wir schnell zurück zu Chiara die auch gerade fertig gemacht wurde. Zu dritt ging´s zurück zu Natascha.

Alles begann ganz harmlos...Natascha die modernes Ballett macht fing an in einem der Hinterhöfe ein bisschene auf und ab zu springen und sich im Kreis zu drehen. Nachdem wir unser Zeug auf Chiara (die in dieser Hinsicht mehr als unfähig ist) abgeladen hatten tanzten wir also zusammen wie die Verrückten und machten so viele Pirouetten, dass ich es wahrscheinlich nur den 2 Jahren Wiener Walzer tanzen zu verdanken hatte, dass ich mich nicht in die nächste Ecke übergeben habe. Dann ging das ganze (wie immer) in eine Umarmung über bis ich schließlich Natascha auf dem Rücken hatte. Die nächst, schon etwas verrücktere Aktion war dann, sie an ein Garagengebäude ranzutragen wo sie mit Hilfe der Türklinke und meiner Schulter als Tritte aufs Dach kletterte. Ich war die nächste und zum Schluss zogen wir auch noch Chiara rauf. Weitertanzen,   springen, hunderte Fotos machen (Russinenstyle)

und am Ende sogar auf dem Dach des Nachbargebäudes, wo das Dach schon leicht abfällig war, ein bisschen kämpfen.

So steigerte sich die Verrücktheit langsam. Auch unser ständig wechselndes Publikum amüsierte sich, bis uns schließlich sogar jemand ansprach: "Wenn ihr hier schon auf dem Dach tanzt, dann kennt ihr euch doch bestimm gut aus, wisst ihr wo die 15te Linie ist? Und was macht ihr eigentlich dort oben?"7. Die Wegbeschreibung wussten wir nicht und auch auf die zweite Frage antworteten wir nur unter Lachen. Natascha brachte lediglich: "Fight" heraus und ich erklärte in herrlich falschem Russisch, dass wir tanzten. Tjaja, so kann man die allgemeine Meinung über Ausländer ganz schnell versauen.

Schließlich fing es an zu Nieseln und es war auch recht spät geworden, sodass wir die letzten Meter zu Nataschas zu Hause zurücklegten. Angekommen rannte ich ein bisschen mit Chiara durch die Wohnung und wir machten noch ein paar Dutzend Fotos mehr. (Natascha hat jetzt schon Angst, dass wir uns vergessen, weil wir ja bald weg fliegen müssen.)

Dann war auch Natascha fertig und wir setzten uns zum Essen. Es war schon kurz nach acht (in diesem Moment sollte Chiara zu Hause ankommen), als wir  uns endlich aufraffen konnten zu gehen.

Mit Chiara lief ich zur Metro und als ich ausstieg hatte ein herrlicher reinigender, den Dreck bindender Nieselregen eingesetzt. Ich sprang also gleich in die Marschrjutka und lief dann  lachend, das Gesicht und die Hände in den Regen haltend und vor mich hin singend durch die Hinterhöfe die letzten Meter heim.

Im Wohn-/Esszimmer setzte ich mich mit meinem "Chai" hin und redete mit Ira der gerade auf dem Sofa die Nägel gemacht wurden. Sie war ja dieses Wochenende kurz mal nach Moskau runter geflogen um ihre Freundin zu besuchen. Ist anscheinend schon toll in Geld zu schwimmen...

Jetzt hocke ich in meinem Zimmer, ergieße mal wieder meine ganzen wichtigen Gedanken *hust* über euch und fange schon mal an Chiaras Abscheidgeschenk zu basteln. ich hoffe die geniale Idee welche mir natürlich im Bus (in dem ich ja den Großteil meiner Freizeit verbringe) kam kommt jetzt so zustande wie ich das will. Ein neuer „Chai“ wird hoffentlich helfen. Wünscht mir Glück. ;)  

Mehr Glück als Verstand

Samstag, 12.04.2014

Heute ließ ich ganze vier Stunden über mich ergehen. Samstagsschule ist doch wirklich ganz großer Mist. Nach Doppelliteratur und Biologie musste ich in Englisch sogar noch richtig was machen denn wir nahmen das Passiv durch und ich rettete Jana die neben mir saß und einige Klassenkameraden vor dem Untergang.

Danach fuhr ich heim und hatte dabei ein fast Nahtoderlebnis. Also für jemand anderen. Im Klartext: Ich lief nur ganz normal den Gehweg runter zur Metro um in eine wartende Marschrjutka zu steigen. Trotz der frühen Stunde hatte ich Glück und mir kam schon eine entgegen. ich winkte sie also heran, achtete gar nicht weiter darauf, dass sie auf der fast-innersten von den 4 Spuren war. Da setzte der Fahrer also zu einem gewagten Manöver an, überholte ein anderes Auto. fädelte sich neben dem nächsten ein, drängte einen großen behäbigen Trolleybus ab und kam mit einer Vollbremsung in den Parklücken vor mir zum stehen. Verflixt hatte ich einen Schiss bekommen. Jetzt hatte ich mir doch wirklich einen Platz neben dem Fahrer verdient und so ging es im leichten Nieselregen nach hause. Dort ein anständiges Frühstück mit Fleisch, Kartoffeln, Kuchen und "Chai". Manchmal ist es doch leicht sich selbst glücklich zu machen. ;)

Um eins machte ich mich wieder auf den Weg. Wer dachte am Wochenende ist im Zentrum weniger Verkehr hat sich geschnitten. Ich stand am ende der Hauptstraße in einem riesigen Stau und traf Chiara schließlich am anderen Ende wo sie schon an der Haltestelle wartete. Wir liefen ein bisschen ohne Sinn und Verstand kreuz und quer durch die Seitengassen (bloß nicht auf Nevskij, da wird man von Touristen tot getrampelt), denn es gab ja nach zwei Tagen (fast) unendlich viel zu erzählen. Schließlich blieben wir nahe der Ermitage vor einem Gebäude stehen - Millionärskaja 10. Das war die Adresse eines Wohltätigkeitsflohmarktes vom hiesigen Krankenhaus. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber uns hat es in der großen Altbauwohnung echt gut gefallen. Der gesamte Platz war mit nur wenig benutzten oder gänzlich neuen Klamotten, Schuhen und Schmuck ausgestattet. Auch einige gebastelte Notizbücher, Töpferwaren o. ä. gab es. Und Plätzchen, Muffins, Crossaints und Co. für lau. Das Paradies für jedes pleite gegangene Mädel quasi. Und wo bekommt man für 2 Euro ein Top ein zwei paar Ohrringe? Und auch Chiara wurde für 2,50 um zwei T-Shirts reicher. Mit guter Laune, vollem Bauch und einem Crossaint in der Hand verließen wir bald das Gebäude.

Wir gingen in den nahen Park mit der Gedenkflamme und setzten uns zum weiterreden auf eine Bank. Dann ging´s auf zur Hauptstraße, noch ein paar Kreise in immer kleinerem Radius um die Metro ich schließlich in meinen Bus fuhr und heimwärts tuckerte. oder besser gesagt schlich. Jetzt, da der Winter letztendlich vorbei ist, ist auf der Hauptstraße die Hölle los. Und noch dazu kommen die Touristen. Uff, unsere wunderschöne Stadt ist vielleicht einfach zu wunderschön.

Zuhause widmete ich mich der Kunst. *hust* Nach einer knappen Stunde Gitarre spielen fing ich auf einem riesigen Stück Karton an eine Tabelle über Zeitformen zu malen. So logisch dargestellt ist das eigentlich...immer noch unverständlich! Zum Henker mit Grammatik...

 

Geschichtsstunde gefällig?

Freitag, 11.04.2014

Nach zwei Stunden "Obschestvoznanie" und einer "O Be Sche" machte ich mich umgehend auf den Weg zur Metro. Ich fuhr bis zu westlichsten Station auf der äußersten und größten Nevainsel welche direkt an den Finnischen Meerbusen grenzt. Mit dem Trolleybus ging´s weiter. Natürlich schaute ich nur auf das Schild an der Seite nach den Stationen, nicht aber nach der Richtung und war so gleich an der Endhaltestelle. Also wieder zurück. Meine Haltestelle verpasste ich zum Glück nicht und lief bald ein bisschen die reißbrettartig angelegten Straßen an. Dazu mal einer kleiner Exkurs, hoffe ich habe das nicht schon mal erzählt...

Das nördliche Venedig

Es war einmal ein sehr ehrgeiziger Mann der sich Piter der Große nannte. Dieser war zufällig Zar von Russland und während des Schwedischen Krieges beschloss er, dass die Hauptstadt Moskva viel zu weit weg und im landesinneren sowieso sehr ungünstig liegt. Also reiste der kluge Mann nach Norden und errichtete eine Festung mitten im Moor im Nevadelta vorm Finnischen Meerbusen. Nachdem der Krieg vorbei war beschloss der Herrscher, hier eine neue wunderschöne Hauptstadt zu bauen. So extraordinär der Mann war wollte er sich natürlich auch eine außergewöhnliche Stadt errichten. Auf seinen vielen Reisen durch Europa, vor allen Dingen Deutschland und Holland, hatte er genug Eindrücke gesammelt und mithilfe ausländischer Architekten nahm der Plan schnell Formen an. So wurden Sklaven hergebracht und die Oberschicht gezwungen hier Häuser zu errichten. Diese stehen noch heute an der Neva neben dem Winterpalast, der Ermitage, auf den Leichen einiger ihrer Erbauer, geschaffen aus den Ziegeln die jeder der in die Stadt einreisen wollte abzugeben hatte. Nachdem das Stadtzentrum so schnell geplant war und die ersten Kanäle verliefen hatten Piter I. und einer seiner verrückten französischen Architekten eine noch gewagtere Idee - sie wollten einen Teil der Stadt vollkommen mit Kanälen durchziehen auf denen die Einwohner im Sommer mit Schiffen fahren würden, im Winter mit Schlittschuhen oder Schlitten. Und welcher Platz wäre dafür besser geeignet als der ohnehin schon feuchteste, der seit jeher von Wasser um- und durchflossen wurde, die letzte Insel im Nevadelta? So begann der zielstrebige Architekt in exakten 90°-Winkeln Häuser errichten zu lassen un bereitete alles auf das Wasser vor. Doch wie es das Schicksal so wollte, entschied man sich in letzter Sekunde um, da es doch unbequem erschien immer auf ein Boot warten zu müssen und darauf zu vertrauen, dass das Eis fest genug wird. So wurden Straßen aufgeschüttet und eine "normale" Insel mit doch ganz merkwürdigem Charme geschaffen. Und auch die Straßenbenennung, auf einer Straßenseite ein Name, auf der anderen der Nächste, ist geblieben und erinnert noch heute an die tollkühnen Pläne aus längst vergangenen Zeiten.

Bald sah ich das "Senator"-bürogebäude und betrat ein todschickes Foyer, gänzlich roten und dunkelgrauem Granit sowie weißem Marmor und vergoldetem Nippes ausgestattet. Nachdem ich eine Weile ratlos rum stand und die Leute betrachtete die mit ihren kleinen Chips durch die Glastür kamen fasste ich mir ein herz und fragte den Wachmann ob er mir auf macht. Und - welch Wunder - er fraß mich nicht oder schnauzte mich an sonder machte es einfach ganz freundlich. Der Wahnsinn... In der vierten Etage klingelte ich noch mal an einer sehr einschüchternden Tür und fragte die Sekretärin nach Irina Jurivnajas Kabinett. Diese brachte mich eilfertig hin und bot mir einen Tee an. Ich nahm derweil Iras Büro, dass durch eine Glaswand von dem Gruppenraum der gemeinen Arbeiter abgetrennt und sogar mit einem kleinen Versammlungstisch ausgestattet ist.

Chefsessel - wirklich bequem 

Sitzt sich ganz schön bequem mit einer schicken Porzellantasse in einem Raum wo so viel Geld hin und hergeschoben wird. Flaggen müssen natürlich auch sein.

Nach einer Stunde kam endlich Ira die in einer Versammlung gewesen war. Wir machten ein schnelles Mittag aus Reiswaffeln und schwarzer (90%iger) Schokolade. Dann machten wir uns schnell auf in den Hof wo schon ein Kleinbus auf uns wartete.

Die Fahrt begann und der Guide erzählte uns etwas über die Vasilevskij-Insel, danach fuhren wir über die zwei anderen, kleineren Nevainseln, vorbei am Stadion, dass selbst einfach aus dem Flusswasser ragt und den Datschen der alten Herrscher die diese hier errichtete hatten, als das noch weit vor der Stadtgrenze lag. Kurz darauf fuhren wir auf die Ringautobahn. Darauf sind ja viele Petersburger ganz stolz. Mir war allerdings nie so richtig klar, wie das funktionieren soll, denn durch die Lage am Meer hat die Stadt ja im Westen eine riesige Kerbe. Wie ist das also ein Ring möglich? Dank eines Mammutprojektes, so riesig, dass es einfach nur in Russland sein kann...

Der Damm

Erinnert ihr euch noch an den ehrgeizigen Mann, den großen Herrscher Piter I.? Diese Geschichte begann unter der Herrschaft seiner Enkelin Ekaterina II. mit einem tragischen Ereignis - der großen Flut in Sankt Petersburg. Diese war eigentlich nur eien Frage der Zeit, denn durch die Lage am Ende des finnischen Meerbusens in den zeitweise das Wasser vom Sturm aufgepeitscht getrieben wird muss die Stadt öfters einige Wellen aushalten. An diesem schicksalhaften Tag wurde allerdings ein Hoch von über 3 Metern erreicht, die Stadt zu großen Teilen unter Wasser gesetzt und einige tausend Menschen ertranken in den Fluten der Ostsee.

Ein Plan musste her. Ein Marschall riet, alle Inseln im Nevadelta zur Seeseite hin mit einem Damm zu versehen. Gute Idee, die jedoch 1/6 des Staatsbudgets verschlungen hätte. Doch der Plan des Marschalls blieb in Erinnerung. Und im Jahre 1978 begann der Bau. Allerdings etwas anders, als der Marschall das bescheiden angehen lassen wollte. Man begann vom Norden der Stadt einen Damm bis zur Insel Koltin aufzuschütten die ungefähr auf halbem Wege in Meer liegt. Auch vom südwestlichen Teil der Stadt wuchs langsam ein Damm ins Meer. Doch 1990 wurde klar - es gibt ein größeres Problem als Überschwemmungen. Den Sumpf. Genau der, mit dem Piter schon immer zu kämpfen hatte. Denn durch den Damm stand nun wieder das Wasser still und die gesamte Bucht drohte zu einem riesigen Moor zu werden.

2006 ging es endlich mit einem besseren Plan weiter und 2010 war es vollbracht! ein 25 km langer Damm durch die Ostsee der sowohl Sankt Petersburg vor den gefürchteten Sturmfluten schützen sollte, als auch Platz für die Autobahn bot und zudem Kronstadt auf der Insel Koltin mit dem Festland verband.

in orange die Ringautobahn

Nach einer knappen Stunde Fahrt hielten wir am Rand der Autobahn. Aus dem Fenster genoss ich ausgiebig den wunderschönen Anblick der Sonne die sich glitzernd auf dem Wasser spiegelte und das Panorama aus der Skyline der Stadt und den kleinen Inselchen mit verfallenen Backsteingebäuden und kleinen Sandstränden beleuchtete. Nach ein paar Minuten stiegen wir aus und ein Mann in gelber Warnweste führte uns durch ein gefährlich aussehendes strachelbedrahtetes Tor hinein in den Hochsicherheitsbereich. Mit er frischen Meerbrise im Gesicht erklärt er einiges über den Damm, dann gingen wir hinein in den endlos langen Gang und sogar raus auf eine Treppe für Wartungsarbeiten an der Außenseite des Dammes. Hier sah man die riesigen Metallschilde die sich bei Flut wie die Schaufel eines Schneeräumfahrzeuges ins Meer senken. Heute waren sie alle oben und ließen das Wasser wie es wollte in und aus der Bucht fließen.

Schließlich fuhren wir weiter um kurz darauf von der Autobahn abzufahren und uns einen weiteren elementaren Teil des Dammprojektes anzusehen. Da Piter einen großen Seehafen hat, sowohl für Waren als auch Touristen muss natürlich der Weg zur Ostsee frei gelassen werden. Dafür gibt es hier eine Lücke im Damm. Eine große Metallwand ist im Wasser versenkt, so tief, dass die Schiffe darüber fahren können (zur Not mit Hilfe von großen Pontons), nur bei Flut wird sie als Wellenbrecher hoch geleiert. Die Autobahn führt wie immer über den Damm. Oder bzw. das Fehlen des Dammes hier. Nur blöd, dass die riesigen Marineschiffe vom Flottenstandpunkt in Kronstadt manchmal höher sind als die 16m die die Autobahn über dem Kanal schwebt. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Per Knopfdruck fährt ein Teil der Autobahn einfach noch 9m höher. Cooler Trick.

Wieder im Bus warteten Wasser und Sandwiches auf jedem Sitz. Himmlisch, so eingefroren man in seiner Strumpfhose vom Wind wurde. Und glaubt mir, ich habe noch nie so ein gutes Sandwich gegessen. Die lassen hier wirklich Geld fließen und heute war ja auch noch 5jähriges Jubiläum von irgend so einem neuen bereich in der Firma. Gestärkt fuhren wir zum Sturmflutwehr. Hier, in der Mitte des Dammes ist ein Durchgang für große Frachtschiffe und die Passagierfähren nach Helsinki und Stockholm mit denen die Piterer so gern mal zum Wochenendeshopping fahren. Damit dieser Durchgang im Notfall auch dicht gemacht werden kann gibt es einen riesigen Mechanismus, ein Meisterwerk an Ingenieurkunst meiner Meinung nach. Auf einer Zahnräderbahn fährt eine starke Lok mit 10cm/sec und schiebt dabei einen großen Kolben. dieser Kolben ist wiederum an einem von zwei meterhohen Metallarmen befestigt diese an ihren Enden ein gebogenes Metallschild haben. Wird also der Kolben und die Arme und das ganze Schild von der kleinen Lok zum Meer hin geschoben aus ihrer Parklücke im Beton heraus, so passiert auf der anderen Seite des Kanals genau das selbe und innerhalb von anderthalb Stunden sind beide Schilde in Stellung und in ihrer Mitte ist nur noch ein 1,5m breiter Durchfluss. Jetzt brechen die Schilde die Wellen, laufen dabei selber ein bisschen mit Wasser fest und werden wenn der Wind abflaut wieder rein gefahren. Außer wenn mal Eis gebrochen werden muss. Auch dazu taugen die Metallschilde. Der Wahnsinn. Nachdem wir auch noch in der Videoüberwachungszentrale für den Autobahntunnel unter dem Kanal waren setzten wir uns wieder in den Kleinbus und fuhren nach Kronstadt.

Bewegte Geschichte auf der Insel Koltin

Auf der Insel Koltin inmitten des Finnischen Meerbusens, umgeben von vielen kleinen Forts gründete der Mann den wir alle kennen, Piter der Große, 1703 einen Marinestützpunkt. Von da an lebten auf der kleinen Insel im stetigen Wind mit rauem Klima 40000 Menschen und verteidigte bis zur Leningrader Blockade im zweiten Weltkrieg tapfer die Stadt. Dann kamen die Sowjets. Und Kronstadt wurde zur gesperrten Stadt, alles arbeitete fürs Militär, rein gelassen wurden nur Soldaten und deren Angehörige. Dem ohnehin schon mickrige Stadtzentrum wurde nun noch seine letzte Sehenswürdigkeit geraubt - die Marinekirche in der auf hunderten Steintafeln bis 1913 wichtige Marineereignisse niedergemeißelt wurden. 1996 wurde die Stadt endlich wieder geöffnet und ist heute als Sankt Petersburgerer Stadtteil verbunden dank der Ringautobahn auch Touristen zugänglich.

Wir stiegen auf dem großen Platz aus. Hier gilt wie in allen russischen Kleinstädten: aller guten Dinge sind drei. Eine Statue von einem Kriegshelden (oft Lenin, hier ein natürlich ein Marineoffizier) eine ewige Flamme für die Opfer des 2. WK und eine Kirche. In Kronstadt ist das der Marinedom. Der wurde 2010 bis 2013 komplett saniert und strahlt heute wieder in alten Glanz. Und das ist ernst zu nehmen! Das im konstantinoplischen Stil errichtete Bauwerk besteht außen aus außergewöhnlich hellen Ziegeln und sieht mit seinen flachen Kuppeln wirklich eher italienisch aus. Auch drinnen gibt es an der Decke viel Gold und die Ikonen, der Rest ist gedeckt gehalten. Rote und schwarze Granitsäulen mit weißen reich verzierten Sockelleisten, Kronleuchter mit kleinen hängen Ikonenbilder von der Decke, eine weiße Marmortreppe samt rotem Teppich führt zum Altar, die Wände bedeckt von schwarzen Steintafeln mit Goldschrift, die Tür ist von seltsam blauem Stein eingefasst. Eine der schönsten Kirchen die ich je sehen durfte!

Danach machten wir uns auf zur letzten Station - einem Zeltartigen Restaurant am Strand von Fort III. Dies war auch eine der vielen kleinen Inseln, nur hatte sie das Glück beim Dammbau mit eingeschlossen zu werden. Es gibt ein paar alte Backsteinruinen von den ehemaligen Marinebauten, die allgegenwärtigen Müllberge und eine kleine Bucht zur ruhigen Stadtseite hin mit Sandstrand und einem herrlichen Blick auf Kronstadt zu Rechten und weiten Teilen meiner Lieblingsstadt.  

Ira wollte nicht bleiben und rief ein Taxi. Aber erklär mal der Taxizentrale, dass der Fahrer einfach auf dem Schotterweg an einer Insel mitten in der Ostsee abfahren soll. Viel Glück. Irgendwann gaben wir es auch, nachdem auch die Restaurantleiterin nichts erreichen konnte. Also überredete irgendeine wichtig aussehende Frau den Fahrer einer der Kleinbusse uns heim zu bringen. Welch ein Luxus, quasi eine Privatmarschrjutka.

Das dachten sich wahrscheinlich auch recht neidisch die wartenden Leute, als der Fahrer uns an unserer Haltestelle raus ließ. Wir gingen in den Supermarkt und aus Wurst, Brot und Milch wurde natürlich wieder ein Haufen Süßigkeiten einschließlich frischer Honigcremetorte und Rührkuchen. Also wir werden das Wochenende auch ohne Ira nicht sterben.

Daheim setzten wir uns gleich nach dem Aufräumen hin und aßen das frische Fleisch mit Bratkartoffeln von gestern. Wir unterheilten uns noch eine ganze Weile und schlachteten während des "Chai" auch noch 2 Stück Torte. Jetzt platze ich gleich aber es war wirklich schön so viel Zeit mit Ira zu verbringen. Die war heute übrigens ähnlich beeindruckt wie ich, denn in Piter ist der Damm jetzt kein soooo populäres Thema. Und Kronstadt schon gar nicht.

So viel Zeit für Schule?

Donnerstag, 10.04.2014

Nach einer erneut kurzen Nacht beschloss ich heute Morgen noch eine Stunde liegen zu bleiben, die erste ist ja sowieso Freistunde. Um neun saß ich also in der Marschrjutka und kam dank Stau fünf Minuten zu spät also 9:25 Uhr an. Aber das stört ja keinen. Der Mitschüler, den ich noch rauchend an der Bushaltestelle gesehen hatte wo er mich sichtlich verdutzt, dass ich eine Marschrjutka benutzen kann(also klar machen wo ich aussteigen will) traf es allerdings schlechter - als er nach mir zuletzt ins Matheklassenzimmer kam war kein Stuhl mehr frei. Sogar die Runde Morgenkaffee bzw. -tee hatte er verpasst. Aber wir anderen amüsierten uns köstlich.

Danach war Doppelchemie an der Reihe, es folgten ein Mathetest und eine Russischarbeit. In der sechsten Stunde bat mir unsere Klassenlehrerin schon an heim zu gehen aber natürlich war ich genau heute mit Polina verabredet. ich wartete also auf sie und wir fuhren mit der Straßenbahn heim wo ich mir wieder mal ein Lobrede auf meine Klamotten und Ohrringe anhören durfte. wenn man die russischen Klamottengeschäfte sieht kann ich das sogar nachvollziehen.

Zuhause hing schon der duftende Nebel frischen Essens in der Luft und wir setzten uns in die Küche und ließen uns Suppe und gebratenen Reis-Weißkohl-Möhrensalat schmecken. Danach zogen wir an den großen Esstisch um und machten mit "Deduschka" und Marina sowie vielen Keksen und Waffeln "Chai". Bald verzog ich mich mit Polina in mein Zimmer wo wir einen Englischonlinetest für sie ausfüllten. Der Countdown tickte für 2 Stunden, die Polina alleine wohl auch bis auf die letzte Sekunde aufgebraucht hätte. Mit Hilfe meiner überragenden Englischkenntnisse (Achtung Sarkasmus) brauchten wir allerdings nur die Hälfte der Stadt für rund 60 kurze Hör-, Lese- und Grammatikaufgaben.

Kaum fertig gab es wieder "Chai" mit den apfelgefüllten Eierkuchen und "Syrniki" die inzwischen fertig waren. Dann brachte ich Polina zur Haltestelle und um sechs war ich allein zuhause.

Genug Zeit um mal wieder die nicht vorhandenen russischen Urheberschutzgesetze auszunutzen und "Das Leben ist schön", einen italienischen Film über ein außergewöhnliches Schicksal in einem der Konzentrationslager, zu schauen. Nur zu empfehlen. Auch wenn die russische Synchronsprechung die einfach über das Italienisch, Deutsch oder Englisch der Charaktere gelegt ist etwas verwirrt.

Meine Lieblingsmenschen hier

Mittwoch, 09.04.2014

Nach zwei Stundne Physik setzte ich mich heute in die Marschrjutka und fuhr in schönstem Sonnenschein nahc hause. Da beschloss ich gelich ein wenig eher auszusteigen und lief durch die Hinterhöfe heim. Erst mal frühstücken, dann Trasformers 3 auf Russisch. Habe sogar ziemlich viel verstnaden und ein sehr wichtiges neues Wort gelernt. Das erwähne ich hier aber jetzt mal nciht, falls das Minderjährige lesen. ;)

Per Telefon stand ich Aleks bei der Gepäckkontrolle bei und weiter bis der Fleiger abhebt. Mein Gott habe ich jetzt schon Shciss, wennd er Moment für usn gekommen ist! DAnn setzte ich mich ahlb eins in den Bus udn holte Natascha und HCiara von der Schule ab. Zusammen liefen wir kreuz und quer durhc die Gegend um dei Schule und landeten schließlich wieder in der "Kantine" nahe des "Marinskiy teatr". Bei "Chai", Kuchen mit Ei und grüner Zwiebel oder süßem Quark gefüllt udn Schokotorte ließen wir es uns gut gehen und schwelgten schon in Träumen vom Sommer. Am Ende lagen ich und Natascha nur noch auf Chiaras Schoß rum (sie ist ja auch die älteste, also aht sie ab und zu die Mutterrolle am Hals) und diese bagann unsere Haare zu felchten. Also unsere zusammen. Erst wollten wir zu dirt einen Deutshclandflaggezopf machen, am Ende sind es dann aber nur Nataschas und meine Haare geworden. Also manchmal haben wir halt doch zu viel Freizeit...

Dann musste Natascha um fünf los wir brachten sie zur Metro und liefen selbst noch zu einem Park in der Nähe. Heute war einfach zu gutes Wetter. Auf einer Bank auf einer Insel in dem großen See mit Blick auf einen Palast dachten wir uns dann eine Art Schnitzeljagd durch Piter aus. Hier gibt es einfach zu viele coole Dinge zu sehen.

Halb sieben brachen wir schließlich zur Metro auf. Ich muss ja auf Nevskij wegen meinem Bus also liefen wir noch eine Metrostation weiter, was bei dem schönen Wetter aber auch keinen Abbruch tut. Dann kam schon bald mein Bus und wir unterbrachen unser Gespräch über Bücher über Konzentrationslager (Jaaaa, uns gehen echt langsam geistreiche Gesprächsthemen aus.) udn ich quetschte mich zu achtzig bis hundert anderen Leuten in einen Bus. Also das meine ich ernst, bei 24 Sitzplätzen bietet der Bus plus Stehplätzen 97 Leuten Platz. Steht zum mindest an der Tür. Und im schönsten Feierabendstau begann unsere langsame Fahrt.

Nahc ein paar Haltestellen kämpfte ich mir menen Weg bs zur Vordertür, hier kann man direkt hinter der Fanhrerkabine auf diesem Plastikding über dem Rad sitzen. Mit dem Rücken an der Fahrerkabine, Beine hochgelegt und einem riesigen Fenster vor der Nase ist das eigentlich gar kein schlechter Platz. Kaum von der Hauptstraße abgebogen kamen wir in eienr Einbahnstraße so richtig in den Stau. Da stieg die Fahrkartenkontrolleurin aus unserem Bus aus und lief zu dem Bus der 500m vor usn im Stau stand. EIn paar Passagiere folgten ihr und setzten sich dort rein wofür sie wahrscheinlich dann auch nicht enu bezahlen mussten. Ich hatte Zeit und blib auf meinem schönen Platz, vele der entspannteren Russen auch. udn es lohnte sich, denn nach 2 Minuten ging der Stop-and-Go wieder los udn der Fahrer schaltete Musik ein udn amchte uns zu einem kleinen Partybus. Dann waren wir auch ziemlich shcnell aus dem gröbsten Stau raus und endlich fuhr ich mit anständigem Tempo heimwärts, der Sonne entgegen.

Diese verdammte...gute Zeit

Dienstag, 08.04.2014

...Sonne

Ich weiß ja nicht, wann die Sonne hier schon aufgeht, um 7 steht sie jedenfalls schon in voller Schöhnheit am unreal hellblauen wolkenlosen Himmel, der nur ganz am Horizont über den Häusern ein wenig heller wird, sodass man merkt, dass man nicht mehr träumt. Nicht gerade schön so zu erwachen, gerade wenn mn sich eigentlich ncoh total müde fühlt und eher wie so ein Zombie mit zusammengekniffenen Augen rumtorkelt.

...alltägliche Stau

Dieser hält uns jeden Morgen auf und verlängert den fünfminütigen Weg auf eine halbe Stunde Autobahn in einem Bogen um meinen Bezirk. Wenigstens gibt es einem die Chance zu schlafen.

...Planänderung

So betrat ich heute die Schule, nachdem ich mich shcon gewunderthatte, das niemand vorm Tor steht, nicht mal ein einsamer oder zwei zweisame Raucher. Und keinen MEter in die Schule rein kam mir auch schon der "Sicherheitsmann" (Hasumeister) aus seinem Kabuff mit dem großen Fernseher entgegen udn meinte: "Geh wieder nach hause, hier sitzt du heut´ alleine". Anscheinend gibt es irgendeine Prüfung oder sowas. Ich habe natürlich wieder von nichts gewusst. ALso raus aus der Schule udn auf zu Marsschrjutka.

...Autofahrwahnsinnigkeit

Welcher mich ja eigentlich nciht juckt, bis es mal zu ein paar unschönen Folgen kommt - so kam ich gleich auf dem Fußweg vor der Schule an einem riesigen Schrotthaufen vorbei. Ein kleiner alter Volga war einem Opel hinten aufgefahren udn hatte ihn in ein weiteres parkendes Auto geschoben. Recht bestürzend war zu sehen, dass an den beiden vorderen Autos kaum ein paar Kratzer waren, während bei dem alten Volga die komplette Scheibe zersplittert im inneren lag, ein Haufen Gerümpel den die RUssen so gerne auf der Rückbank spazieren fahren herumgeschleudert wurde und die fehlenden Airbags die Lage auch nicht verbesserten. Ich will nicht wissen, wie der Fahrer ausgesehen hat. Aber bei den alten Karren die die hier fahren (viele, die n Deutschland durch den TÜV gefallen sind) ist so was vorprogrammiert.

...Wecker

Der mich, nachdem ich den STau in der Marschrjutka ein zweites Mal bestaunt und mich noch mal hingehauen habe um 12:00 aus meinen Träumen riss. Halb zwölf bequemte ich mich auch dazu meinen Laptop einzuschalten um bis halb eins wieder der wichtigen und weniger wichtigen Pflichten nachzugehen. Dann "Chai", Kuchen und so einem mysteriösen Quarkriegel. Ach wie gut, dass ich endlich wieder einkaufen war.

...riesige Stadt

Kurz nahc halb zwei saß ich schließlich an der Haltestelle und fuhr ins Zentrum. Ich traf Chiara und Natascha an der Isaakskathedrale, dann spazierten wir ein bisshcne udns chließlich brahcten die beiden mich zur Metro wo ich und Chiara noch unsere Schuhe zurück tauschten (in/um die Metro sind so viele seltsame Leute, da guckt auch keiner mehr schief). Dann setzte ich mich in eine fast leere Metro (die Linie in die neuen Stadtteile ist nie so überlastet) udn fuhr zur südlichsten Station ser Metrolinie. Hier traf ich Aleksandra udn wir gingen noch in einen Megamarkt um Konfekt für ihre Familie zu kaufen.

Dann fuhren wir eine Station mit dem Trolleybus, der danna ber leider falsch abbog - Aleksandra kann sich nämlich keine Busnummern merken. Also liefen wir den Rest, gingen noch kurz in ein kleines Geschäft (Schokolade für daheim) und an die Tanke (Schokolade für die Gastmutter) und schließlich zu ihr heim. Hier m Stadtrand stinken die Treppenhäuser übrigens nicht mehr nach Rauch sondern nach streundem Hund. Hässlich sind sie überall im selben Maße.

...Enge

Aleksandra öffnete mir die Tür zu einer abgewohnten aber sauberen Wohnung. Erst mal ging es ans Ende des Ganges wo mit eienr Schiebetür ihr Zimmer abgetrennt ist. Die Gastschwester wohnt gerade in Berlin in Aleksandras Familie also hat diese deren Reich. Dann quetschte h mich ins Bad bei dem man auf dem Klo sitzend mit den Knien an die Tür stößt. Auch das Bad ist nciht viel großräumiger und selbst der Lichtschalter muss drei kleinen Teilen Plaz bieten. Zurück im Zimmer setzten wir uns aufs Bett, quatschten und schlachteten eine der Schokoladentafel (Rittersport mit Mousse au Chocolaté - heeeerlich!).

...Teesuchtpotenzial

Obwhl wir gefühlt zum tausendsten Mal feststellen, wie verrückt das eigentlich ist und wir uns in Deutschland nie mit unseren Freunden zum "Chai" hingesetzt hätten gingen wir einvernehmlich in die Küche und genehmigten usn eine Tasse plus Schokotorte. Da kam auch die Gastmutter rein uudn begann schon auf Englsich sich vorzustellen, als ich auf Russisch antwortete fragte sie ganz verblüft ob ich nciht Deutsche sei, weil ich doch si gut Deutsch spreche. Ich bejate das und erklärte, dass ich RUssisch nur "so gut" kann,w eil ich eben schon ein bisshcne länger da bin war sie echt erstaunt.

Als Aleksandra udn ich dann feststellten, dass wir in Russland weder Shisha rauchen noch Bier trinken o. ä. gar nciht vermissen udn ich emitne, wir gehen dann in Deutschalnd immer mit eienr teetasse und Schokoladentafel in jeder Hand zu den Partys udn noch ein bisshcne weiter rumalberte meinte Aleks man sollte mich in eien Comedyshow stecken. Naja, ich hatte halt heute einfach ein bisschen viel Energie übrig... ;)

...kleine Koffer und die vielen schönen Sachen

Dann widmeten wir uns dem Ernst der Lage - aus Aleksandras Zimmer das aussah wi nach einem Bombeneinschlag musste fast alles in einem Koffer, einem Rucksack und einer Handtasche verstaut werden. Ich fing also an alle Sache zusammen zu klauben und einigermaßen platzsparend in den Koffer zu legen, etwas war schon drin und trotz meiner Arbeit wurde der Platz bald eng. Aber inzwischen bin ich ja ausreichend geübt im packen. Dann besshclossen wir, dass wir eine Pause verdienten und setzten usn erst mal wieder aufs Bett und spielten UNO. Ich verlor fast immer, aber was soll´s. :) Irgendwann packten wir dann alles fertig udn während ALeks sich auf den Koffer setzte kriegt ich ihrn irgendwie zu. Uff!

...gesunde Ernährung

Nachdem Aleks mich nach dem Wort "kochen" gefragt hatte (Aleks: "Kochen heißt doch "guljat" oder?". Ich: "Nein, "Guljat" heißt spazieren, "gotovit" heißt kochen.".) ging sie zu ihrer Gastmutter udn fragte, ob wir was kochen können. Ich hörte es nur aus ihrem Zimmer mit an - Gerr im Himmel, Aleks kann noch nicht mal die Verbendung dem Personalpronomen anpassen. Da fühle ich mich zur Abwechslung mit meinen Russischkentnissen ganz toll.

Irgendwie hat ihr gastmutter sie aber verstanden udn erlaubte uns auch zu kochen nachdem sie uns das erst abnehmen wollte. Ich ging mit in die Küche udn sie zeigte mir wo alles steht. War wohl frh, dass mal jemand da ist der sie verstaht udn für Aleks übersetzen kann. Also fingen ich an Teifkühlgemüse udn ein paar Kartoffeln zu braten während Aleks Salat und Nudeln machte. Dann setzten wir usn an den kleinen Tisch und ich aß wirklich mit einer Vegetarierin ihr essen - ICH und ein Abendbrot aus Bratgemüse, Gurke, Tomate mit Mozarella und "Chai", könnt ihr euch das vorstellen?

...schwere Abschied

Dann war es schon halb neun und allerhöchste Zeit für mich. In Aleks Zimmer packte ich ihre letzten Hinterlassenschaften ein und fertig angezogen kam dann im Flur der Moment der Wahrheit - mit einer langen Umarmung und dem Deal, dass wir uns in Deutschland besuchen kommen besiegelten wir Aleks Abschied von Piter, Russland, Russisch und einem anderen Leben...Zum Glück ist Kreuzberg nicht so weit weg.

Draußen kam auch gleich mein Trolleybus und ich fuhr mit der erneut menschenleeren Metro udn dafür übervollen Marschrjutka heim. Hier konnte ich selbst zum "Chai" nichts Süßes mehr herunter kriegen. Da sind doch mal Luxusprobleme

 

 

Ich strahle

Montag, 07.04.2014

Es war echt schwer heute früh aufzustehen. Nach so einem "langen" Wochenende war die Aussicht auf Schule nicht gerade verlockend. Aber nach fünf Stunden war der Spuk auch wieder vorbei und ich traf Aleksandra in meiner Metrostation. Wir fuhren zur Metro nahe der Festungsinsel und schauten das kleine Modell von Piter an.

Danach ging´s auf die Piter-und-Pavel-Festung und mal wieder zum Strand. Bei schönstem Sonnenschein, wolkenlosem surreal blauem Himmel, Möwengeschrei und in Gesellschaft vieler in Badesachen gekleideter Russen die sich an die warmen mauern kuschelten genossen wir auf ein Stück Treibholz gehockt Eierkuchen und kalte Pizza. Das ganze wurde natürlich auf Deutsch besprochen. Und auch wenn ich mich freute, dass Aleksandra die ganzen Orte so mochte da sie Piter ja noch nicht so richtig angesehen hat war es doch ermüdend Deutsch zu reden.

Nach dem ausgiebiegen Sonnenbad liefen wir über die Brücke, durch den Park mit der Gedenkflamme, vorbei am Sommergarten, Michailovskijschloss, russischen Museum, Bluterlöserkirche, Hauptkathedrale und und und. Also ich finde ich mache mich langsam echt gut als Maximalgeschwindigkeitstouristenführer! Auf Nevskiy liefen wir schließlich bis fast zur Isaakskathedrale wo uns (nachdem Aleksandra den "MacWalk", also die russische Variante des MacDrive bestaunt hat) Chiara in die Arme lief. Super - konnte ich meinen Russischgesprächsbedarf stillen!

Zusammen liefen wir zurück und ab zu "Djadja Fadi". Der machte uns höchstpersönlich die Tür auf und bald saßen wir mit Kiril und aßen eine Falaffel und tranken Früchtetee. Ja, ich mache auch mal eine Ausnahme vom schwarzen-Tee-Muster, aber auch nur, weil hier loser schwarzer Tee und frisch aufgeschnittene Früchte in herrlichem piterer Leitungswasser zu einem echt komischen Geschmack vereinen. Aber zu so einer Falaffel muss ja auch was seltsames her. Nachdem das Gespräch erst langsam in Gang kam wurde es bald recht lustig, als ich die Gehirntheorie erklärte und wir wieder mal über ein paar mehr oder weniger berühmte Berühmtheiten ablästerten. Dann fingen wir an ein Würfelspiel zu spielen. Jeder Würfel hat verschiedene Symbole und kleine Bildchen und aus 9 gewürfelten Symbolen muss jeder eine Geschichte basteln. Wir redeten Englisch damit jeder alles verstand und es war gar nicht so schwer wie ich gedacht hatte. tatsächlich habe ich hier im Moment das beste Englisch und das will was heißen. Als wir alleine die Geschichten machten war es schon recht gut, aber dann beschloss ich, dass jetzt jeder nacheinander einen Würfel nimmt und wir erdachten zusammen eine Geschichte, die ganz harmlos begann...

Chiara mit Schildkrötenbild: Es war einmal eine Schildkröte, die in einem See lebte.

Kiril mit dem Bild eines Fisches: Sie lebte dort mit einem Fisch.

Aleksandra und ein Fragezeichen: Eines Tages begannen sie sich viele Fragen übereinander zu stellen.

Ich und der Himmel: Sie erfuhren, dass ihr größter gemeinsamer Wunsch war über den Regenbogen zu wandern.

Aleksandra und ein Auge: Und dann schlief die Schildkröte ein.

Ich und ein Bürogebäude: Der Fisch wusste, dass die Schildkröte sehr schon sehr alt war und deswegen...ähm...drei Jahr schlafen würde, also beschloss er, dass das genug Zeit ist zur Bank zu gehen und einen Kredit für die Reisefinanzierung aufzunehmen.

Chiara und ein Rechteck mit einem "L" darin: Aber die Bank befand ihn für nicht kreditwürdig und gab ihm stattdessen ein Blatt mit einem "L" darauf, was bedeutet "Looser".

Nach einigen mehr oder weniger verrückten Durchläufen (Wollt ihr mal als obdachlose alte Frau eine Welt durch ein Schlüsselloch sehen in der ein Gleichgewicht aus bösen Schafen und guten Bäumen herrscht? Oder als Isaach Newton ein Alien sehen und in die Klapse kommen wo es nur Äpfel zu essen gibt und von eurem Ailenfreund mit einem Fallschirm befreit werden? Oder wie wär´s, den Plaz mit einem Jungen zu tauschen der vor Furcht vor blutrünstigen Schildkröten mit offenen Augen schläft bis die Schildkröte auf ziemlich verpeilte Art zu ihm läuft um mit "He Mann, lass´ uns Frieden schließen, mir ist das zu anstrengend." seine schweren Nächte beendet?) gingen wir gegen sechs. Ich und Chiara tauschten noch die Schuhe, weil sie jetzt mit der Klasse ins Theater geht und meien Shcuhe besser aussehen (also weniger offensichtliche Löcher haben).

Dann ging ich mit Aleksandra in die Kunstgalerie gegenüber wo sie ein paar Souvenirs für ihre Familie kauen wollte. Wir liefen bis zum Ende der Hauptstraße, tauschten ihr Handykabel was nach zwei Tagens schon wieder kaputt gegangen war, suchten in 2 weitern Läden nach einem neuen und fuhren schließlich mit dem Bus eine Station schwarz bis wir uns in mein Lieblingscafé am großen Kanal wiederfanden. Hier war richtig viel Betrieb. Wir standen gerade blöd im Gang und fragten uns wie wahrscheinlich es war, dass bald ein Tisch frei wird als ein überraschtes: "Hey, ihr sprecht auch Deutsch?" vom Nachbartisch ertönte. Und schon war die Unterhaltung eröffnet. Eine piterer Studentin aus Deutschland und ihre Freunde boten uns ihren Tisch an und auch eine Russin mit gutem Schuldeutsch mischte sich ein. Das ist mir ja auch noch nicht passiert.

Wir saßen also da, genossen die weltbeste heiße Schokolade und schauten aus dem Fenster in dem wir saßen hinaus auf die wunderschöne Stadt. Meine Stadt.

Halb neun brachen wir auf, ich setzte sie in die Metro und lief zum Bus. Als ich an der Haltestelle saß war ich mal wieder stolz auf mich, dass ich einem jungen Mann eine Wegbeschreibung geben konnte. Ich kenne Piter glaube ich besser als jede andere Stadt dieser Welt. Übrigens auch besser als viele Russen hier. ;)

Kaum die Tür geöffnet bekommen rief Ira vom Sofa, ob ich nicht ein bisschen Fisch essen wöllte. Als mir der Bratgeruch entgegen schlug war ich ja schon misstrauisch geworden und als ich kurz darauf neben meiner Gastmutter saß und sie mir einen großen Teller mit einem Haufen kleiner ganzer (also nur Kopf abgetrennt) leicht panierter Fische präsentierte löste sich das Rätsel. Sie hatte tatsächlich selbst "gekocht"! Aber auch nur, weil ihr ein Freund die kleinen Fische geschenkt hat die im Moment alle Essen und welche an jeder Ecke angeboten werden, weil die Fischer sie auf ihrer Wanderung durch die Neva, von Ostsee zu Ladogasee massenweise aus dem Wasser zeihen. Ich werde mich also in den nächsten Tagen mal beobachten ob mir irgendwo am Hinterkopf ein Auge oder eine elfte Zehe oder so wächst.

Sonntag, 06.04.2014

Aufklärung für die Unfähigen unter euch: In der Bibel sagen sie, dass es 40 Tgae und 40 Nächte regnete. Sie nannten es Flut. - Wir in Piter nennen das SOMMER

Und weil auch in der Hinsicht das russische Facebook (also vkontakte) mal wieder so recht hat blieben Chiara und ich bei dem Sauwetter heut drinnen. Aber wir nutzten die Zeit ganz gut. Nachdem ich mich um eins aus dem Bett bemüht hatte holte ich sie nämlich von der Bushaltestelle ab, im Supermarkt holten wir noch ein Kilo Mehl und dann fingen wir gleich an Pizzateig zu machen. Also Chiara knetete, ich wuselte nur rum um ihr alles zu hohlen und staunte dann was sie so zustande brachte. Da kam auch gerade Ira heim und mit Marina und einer Freundin von ihr aßen wir alle zu Mittag.

Danach fuhren die drei zum russischen Museum und ich und Chiara legten den Teig im Bad auf dem warmen Fußboden schlafen. Die nächsten zwei Stunden die der Teig brauchte zum aufgehen werteten wir die vergangenen Tage aus. Und ein kleines deutsches Mädchen was gerade im riesig großen Russland wohnt verstand auch mal wieder was vom komplizierten italienischen Leben: nämlich erstens, warum man Pizza nicht oft macht, höchstens mal sonntags, weil es einfach ewig dauert und zweitens, dass es Italiener wirklich nicht hinkriegen irgendwas schnell zu machen. Aber okay, das wussten wir schon vorher. ;)

Schließlich waren die Zucchinis fertig gebraten, die Tomatenpaste hergestellt und der Fakemozarella sowie die Fettsalami und der hellrote Paprika aufgeschnitten. Der Teig wurde breitgematscht und wir begannen mehr oder weniger kunstvoll mt dem belegen. Anders als bei allen Pizzen dei ich in Deutschland gemacht habe galt heute mal "weniger ist mehr". Und es gehört übrigens auch kein Edamer oder Gouda oder was wir sonst immer drüberstreuen auf eine Pizza, sondern nur Mozarrela gleich nach dem Tomatenmatsch.

Nach einer weiteren halben Stunde rumgelaber waren die Pizzen fertig und nachdem wir alles in verschiedene Plastebüchsen (Wie soll ich je wieder Essen aus Töpfen oder Pfannen essen?) verfrachtet hatten aßen wir den rest direkt vom Blech. Der Wahnsinn. Noch ofenwarm, mit breitgelaufenem Käse und Gemüse, selbst wenn das nur halbreif war. Jetzt stellt euch das noch mit ordentlichen Zutaten vor...

Als wir dann langsam losmachten kamen gerade Ira und Marina wieder. Ira schickte mich noch in den Supermarkt und ich brachte Chiara zur Haltestelle um danach gefühlte Tonnen Süßigkeiten und Wasser die 108 Stufen hoch zu schleppen. Ach so, geregnet hat es draußen natürlich immer noch. Dieser feine Sprühregen, der sich zweitweise auch nicht so ganz entscheiden kann ob er nicht Schnee sein will. Ich vermisse dieses aus-Eimern-schütten! Obwohl sogar schon diese Möchtegernregen ziemlich hilft den Stadtdreck aus der Luft zu waschen. Und das ist wirklich nötig.

Um sieben saß ich also schon allein in meinem Zimmer. Aber wozu hat man nicht einen Haufen treue Freunde mit Internetflat die einen dann gleich zuschreiben. So könnte ein Wochenende doch öfter laufen. Also vor allem der Aspekt mit den zwei Tagen war mal wieder eine Wohltat.

Wenn ich die vergangenen zwei Tage beschreiben sollte würde ich sagen...unbeschreiblich

Samstag, 05.04.2014

Fangen wir mal an mit Freitag. Morgens zwei Stunden "Obschestvoznanie" und danach "o Be Sche", damit ist der Schulteil auch schon gegessen. Ich fuhr heim, frühstückte (also Fleisch mit Kartoffeln kann man vielleicht auch eher als Mittag zählen), räumte ein bisschen auf, "saß" im Internet (dieser russische Ausdruck ist irgendwie cool) und spielte auf dem Fensterbrett sitzend und den Wechsel von Schneetreiben und plötzlichem Sonnenschein und blauen Himmel beobachtend zig Lieder auf der Gitarre.

Als ich um kurz vor zwei los machte war zum Glück gerade eine Sonnenperiode. Mit dem Bus ging´s zur Metro und nach einem mal umsteigen wartete ich auf einem der Gleise auf Aleksandra. Sie kam natürlich zu spät aber wir waren immer noch pünktlich was, wie wir später alle beschlossen, einfach an unserer "Deutschheit" liegt. Mit Chiara und noch zwei Russinnen von denen eine für drei Monate in die Schweiz geht (um besseres Deutsch zu lernen - die Arme). Als wir in der Marschrjutka saßen rief Shushana an, fragte verzweifelt wohin sie gehen muss und sagte, wir sollten an der Haltestelle auf sie warten. Machten wir dann auch, aber bei Schneefall und Minusgraden macht 20 Minuten auf der Stelle hüpfen auch keinen Spaß. Dann kam sie endlich, mit Marina und Tina (aus Vyborg, also eigentlich aus Österreich und den USA im Gepäck) und ich und Marina legten eine Wahnsinnshow hin als wir 20 Meter auf einander zu rannten und dann (etwas schmerzhaft aber trotzdem cool) aufeinanderprallten und erstmal eine Strahlemanngrinsen-drei-Minuten-Umarmung abzogen. Allen außer Chiara (sie kennt mich halt zu gut) sah man den leichten Schock an, aber was soll´s, merken sie wenigstens gleich, das Deutsche doch nicht soooo spießig sind. Danach ging das Plappern ohne Punkt und Komma los. Mal wieder.

Wir liefen zu einer nahen Bibliothek wo schon Natascha, unsere AFSrussischlehrerin auf uns wartete. Wir fingen an den Raum zu präparieren und nachdem sie die erste Scheu vor dieser AFSenergie überwunden hatten halfen auch Aleksandra und die Russinnen mit. Flaggen und AFSmaterial wurden aufgehängt (unsere musste erst gebastelt werden - mit viel Elan und sogar n zweifacher Ausführung) und dann waren wir bereit.

Erst wurden wir noch schnell rumgeführt doch nachdem einige von Nataschas Englischschülern (sie ist hauptberuflich private Englischlehrerin) sowie Eltern und anderweitig Interessierte eingetroffen waren, wir ein Kennenlernspiel absolviert hatten und noch ein bisschen um den heißen Brei redeten legten wir letztendlich los. Denn heute war das Thema "Kulturendialog" und Chiara, ich, Tina und Marina machten nacheinander eine Präsentation über unsere Heimatländer, unsere Städte usw. auf English. Was ich übrigens noch mehr vergessen habe als mein Sächsisch. Echt nervig, wenn das Wort erst auf Russisch kommt, dann auf Deutsch und sich dann endlich eventuell bequemt dir wieder einzufallen. Wobei sich dann alles natürlich in einen Satz mit hab Russischer halb Deutscher Grammatik fügt unterstrichen von italeinisch angehauchter Gestik. Wunderbar! Ich frage mich, ob ich in Englisch im Moment einen deutschen oder russischen Akzent habe...

Nachdem diese Tortur überstanden war durften alle noch Fragen stellen, auf Russisch, zum Glück! O bozhe, wer hätte gedacht, dass Russisch mir mal leichter, fließender und richtiger kommt als Englisch. Sogar als Deutsch manchmal. ;) Nach zwei Stunde gingen wir zurück zur Haltestelle und ich fuhr mit Aleksandra und Marina ins Zentrum. Wir setzen uns in das Timecafé "Zifrblat" (auch wenn es unserer Nationalität die Bezeichnung "die die nicht sprechen können" enngebracht hat ´war es doch gut, dass wir dei ersten Ausländer in Russland waren) am Ende der Hauptstraße, aßen (drei von einem Teller wobei auch jedes Toast rumgereicht wurde damit wir den ultimativen Vergleich haben) und redeten einfach über Gott, die Welt, Himmel und Hölle, ein Auslandsjahr oder -halbjahr oder -semester, die Russen, Russland, die Wellt und alles was es sonst noch so verwirrendes und diskussionswürdiges auf dieser Erde gibt. Apropos verwirrend - dabei mussten wir ja aber leider Deutsch reden, weil Aleksandra kaum Russisch versteht. Marina hatte zwar ihr cooles österreichisch aber trotzdem ist es total komisch sie Deutsch reden zu hören und auch bei mir kamen öfter mal ein paar russische Wörter rausgerutscht wenn ich ohne nachzudenken antwortete. Aber egal, wir haben halt alle so unsere Probleme. Übrigens mal so eine Erkenntnis nebenbei: Ob man in seiner Muttersprache oder der "neuen Muttersprache" spricht - man ist ein vollkommen anderer Mensch. Ich kann´s nicht so ganz erklären...aber es stimmen mir alle zu also muss was dran sein!

Gegen neun setzten wir Aleksandra in die Metro und fuhren mit dem Bus heim. Ich ließ Marina ins offene Messer laufen, denn als sie mir im Bus...hmmm...nennen wir es mal "nicht ganz so erfreuliche Sachen aus ihrem neuen Leben" erzählte hörten uns natürlich alle Leute in der Nähe zu, erstens, weil sich niemand im Bus unterhält und zweitens, weil wir ausländisches russisch sprechen und als ich ihr dann verbal in den Hintern trat und abschließend meinte "Du schaffst das!" bekam ich gleich Zustimmung von einem jungen Mann neben uns. Marina guckte ihn nur an wie eine Kuh wenn´s blitzt (Sorry Marina, der musste jetzt sein! ;) Für Außenstehende: Marina liebt Kühe, redet tiefsten Dialekt und ist auch noch in manch anderer Hinsicht die Inkarnation einer Klischeeösterreicherin worüber wir uns oft und gerne lustig machen) und meinte entgeistert: "Du hast zugehört?". Darauf ich: "Natürlich hat der alles gehört! Du bist halt noch nie in Piter Bus gefahren, ich nehm dich mal mit im Nachtzug." während der Typ nur schief grinste und etwas von: "Also das machen ja alle so...Ist doch ganz normal oder?!" murmelte (also das ganze lief natürlich auf Russisch, war ich froh wieder normal reden zu können!). Nachdem wir ihm noch bestätigt hatten, dass er unsere Herkunft richtig erraten hat verabschiedete er sich auch schon mit "Auf Wiedersehen" (mal wider jemand der 12 Worte Deutsch kann).

Wir stiegen bald in der Nähe meines Hauses aus, ich ließ Marina die Augen zu machen und wir reisten "in fünf Minuten nach Paris" bis sie vor dem riesigen Wandbild wieder die Augen öffnete. Dann liefen wir an der Neva entlang die sich heute im besten Licht präsentierte und machten nebenbei ein Video. Wenn wir schon mal unsere Deutschfähigkeiten mehr oder weniger wiedergefunden haben wollte Marina das gleich wissen und für ihre Familie und Freunde erzählten wir mal 20 Minuten über Gott und die Welt. (Als wir es später anschauten viel uns aber auf, dass wir erstaunlich oft Russische Wörter einwarfen, bevorzugt Flüche, und Marina mich ständig fragte wie das noch auf Deutsch war...peinlich peinlich....)

Dann liefen wir heim und nachdem sich noch jemand in unsere Wohnung verliebt hatte um danach von meinem Zimmer förmlich erschlagen zu werden (die die mich kennen wissen, dass ich gerne und viele Sachen aufhänge) bedienten wir uns am Kühlschrank-all-you-can-eat-Buffett. So in der Küche sitzend wurde weiter gequasselt, das verlagerten wir bald in mein Zimmer, am Laptop zeigten wir uns noch gegenseitig ein paar Fotos von den Lieben und weniger Lieben daheim und legten uns schließlich ins Bett. Richtig gelesen, wir legten uns hin. Aber das heißt ja nicht, dass wir nicht bis um 3 in der früh weiter reden können.

Um 7:20 wurde ich wie immer von Ira geweckt - selbst schuld, wenn ich ihr nicht sage, dass Shushana uns heute freigestellt hat. Dann pennten wir weiter bis um 9 der Wecker klingelte. Wir beschlossen noch eine dreiviertel Stunde zu dösen. Großer Fehler. Dann gab es ein schnelles Frühstück, noch schneller wurde aller Kram zusammengerafft und wir machten uns auf zur Haltestelle and er uns natürlich gerade die Marschrjutka vor der Nase weg fuhr. bald kam ein Bus und kurz vor elf waren wir in der MEtro. Eigentlich sollten wir um diese Zeit schon an der Metro nahe der Piter-und-Pavel-Festung sein. Man kann halt nicht alles haben. nachdem wir de Rolltreppe runter gerannt sind (500 Stufen ohne Pause) sprangen wir in die Metro. Dort widmete ich mich Marinas faszinierender Frage, warum immer genau in dem Moment eine Metro da ist wenn du kommst - wenn die aller 2 Minuten fahren ist das kein Kunststück. Wir wechselten die Linie und waren nur eine Viertelstunde zu spät an der Metro. Tina kam auch gerade und noch eine Russin war dabei, die für ein Jahr in die USA fährt.

Wir liefen los, erst mal zu dem kleinen Modell von Piter. Fuuuuu, Marina verwechselte die Hauptkathedrale mit einer Bibliothek und Tina wusste auch keinen Namen von gar nichts mehr. Echt mal!

Aber als es weiter ging zur Piter-und-Pavel-Festung verging alles Entsetzten. Ich und Chiara gaben mal wieder mit unserem Piter-für-Insider-Wissen an und zeigten ihnen die riesige Statue von Piter I. auf der ei winziger Kopf, sein Kopf in Originalgröße prangt was ihn wirken lässt wie ein Alien, weiter die Münzfabrik wo alles Geld in Russland herkommt und noch das andere Zeug was Piter der Große da drin bauen ließ um während des schwedischen Krieges allein in der Festung leben zu können. Das beste kam aber noch, Wir gingen durch die meterdicke Mauer und standen an der Neva, erst auf einem gepflasterten Stück, doch dann bogen wir um die Ecke und... ...genau, sahen den wunderschönen Strand mit dem noch wunderschöneren Blick auf die Fassaden der ersten piterer Häuser die zu bauen die Herrscherklasse von Piter I. gezwungen wurde. Das löste dann verschiedene Reaktionen aus - Tina wohnt in Kalifornien am Strand, surft jeden Morgan und war eher negativ während unser Bergkindl Marina sich die Augen aus dem Kopf starrte. Ich bin ja auch eher auf ihrer Seite.

Weiter liefen wir an der Neva entlang zum ersten Haus von Piter I., zur Aurora (dem Kriegsschiff von anno dazumal vorm 1. WK) und zurück, über de Brücke (Faszination als ich ihnen zeigte wo sie sich jede Nacht öffnet) bis hin zu dem Park mit der Gedenkflamme wo wir uns erst mal auf eine Bank fallen ließen. Eine frisch gestrichene natürlich. Wenn man an zwei Tagen alle Sehenswürdigkeiten zeigen will hat man halt kein leichtes Los. Wir konnten uns aufraffen und liefen an der Bluterlöserkirche vorbei zu dem "Pirog"-café.

Wir hatten einen Bärenhunger aber auch wenn wir ziemlich schlangen bemerkten alle ehrfurchtsvoll wie gut russisches Essen doch sein kann. Wir saßen dann noch eine Stunde einfach da während der das Gespräch immer wilder und lustiger wurde. Gegen drei verließen wir das Café, die Russin verabschiedete sich an der Metro und wir 4 Ausländer gingen in die Kasanzkij-kathedrale, der große imposante halbrunde Säulenbau der quasi das Zentrum Sankt Petersburgs darstellt. Dementsprechend laut und unkirchenmäßig ist es darin auch, selbst wenn der Weihrauchduft und die endlose Schlange der Russen die die Marienikone küssen wollen das versucht raus zu reißen.

Nach diesem Kulturschock wollten wir in den Sommergarten. Nur war der wegen Renovierung geschlossen. Verdammte Axt. Also liefen wir ein bisschen durch kleine Gassen, an ein paar der allgegenwärtigen Kirchen und Parks vorbei, kauften im Supermarkt am Wegesrand russisches Eis das wirklich so fettig und superlecker ist und liefen bis zum Nevskij. Wir hatten immer noch Zeit, selbst nach dem Gang ins "Buchgeschäft" welches schon halb zum Souvenirladen mutiert war, und gute Laune, nur unsere Beine wollten nach den endlosen Stunden spazieren nicht mehr so ganz. Viellicht hätte ich mal die Zahl meiner Schritte zählen sollen die ich hier während unserer alltäglichen Stadterkundungs-und-langeweile-spaziergänge mache oder noch besser die Entfernung messen. Ich wette alles zusammen genommen ich wäre so auch locker von Dresden nach Piter und wieder zurück gekommen. Aber egal, ich schweife ab...

Wir setzten uns also in eine der "Kantinen", wieder mal so ein vollkommen untouristisches doch umso besser vollkommen russisches Highlight. 17:15 stiegen wir schlussendlich in die Metro, fuhren zum Leninplatz und suchten den Elektritschkabahnhof. Nachdem Tina und Marina sich ihre Fahrkarte gekauft, ich ihnen ihr Gleis gezeigt hatte (Tina kann nicht so gut russisch lesen, Marina und Chiara bräuchten ihre Brille um auf den Anzeigetafeln was zu erkennen - immer bleibt die Arbeit an mir hängen, mal ehrlich ;D) begann die Verabschiedungszeremonie. Gut, dass nach Zug in 10 Minuten kam, wir hätten das auch auf Stunden ausweiten können aber die Leute haben schon so genug gestarrt fanden wir.

Dann suchte ich mit Chiara die nächste Bushaltestelle und dort am Streckenplan meine Haltestelle. Ich fand "Prospekt Metalistov" und setzte mich frohen Mutes in meinen Bus während Chiara zurück zur Metro ging. Wir fuhren los, die Richtung stimmte, alles gute und ich lehnte mich entspannt zurück und blickte neugierig in den fremden Stadtteil hinaus. Aber dann wurde es doch komisch, da kam "Prospekt Metalistov", wir fuhren auch auf besagter Straße aber meine Haltestelle war es trotzdem nicht. Ich hoffte, dass der Bus mit wenigstens den Gefallen tut und die Straße noch ein bisschen weiter runter fährt aber natürlich bogen wir gleich die nächste Querstraße ab. Schöner Mist. Ich wusste, dass die Metrostation etwas nördlicher liegt als mein zuhause, ich hatte sogar einen Blick auf die Neva erhascht, die Sonne stand abends im Westen zu meiner rechten und nach einem weitern Blick auf die nächste Hauswand wurde meine Annahme, dass ich schon auf der richtigen Straße bin bestätigt - alle Regeln der Logik bestätigten mir also meine Annahme, dass ich nur die Straße weiter herunter laufen muss bis ich nach hause komme. Gedacht, getan. (Mein Stolz als “Piterburschskaja“ hätte mir sowieso verboten einfach mit dem Bus auf der anderen Straßenseite zurück zu fahren)

Vorbei an ein paar abgerissenen Sportplätzen, Sielplätzen und Plattenbauten ging es bis zu einem großen Park. Das kam mir doch schon bekannt vor! Und auch die Spitzen der 15stöcker die über die Baumwipfel ragten kamen mir bekannt vor. Und nach drei Kilometern wurde es wahr - ich war tatsächlich angekommen! Der Wahnsinn. Und dann soll mir noch mal einer mit Blondinenwitzen oder "Frauen haben keinen Orientierungssinn" kommen!

Ausreichen heiter stieg ich die Treppen hoch und startete dann mal wieder diesen tranceähnlichen Kühlschrank-auf-Tupperbüchse-raus-Essen-auf-Teller-Klatsch-Wasserkocher-an-Essen-in-die-Mikrowelle-Te-machen-Essen-raus-BEsteck-suchen-Tee-fertig-machen-und-das-alles-ganz-automatisch-ohne-weiter-nachzudenken-Vorgang. Noch Fragen? ;))

Danach fläzte ich mich in mein Zimmer vor den Rechner, nur unterbrochen von ein bisschen Gitarre spielen und meinen-Freundeskreis-zeichnen (also einfach ein paar Kreise und alle Leute in meinem Leben näher oder ferner vom Zentrum, weiter oder ferner von mir) was so eine Idee von Marinas und Tinas Orientation gestern mit Shushana ist. Jetzt ist es schon Mitternacht und ich hab endlich alles aufgeschrieben was ich euch so mitteilen wollte (arme Leute, die ihr das lesen müsst). Es war einfach eine unglaubliche Zeit! Fast so unglaublich wie die jetzige tiefe Verwirrung in meinem Kopf, weil ich einfach nicht glauben kann, dass ich ein zweitägiges Wochenende habe. und die Tatsache, dass ich gerade mehr oder weniger erfolgreich versuche verständliches Deutsch in die Tasten zu hämmern macht die Sache mit dem Kopfchaos nicht besser. Aber egal, bevor ich wieder abschweife gehe ich mal was essen, schon ganz schön lange her, dass ich die letzte Tasse schwarzen Tee hatte! Suchtpotenzial hoch zehn…

Hiiilfe - Deutsch

Donnerstag, 03.04.2014

Heute war nicht viel los in der Schule. Die erste Stunde frei, danach Mathe, dann zwei Stunden Ausfall die wir im Klassenzimmer absaßen, dann noch mal Mathe und Russisch. Danach fuhr ich gleich ins Zentrum und wartete im "Djadja Fadi" auf Chiara und Natascha. Ich redete ein bisschen mit Fadi und da mischten sich auch seine Freundin und eine andere Russin ein. Die hatten erst nicht verstanden, dass ich Ausländern bin und als ich ihnen dann erzählte, dass ich so sprechen in mehr oder weniger einem halben Jahr gelernt habe konnten sie mir fast nicht glauben. Zu aller Höhe kam dann auch noch Chiara die ja genauso wie ich spricht und das fast alles hier gelernt hat.

Wir saßen dann also alle zusammen in der offenen Küche auf dem Sofa während Fadi rumwuselte und Falaffeln machte. Nach einer knappen Stunde kam auch Kiril und die drei fingen mit ihrer Stunde an während ich ein paar Meter zur Hauptkathedrale lief und dort Sascha (die Kurzform für Aleksandr und Aleksandra) traf. Sie ist eine Freundin von Chiaras ehemaliger Gastschwester (aus der 2. Familie) und nachdem wir mit dieser in der Ermitage waren haben wir auch Sascha kennen gelernt. Sie lernt an der ältesten Schule in Piter - der deutschen Piterschule direkt neben der deutschen Piterkirche. Mal wieder jemand, der von Deutschland und dem ganzen Austauschkram total begeistert ist.

Wir setzten uns in ein aserbaidschanisches Restaurant und ich probierte eine der landestypischen Spezialitäten - eine Art hauchdünner krosser Pfannkuchen mit einer Frischkäse-Sahne-Kräutercreme oder so was drin. Wahnsinnig lecker. Nach einer halben Stunde gingen wir wieder zurück zur Kathedrale und sammelten Alexandra ein. Sie ist aus Berlin, wohnt schon drei Monate in Russland und fliegt in einer Woche nach hause (sie geht auf die Waldorfschule und da kann man so einen dreimonatigen Austausch recht leicht einschieben). Sie kann leider kaum Russisch (und kennt auch Piter nicht wie ich verzwiefelt feststellen musste) also redeten wir die ganze zeit auf Deustch udn Sacha lauschte andächtig, warf nur ab und zu mal ein Kommentar ein oder lies mich etwas übersetzen. Wir gingen erst in das Nobelkaufhaus mit dem sich selbst spielenden Flügel und wollten dann in ein Anticafé was aber leider geschlossen war. Also ging´s gleich zu Sascha heim wo wir Borscht aßen und ein paar Blätterteiggebilde die wir vorher in der “deutschen“ Bäckerei gekauft hatten. Wir redeten also dort noch weiter, bis Saschas Nachhilfelehrer kam. Mit Alexandra trat ich auf die Hauptstraße und…Trommelwirbel…es schneite. Na super!

Wir setzten uns also gleich in unser geliebtes "Pirog"café und ich ließ Alexandra erst mal "Pirog" mit "Tvorog" (einer Art Quark) probieren, der sich als: "der beste Kuchen den ich in Russland gegessen habe" herausstellte. Nach einer halben Stunde kam noch Katja dazu und weiter ging es auf Deutsch, jetzt etwas langsamer. Ich glaube Alexandra hat in den 5 Stunde heute mehr über Piter, verrückte Austauschschüler und den russischen Charakter erfahren als in den ganzen drei Monaten zusammen. Ach und natürlich hat sie sich in AFS verliebt und gemeint, warum sie nicht mit unserem Programm gefahren ist. Aber naja, für all das bin ich ja jetzt Behelfsvolu oder? ;)

Um neun verließen wir dann das Café, setzten Katja an der Metro ab und suchten einen Handyladen, da Alexandras Ladegerät für ihr iPhone kaputt gegangen ist. Und iPhone hat da ja so seinen eigenen Stecker. AM Ende der Hauptstraße fanden wir schließlich das Kabel und nachdem wir ewig auf die Verkäuferin warteten, damit sie den Haken entsicherte. Dann brachte ich Alexandra noch zur Metro und erklärte wie sie jetzt nach Kupchino (der schlimme Bezirk in dem Chiara auch wohnt) kommt und lief dann selbst zu meiner Haltestelle. Ich verpasste den Bus um 2 Minuten und lief drei Stationen weiter bis zur Metro, dort gab es zum Glück eine Marschrjutka in meine Richtung. Jetzt war es schon zehn, halb elf war ich endlich zuhause. Puh.

Ach so, und mal so ein Kommentar zu meinem Deutsch: Ich kann immer noch labern und labern und labern als gäbe es kein Morgen aber ich habe dabei eine italienische wilde Gestik drauf, mein Sächsisch ist mir vollkommen abhanden gegangen, wurde aber von einem Wessi-Berliner-Russisch-Mischakzent ersetzt und wenn man mich was fragt und ich schnell antworte ohne Nachzudenken kommen die erste Wort auf Russisch raus bis ich´s merke. Ich würde mal sagen gute Aussichten für die nähere Zukunft. :))

Zum Hilfsvolunteer befördert

Mittwoch, 02.04.2014

Mittwoch ist doch ein wunderschöner Schultag - zwei Stunden Physik und heim. Ich habe mich auch nützlich gemacht und Schokopudding gekocht. Die Hälfte in eine Tupperbüchse, 2 Tassen voll und den Rest verdünnt zu heißer Schokolade - sehr produktiv muss ich sagen. Danach bildete ich mich mal ein bisschen und schaute "The Green Mile" auf Russisch. Ich kannte den zum Glück schon, so hochgestochenes Russisch ist doch auf die Dauer ein bisschen anstrengend.

Halb drei saß ich im Bus und traf Natascha und Chiara an der Isaaks-Kathedrale nachdem ich im Bus noch den letzten Rest Hausaufgaben erledigt hatte. Natascha führte uns zu einer der "Kantinen" und wir genossen mal wieder die Vorzüge der billigen und trotzdem leckeren russischen Küche. Nebenbei wurde Pudding vertilgt, natürlich gelabert was das Zeug hält und Natascha startete einen ganzen Fragenmarathon über "Germanii". Aber bei Sachen wie "Was ist so auf der Werteskala das wichtigste in Deutschland?" oder "Was machen Deutsche eigentlich so am Wochenende?" kamen dann doch ziemlich viele "Ähm"s und "Hmmmm"s von mir. Egal, bin halt nur noch so halb deutsch. ;)

Danach liefen wir zusammen zur nächsten Metro und Chiara und ich fuhren zu Natascha. Die "Russischstunde" begann erst mal damit, dass wir einen Plan fürs Wochenende erstellten einschließlich verschiedene Energizer vortanzen. Was tut man nicht alles, wenn Chiara und ich jetzt schon zu den Behelfsvolus für Marina und Thena (den HalbjahresAFSern in Vyborg) erhoben wurden. Aber es stimmt ja, wir haben das ja schon alles durch was die gerade erleben.

Dann fingen wir doch noch mit der Stunde an. Wir hatten gerade die Hausaufgaben fertig vergleichen, da kam schon eine Schülerin von Natascha. Verquatscht. Wir bekamen also noch schnell 3 Aufgaben für daheim (Wow, so wenig wie noch nie...) und durften schon gehen. Anderthalb Stunden, eine Busfahrt, etliche Metrostationen und eine Marschrjutkafahrt später war ich zuhause und aß erst mal zu Abend.

Jetzt bin ich grade dabei den Leuten in Vyborg auch noch alles zu verklickern was wir heute mal so entschieden haben. Wird also noch ein langer Abend. :))

Soll das ein Witz sein?!

Dienstag, 01.04.2014

Der erste Schultag begann grausam auf dem Schulweg in der überfüllten Marschrjutka. Danach drei Mal Geometrie und Physik. In Doppelenglisch wurde es seiminteressant. Jana fragte mich ob ich mich neben sie setzte und so saßen wir in der letzten Reihe, ganz rechts, so weit von der Lehrerin entfernt wie möglich. Dort machten wir dann auch vorhersehbarerweise wenig. Also einfach lösten alle Aufgaben.

Danach war die Schule zum Glück schon aus und in strahlendem Sonnenschein konnte ich trotz stetem Schneefall die 20 Minuten ertragen die ich auf den Trolleybus warten musste. Der war dann wie absehbar so voll, dass ich die gesamte Fahrt an eher nicht öffentlichkeitstauglichen Körperstellen sehr viel Kontakt mit sehr vielen Menschen hatte. Aber wenn ich jetzt anfange mich über öffentlichen Nahverkehr in Russland zu beschweren sitzen wir wahrscheinlich morgen noch hier, also weiter im Text.

An der Issaks-Kathedrale traf ich Natascha und Chiara. Wir gingen Nevskiy entlang bis zu einem unserer Lieblingscafés neben der Hauptkathedrale wo man den russischen "Pirog" kaufen kann. Wir setzten uns in den wie immer bis auf den letzten Platz belegten Raum und schon ging das Geschnatter los. Natascha hatte eigentlich nur eine halbe Stunde bevor sie sich mit ihrem Freund treffen wollte aber dann redeten wir uns genau da fest. Das ist jetzt vielleicht kein so appetitliches Thema aber ich muss damit jetzt einfach mal raus: Die Erkenntnis des Tages - in Russland gibt es keinen Aufklärungsunterricht. Das erscheint jetzt vielleicht komisch aber nachdem ich Natascha dann heute im Endeffekt 2 Stunden lang erklärte habe wie das mit den Bienchen und Blümchen denn jetzt so funktioniert, was die Pille und so ein paar andere Sachen in der Richtung sind und über welche Sachen (AIDS usw.) man sich mal Gedanken machen sollte sitzt der Schock echt tief. Aber nachdem die Arbeit getan war und mein Bauch vor lauter Lachen weh tat (nicht mal wir können bei so ´nem Thema ganz sachlich bleiben versteht sich) scheuchte ich sie doch zur Metro. Manchmal kommt die deutsche Pünktlichkeit halt durch, wenn auch verspätet. (Ja, ich weiß, dass das wenig Sinn ergibt.)

Mit Chiara die zu der ganzen Sache relativ wenig beizusteuern hatte redete ich dann noch über ein paar erfreulichere Dinge (einschließlich meines Aprilscherzes - ich veräppelte sie so richtig als ich sage Shushana schickt mich eher heim) bis wir schließlich wider zum spazieren aufbrachen. Entlang der Hauptstraße aber ans nicht so bevölkerte Ende. Dann kam auch schon mein Bus und wir verabschiedeten uns. Schon wieder Berufsverkehr. Der verlängert die halbstündige Fahrt auf 1:15h. und der stätige Schneefall vorm Fenster hob meine Laune auch nicht gerade.

Zu Hause klaubte ich die letzten Reste von "Babuschkas" Essen aus dem Kühlschrank und starrte mit meiner Teetasse in der Hand missmutig aus dem Fenster wo jetzt ein richtiger Schneesturm tobte. So viel zu dem Aprilscherz für mich.

komplzierte Wörter mit F - Frühling, Familienbesuch, Fahrbahnüberlastung, ...

Montag, 31.03.2014

Um den letzten Ferientag gebührend zu begehen schlief ich noch mal bis um 10 aus. Was eine Wohltat. Danach Russischhausaufgaben: Aufsatz zum Thema "Russland und seine Leute", so einfach und doch so schwer in Worte zu fassen. Halb eins verließ ich das Haus und setzte mich in meinen Lieblingsbus (weil man hier schwarzfahren kann bis zur Metro). Heute war also der Tag gekommen an dem endlich der lang ersehnte Strandausflug stattfinden sollte. Schon als ich das Haus verließ war es recht kühl und die blaugraue dicke Wolke war mir komisch vorgekommen aber ich hatte es nicht glauben wollen. Bis es nach 2 Minuten im Bus tatsächlich anfing zu schneien. Fuuuuu!

Ich stieg zum Glück gleich um in die Metro und musste das Elend so nicht länger ertragen. Unterm Zentrum wechselte ich die Linie und wie so die Metro an mir vorbei rauschte bevor sie endlich zum stehen kam erhaschte ich einen Blick auf Chiara, also Sprint vom Ende der Plattform und unter leicht befremdliche Blicken ließ ich mich neben Chiara auf die Bank plumpsen die wahrscheinlich den Schock ihres Lebens bekam. Wir fuhren noch eine Station zusammen dann setzten wir uns auf eine Bank und warteten. Wetteten wann Anya kommen würde und reifen schließlich nach einer Viertelstunde schon mal vorsorglich an. Guter Plan - sie hatte es natürlich vergessen.

Also quälten wir uns die längste Metrorolltreppe Russlands hoch (und das dauert so seine 5 Minuten), kauften draußen vor der Station bei einem der vielen Straßenhändler eine Kilokiste Kekse (in weiser Voraussicht - wir wissen ja noch wie das in Chiaras erster Familie immer so ist) und liefen die paar alt bekannten Meter. Zuhause machte Anyas Mutter uns die Tür auf. Sie war gerade aus Moskau gekommen, die Großmutter war auf Dienstreise, der Vater Gott-weiß-wo und sie hatten 200 Rubel für die nächste Woche. Da kamen wir ja gerade recht. In der Küche wuselten auch noch 2 Mädchen rum, Freundinnen von Anya die spontan übernachtet hatten. Bald kam Anya aus der Dusche und auch die Suppe war fertig. Wir ließen es uns schmecken (die beiden Mädels kochen echt gut) und anschließend verdrückten wir zu viert bei einer Tasse grünem Tee (leider billiger als schwarzer) ein paar Zigaretten für dei die wollten ein Kilo Kekse während Anya wartete, dass der Whisky den sie auf dem Fensterbrett vergessen ahatte auftaut und ihre Mutter am PC arbeitete.

Dann setzten wir uns in das Zimmer des Vaters welches Anya kurzerhand auch belegt hatte, die drei Mädels schminkten sich und weil wir gerade nichts besseres zu tun hatten flocht Chiara mir die Haare, bekam aber nur einen ziemlich miesen Versuch zustande. Dann war ich dran und ich machte ihr so ein Oktoberfest-trifft-Julia-Tymoshenko-rund-um-den-Kopf-Zopf.

Wie wir so auf dem Fensterbrett saßen, der Schnee vor sich hin rieselte und wir den Wind vom Meer her toben hörten beschlossen wir, dass es heute wohl doch nicht zum Strand geht. Also spazierten wir einfach ein bisschen. Bald bogen wir in einen Hinterhof ab und auch der Freund eines der Mädchen kam dazu. Da wurde erst mal die vergangene weinvernebelte Nacht ausgewertet und der Plan geschmiedet jetzt auf eines der Dächer zu gehen. Das ist recht einfach wenn auch illegal, macht aber einen Heidenspaß. Chiara und ich wechselten nur einen Blick und wussten, dass wir trotzdem nicht mitgehen. Zum mindest nicht auf dieses Dach. Das endet ja doch nur an den ersten Schornstein gelehnt und Kippen tauschend.

Also verabschiedeten wir uns, versprachen uns bald mal blicken zu lassen und spazierten in die andere Richtung davon. Es ist echt schwer im Zentrum eine Straße zu finden die wir nicht schon tausendmal gegangen sind und selbst wenn wir extra versuchen anders abzubiegen kennen wir auch dort schon alles. Was soll´s, eigentlich ja ein gutes Zeichen. redeten wir uns zum mindest ein als wir in einem weiten Bogen Richtung Metro stiefelten.

Ich wartete auf meinen Bus der am letzten Ferientag plus abendlichen Berufsverkehr natürlich hoffnungslos überfüllt war. Halb über einen Kinderwagen springend (natürlich nachdem ich das Baby vorher noch ausreichend belustigt hatte) mit grausamer "Kosakenmusik" (die Touristensaison eröffnet auch die Saison der schlechten Straßenmusiker) im Ohr erkämpfte ich mir einen Platz und ließ mich erschöpft nieder. Dieses spazieren gehen ist ja eigentlich echt cool...aber irgendwie nach ein paar Stunden auch verdammt anstrengend!

unwiderruflich Frühling - alle spielen verrückt

Sonntag, 30.03.2014

Halb zwölf wurde ich unsanft vom nervtötenden Klingeln meines Handys aus dem Schlaf gerissen. Aber wenn das erste was man hört ein "Dobroje uuuuutro!" mit italienischem Akzent ist und einem sein Tagesplan mitgeteilt wird ist man doch gleich versöhnlich gestimmt.

Noch eine halbe Stunden pennen, dann in einer Viertelstunde frühstücken (Kartoffeln, Fleisch und Syrniki mit "Chai") und halb zwei war ich in der Stadt. Chiara kam natürlich 20 Minuten zu spät. Haaaach, warum hab´ ich mich noch mal so beeilt? Egal, wir liefen gleich los Richtung "Mohalovskij sad", also der Garten hinter dem ehemaligen Palast der heute das "Russische Museum" beherbergt. Dort setzten wir uns erst mal auf eine Bank in die Sonne und werteten die zwei vergangenen Tage aus. Unglaublich, aber das nahm echt eine knappe Stunde ein! Dann liefen wir die paar Meter weiter zum "Mihalovskij samok", dem nächsten Palast bzw. Schloss. Nachdem wir ein paar Minuten einfach nur gaffend im Burghof standen gingen wir in das Schloss in dem es wirklich wie in einem Labyrinth ist, wie man sich das eben vorstellt. Mit wunderschönem Ausblick auf den Sommergarten und (natürlich) einem Kanal wandelten wir durch die kleinen Gänge, großen Hallen, vorbei an Gemälden der Dynastie um Piter I., Ekaterina I. und II., die Fydorer bis hin zum letzten Zaren Nicolai II.

Wir traten raus und sahen uns einer tiefgrauen Gewitterwand gegenüber. In die andere Richtung war heiter blauer Himmel und Sonnenschein. Wir wussten also wo´s lang geht. Durch Seitengassen ging es bis hin zum "Marinskiy teatr" (das sind so 3km) was bei dem Wetter echt gut tut. Und das es wirklich und wahrhaftig Frühling geworden ist merkt man neben dem Wette rauch noch an zwei Sachen:

1. Auf Nevskiy wird man von Touristenmassen überrollt und fast tot getrampelt.

2. Die Leute spielen verrückt. Also fast alle Russen laufen in mehr oder weniger komischen Klamotten rum - von lila Cowboyhut oder 10farbeigen Dredlocks bis hin zu Ganzkörperhünchenkostüm oder kleinen Elfen.

Dann saßen wir ein paar Sunden in unserer Lieblingskantine (de sind hier öffentlich, deswegen kriegt man das Essen so billig) und machten mal wieder Pläne. Eine Italienerin, eine Deutsche und ein paar Russen in ein und demselben Plan - viel Spaß! Gegen sechs spazierten wir weiter, durch einen nahen Park bis hin zur Ermitage. Die war heute geschlossen und viele Parcoursläufer, Skater, Breakdancer und selbstverständlich ein endloses Touristenmeer hatten sich hier versammelt.

Durch ein paar Hinterhöfe ging´s weiter bis zur Hauptstraße und rein in die Metro, Chiara absetzten und dann fuhr ich mit dem Bus heim. Endlich mal wieder ganz einfach, schnell, billig - verflixt und zugenäht bin ich froh wieder in der Stadt zu wohnen! Bal kamen Ira und Marina heim und wir aßen zusammen. Gab ja ein bisschen was zu erzählen.

Familientag

Samstag, 29.03.2014

Samstagmorgen hieß es ausschlafen bis um 12:00. Herrlich! Danach frühstückte ich während Julia schon dabei war das Mittagessen zu kochen. Bald kam noch Vanja dazu was das Gespräch erst so richtig in Gang brachte und zusammen vertilgten wir Weißbrot und süße Milch. Auch der Vater kam kurz rein. Wie ein richtiger Russe nahm er nur die Büchse süße Milch und kippte die Hälfte in einem Zug runter. (Wir haben das auf unserem Vorbereitungswochenende probiert und sind fast gestorben). Richtige Russen machen das so. und er ist ja auch noch bei der Armee wo "Skjuschjionka" nach wie vor Hauptnahrungsmittel ist und nur mit den weißen Bären geteilt wird. (Ernsthaft!)

Kurz darauf gab es auch schon Mittag. Suppe mit Hähnchen und Kartoffelstücken, danach Kartoffeln mit Hähnchen in Paprikasoße. Ein Hochgenuss! Dann fing Julia mit dem Kuchen an für den wir die Zutaten gekauft hatten. Ich sagte ihr an was nacheinander vermischt werden sollte und sie legte mit dem Schneebesen los. Auch Vanja sollte mal übernehmen aber der war in seiner entspannten Art langsamer als wenn wir gewartet hätten, das der Teig sich selbst mischt. Also übernahm ich dann mal das Ruder und fing gleich mit der besten Aufgabe an - 2 Schokoladentafeln mit einem Messer in kleine Stücke "raspeln". Dann wieder mischen. Noch Rotwein dazu und endlich war es vollbracht. In einer sehr merkwürdigen, sehr großen und sehr flachen Metallform brutzelte unser Rotweinkuchen dann über der Gasflamme und einer Schüssel Wasser vor sich hin. Ich nutzte die Chance mich in mein Zimmer zu verdünnisieren. Ich weiß nicht, wie den Beiden nie diese richtig schlauen Fragen über Deutschland ausgehen. Aber ich kann sie auf Russisch beantworten, ohne Probleme. :D

Nach kurzer Zeit kam Julia  und holte mich in die Küche in der schon ein wunderbares Duftgemisch aus Wein und geschmolzener Schokolade in der Luft hing. Zu dritt fielen wir über den Kuchen her und aßen gleich die Hälfte. War aber auch verdammt lecker! Selbst wenn ich mit meiner Schnupfennase nicht so viel geschmeckt habe. Ich sollte echt öfter mal wieder was backen oder kochen. Jetzt fühlte ich mich schon ziemlich kugelig und auch die anderen waren endgültig satt (Vanja passte natürlich genau diesem Moment für die Frage ab, ob wir in Deutschland eigentlich mehr oder weniger essen - gleich viel!) und verzogen uns in unsere Zimmer. Ich hatte keine Ahnung was ich jetzt mache aber das erübrige sich von selbst. Wenn du deinen Computer anmachst und Skype sich automatisch einloggt hat man diese Langeweileproblem nicht mehr. So fand sich gleich meine beste Freundin die in den USA gerade aufgestanden war und wir redeten eine Stunde. Dann platzte Julia rein und sagte ich solle mich fertig machen. Zehn Minuten später war ich aus den Schlumperklamotten raus und PC, Klamotten und sonstiger Kremple waren im Rucksack. Wie Chiara immer so schön sagt - für eine Deutsche sind zehn Minuten länger als für normale Leute. Letzteres ist auf Russen und Italiener zu münzen.

Mit Julia stieg ich zu ihren Vater ins Auto der mich auf dem Weg zum Flughafen (er ist Armeepilot) bei der Elektritschkahaltestelle rausließ. Auf dem Vorplatz halten auch alle Marschrjutkas, meine fuhr mir natürlich vor der Nase weg. Also wartete ich zwischen all den Taxifahrern und Müllhäufchen. Augen zu, Sonne im Gesicht und schon ist das ertragbar. Danach fuhr ich eine halbe Stunde heim.

Kaum angekommen machte ich den Kühlschrank auf und verbeugte mich gen Osten, da wo Babuschka wohnt. Denn es waren schon Fleisch, Kartoffeln, Blumenkohl und Syrniki da. Dazu schwarzer Tee. Heim kommen ist doch gar nicht so schlimm. Dann setzte ich mich gleich wieder vor den Rechner und weiter wurde gequatscht. Chiara fing bald an Druck zu machen, weil Anja mit der wir am nächsten Tag an den Strand wollten nicht antwortete. Ich meinte man könne doch noch ein bisschen warten, bis mir auffiel, dass es ja schon fast Mitternacht ist. so ein Zeitunterschied von läppischen 8 Stunden kann einen schon ein bisschen aus dem Konzept bringen. Ziemlich bald beschlossen wir dann auch, dass 5 Stunden erst mal wieder genug sind und dass wir noch was schaffen müssen - Hausaufgaben bzw. schlaaaaaafen.

Selbst in Piter können einem die Ideen ausgehen

Freitag, 28.03.2014

Um 8:30 klingelte der Wecker. Und 8:35 wieder. Und 8:40 wieder. Und im Fünfminutenakt weiter. Ein letztes Mal 9:40. Jetzt konnte ich mich doch endlich aus dem Bett quälen. Ein Hoch auf Ferientage! Nachdem das Sofa eingeklappt, das Bettzeug im Bettkasten und mein ganzer Kremple im Rucksack verstaut war stöberte ich mal in der Küche. heute gab es wieder die Sparvariante - schwarzer Tee und weißes Brot. Besser als gar nichts.

Dann fuhr ich in die Stadt. Be den frühlingshaften Temperaturen, mit der Sonne im Gesicht kann man sich nicht mal über 40 Minuten in der Marschrjutka aufregen. Mit gefühlt tausend anderen Leuten stieg ich unterm Dach des Busbahnhofs aus und wurde mehr in die Metro geschoben als das ich dorthin lief. Bin ich froh, dass ich mir keine Marke mehr kaufen muss sondern gleich mit Karte durchs Drehkreuz kann. Auf der Rolltreppe fühlt man sich auch eher wie in einer Sardinenbüchse. Aber bei 2 Minuten Fahrt hat man ja genug Zeit es sich bequem zu machen.

Nach dem täglichen anderthalbstündigen öffentliche-Verkehrsmittel-in-der-Metropole-Abenteuer stieg ich an einer weniger bevölkerten Station am Ende der Hauptstraße aus und wartete auf Chiara. Zusammen traten wir raus in den Sonnenschein und gingen zum größten, ältesten und wichtigsten Friedhof in Sankt Petersburg. Davon wird so oft in der Schule geredet, da mussten wir uns das mal zu Gemüte führen. Es war wirklich recht interessant. Von gemeißelten Kinderwiegen bis hin zu verbogenen, halb zerfallenen hundert Jahre alten orthodoxen Kreuzen oder sowjetischen Sternen war jegliche Art von "Grabstein" vertreten. Das alles befindet sich im riesigen Innenhof verschiedener aneinander gemauerter alter Gebäude auf einer kleinen Insel zwischen ein paar Kanälen. Zu den Gebäuden zählte natürlich auch eine orthodoxe Kirche. Jetzt wo man keinen Schal mehr umhat holten wir uns gleich ein Tuch zum um den Kopf binden (dieser Mythos von der Babuschka mit geblümten Kopftuch ist wahr) und betraten (allerdings ohne dreimaliges bekreuzigen) den Kirchenraum. Wir waren gerade in eine Messe reingeplatzt. In einem Sprachgesang trug der Priester zum Altar gewandt und in ein prachtvolles Gewand gehüllt die Messe vor. Begleitet von einem Chor die die Worte aufnahmen und am Kopfende des Kirchenschiffes leise murmelten. Anders als in "unseren Kirchen" gibt es in den orthodoxen ja keine Bänke. Alle Gläubigen stehen im Mittelgang. Aller zwei drei Sätze verbeugen sie sich gleichzeitig mit dem Priester, bekreuzigen sich dabei und murmeln mit. An besonders ergreifenden Stellen lässt man sich auch auf dei Knie sinken und bekreuzigt und verbeugt sich ebenso.

Wir stellten uns mittenrein, den Kopf gesenkt. Solange man ein Kopftuch aufhat und sich einigermaßen respektvoll benimmt stört es auch keinen, dass wir das bekreuzigen und verbeugen auslassen. An der Seitenwand liefen wir wieder zum Ausgang, hier wo die ganzen Bilder, die Ikonen, Särge und Kerzen stehen, der Weihrauch verbrannt wird und einige Leute ihre Familienheiligen oder Lieblingsikonen anbeten herrscht schon wieder eine ganz andere, viel weniger geschäftige Atmosphäre.

Nach erneutem Nichtbekreuzigen verließen wir die Kirche und den Friedhof. Was also machen? Erst mal ordentlich frühstücken Vor der Metro stand ein Bäckerwagen wo man auch Pizza kaufen konnte. Unter Chiaras kritischem Blick genehmigte ich mir während wir auf Nevskij zusteuerten ein paar Bissen. Kaum am "Ploshad Vostanija" also dem Platz des Aufstandes mit dem Hauptbahnhof angekommen der das Ende der Hauptstraße markiert wandten wir uns wieder vom Zentrum ab und liefen die große Straße die in den Süden der Stadt führt hinunter. Hier fanden wir bald einen kleinen Park, setzten uns auf eine wacklige Bank in die Sonne und verspeisten die Pizza. Wir konnten unsere Beine dann doch noch zum weitergehen bewegen und schon bald erreichten wir unser eigentliches Ziel. Das Künstlerhaus "Etazhi". Hier gibt es in jeder Etage einen oder zwei Geschäfte in denen richtig schöne handgemachte Sachen angeboten werden. Wir stöberten uns ein bisschen durch und gelangten schließlich in die vierte Etage, hier gibt es eine Bar und ein Café mit Außenterasse und wunderschönem Blick über die Stadt. Teatime.

Dann liefen wir zurück. überquerten die Hauptstraße und machten uns durch ein paar Seitengassen auf den Weg zum "Letnij sad", dem Sommergaren. Endlich mal halbwegs abgasfreie Luft. Was eine Erleichterung. So lümmelten wir ein bisschen in der Sonne rum und liefen schließlich zur Metrostation auf Nevskij. Es war zwar erst um 4 aber Chiara musste schon los, also fuhr ich auch heim. Zu so früher Stunde kriegt man sogar noch einen Sitzplatz. Luxus pur.

Um fünf war ich also schon zuhause und hatte genug Zeit mich aufs Sofa zu lümmeln und "Der Baader-Meinhoff-Komplex" zu schauen. Sehr zu empfehlen. Vorallendingen auf Russisch mit grauenhafter Synchronsprechung. Aber was soll´s, wenn man hier schon auf vk (dem russischen facebook) kostenlos Filme schauen kann.

Gegen neun kam Julia heim, mit Vanja machten wir "Chai" und arbeiteten einen Kriegsplan aus. Halb elf waren wir zu ersten Entscheidungen gelangt - Rotweinkuchen, nach dem Rezept von Julias deutscher Gastfamilie. Nur blöd, dass man hier nach zehn keinen Alkohol mehr kaufen darf. trotzdem zogen wir drei los zu einem Supermarkt der bis Mitternacht geöffnet hat und kauften schon mal alles was wir brauchten. Zurück liefen wir natürlich in der Mitte der Straße. Fragt mich nicht warum, dass machen einfach alle so.

Wir beschlossen, dass es schon ein bisschen spät ist noch irgendwas anzufangen und legten uns nach einem weiteren "Chai" bald schlafen. Gelungener Tag! Wenn auch leider schon der vorletzte hier. Also ich kann sagen, dass es in so einer russischen Kleinstadt eigentlich gar nicht so schlimm ist, gerade in der Nähe von Piter. Bloß der Weg ist nervig. Und selbst wenn der Nahverkehr her eigentlich billig ist habe ich in gerade mal 5 Tagen 1500 Rubel (30 Euro) auf den Kopf gehauen. Und ungefähr noch mal die Hälfte für Essen. Aiaiaiii...

AFSlastig

Donnerstag, 27.03.2014

Donnerstagfrüh war dann letztendlich doch noch unsere Russischstunde. Ich traf Chiara 11:30 in der Metro am südlichen Stadtrand und 20 Minuten später stiegen wir bei Natascha daheim as der Marschrjutka. Sie hatte heute frei und öffnete uns mit Kochlöffel in der Hand, Schürze um den Bauch und Lockenwicklern im Haar die Tür. 5 Minuten später war sie dann aber auch fertig und ganz zivilisiert saßen wir im Wohnzimmer und fingen mit dem Genitiv Singular an. Theoretisch ist das ja alles ganz logisch aber wie soll ich mir bitte für jedes Geschlecht und jeden Fall im Plural und Singular die erschiedenen Endungen merken und die dann auch noch richtig anwenden also lernen welches Verb und welche Frage welchen Fall erfordert?! Also so vor sich hinschwafeln ist ja einfach aber damit, auch grammatikalisch richtig russisch zu reden haben wir noch ganz schön Arbeit vor uns.

Nach anderthalb Stunden in denen wir aber mehr über Krim und unser Leben so allgemein sowie di anstehenden zu planenden AFSevents gesprochen haben als über russische Grammatik setzten wir uns in die Küche und bei Frühstück/Mittagessen mit Fladenbrot und Marmelade sowie Honig zum didschen und natürlich "Chai" ging das Gerede weiter. Wirklich keine gute Idee drei so verrückte optimistische Leute was planen zu lassen.

Um zwei fuhren Chiara und ich schließlich ins Zentrum. Wir spazierten ein bisschen, warteten, spazierten wieder und trafen schließlich doch endlich Shushana. Wir setzten uns in mein Lieblingscafé und zwei Stunden erzählte sie von Sochi und wir in kürzester Kurzform von unserem Monat hier. Halb sechs verließen wir das Café und liefen zum Ende der Hauptstraße, Richtung Metro. Shushana wollte hier einen Freund treffen der aber zu spät kam, also gingen wir kurzerhand in ein paar Geschäfte. Sie fliegt in 2 Wochen zu einer internationalen AFSvolunteerversammlung in der Türkei und wollte Shorts und Tops kaufen - ohne Erfolg natürlich. Dabei haben wir jetzt schon jeden Tag 15°C und Sonnenschein!

Kurz darauf saßen Chiara und ich dann aber doch in der Metro und ich kurz darauf im Bus heimwärts. Wie immer starrte ich gebannt aus dem Fenster, doch egal ob Paraglyder, brennende wiesen oder eine halb mumifizierte Hundeleiche zwischen all dem anderen Müll im Straßengraben, bei den Pendlern rief das nicht mehr als einen manischen blick oder eine erhobene Augenbraue hervor.

Kurz nach mir kam auch Julia heim, zusammen mit Vanja saßen wir dann wieder lange und haben geredet. Viel über Politik, viel über Deutschland (super Fragen, wie z. B. ob wir Bäume im garten haben, was außerhalb der Stadt ist wenn es schon keinen Wald gibt, wie viel Bier kostet oder ob wir wirklich so viel sparen) und viel über irgendwelchen Schwachfug. Aber lustig ist es immer.

Pavlovsk - Park, Schloss, Straßenhändler, alles was man braucht zum glücklich sein

Mittwoch, 26.03.2014

Heute Morgen quälte ich mich schon um 9 aus dem Bett um nach meinem gewohnten Beuteschema in der Küche ein Frühstück zusammenzustellen (süße Milchcreme, Weißbrot und "Chai"). Kurz nach zehn stand ich auch schon an der Haltestelle und ab ging´s Richtung Stadt. Musik auf den Ohren, das Gesicht ans Fenster geklebt, die Augen starrend auf die einfach so fürchterlich typisch russische Außenwelt gerichtet. Also alles wie immer.

Halb zwölf war ich dann in der Stadt. Also in der Metro unterm Zentrum, Hier wartete ich auf Chiara doch kurz bevor sie eintraf rief Natascha an und sagte unseren Unterricht für heute ab. na toll! Also hieß es schnell einen neun Plan machen. Also schneeee...eee...*gähn*...eeell. Um zwölf nach einigen Hin-und-her-überlegungen und der erfreulichen Entdeckung, dass es sogar hier kostenloses Wifi gibt stand der Plan: mit der Metro ein paar Stationen, dann zu Fuß weiter Richtung Bahnhof. Auf dem Weg erst mal an einem der Runden kleinen Läden an der Straße anhalten und Pirog (also ein Kuchenteig in den quasi alles gefüllt wird) mit “Quark“füllung kaufen. Also irgendwie so was in der Art.

Dann waren wir in der Station, mussten aber noch eine knappe Stunde auf die nächste Elektritschka warten. Wir stellten uns also vorsorglich schon mal an. Und als wir endlich dran waren erfuhren wir, dass diese Schalter nur für internationale Züge sind. Also in ein anderes Stockwerk gerannt und da fanden wir dann unseren Schalter. Wir kauften für 40 Rubel eine Fahrkarte nach Pavlovsk und zurück und setzte uns in die Elektritschka. So weit, so gut.

Als wir dann 40 Minuten später in Pavlovsk aussteigen hatten wir selbstverständlich erst mal keinen Plan wohin es jetzt gehen soll. Wir liefen also eine kleine Runde durch die Stadt und entdeckten bald den Eingang zum Park. Denn wie so viele der kleinen Städte rund um Piter gab es auch hier zuerst nur ein Schloss mit Park, erst nachher ist dann ein Dörfchen herum gewachsen. Also rein in den gigantischen Park. Zuerst sahen wir ein paar "Gartenhäuser". Also Gebäude mit hohen Säulen, Stuckverzierungen und allem drum und dran, mehrere Stockwerke hoch und von Gärtchen gesäumt. Dann entdeckte ich ein paar Kinder auf einem Fluss spielen. Da mussten wir natürlich hin!  Luftblasen, konservierte farblose Blätter, Fliegen - in dem Eis kann man so ziemlich alles finden

Weiter über ein paar Brücken und sich windende Waldwege kamen wir schließlich an besagtem Schloss an. Auch den Schlossgarten führten wir uns zu Gemüte und spazierten noch ein bisschen auf Trampelfaden kreuz und quer durch den Wald.

Schließlich war es um fünf und wir langsam hungrig. Also gingen wir aus dem park bis zu Elektritschkastation. Dort hatten sich schon ein paar Straßenhändler angesiedelt und wir kauften uns wieder Priog. Diesmal mit Kartoffeln und Äpfeln. Nahe des Parkeingangs fläzten wir uns auf eine Bank und verspeisten im warmen Sonnenschein unser Mittag. Dreiviertel fünf kam dann schon unsere Elektritschka und wir fuhren wieder Richtung Stadt. An der vorletzten Station hatte Chiara einen kleinen Aussetzer und meinte das wäre schon unsere. Ich war noch dabei sie zu überreden, dass das doch noch gar nicht zentrumsmäßig aussieht aber sie stand schon auf dem Bahnsteig. Und die Türen gingen zu. Da-da-da-dam. Weltuntergangsgesichter.

Aber zum Glück ging die Tür gleich wieder auf. *Uff!* Und nach weiteren 5 Minuten waren wir endlich wirklich in der Stadt. Schon komisch, dass einem so eine Metropole viel weniger beängstigend und einfacher vorkommt also so ein Dörfchen. Aber als wir dann wieder drei Minuten auf der Rolltreppe standen waren wir uns einige, dass sich das ganze definitiv gelohnt hat! Muss man glatt im Sommer noch mal hin fahren...

Ich quetschte mich dann in die Metro, ich war die letzte und wurde ziemlich gegen die Tür gepresst. Ich frage mich wie das wohl für kleine Leute sein muss. Aber nach einer Station wechselte ich schon auf meine Linie. Ich war an der Endstation und ergatterte so sogar einen Sitzplatz. Also ihr braucht mir inzwischen wirklich nichts mehr über aktives anstellen erklären. Mein Stimmungshoch verflog schon bald als ich meinen Bus sah. Endlos viele Leute und ich ahnte schon den berufsverkehrbedingten Stau. Der verlängert die Fahrt nämlich von 40 auf 75 Minuten. Aber nach derselben Taktik ergatterte ich wieder einen Platz. War ich froh. Dieses ganze Laufen ist doch ganz schön anstrengend.

Um acht war ich dann endlich zuhause. Mit der Sonne im Gesicht und Russland vor der Nase ist die Fahrt ja nicht so schlimm, aber trotzdem bin ich mal wieder verdammt froh am Zentrumsrand zu wohnen! Mit Vanja und Julia aß ich Abendbrot, noch mehr Kartoffel-Fleisch-Brei und Tee. Dann versammelten wir uns wieder zur allabendlichen Serie in meinem Zimmer. Jetzt breche ich mal zum nächsten "Chai" auf.  Euch auch noch einen schönen Abend! :)

Ferien

Dienstag, 25.03.2014

Heute habe ich mal so riiichtig Ferien gemacht. Also wie man ich das vorstellt - schlechte Filme, ungesundes Essen, den ganzen Tag nicht ausm Schlafanzug raus.

Ein wichtiger Part war natürlich schon das bis 12 ausschlafen. Zum Frühstück war alles was ich finden konnte drei Scheiben dunkles Brot und süße Milch aus der Konservenbüchse. Aber mit ´nem schwarzen Tee dazu passt das schon. Dann begann der Teil mit den schlechten Filmen und fleißig gechattet wurde natürlich auch nebenher. Dann kam das Mittagessen. "Chai" mit süßer Milch aber diesmal weißem Brot. man muss das ganze ja abwechslungsreich gestalten.

Schließlich wurde ich für anderthalb Stunden erlöst und skypte mit Mama...aber so Deutsch reden ist auch wiederum ganz schön anstrengend! Danach machte ich mich schon auf die nächste aufregende Mahlzeit gefasst aber Vanja (Kurzzeitgastbruder) war schon zu Hause und hatte Fleischs und Kartoffeln gemacht. also die Männervariante: 3/4 Kartoffeln, 1/4 Rinderfleisch, alles zu einer homogenen groben Masse verarbeitet. Aber irgendwie doch essbar. Wir unterheilten uns, bald kam auch Julia und wir setzen uns zum "Chai" zusammen. Dazu gab es eine merkwürdige Süßspeise bei der wir uns nicht einigen konnten ob sie aus den USA oder von den Tataren kommt. Es waren einfach nur relativ geschmackslose Müsliflips mit Honig zusammengepappt zu einem Berg. Aber egal, hauptsache Zucker. Sonst kriegt man den Tee echt nicht lebend runter.

Die arbeitenden unter uns gingen dann schon bald ins Bett, für mich stand der letzte geistreiche Film an. Ihr solltet wirklich alle Russland leiben, wenn nicht schon so, dann wenigstes dafür, dass es keine GEMA gibt!

Nachwuchs

Montag, 24.03.2014

Heute Morgen schon den zweiten Tag in Folge ausschlafen. Herrlich! Nach einem schnellen Frühstück stand ich schon wieder an der Halteselle. Heute ging zum Glück alles glatt mit der Marschrjutka. Und so war ich (typische Deutsche) schon zehn Minuten zu früh zur Stelle. Kurz darauf kam auch Chiara zu betreffender Station und zusammen wechselten wir die Linie und fuhren weiter auf die Nevainsel wo wir schon gestern waren.

Dort wartete am Ende der Rolltreppe schon Ruslan auf uns. Ein Kavkase (also eigentlich Russe aber eben Eingewanderter, irgendwann lernt man das Leuten an der Nasenspitze anzusehen) der diesen Sommer mit FS ein Jahr nach Italien geht. Wir spazierten in einem nahen Garten (ungefähr Größe Dresdner Großer Garten) mit Zoo, Palast, Inlineskateroute, Nevasandstrand und Blick aufs Meer. Wir spazierten eine geschlagene Stunde und als alle Fragen geklärt waren fuhren Chiara und ich auf die nächste Insel und setzten uns erst Mal in ein Café. Eigentlich wollten wir nur schnell was Essen aber an einem Sommerferienplan kann man sich auch eine Stunde lang fest beißen.

Aber da uns die Sonne durchs Fenster entgegen schien gelang es uns doch uns loszulösen und liefen in einen nahen Park wo es ein Miniaturmodell von Piter gibt. Zugegeben etwas abstrakt. Schwarze Steinplatten markieren die Flüsse/Kanäle, rote bebaute Flächen, graue den Asphalt der Straßen, lediglich die wichtigsten Sehenswürdigkeit wurden nachgebaut. Natürlich so klein, dass jeden nur ungefähr einen Quadratmeter einnimmt. Das Stadtzentrum ist ja doch ganz schön groß. (Wozu musste Piter I. auch eine 4,5km lange Hauptstraße bauen?!)

Wir liefen weiter durch verschiedene Parks und kamen schließlich bei der Piter-und-Pavel-Festung raus. An dem kleinen Sandstrand setzten wir uns auf einen alten Baumstamm und diskutierten mal wieder lebenswichtige Themen (heißt zum Beispiel wie Chiara zu einem Freund kommt). Da war es schon wieder halb sieben und wir liefen zurück zur Metro. Ich nahm den Bus nach hause und war halb acht da. Mir wurde Fischsuppe serviert, danach "Chai" mit Keksen und erneut Fisch mit gebuttertem Reis. Ich platze gleich! Dann versammelten sich Julia, Vanja und ich in meinem/Vanjas/Wohnzimmer und schauten irgend so eine russische Serie. Jetzt geht´s ab zum nächsten "Chai"...

Und weiter gehen die weltbewegenden Gespäche

Sonntag, 23.03.2014

Ausschlafen bis um zehn. Eigentlich konnte der Tag doch nur ein Volltreffer werden!  Leider ein bisschen geirrt. Halb elf saß ich an der Haltestelle. von da aus fährt ja angeblich alles zur Metro. Also setzte ich mich in den erstbesten Bus an dem auch dick und fett der Name der Metro geschrieben war. Da ich gestern von zuhause also von der anderen Seite aus gekommen war wunderte ich mich nicht, dass mir der Weg so unbekannt vorkam. Bald kamen auch die ersten Hochhäuser in Sicht und ich dachte wir hätten den Stadtrand erreicht. Ja, Stadtrand. Aber nicht von Piter. Auf einmal bogen wir dann ab und eine Minuten später war die Endhaltestelle gekommen. Mitten im Wald.

ich frage die Kontrolleurin wie man denn jetzt zur Metro kommt und sie brachte mich zu einem anderen Bus der da parkte. Dieselbe Nummer. Na toll. Dann fuhren wir also den ganzen Weg zurück, 40 Minuten für umsonst. Wenigstens wurde mir dann bestätigt, dass ich nicht an geistiger Verneblung leide, da auch dieser Bus an meiner Haltestelle hielt, also auch auf derselben Straßenseite. Fragt mich nciht warum aber so funktioniert das halt.

Mit einer knappen Stunde Verspätung war ich dann also an der Metro und fuhr zu Chiara. die wartete auf mich und er Metro auf der äußersten Nevainsel. Dort suchten wir dann ein Sportzentrum und holten Tina und Marina (die beiden AFSer aus Vyborg) von ihrem Taekwondowettkampf ab. Eine halbe Stunde später stieß in der Metro auch Jan zu uns. Wir stiegen am Ende der Hauptstraße aus und liefen zum "Djadja Fadi". Zum Glück dauert das nur 20 Minuten, denn heute hat es zum ersten Mal seit Menschengedenken (also seit 4 Monaten bestimmt!) richtig geregnet. Also saßen wir zwei Stunden da rum, aßen Falaffel, tranken Tee und labberten. Dann mussten sie leider schon zur Elektritschka.

Mit Chiara spazierten wir noch ein bisschen im kreis um die Hauptstraße und halb sieben wagten wir usn wieder die 200 Meter Rolltreppe hinunter. Nach 20 Minuten in der Metro (die enttäuscht mich nicht) wartete ich nur ein paar Minuten auf meinen Bus. Der dann ja aber eine Dreiviertelstunde fährt. Aber irgendwie find ich es echt cool so durchs "wirkliche Russland" zu fahren. Manchmal habe ich nicht wirklich das Gefühl schon 7 Monate hier zu sein...

Kaum angekommen fragte mich Vanja (Julias Bruder) schon ob wir nicht "Chai" machen wöllten. Was für eine Frage! Und wie das eben so ist wurden auch in dieser Auflage von "Chai"-und-viel-Zeit sämtliche politische Themen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besprochen und einige wichtige Entscheidungen getroffen. Hört sich vielleicht langweilig an, ist aber echt witzig. Und so redeten wir dann auch gut vier Stunde. Mal zu dritt mit Julia, mal nur Vanja und ich. Halb zwölf beschloss er dann, dass das keine "Kinderzeit" mehr ist und schickte mich und Julia ins Bett. (Er ist übrigens selber erst 21 aber das vernachlässigen wir mal.)

Ich schrieb dann noch ein bisschen mit den Leuten in Vyborg (wir brauchen echt alle dringend ein bisschen mehr AFSwooling) aber gegen eins entschloss ich mich dann auch zu schlafen.

Labertaschen unter sich

Samstag, 22.03.2014

Samstagmorgen ein letztes Mal in die Schule. War ich froh. Doppelliteratur, Biologie (Film geguckt) und Englisch. Da musste man dann glatt noch was machen. Unerhört! De letzte Stunde Geografie viel zum Glück flach. Die Lehrer wollen ja auch Ferien.

Mit Vika die bei mir im Nachbarhaus wohnt fuhr ich also heim und packte Mal mein Zeug fertig. Noch ein bisschen Gitarre spielen, noch ein letztes Mal den Kühlschrank durchstöbern und schon ging´s mit dem Rucksack auf dem Rücken und ´ner Menge Neugier im Gepäck auf die Straße. Da kam zum Glück gerade meine Marschrjutka und mit einem kurzen Sprint (nicht zum empfehlen mit 8kg aufm Rücken) konnte ich sie noch ranwinken. Kaum saß ich rief ich Julia an. Die sagte mir, ich solle an der Elektritschkastation aussteigen. ich weiß natürlich nicht wo die in Vsevolozhsk ist aber sie meinte es wäre das Ende dieser Linie. Ich fuhr also raus aus der Stadt und schon nach 20 Minuten fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Kleine Holzhäuser mit Gemüsegarten davor, ab und zu nur noch Ruinen die dann halbeingebrochen in der Gegend stehen, der Straßengraben ein einziger riesiger Müllberg und im Hintergrund immer mal wieder 25stöckige kein Jahr alte Hochhauskomplexe. Also quasi 100% Russland. Dann ging´s auf die Schnellstraße, vorbei an Monsterfriedhof und Riesengefallenendenkmal nahmen wir den Weg zu der kleinen Vorstadt. Dort rief mich dann Julia an, dass sie sich doch nicht so sicher ist, ob die Elektritschkahaltestelle auch wirklich am Ende ist. ich fragte also schnell den Fahrer. Natürlich waren wir schon vorbei. Ich setzte mich also in die Marschrjutka in die Gegenrichtung und dann hatte ich es doch endlich geschafft!

Julia fand mich gleich und wir liefen ein paar Meter durch den Wald und über die Gleise bis zu einer Straße wo ihr Vater auf uns im Auto wartete. 10 Minuten fuhren wir, bis ins "Stadtzentrum". Vor 19 Jahren haben hier Deutsche und Finnen 4stöckige Wohnblöcke und einen Supermarkt gebaut. Es gibt die einzige Bushaltestelle und inzwischen noch ein paar 20stöcker drum herum. Das war´s dann auch schon. Wir gingen in die Wohnung. Recht groß, aber ziemlich spärlich eingerichtet und die Hälfte in der Hälfte der Renovierungsprozesses. Ach ja, endlich bin ich in Russland angekommen! (Tatsächlich ist einer der Lieblingssätze meiner neuen Gastfamilie: "Du hast nicht in Russland gelebt, du hast bei Gazprom gelebt", da Ira in genannter Firma, einer der wichtigsten Russlands, oberste Buchhalterin ist und daher schon ziemlich viel verdient. Abgesehen davon ist Piter ja sowieso nicht Russland.)

Julia zeigte mir "Mein Zimmer", das ihres jüngeren Bruders was auch gleichzeitig als Stube funktioniert. Ich stellte also meinen Rucksack in eine Ecke und ging in die Küche. Sie begann kurz darauf Fisch zu machen. Es war ja schon um 3 also Zeit fürs Mittag. Während der in der Röhre war gab es "Chai" mit Kriegsnahrung. Die süße eingekochte Milch in en Konservenbüchsen war nämlich schon im zweiten Weltkrieg im Einsatz. lecker ist sie immer noch. Und zentimeterdick auf eine Scheieb Weißbrot gestrichen kann das als normales Essen durchgehen. Kaum war die Tasse leer war der Fisch fertig und mit dem Vater aßen wir. Danach natürlich gleich wieder "Chai".

Anschließend gingen wir zwei Minuten zu FUß rüber zu dem Supermarkt und noch 3 kleineren Tante-Emma-Läden wo man dieses oder jenes Produkt günstiger bekommt und Julia zeigte mir auch die Haltestelle von der aus angeblich alles zur Metro fährt. Danach wir einfach bei "Chai" in der Küche und redeten. Und redeten. Und redeten. Während Nachmittags beim Kochen das noch zögerlich in Gang kam breiteten wir jetzt schon unsere ganze Lebensgeschichte voreinander aus. Angefangen natürlich mit dem AFSkram, sie war ja vor 10 Jahren in Deutschland und bei ihnen hatten auch schon 4 Deutsche für ein Jahr gelebt.

Gegen zehn entschieden wir dann noch einen deutschen Film zu schauen, da sie wieder ein bisschen mehr Übung braucht. ich suchte "Die Welle" raus und wir fläzten uns auf Julias Bett. Halb zwölf waren wir uns dann doch einig, dass man ins Bett gehen müsste und nachdem ich meine Bettwäsche aus dem Sofakasten geklaubt hatte fiel ich erschöpft und rundum zufrieden in dem völlig überheizten Zimmer (man dreht nicht die Heizung runter sondern macht das Fenster auf aber das wollte ich nicht über Nacht) in einen laaaangen Schlaf. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal bis Mittag ausschlafen konnte!

Helferlein

Freitag, 21.03.2014

Ira hatte Marina heute schon für die Schule freigestellt, da die Noten eh durch sind. Sie fragte auch mich, aber ich bin ja ganz brav und quälte mich im Bus hin. Dann saß ich zwei Stunden "Obschestvoznanie" ab. Ich überlegte mir ernsthaft was aufzuschreiben aber als die Lehrerin dann anfing Bäume bzw. Fischskelette zu zeichnen wo wir Begriffe eintragen sollten entschied ich dann doch, dass es sinnvoller ist mein Buch zu lesen.

Danach hatten wir "O Be Sche", in der ersten Hälfte schauten wir einen Film über Rauchen und Werbung dafür. Sogar Polina neben mir, die Klassenbeste und sonst immer aufmerksam, legte den Kopf auf die Bank. In der zweiten Hälfte war dann ein Werbefilm über ein Sommerlager des Jugendhauses bei mir um die Ecke dran. Zwei Wochen für 60 Euro mit Kanu fahren, Kalaschnikovschießen und Liederwährend des im-Wald-Wanderns singen im vermüllten Wald. Klingt doch verlockend!

Schließlich konnte ich auch schon nach hause fahren und machte mich gegen drei wieder auf den Weg ins Zentrum. Ich stieg an der Hauptkathedrale aus und ging in die katholische Kirche die praktisch gegenüber liegt. Hier fand ich Chiara in dem Nebenzimmer vor dem Marienbild kniend. als ich kam war sie auch schon fertig (langsam glaube ich, wir teilen uns ein Hirn, zum mindest einen Teil davon) und wir gingen. Schon erstaunlich, dass mir beim reingehen schon dieser Tuch-über-den-Kopf-zieh-Reflex kam. Vor der Kirche, gleich auf der Treppe wurde die Begrüßungsumarmung samt ziemlich lauter Lachsalve nachgeholt. Die Leute dürften sich auch ihren Teil gedacht haben.

Zusammen liefen wir die paar Meter zum "Djadja Fadi". Hier war nur Fadi und so redeten wir ein bisschen mit ihm bis Kirill kam. Wir fingen mit der Stunde an (Zukunft und Vergangenheit bzw. wie sich die Verben da ändern) und kurz darauf kam auch noch eine andere "Schülerin. Noch eine Lijena. Aber wir konnten uns auf "dt. Lijena" und "russ. Lijena" einigen, da gab es keine Verwirrungen. Chiara muss ja jetzt immer schon früh los, so schloss ich gleich noch eine Deutschstunde an. und tatsächlich, Lijena erkannte, dass Deutsch doch viel schöne rund einfacher ist als Italienisch! Endlich! Sie musste dann leider bald gehen aber Fadi gesellte sich zu uns und wir hatten ein ziemlich interessantes Gespräch über Politik. Er wohnte in Damaskus, Syrien und hat so seine ganz eigene, sehr positive Sich auf die Welt. Aber in vielen Punkten musste ich da schon zustimmen.

Dann gingen wir halb sieben auch und ließen Fadi mit einer Horde neu eingetroffener Kleinkinder allein. Nach einem verzweifelten Blickwechsel und ermutigender Umarmung natürlich. Kirill wartete mit mir an der Haltestelle (Russen sind ja allgemein Gentlemänner) und ich war um acht über die Nevabrücke die das Ende des Stadtzentrum markiert, also ungefähr noch 5 Stationen von zuhause. Da sah ich an der Straßenseite etwas Buntes aufblitzen und sprang an der nächsten Haltestelle aus dem Bus. Heute war der ganze Schnee mysteriöserweise verschwunden ohne auch nur ein bisshcen Schlamm zu hinterlassen! Und bei +10°C und frischem Wind vom Meer her spazierte ich los. Zuerst verschlug es mih in einen altbekannten Hinterhof und ich gaffte mal wieder das Wandbild von Paris an was da vier Stockwerke hoch an zwei Häuserwänden prangt. Danach überquerte ich die Schnellstraße - Alter fühlt man sich cool, wenn alle Autos von 100km/h auf null bremsen und für dich stehen bleiben, nur damit du die 8 Spuren überqueren kannst - und spazierte an der Neva entlang. In Sachen merkwürdigem Wetter muss ich auch gleich erstmal noch was beschreiben. Stellt euch vor, ihr steht auf einer Steintreppe, vor auch schwappt die Neva über die untersten Stufen, links von auch wo die Strömung von der Treppe gebremst werden treiben ein Haufen Eisschollen, auf der anderen Seite steht eine Kathedrale, ein großer Turm in der Mitte, vier and er Seite deren goldene Kuppeln sich in den rosa-orangen Abendhimmel erheben. Der ist von grauen Wolken überzogen die so schnell ziehen, dass sie oft aufreißen und dahinter ein strahlend blauer sonniger Himmel zum Vorschein kommt. Wahnsinnsanblick!

Nachdem ich mit gaffen fertig war lief ich also neben der Neva heim. Die dicken Eisschollen waren hier zu einer Fläche zusammengeschoben (ich wohne ja an der Außenseite des Flussbogens) und man hätte super Schiffe-versenken oder so was spielen können. Denn auf jedem Quadratmeter lag ein Kanister, eine leere Flasche, eine Zaunlatte, Bauschutt, Gartenabfall, eine Tüte, Getränkedose, ein alter Schuh, eine Deoflasche oder sonstiger Müll. Ach liebe ich die russische Mentalität manchmal...(Also in Sachen Naturschutz sind die nicht nur 100 Jahre hinterher, das kommt nicht mal im russischen Wortschatz vor.)

Um neun war ich schließlich zuhause, zwar müde aber tiefenentspannt. Die Wirkung eines einstündigen Spaziergangs ist halt doch nicht zu verachten. Ira wuselte schon durch die Wohnung und packte Skier, Helme und Klamotten zusammen, ich widmete mich meinem eigenen Krempelberg. Und einer Tasse schwarzen Tee natürlich. dann half ich noch Ira beim packen, half den Leuten aus Vyborg bei ihrer Lebensplanung und half Chiara bei den Problemen zuhause und Julia (meine Volunteer bei der ich die nächste Woche wohnen werde) bei ihren Organisationsproblemen. Na toll, ich habe euch ja alle lieb, aber wer hilft mir? Mal wieder ohne Worte.

Mein einziges Hobby - Packen

Donnerstag, 20.03.2014

An einem wunderschönen Donnerstagmorgen betrachtete ich den letzten Hauch rosa Morgendämmerung am Himmel über den Plattenbauten der gerade von einem leichten, langsamen Schneefall abgelöst wurde während die Jungs die neben mir im Gang standen irgendeinen blutigen Actionfilm schauten. Die Geräuschkulisse reichte aus um das zu erraten. Also setzte ich mich zu einer Mitschülerin und las weiter mein eigenes blutiges Geschehen während wir die erste Freistunde abwarteten.

Danach ließ ich Mathe an mir vorbeirieseln. Die Chemielehrerin war krank oder schon im Urlaub. ich tippe auf Zweiteres. Also hatten wir als Ersatz Doppelrussisch. Die erste Stunde schrieb ich mit, auch weil die Lehrerin wieder den Aserbaidschaner neben mich gesetzt hat und da fühl´ ich mich nicht so allein mit meinem Unverständnis für dese ganze Grammatiktheorie. Heute haben wir Adjektive die sich durch verschiedene Vor-  und Nachsilben sowie Zusatzwörter steigern lassen in Gruppen eingeteilt. Aaaaaaha! So viel dazu.

In der zweiten Stunde war wieder Examenvorbereitung und während meine Mitschüler sich ihren Aufgabenbüchern zuwandten hatte ich mein eigenes, spannenderes Buch vor der Nase. Danach noch einmal Mathe und der Schultag war auch schon vorbei.

Zuhause wurde ich von unseren zwei guten Koch- und Putzfeen empfangen und ließ es mir erst mal gut gehen. Der einzige Fehler war den Hinweis der Köchin zu befolgen ich sollte das Wasser aus dem Topf nehmen was sie gerade gekocht hat statt selber welches im Wasserkocher warm zu machen. Nur kam das im Topf aus der Leitung. Mein Tee hatte einen recht seltsamen Beigeschmack aber darüber will ich lieber nicht zu genau nachdenken.

Danach versackte ich zwischen Internet und dreitausendfünfhundertzweiundachtzig Zetteln zur Planung meines weiteren Lebens. Also erst mal was davon in RUssland noch übrig ist, aber das reicht schon. Es sind heute übrigens nur noch 100 Tage. :´´(

Abends zog ich dann noch mal mit Katja los. im Bus besprachen wir ihre Deutschaufgaben und ich erklärte mal wieder ziemlich lustig anschaulich-schauspielerisch meine Sprache. Also zum Bsp. Sachen wie: "Was ist der Unterschied zwischen "schwierige Arbeit" und "anstrengende Arbeit"?", "Wann benutzt man "gemeinsam", wann "zusammen"?", „Und wann “nicht wahr“?“ oder "Warum muss man bei "Wir helfen uns gegenseitig." und "Sie interessiert sich für den Unterricht." immer noch ein Pronomen benutzen?" sind gar nicht so leicht verständlich zu machen. Vor allen Dingen, wenn in der Muttersprache meines Opfers alle diese Phänomene nicht auftreten. Ach ja, ein anderer AFSer gibt jetzt Deutschunterricht für 10Euro sie Stunde, vielleicht solle ich das auch mal einführen.

Wieder zuhause nahm ich mir neben den allgegenwärtigen mehr oder weniger wichtigen Skypekonversationen meine (zum Glück!) vorbereitete Packliste und begann durch die Wohnung zu wuseln um Klamotten für eine Woche zusammenzusuchen. Klamotten meint in diesem Fall was "ganz normales", nicht dresscodemäßiges. Das ist echt schwer! Aber in einem Anfall von Geistesgegenwart hatte ich gestern noch einen Riesenberg in die Wäschetruhe gehauen bevor die Putzfrau ihren einzigen wöchentlichen Waschgang gestartet hat. Puh, noch mal Glück gehabt! So schlug ich mich mit den kleinen lästigen Problemen rum die da immer so auftauchen und war am Ende doch froh, das ich einen rech großen Rucksack habe, der trotz Winterklamotten und Laptop noch nicht platzt. Langsam bekomme ich echt Übung in deisem spontan-und-schnell-Packwahnsinn. Mitternacht fiel ich dann endlich recht zufrieden in mein bett. Und wenn es mir gelingt den Gedanken an meine bevorstehenden missglückten Ferien zu verdrängen kann ich sogar recht schnell einschlafen.

Ermitage, aber mal so richtig anders

Mittwoch, 19.03.2014

 

Nach Doppelphysik war mein Schultag heute auch schon vorbei. Zuhause erst mal Frühstück. "Chai".

Danach räumte ich fertig auf, spielte mal wieder ´ne Stunde Gitarre (wenn es die Nachbarn schon mal nicht stört) und versumpfte ein bisschen im Internet. Wisst ihr, wie cool es sich in einem Land ohne GEMA lebt? Verdammt cool...

Dann wollte ich gerade Mittag essen gehen und aufbrechen, es war halb zwei und Chiara hätte theoretisch 14:35 Schulschluss, da lass ich eine SMS von Derselbigen. Sie hatte schon 13:30 Schluss. Na super! Hetze ich also zur Bushaltestelle.

Und sitze dort 15 Minuten in der Sonne. Wartend. Dann kamen gleich zwei Busse direkt hintereinander. Nützt mir jetzt auch nix mehr. 7 Haltestellen hinter meinem Haus, als ich gerade auf der Brücke stand die den Anfang des Zentrums markiert rief Chiara an. Die Arme lief jetzt alleine zu Hauptkathedrale wo wir uns schließlich trafen. Und beschlossen erst mal was Essen zu gehen. Mit wunderschönem Blick auf die Kathedrale setzten wir uns in eines unserer Lieblingscafés und aßen jeweils "Kuchen" mit Weißkraut bzw. Apfel-Kürbisfüllung. Verdammt lecker! Ein schwarzer Tee ist natürlich auch noch abgefallen und ein Gespräch über Krim und verrückte AFSer mit noch verrückteren Eltern. Besser könnte es kaum sein, beachtete man auch noch den strahlend blauen Himmel, Sonnenschein und glitzernden Schnee. (Jetzt wo ich das so schreibe ist es übrigens um 9 und immer noch hell. Schneereflektion + nördliche Breite * Ende März = Helligkeit bis zum Umfallen)

Halb vier rafften wir uns aber doch auf und gingen die paar hundert Meter zur Ermitage. (Ach so, russischer Maßstab: ein paar hundert Meter = 2km) Dort bekamen wir wieder unsere kostenlosen Schülerkarten und liefen nach der Garderobe (schon cool, dass es die hier in allen öffentlichen Gebäuden einschließlich Shoppingcenter kostenlos gibt) erst mal recht planlos los. Wir schnappten uns einen der Grundrisse und bekamen von der Kontrolleurin: "Gut gemacht, dass ihr einen russischen nehmt, aber wir haben auch noch ganz viel anderssprachige!" zu hören. Hört man etwas so deutlich den Akzent?!

Wir beschlossen uns für den Flügel mit dem italienischen Teil und dem deutschen Korridor. Also das waren dann ungefähr 25 Räume gegen 5. Wenn wir Deutschen auch sonst immer ganze vorn mit dabei sind, in die Ermitage schaffen wir´s eben doch nicht.

Wir liefen also erst gezwungenermaßen durch den holländischen Part, dann kam der deutsche Korridor. Wirklich ernüchternd. Ich habe vielleicht das Allgemeinwissen eines Wüstenfuchses aber ich konnte dort beim besten Willen kein Bild oder Künstler erkennen der mir auch nur im entferntesten bekannt vorkam. Danach betra

ten wir den italienischen Teil. Hier gab es wie gesagt ein paar mehr Räume. Wie fängt man das jetzt an. Chiara die gerade den Plan in der Hand hatte machte einen ziemlich umständlichen Plan der drei Mal im Kreis laufen erfordert hätte. Ich nahm ihr den also aus der Hand und in drei Sätzen war ein Rundgang ohne Umwege geschaffen. Ach ja, manchmal kommt eben doch noch dieses deutsche und italienische durch. Abends schickte mir Chiara dann noch das hier...

Is´ was dran? Und wie!

Nach den ganzen Gemälden kamen wir in eine Skulpturenhalle. Wie schon der ganze italiensche Teil war der seltsam untypisch für die Ermitage. Viel zu bunt, viel zu wenig Gold, viel zu viel glatte Steinflächen. Da haben die doch tatsächlich vor 300 Jahren versucht Italien nachzumachen! Das Beste an diesem Saal war aber der Sockel der 2. Skulptur. Auf dem sollten eigentlich "Amor und Psyche" stehen, eine von Chiaras Lieblingsskulpturen. Die war aber zur Zeit in Mailand zu einer Ausstellung. Ironie des Schicksals. Chiaras Gesichtsausdruck nach wäre sie gern in Tränen ausgebrochen oder hätte zum mindest mal mit dem Fuß aufgestampft und ordentlich geflucht. Aber was soll´s, gab noch genug andere Mamorblöcke in Form griechischer Gottheiten und Halbgottheiten gehauen und zusammen fachsimpelten wir und versuchten die Geschichten von Kain, Amor und Psyche, Dionysos u. ä zusammen zu setzten. Danach waren wir noch in einem Saal ganz aus weiß und Gold, mit zahlreichen Kronleuchtern und Wasserfällen und einer Uhr in der Mitte die ihres gleichen sucht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pfauenuhr

Die Pfauenuhr vollführt zur vollen Stunde eine Art Tanz. Die Pfauenfedern öffnen sch, kleine Vögel drum herum flattern und erheben sich. Alles aus gold und unfassbar filigran. leider wird das heue nur noch ein Mal die Woche gemacht aber ich bin fest entschlossen mir das anzuschauen. Das Video war schon schwer beeindruckend.

Nach zwei Stunden waren wir schließlich durch. Ein weiterer Teil der Ermitage abgehakt! Nicht, das wir nicht jeden Tag die letzten drei Monate dahin gehen könnte uns trotzdem noch nicht alles gesehen hätten. Aber für heute fuhr ich nur schnell mit dem Bus heim, aß mit Ira, wir machten "Chai" und redeten mal wieder ausführlich.

Muss das sein?

Mittwoch, 19.03.2014

Dienstag war ich schon den zweiten Tag ganze sechs Stunden in der Schule. Unglaublich oder? ;)

Genau genommen waren das drei Mal Geometrie, Physik und Doppelenglisch. In der vorletzten Stunde diskutierten wir weiter über Essen, Diäten und Gesundheit. Dazu teilte uns die Lehrerin zu Beginn der Stunde weiße A4-Blätter (Wisst ihr, wie lang ich schon kein A4 mehr vor mir hatte?! Man war das ungewohnt.) aus und machte Musik an. Bis de Musik verstummte durften wir 3 Minuten ein Bild darüber malen was für uns Gesundheit bedeutet. Ich musste mir nur ein Lachen verkneifen, denn mir ging dieses psychiaterisches Getue von mir und meiner Schwester von wegen: "Malen sie ein Bild, dass ihre Seele widerspiegelt" denken.

Irgendwann brachte ich dann aber doch noch was zustande. Während z. B. Jana die neben mir saß (ganz klischeehaft) eine Olympiasportler auf der Tribüne malte oder ein anderer Mitschüler wie er im Sommer auf der Datscha badet, durch den Wald rennt und unter der grinsenden Sonne Obst ist schuf meine Kreativität eine Apfelplantage plus Sonne, Wolken, Wiese und picknickenden Leuten. Es sah natürlich grauenhaft aus. Dann sollten wir die Bilder interpretieren bzw. Fragen wie: "Sind das da Vögel im Himmel?" oder "Ist das im Wald oder steht da wirklich nur ein Baum?" stellen. Versteht wenigstens ihr mich wenn ich sage, dass ich mich langweilte?

In der sechsten Stunde wurde es nicht besser, denn wir besprachen wie man Wünsche formuliert. Da war es mit meiner Geduld zu Ende und ich las nebenbei wenn ich schon mit den Aufgaben fertig war. Aber nicht mal das kann man in Ruhe! Die Lehrerin bat mich aufzuhören, da ich ja sonst nichts mehr verstehen würde. Ihr jetzt zu erklären, dass ich das schon seit ungefähr einem halben Jahrzehnt kann und es nicht meine Schuld ist, dass meine Mitschüler zu schlechtes Englisch gelernt haben und ihnen die Grundlagen fehlen diesen ganzen Grammatikkrempel zu verstehen konnte ich ja auch nicht bringen. Also sagte ich Ja und Amen, tausche einen leidgeprüften Blick mit Jana und las weiter. Bis Jana mir meinen Reader weg nahm und anfing vorzulesen. Wir hatten gleich die Aufmerksamkeit des Jungen vor uns und ich hatte meinen Spaß als sie mit einem schrecklichen amerikanisch-russischem Akzent las. Sachen wie "ch" oder "ä" und "ö" sprach sie natürlich falsch aus, aber im Großen und Ganzen war´s verständlich. Aber das beste war der Wortwechsel danach - der Junge fragte, ob sie was verstanden hätte,

Jana: "Nein. Ich habe zwar mal ein Jahr Deutsch gelernt..."

Ich: "Molodez!"

Jana:" ...aber mir hat es nicht gefallen also habe ich aufgehört."

Ich: "Hä, wie nicht gefallen? Das ist doch die schönste Sprache der Welt!"

Und dann brachen wir drei in gedämpftes Gelächter aus was von der Lehrerin mit einem prüfenden Blick quittiert wurde. So lassen sich sogar 80 Minuten englische Hölle überstehen.

Dann fuhr ich heim und nach dem Mittagessen widmete ich mich meinem Zimmer. Ich werde nächste Woche gezwungenermaßen mal kurz ausquartiert, da muss man so viel Zeug packen und sogar ich sah ein, dass hier mal klar Schiff gemacht werden musste. Also manchmal vermisse ich doch mein kleines Zimmerchen in Deutschland. Da kann gar nicht so viel rum liegen! Aber wisst ihr, was die schlimmste Erkenntnis war: "Wie zur Hölle bekomme ich das alles in eine Reisetasche?!". Na das wird spannend...

zwischen Weihrauchnebel, Fritösenduft und Kinderspielen

Montag, 17.03.2014

Am Montag saß ich ganz brav Doppelmathe sowie Literatur und Russisch ab. Meine Mitschüler bereiteten sich auf ihr Examen vor, also hatte ich nix zu tun. Dann hockte ich noch unauffällig in Geschichte und schließlich setzte ich mich in einen Trolleybus Richtung Stadtzentrum. Ich lief von der Haltestelle auf Nevskiy zu Chiaras Schule. Aber in strahlendem Sonnenschein durch verschneite Parks war das alles andere als schlimm.

Schließlich war ich 5 Minuten nach Stundenende an Chiaras Schule. Und wartete eine halbe Stunde. Dann wurde ich, wie ich so lesend und Musik hörend an das Geländer neben dem Kanal gelümmelt in der Sonne stand von Natascha und kurz darauf Chiara angesprungen. Wir liefen zur Haltestelle, gaben Natascha ab und machten uns auf den Weg zu einer Kathedrale in der Nähe. Ein wunderschönes blaues Exemplar mit weißen Säulen und 5 goldenen Kuppeln. Ganz im orthodoxen Stil erinnerte das Bauwerk eher an einen Palast als eine Kirche, besonders mit dem parkähnlichen Garten davor.

Auch drinnen ging es so weiter. Hier war alles hellgrün und weiß abgesehen von den Ikonenmalereinen und goldenen Kerzenhaltern überall im Raum verteilt. Leider war der Innenraum zweistöckig, also kein typisches hohes Gewölbe. Wir verließen die Kirche auch bald, traten in den wunderschönen Sonnenschein der durch den vereisten Boden und die verschneiten Wiesen noch hundert Mal reflektiert wurde und zogen dankbar unsere Schals vom Kopf. Die müssen wir Frauen ja wegen der göttlichen Strahlung und unserer dünnen Schädeldecke in russischen Kirchen tragen. Und wenn ich mich schon nicht bekreuzige und verneige (wie Chiara), dass mache ich dann doch mit.

Wir spazierten ein bisschen weiter, wieder mal eine Ecke der Stadt wo wir kaum gewesen waren. Irgendwo zwischen "Marinskiy teatr" und dem Hafen sahen wir dann noch eine kleine Kirche. Orthodox natürlich. Und es war mal wieder ein Sinnbild für Piter wie sie da so ohne großes tam-tam direkt Wand an Wand mit einem Wohnhaus zwischen zwei Kanälen an einer Brücke stand, natürlich in dem allgegenwärtigen Mix aus weiß, hellgelb und gold gehalten. Auch hier schlurften wir kurz rein, der Kirchensaal war aber zum Großteil von einem Verkaufsraum eingenommen, nur direkt hinter der Eingangstür stand die Ikone der Kirche und auch sonst war nicht viel spirituelles übrig.

Also liefen wir bald weiter, entlang an verrotteten Häusern und verfallenen Prunkfassaden. Ein Jammer. Als unsere Lieblings Billigkantine nahe "Marinskiy teatr" in Sicht kam beendete Chiara gerade mit einem verschmitzten ihre Erzählung über das Skypen mit ihrer Mutter (lest das Mal laut – wunderschöne Sprache oder?): "Ona menja sprosila esli u menja est parenj, i ja zkasal, moij paren - jeto Lijena." Verstehst nur Bahnhof? Schon klar. ;) Bedeutet auch nur, dass ihre Mutter sie gefragt hatte ob sie einen Freund hat hier und sie meinte, dass "Lijena", also ich ihr Freund bin. Na das bringt die Sache mal auf den Punkt. Ihre Mamma war dann leicht geschockt aber so viel zeit wie wir miteinander verbringen ist das fast glaubwürdig. Ich hatte jedenfalls die letzten Meter Mühe mich auf den Beinen zu halten und nicht an meinem Lachkrampf zu ersticken oder mit lachtränengetrübtem Blick in einen Kanal zu fallen (stehen ja genügen zur Wahl).

Dann saßen wir noch zwei Stunden in besagtem Café und redeten über...ba-ba-ba-baaam...Politik! Ja, wirklich! Darüber in welchem land es normal ist Steuern zu hinterzeihen und wie das denn geht. Darüber, dass Eine von uns gerne verstehen würde, wie es ist, nicht im (so ziemlich) besten/best funktionierendsten Land der Erde geboren zu sein, während die Andere in einem land nimmt, dass niemand so wirklich ernst oder gefährlich nimmt oder auch darüber, dass manche Länder ihren Strom nur kaufen, die anderen sich dafür mit Atomkraftwerken rumschlagen müssen. Wer jetzt jeweils zu welchem Land gehört brauch ich ja glaube ich nicht sagen. Aber diese ganze Denkarbeit endete zum Glück bald. Für mich allerdings nicht so angenehm. Denn ich hatte mir vorhin ein Stück Rhabarberkuchen gekauft und wollte das jetzt mit meinem heißen Tee in mich reinspachteln (man muss sich ja dem Essstil der russischen Sitznachbarn anpassen) als ich nach dem ersten Bissen noch mal ins Gesicht geworfen bekam, dass ich eben in RUSSLAND bin. Rhabarber? Hätte mir doch gleich verdächtig vorkommen müssen! Und so stellte sich der Rhabarber auch als einer der hier beliebten etwas grünlichen Sorten Rote Beet heraus, der "Teig" als Reibekartoffeln und das, was ich für Sahnecremé oder so gehalten hatte war "Smetana" unsere geliebte saure Sahne. Tja, man lernt halt nie aus. Und Chiara hatte zum mindest was zu Lachen über mein verdattertes Gesicht bevor ich bald mit einstimmte. :D

Gegen sechs liefen wir zur Metro, Chiara wartete mit mir auf meinen Bus und bald war ich zuhause. Nach einem endlich mal wieder halbwegs deutschen Abendbrot (Schweinefleisch mit Kartoffeln, Käse und Weißkraut überbacken) was ich auch gleich mit Gabel und Messer (höchst ungewöhnlich!) vertilgen musste. Kurz darauf ging´s schon wieder rüber zu Nastya. Der Kuchen den wir gestern angefangen hatten war fertig und bei Weintraubentee und Kirschkuchen ließ sich ganz gut sitzen. Dann brachte sie mir noch zwei Brettspiele bei, beide werden mit Damesteinen gespielt, sind aber für kleine Kinder, die die komplexen Regeln dieses Spiels eben noch nicht verstehen. Also perfekt geeignet um das einer leicht sprachbehinderten Austauschschülerin zu erklären!

Nach zwei Stunden ging ich wieder heim und ziemlich zufrieden mit der Welt und mir recht bald ins Bett.

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